Außer Kontrolle: Europa zerbricht an seinen Ungleichgewichten

(MICHAEL HÖRL)  Zu den gewaltigen Wanderbewegungen gesellen sich immer extremere Verwerfungen auf den Güter-, Finanz- und Arbeitsmärkten. Entschärft man das Bermudadreieck des europäischen Niedergangs – Euro, Geldflut, offene Grenzen – nicht schleunigst, zerreißt es die Union. Deutschlands ehemaligem Außenminister, Joschka Fischer (von den Grünen), schreibt man folgendes Zitat zu[1]: „Deutschland ist ein Problem, weil die Deutschen fleißiger, disziplinierter und begabter als der Rest Europas sind“. Dies würde immer wieder zu Ungleichgewichten führen, welche man nur ausgleichen könne, indem man „permanent so viel Geld wie nur möglich aus Deutschland herausleite, zur Not auch durch Verschwendung“.

„Made in Germany“ rocks Europe

Wenn man ehrlich ist, war dies schon immer der ökonomische Leitgedanke zur Finanzierung Europas. Was nicht weiter schlimm war, bauten die Germanen auf diese Art doch jenen Kontinent wieder auf, den sie zuvor in Schutt und Asche gelegt hatten.

Und so schlossen sich anfangs („EG“) eine Handvoll ehemaliger Kriegsgegner zusammen, und ließen sich von Deutschland den Wiederaufbau finanzieren. So wurden aus ehemaligen Kriegsgegnern Freunde – und Wirtschaftspartner. Denn oft fanden sich die geschenkten DM-Scheine bald wieder in den Bilanzen deutscher Exporteure.

Dann aber kamen mit der EU aber Euro und EU-Osterweiterung. Und plötzlich lag Produkten „Made in Germany“ ganz Europa zollfrei vor den Füßen. Was die (durch den Euro) vergleichbaren Güter „Made in France“, Italy“ und „Spain“ jetzt alt aussehen ließ.

Güter- und Arbeitsmärkte kippen

Die Folge? In besagten Ländern brachen die Umsätze unzähliger Firmen drastisch ein. Alleine Italien musste einen Rückgang seines Weltanteils bei Exporten von 3 auf 2% verkraften. Wie in Spanien, Frankreich oder Portugal hatte auch den Italienern die „nordische Konsequenz“ gefehlt, Arbeitsmärkte mutig an moderne Zeiten anzupassen (Stichwort „Hartz IV“).

So schnürten Millionen West-, Süd- und Osteuropäer ihr Säckchen und wanderten in das gelobte Land am Rhein aus. Dort generieren die Talente immer neue Produktionsrekorde, während die Ökonomien ihrer Heimatländer „vor-sich-hin-welkt“.

Hier werden die Arbeitslosen weniger – dort nehmen sie zu.

Schuldenberge kippen

Die Verdrängung ihrer mittelmäßigen Produkte durch die nordische Konkurrenz ließ die Regierungen von „Griechenland und Co.“ der Idee verfallen, dies durch Schuldenaufnahmen ausgleichen. Bis diese zur Finanzkrise von 2007 – die hierzulande eine Schuldenkrise war – lautstark kollabierten. Aber statt die Zeichen deuten und Strukturen zu verändern, verfiel der „Italiener-Block“ in der Europäischen Zentralbank auf die nächste Schnapsidee: Das Drucken unfassbarer Mengen an Geld und dem Kauf von Staatsschulden auf Pump durch die EZB.

Tickenden Bombe: Geldmenge

Die Folge: Die Euro-Geldmenge hat ein historisch unfassbares Ausmaß erreicht, ohne Wachstum zu erzeugen. Und die Schuldenlasten von „Frankreich, Griechenland und Co“ wachsen munter weiter – ohne Arbeitslose von der Straße zu kriegen. Und über allem wachsen die Schatten immer größer und grässlicher werdender Geldmonster.

Länder wie Deutschland oder Schweden können ihre Schuldenlasten hingegen reduzieren. Läuft alles gut, schrumpft der Schulden-Berg „Germanys“ 2016 zum Schulden-Hügel. Von einst 80,5% (2010) auf nur noch 68,3%[2]. Ohne Zuwanderung wären sogar Steuersenkungen möglich gewesen.

Problem Binnenwanderung

Der Aufruf der deutschen Bundesregierung an Millionen Muslime zur Besiedelung der nur spärlich bewohnten Einöden zwischen Rhein und Oder ist ein deutsches Phänomen. Aber noch radikaler verändert derweilen jene osteuropäische Wanderungswelle die Landkarte, die sich ab dem 1.1.2014 auf den Weg gen Westen machte. Lange hatten Regierungs-Studien geleugnet, Rumänen oder Ungarn würden sich mit dem Fall der Reisebeschränkungen etwa ins unbekannte Österreich wagen. „Irrtum“ – alleine 50.000 Rumänen und Ungarn arbeiten heute hier, weitere 7.500 sind ohne Job[3].

In den Schulen Wiens kommt jeder Zweite aus dem Ausland[4]. Zählt man eingebürgerte Zuwanderer dazu, stammen drei Viertel der aktuellen Wiener Generation aus einem anderen Kulturraum.

 

Osteuropa stockt

Die Aufstiegsstory Osteuropa gerät derweilen ins Stocken. Bis vor kurzem klagten die Ungarn noch über eine stagnierende Wirtschaft bei hoher Arbeitslosigkeit – nun hat es bloß zwei Jahre der Grenzöffnung gebraucht, um selbst in Regionen wie dem Balaton einen veritablen Arbeitskräftemangel zu erzeugen[5].

Ungarns Bosse verzweifeln am Fehlen engagierter Fachkräfte. Denn mit 400-Euro-Löhnen sind die wenigen Gutausgebildeten in Ungarn nicht zu halten. So verkümmern hoffnungsfrohe Kleinbetrieben in den Ebenen Ungarns, Rumäniens und Polens.

 

Deal „Geld gegen Sicherheit“

Die Amerikaner leben im europäischen Gegenmodell. Ihre „NAFTA“ (North Atlantic Free Trade Ass.“) lässt zwischen Kanada, den USA und Mexiko nur Waren, Gelder und Touristen zirkulieren – nicht aber Arbeitskräfte. Doch das widerläuft dem Traum jener Euro-Visionäre, die vom mächtigen, europäischen Superstaat träumen – frei nach dem Motto „ein Land, eine Währung, ein Bürger“.

Wie wäre es mit einem Mittelweg? Der Euro würde auf eine kulturell ähnliche Kernzone beschränkt werden, die Euroschwemme würde (wie früher bei der Bundesbank) strikt an die Gütermenge gekoppelt werden. Und die Personenfreizügigkeit würde zur freiwilligen Sache eines jeden Landes werden. Zumindest solange, bis das Lebensniveau der brustschwachen Peripherie jener Mittel- und Nordeuropas ähnelt.

 

Ganz nach dem Motto „Geld gegen Grenzen“. Also weiter „Milliarden weg aus Deutschland“ – aber im Tausch gegen Stabilität und sichere Grenzen.

25 Jahre sollten reichen. Als Gegenleistung erhielte man dafür die Sicherheit, auch in 25 Jahren noch in einem friedlichen Europa leben zu können.  (Michael Hörl: In „Deutschland lügt sich links“ („und Österreich lügt mit“), erklärt der Salzburger Wirtschaftspublizist, warum  Europas Eliten ihre Bürger in Schulen, Unis, NGOs und Medien nach marxistischem Gleichheitsbegriff umerziehen wollen – und wie sie die Bürger darum täglich in der Presse anlügen. Das Buches setzt sich mit intensiv mit Österreich auseinander.

„Deutschland lügt sich links“ ist bei Lichtschlag erschienen und hat 452 Seiten.

[1] Auf einer USA-Reise 2008

[2] „Monatsbericht 6/2015 – Tabelle 16, „Bundesministerium für Finanzen“

[3] Studie 2013 von IHS und WIIW, In: „Arbeitsmarkt: Österreich leidet unter der Zuwanderung aus Osteuropa“, www.profil.at, 20.2.2016

[4] Eingebürgerte Zuwanderer nicht enthalten

[5] „Verantwortung für den Balaton“, Balaton Zeitung, August 2016, S.3

7 comments

  1. Reini

    In Europa konnte noch keiner ein Großreich halten,… kein Napoleon, Caesar, Habsburger, Hitler,… warum sollte es jetzt die EU schaffen?

  2. sokrates9

    Ungleichgewichte kann man nicht durch Nichtstun-genannt Kommunismus / Sozialismus / EU theoretisch ausgleichen, sondern nur indem man Grenzen aufbaut und auf einer Balkenwaage Material von links nach Rechts verschiebt!

  3. mariuslupus

    Gute Beschreibung der desolaten Situation. Aber warum, diese fast schon gewohneitsmässige sprachliche Schlamperei, Europa ist nicht die EU.
    Sollte es die EU zerreisen, umso früher, umso besser, aber es wird nicht der Untergang Europas sein, sondern nur einige Bonzen in Brüssel, wie Jean-Claude möchtegern Charlemagne, oder sein Kollege Buchhändler, werden sich nach anderer Arbeit umsehen müssen. Vielleich werden sie dann ihre Schulabschlüsse nachholen können, Tusk kann sein burn-out in Zakopane kurieren. Ein wunderbare Perspektive, eine win-win Situation für alle.

  4. sokrates9

    Fragolin@ Perfekte Analyse die intellektuelle Mentalität der Frau! Verschärfend sei darauf hingewiesen, dass an den Schaltstellen der Macht Medien / Justiz immer mehr Frauen sitzen, deren subtiles Wirken nicht so auffällt wie in der Politik!

  5. Sven Lagler

    „Die Amerikaner leben im europäischen Gegenmodell. Ihre „NAFTA“ (North Atlantic Free Trade Ass.“) lässt zwischen Kanada, den USA und Mexiko nur Waren, Gelder und Touristen zirkulieren – nicht aber Arbeitskräfte.“

    Was ist mit den Dienstleistungen, werden diese als ein Teil der Waren verstanden ?

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