Austerity halt ….

Von | 17. März 2013

Spaniens Schulden haben Ende 2012 einen Rekordwert erreicht: Die Verbindlichkeiten des krisengeplagten Euro-Staates summierten sich auf 884 Milliarden Euro. Das entspricht 84,1 Prozent des Wirtschaftsleistung Spaniens, wie die Zentralbank des Landes mitteilte, berichtet der “Spiegel” – So sieht eine wirklich brutale Austerity-Politik also aus. Menschenverachtend das.

19 Gedanken zu „Austerity halt ….

  1. Tom Pinger

    Frage zur deutschen Sprache:
    Habe ich etwas verschlafen? Seit wann ist das umgangssprachliche “halt” (so wie es Ortner auch im Titel dieses Beitrags meint) ein Wort, das auch in geschriebenen Texten verwendet wird? Liest man in letzter Zeit immer häufiger aber irgendwie “stolpere” ich beim Lesen nach wie vor darüber.

  2. Christian Peter

    Nicht menschenverachtend, aber auch nicht Erfolg versprechend. Undifferen-
    zierte Austerität führt nicht zu steigender Schuldentragfähigkeit, denn Ein –
    kommen, Konsum, Investitionen und Wertschöpfung schrumpfen Hand in
    Hand, was die volkswirtschaftlichen Schäden weiter maximiert.

    Die aktuellen Industrieproduktionsdaten der PIGS (Jänner 2013 im Verhält-
    nis zum Vormonat) :

    Portugal : – 4,8 %,
    Italien : – 9,3 %,
    Griechenland : – 4,8 %,
    Spanien : – 3,6 %.

  3. Thomas Holzer

    @Christian Peter
    “Spaniens Schulden haben Ende 2012 einen Rekordwert erreicht:” !

    Trotz! eines neuen Schuldenrekordstandes sank die Industrieproduktion in Spanien um 3,6%

    Wo sehen Sie Austerität?

  4. Christian Peter

    @Thomas Holzer

    Die Zahlen belegen, dass weder die Sparpolitik Montis in Italien (seit
    November 2011) noch die der Troika in Griechenland, noch die der
    Regierung in Portugal Früchte tragen.

  5. Christian Peter

    @Thomas Holzer

    Und natürlich auch in Spanien. Was hilft es zu sparen, wenn sich in
    Folge sowohl Wirtschaftsleistung als auch Steuereinnahmen verrin-
    gern ?

  6. Reinhard

    @Christian Peter
    Stimmt, Sparen hilft nicht.
    Nicht mehr.
    Denn diese Staaten und ESM sei Dank mit ihnen inzwischen die gesamte EU einschließlich uns selbst sind absolut und unwiderbringlich pleite!
    Da hilft gar nichts mehr.
    Was jetzt passiert, würde jeden Privatunternehmer wegen Insolvenzverschleppung und Gläubigerschädigung hinter Gitter bringen.
    Das ist alles.

    Übrigens ist es fast untergegangen: Zypern wird jetzt gerettet, aber am Samstag wurde beschlossen, bis zur Wiedereröffnung der Bankschalter am Montag die Sparkonten um 7-10% des Inhaltes zu erleichtern.
    Wieder ein Schritt weiter.
    Und der Michel und der Adi klopfen sich auf die Schenkel “Jo sollns doch auch zoahln, de gonzn reichn Russn!” und übersehen, dass dies nur ein neuer, gesteigerter Probelauf ist.
    Bis wir dran sind, wird es noch viel lustiger!
    Ich bin ma gespannt, wie die Bankkunden morgen reagieren.
    Bei uns wahrscheinlich gar nicht, vor lauter Blödheit.

  7. Behaimb

    @Reinhard
    Kein Staat wird jemals pleite gehen, es wird ganz einfach einen Schuldenschnitt geben, wie in den 80er und 90er Jahren in Südamerika, Asien etc. Wer etwas anderes glaubt und auf den großen Zusammenbruch hofft, ist und bleibt ein Illusionist.

  8. Reinhard

    @Behaimb
    Irrtum, ein Staat kann sehr wohl pleite gehen, also zahlungsunfähig werden.
    Siehe als letztes Beispiel Belize 2012.
    Der angesprochene Schuldenschnitt ist immer Teil einer Insolvenz; mit dieser hört doch der Staat als solcher nicht auf zu existieren.
    Aber es wird ein großer Haircut kommen, nicht nur für die Gläubiger des Staates sondern auch für jene, die Geld gehortet haben, denn der Staat muss – wie bei jeder Insolvenz – auf alle Werte zugreifen, die ihm zur Verfügung stehen, um den verlust der Gläubiger möglichst klein zu halten.
    Beschäftigen Sie sich mal mit dem Thema, es lohnt sich.
    Und denken Sie mal darüber nach, warum der Euro keine Banknote ist sondern ein Copyright-Zeichen besitzt…
    Und denken Sie mal darüber nach, was nach der Insolvenz geschehen wird – der Haircut trifft erst alle anderen ringsums; die Politiker und ihre Medien (wie zuletzt in Griechenland) werden in gewöhnlichem Neid- und Hassverhalten “die Deitschn” wieder als Hauptschuldige präsentieren um vom eigenen Versagen abzulenken, ihre Völker werden populistisch wählen und Europa in das Beißverhalten der alten Konflikte zurückfallen. Anders ausgedrückt: Wir befinden uns auf dem Weg in den nächsten europäischen Krieg.

  9. gms

    werden in gewöhnlichem Neid- und Hassverhalten

    Weil’s gerade in Reichweite liegt: youtube.com/watch?v=0OkAPwMCx4Q
    “Warum die Deutschen? Warum die Juden?” – Götz Aly im Interview

  10. Thomas Holzer

    @Christian Peter
    Aha, danke, jetzt erst verstehe ich Ihren Gedankengang:
    Wenn man von einem Schuldenhöchststand zum nächsten taumelt, sprich Jahr für Jahr mehr Schulden macht, das nennt man in unseren Tagen sparen…….. 😉

  11. Rennziege

    @Thomas Holzer
    Es ist, wie Sie sagen: Die Welt hat keine Ahnung davon, wie ein Kredit gebacken und gebraten ist. Hier ein Ausschnitt aus dem Vorabdruck von Gerd Gigerenzers (Ösi!) neuem Buch “Risiko. Wie man die richtigen Entscheidungen trifft”:

    Sie haben 3000 Euro Schulden. Sie zahlen einen Nominalzinssatz von 12 Prozent im Jahr. Jeden Monat zahlen Sie 30 Euro ab. Wann haben Sie die Schulden getilgt?

    In a) weniger als fünf Jahren (15 Prozent) (b) fünf bis zehn Jahren (31 Prozent) c) 11 bis 15 Jahren (18 Prozent) d) 16 bis 20 Jahren (10 Prozent) e) nie (26 Prozent)?

    Diese Frage stellten wir mehr als 1000 Deutschen, die 18 oder älter waren. Die Zahl in Klammern gibt an, wie viel Prozent von ihnen sich für die jeweilige Antwort entschieden haben. Fast die Hälfte glaubte, die Schulden würden in weniger als fünf oder zehn Jahren abgezahlt sein.

    Weiteres und des simplen Rätsels Lösung unter:
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/geisteswissenschaften/risiko-ein-vorabdruck-4-menschen-koennen-nicht-mit-geld-umgehen-12116477.html

  12. gms

    @Rennziege

    Danke für den Link. Anhand eines im Form hoch bewerten Postings eines Leser beweist sich einmal mehr die Tatsache, daß es keinen Wahnsinn gibt, der nicht mit noch größerem Bullshit verteidigt wird. Da ist dann zu lesen:
    — Zitat —
    Wenn die Frage tatsächlich so gestellt wurde, hätte ich mit 8 Jahren und 4 Monaten geantwortet. Schließlich impliziert “abbezahlen”, dass es sich bei den 30 Euro um die Tilgungsrate des Darlehens handelte. Die Information über den Nominalzins wäre für die Beantwortung irrelevant. Der Fragesteller meinte aber offensichtlich mit “abbezahlen” eine Annuität. Somit wäre in der Tat bei einem konstanten Zins von 360 Euro im Jahr keine Tilgung des Darlehens zu erreichen.
    Ich stimme aber dem Verfasser bei, dass es Zeit für ein eigenes Lehrfach in der Schule wäre.
    — Zitatende —

  13. Wettbewerber

    @alle:
    Ich geb ja zu, ich komme auch viel zu wenig dazu, aber die Gelegenheit, den Leuten zu erklären, dass unser Staat sich in viel zu viele Dinge eingemischt hat, die er besser den “Menschen wie Du und ich” überlassen sollte, war niemals größer und besser, als jetzt.

    Die Krisen nehmen nicht ab, sie nehmen zu. Hochgepriesene Lösungen erscheinen mehr und mehr nur noch als Zeitgewinn, oder als Farce. Die Glaubwürdigkeit der Politik ist auf stetiger Talfahrt.

    Eines der Probleme ist, dass das System so geschickt aufgezogen wurde, dass praktisch jeder irgendwo durch das staatliche Gemurkse einen monetären Vorteil erhält (z.B. Familienbeihilfe, Kündigungsschutz, etc.), ohne zu ahnen, dass man – sofern man erwerbstätig ist und nicht im Staatssold steht – IMMER unterm Strich ganz beträchtlich drauffzahlt.

    Was unsere “Bewegung” auch noch kaum realisiert hat, ist der evolutorische Aspekt: Das menschliche Gehirn ist nicht programmiert auf Logik, sondern auf Überleben. Das ist DER Grund, warum einmal festgefahrene Meinungen so schwer bis unmöglich zu überwinden sind. Außerdem sind wir als Kultur zwar familienbasiert; evolutorisch sind wir aber immer noch Hordenwesen (siehe z.B. Le Bon und das Phänomen, dass diese absolut minderwertige Organisationsform namens Staat sich ausnahmslos über alle für Menschen bewohnbare Gebiete ausbreiten und seinen “Siegeszug” antreten konnte). Mag uns nicht gefallen, ist aber Faktum, und sollte uns gerade heutzutage bewusster sein denn je.

    Der Spruch “Staat bleib bei Deinem Leisten” (sprich: Sicherheit und Gerichtsbarkeit) kommt bei zum Denken Fähigen durchaus gut an. Vor allem, wenn sie sich schwer tun, angesichts des offensichtlichen persönlichen Draufzahlens immer noch zu glauben, “eh mehr Vorteile als Nachteile zu haben”.

    Ein so in die Defensive kommmender Staatsapparat hat zwar auch eine lange Halbwertszeit, aber ich bin mir sicher, dass eine Zeit kommen wird, wo die “political correctness” auf einmal heisst, den Staat rigoros aus allem wirtschaftlich determinierten Prozess maximal herauszuhalten.

    Ob ich das noch erlebe, ist jedoch eine andere Frage…

  14. gms

    @Wettbewerber

    Wie Sie zutreffend ausführen, ist der Mensch ein Hordenwesen, und als solches von Natur aus sozial in dem Sinne, alsdaß er über Fähigkeiten verfügt, die ihm das Auskommen im Gruppenverband sichern, ohne den er nicht überlebensfähig wäre. Sich in andere einzufühlen und Mitleid zu empfinden, sind nur zwei davon, wie ebenso sich durch Selbstlosigkeit und Wohltaten einen guten Ruf zu erwerben, um danach von diesem zu profitieren. Ethic pays.

    Als Hordenwesen ist er zugleich aber auch ein Herdentier. Das mentale Beharrungsvermögen, welches Individuen oftmals wider jede Vernunft an einem falschen Weg festhalten läßt, findet sich bei anonymen Verbänden oder gar Völkern in weitaus geringerem Umfang, weswegen diese leichter als Individuen schneller und heftiger in ihrem nach Außen hin wahrnehmbaren Verhalten die Richtung ändern können. Für totalitäre Systeme waren und sind Abweichler daher immer die am intensivsten zu bekämpfenden Störenfriede, stellen diese doch die wirksamsten Keimzellen für Systemänderungen dar. Hat sich einmal rumgesprochen, der Kaiser sei nackt, war’s das dann auch schon.

    Die Halbwertszeiten derart angeknackster Systeme sind gering. Ein Lichtblick für die aktuelle Situation ist dies jedoch nur eingeschränkt, ist es doch der sog. Dressurelite aus Politik und Medien gelungen, durch ihr eigenes Versagen einerseits und erfolgreiche Propaganda andererseits, bei den Massen die natürliche Elite gleichfalls als Feindbild etablieren. Es kann somit bezweifelt werden, daß nach einem kommenden mehr oder minder revolutionären Umbruch ausgerechnet die Fähigen und Besonnenen das Sagen und mit dem Ansinnen nach einem Rückbau des Staates Erfolg haben werden.

    Die “political correctness” wird dann zwar hinweggeschwappt sein (siehe prototypisch Grillo in Italien), bloß werden neue Rattenfänger die liberalen und bürgerlichen Kräfte noch recht lange auf Schlagdistanz halten können.
    Warum? – Es wurde inzwischen common sense, Dritten per Mehrheitsbeschluß etwas gegen deren Willen wegnehmen zu dürfen. Solange aber der Glaube herrscht, das rechte Maß sei per Abstimmung zu finden, solange tauschen wir nur die einen politischen Betrüger gegen andere aus. Diese neuen Betrüger wiederum haben deshalb leichtes Spiel, weil die Fallhöhe der Gesellschaft noch verdammt hoch und das Portfolio der Klempnerei noch lange nicht ausgereizt ist.
    “Freibier für alle” aka bedingungsloses Grundeinkommen und Zentralbankgeld direkt aus dem Finanzministerium unter parlamentarischer Aufsicht werden an der Wahlurne ausreichend Zuspruch erhalten, genauso wie Gehaltsdeckelungen und sonstige Eingriffe in die Privatautonomie. Die neuen Rattenfänger werden dem Volk geben, wovon es meint einen Anspruch zu haben. Der Anspruch jedoch, in erster Lesung sein Leben selbst in die Hand nehmen zu dürfen, ist noch lange nicht mehrheitsfähig.

    Erklärbar mag das damit sein, daß der Mensch fürs Zusammenleben in derart großen Verbänden wie sie ein typischer Staat darstellt schlichtweg untauglich ist. Wurde diese Manko zu früheren Zeiten durch bloße Physik – sprich lange Wegstrecken und die damit einhergehenden Effekte hinsichtlich Einflußnahme – noch gemildert, schwimmen heute sprichwörtlich Millionen von Menschen im selben Fingerhut.

    Anonymität in einer Masse und eine biologische Eichung zwecks Teil eines Clans oder einer Horde vertragen sich schlecht. Heute fallen Nähe und emfundene Kleinräumigkeit weg, die sowohl zum Ausleben der positiven wie zugleich zum Einhegen negativer menschlicher Eigenheiten zwingend erforderlich sind und den Menschen evolutionär erst erfolgreich machten.
    Der Mensch der Gegenwart erntet die Früchte seines Tuns über eine Unzahl von Schleifen hinweg mit elendiglich langer Zeitverzögerung. Dies wiederum eröffnet unendlich viele Möglichkeiten des Leugnens, das aktuell Beobachtbare hätte irgendwie mit dem eigenen Verhalten zu tun. Irrtümer werden kollektiv, doch nichts tut der Mensch lieber, als mit seinem Umfeld dieselbe Meinung zu teilen. Viktor Adler, Mitgründer der SPÖ, kannte seine Pappenheimer schon recht genau, als er ausführte, es sei geschickter, mit der Masse zu irren, als gegen sie recht zu behalten.

    Das richtige Tun ist ein überschaubar schmaler Pfad. Die Möglichkeiten aber, sich all Kollektiv wohlig warm zu irren, sind endlos. Vor die Wahl gestellt, von seinem Umfeld lieber als dumm oder als böse eingeschätzt zu werden, entscheidet sich der Mensch für das zweite. In der Horde findet dies seine enge Grenzen, in der Anonymität jedoch öffnet dies Tür und Tor für Beliebiges. Und somit scheitert das Hordenwesen in der Herde jedes Mal aufs Neue.

  15. Wettbewerber

    @gms
    Vielen Dank für diese erleuchtende, wenn auch wenig ermutigende Einlassung! 😉

  16. Robert

    Typischerweise wird hier natürlich mit absoluten Zahlen hantiert.

    Wie soll man die Höhe dann eigentlich richtig einschätzen? Die Ami’s haben 16 000 Milliarden Staatsschulden. Da haben die Spanier aber noch mächtig Luft nach oben.

  17. Christian Peter

    Überhaupt ist die Staatsverschuldung Spaniens das kleinste Problem. Weit
    besorgniserregender sind die maroden spanische Banken, deren Verbind –
    lichkeiten sich auf 3,3 Billionen Euro bzw. 305 % des BIP belaufen. Zum
    Vergleich : Das ist ungefähr so viel wie die Staatsschulden aller 5 süd –
    europäischer Krisenländer zusammen.

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