Bankgeheimnis ade, oder: Die Sedierung des Schlachtviehs

Von | 14. Mai 2015

(LUKE LAMETTA) Der im Wesentlichen unmerkbare Lärmpegel rund um die totale Ausmerzung des österreichischen Bankgeheimnis ist besonders dann bemerkenswert, wenn man sich noch an das vergleichsweise geradezu krawallige Geplärr vor nicht mal 15 Jahren erinnern kann: Anlässlich der Abschaffung der Sparbücher-Anonymität. Offenbar kommt die Verhausschweinung der, treffend, “Konsument_innen” im Galopp voran. You ain’t seen nothing yet:

Wenn man schon ein Zentrales Kontenregister mit derart wenig Widerstand einführen kann, warum dann nicht auch gleich noch ein Zentrales Steuerregister nach schwedischem Vorbild?

Selbstverständlich nach Schema F: Internationalen Terrorismus, Kinderpornographie, Schwarzarbeit, Steuerhinterziehung und Geldwäsche bekämpfen! EU-Harmonisierung entsprechender Maßnahmen voranbringen! Mehreinnahmen für die öffentliche Hand, die euch alle liebt! Alles Überschriften, die sich in Sachen Sedierung des Schlachtviehs bestens, ja geradezu friktionsfrei bewährt haben, qed.

Einmal in Fahrt: Neben dem sich abzeichnenden Bargeldverbot für Transaktionen von über, sagen wir, 1000 Euro, würde doch auch noch eine Steuer auf Bargeldbehebungen bella figura machen.

Sagte ich Steuer? Also ein “Betrugsbekämpfungsbeitrag” natürlich. 9,99% beispielsweise, abgezogen an der Quelle. Bürokratiefrei! Jawohl!

Ich seh Werner Faymann schon vom Plakat grinsen: “Für Sie erreicht: Alle Neune gegen Steuerbetrug!”

Weiß nicht genau, ob er nicht auch noch Applaus bekäme.

20 Gedanken zu „Bankgeheimnis ade, oder: Die Sedierung des Schlachtviehs

  1. Luke Lametta

    Anschauungsunterricht…

    “Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.” – Jean-Claude Juncker, zitiert von Dirk Koch: Die Brüsseler Republik. Der SPIEGEL 52/1999 vom 27. Dezember 1999, S. 136

  2. Thomas Holzer

    “Weiß nicht genau, ob er nicht auch noch Applaus bekäme.”

    Da liegen Sie leider falsch! Er wird Applaus bekommen, und nicht wenig!

    Das vertrottelte Wahlvolk hat gewählt und wird wieder mit Freude jene wählen, die beschlossen haben, es auszupressen und total zu überwachen.
    Daß die meisten dieser -mit Verlaub- Idioten dem Glauben anhängen, es träfe ja nur den Nachbarn, den bösen Reichen, Spekulanten, Unternehmer, Steuerbetrüger etc., bleibt mir unerklärlich und unverständlich

  3. A.Felsberger

    Wenn es nur das Wahlvolk wäre, das uns das alles einbrockt, dann wär`s ja noch irgendwie charmant. Aber noch hat kein Wähler nirgendwo auf dieser welt darüber abgestimmt, ob die allgemeine Durchsuchung aller auch tatsächlich gewollt ist. Sie wird einfach von den Parteien, die an der Macht sind, exekutiert, egal welcher Couleur. Sie glauben doch nicht ernsthaft d`ran, dass, sagen wir, die FPÖ, wenn sie eines Tages den Kanzler stellt, sich gegen die Spitzelei stemmen würde. Nein, sie würde einen Schwenk vollziehen, so wie alle anderen auch, die an die Macht gelangen, und mit Freude die weltweiten Vorgaben umsetzen. Angst vor Sanktionen, eh`scon wissen. Die Macht der gesamten Welt will den “gläsernen Bürger” und bekommt ihn von Amerika bis Europa am Teller serviert. Warum wohl? Ich zweifle keinen Moment, dass ein Liberaler, der an die Allmacht des Wählers glaubt, darauf keine Antwort findet.-)

  4. A.Felsberger

    Jeremy Bentham, Utilitarist, Liberaler und über jeden totalitären Verdacht erhaben, hat sich sein Leben lang Gedanken über das “optimale Gefängnis” gemacht. Herausgekommen ist das “Panopticon”, wo nicht nur die Wächter die Gefangenen kontrollieren, sondern auch die Gefangenen die Wächter. Dieses Konzeot wurde später mit Freude auch auf Fabriken angewandt. Man kontrolliert nicht nur die Arbeiter, sondern die Arbeiter auch die Vorgesetzten. Jeder bespitzelt jeden. Wie ist es möglich, dass ein Liberaler auf solche Ideen kommt? Antwort: Effizienz! Denn dies ist sein höchstes Gebot, noch lange vor den Menschenrechten.-)

  5. cppacer

    Sie glauben doch nicht ernsthaft d`ran, dass, sagen wir, die FPÖ, wenn sie eines Tages den Kanzler stellt, sich gegen die Spitzelei stemmen würde .
    Dies wäre wohl einmal abzuwarten,bester Herr.

  6. Thomas Holzer

    Ich glaube überhaupt nicht an die Allmacht des Wählers, schon gar nicht wenn er als Masse, als Wahlvolk auftritt

  7. A.Felsberger

    Natürlich, Herr Holzer, glauben Sie an die Allmacht des Wählers. Sie glauben ja, dass er die Verhältnisse, so wie sie sind, bestimmt. Oder nicht?

  8. A.Felsberger

    @cppacer: >Dies wäre wohl einmal abzuwarten,bester Herr.< Ich hoffe sehr, dass Sie eines Tages die Gelegenheit bekommen: dies zu eruieren.

  9. Christian Peter

    Besonders brisant in diesem Zusammenhang ist, dass Sozialämtern keinen Zugriff auf die Daten des Kontoregisters gewährt werden sollen, da die Grünen dies als Bedingung zur Zustimmung zum Gesetzesentwurf machen werden. Arbeitslose Sozialbetrüger werden somit in Österreich weiterhin ihr Unwesen treiben, während die Leistungsträger des Landes unter Generalverdacht gestellt werden.

  10. Wolf

    @Thomas Holzer
    Sie haben ja völlig recht. Eigentlich würde man sich erwarten, dass derartige Maßnahmen einen “Shitstorm” (um einen gerade aktuellen Begriff zu verwenden) auslösen müsste. Aber nichts dergleichen geschieht. Da kommt einem sofort der Gedanke von den Kälbern, die ihren Schlächter selbst wählen. Und die ÖVP, die sich ja gerade ein “modern-liberales” Parteiprogramm gegeben hat, ist natürlich voll dabei. Und – da es sich um ein Verfassungsgesetz handelt – bedient man sich der Wendehals-Grünen, die ja jederzeit käuflich sind, wenn man ihnen nur irgendeinen Zipfel der Macht vor die Nase hält. Wir können uns jedenfalls 2018 schon jetzt auf eine Rot-Schwarz-Grüne Regierung einstellen, die die Meinungs-, Entscheidungs- und finanzielle Freiheit des Bürgers völlig abschaffen wird.

  11. A.Felsberger

    Lieber Herr! Es wird JEDER unter Generalverdacht gestellt, und die Einschätzung, wer “Leistungsträger” ist und wer nicht, bleibt alleine ihnen überlassen. Gott gebe uns so viele “Leistungsträger” wie die Bürger sich selbst einschätzen und von sich selbst behaupten. Hierzulande fühlt sich ja auch ein Pensionist als “Leistungsträger”: Er hat geleistet.-)

  12. Thomas Holzer

    @A.Felsberger
    Auch wenn Sie mir unlautere Gedanken unterstellen, werden diese definitiv nicht zu meiner Meinung, schon gar nicht zu meinem Glauben

    Sie sollten Ihre Allmachtsphantasien, welche u.a. darin zum Ausdruck kommen, daß Sie von sich behaupten, zu wissen, was andere glauben, ehestmöglich überdenken

  13. A.Felsberger

    Ich habe ja “Oder?” gefragt. Und Sie antworten mit einem Vorwurf……..

  14. aneagle

    Keine Aufregung, wer braucht schon mehr als ein zentrales Konto, wenn darauf ohnehin nichts ist, außer vielleicht Rabattmarken und Bezugsscheine? Im Wesentlichen unbemerkt hat in den letzten drei Jahren das Kapital die Eurozone verlassen. Geblieben ist nur, wer arm oder unrentabel ist.

    Unsere gleichgeschalteten Regierungen, von Griechenland bis Schweden, haben aus Zypern nichts gelernt, die Kapitalbesitzer schon. Wenn der Kassasturz in EU-Europa gemacht wird, werden unsere EU-Oberlinge eine “Begegnung mit der Realität” (© Schäuble) haben:

    Die auf den Zentralkonten lagernden märchenhaften Reichtümer werden sich auf das Märchen reduzieren und für das Alimentieren der Bevölkerung nicht ausreichen. Sozusagen, eine Pleite mit Anlauf. Unter EU-Vorsitz Griechenland kann dann EU-weit die Drachme eingeführt und in EURO umbenannt werden.

    Putzig dabei ist, dass Schweden dies alles , ohne Währungszwang mitmacht. Aber wer als Vorreiter in der ersten Reihe der Lemminge steht, ist eben dem Abgrund am nächsten ! Der Dank aller neuen EU Bürger an ihre Oberlinge wird noch den Dank an Erich Honecker übersteigen 🙂

  15. Thomas Holzer

    @A.Felsberger
    “Thomas Holzer Ich glaube überhaupt nicht an die Allmacht des Wählers, schon gar nicht wenn er als Masse, als Wahlvolk auftritt.”

    Lesen ist nicht jedermanns Sache, leider

  16. A.Felsberger

    Alles, was ich sagen wollte: Ich bin mit dem “Wähler” im Reinen. Ich weiß, dass er machtlos ist. Die Welt folgt anderen “Gesetzen” als denen einer Stimmurne…….

  17. gms

    Neben dem sedierten Bürger, der in aktuellen Tendenzen keine Gefahr erkennen will oder kann, existiert der nicht minder zur Sorge Anlaß gebende Typ des Linken, der das Problem zwar erkennt, aber die Ursachen hierfür einmal mehr dem sprichwörtlichen Klassenfeind andichtet. Aus dem Standardforum beispielhaft:
    — Zitat —
    Der Punkt ist, dass das [Kontenregister, Anm.] die Rampe zum Bargeldverbot ist, und da wirds unausweichlich so, dass die totale Auslieferung an die Bonzen und das Bankdiktat stattfindet.
    Das ist das Ende jeglicher individueller Freiheit in einer halbwegs erschlossenen und zivilisierten Welt. Das ist die moderne Form des Faschismus, der Neoliberalistische Marktfaschismus.
    — Zitatende —

    Das könnte man mit Nachsicht aller Taxen noch als unqualifizierte Einzelmeinung abtun, würde nicht eben dies zugleich von der Politik ventilliert, die für die Entwicklung diffuse Lobbygruppen in Brüssel ins Rennen führt und dabei offen läßt, ob es sich um politische oder wirtschaftliche Gruppen handelt. Zugleich wird dabei unterschlagen, wonach wirtschaftliche Strippenzieher ohne politische Rückendeckung wirkungslos bleiben, es also zwingend einen Täterverbund aus teilprivatem Geldwesen und Politik geben muß.

    Das ideale Ziel der Politk ist jener Linke, der das Geldwesen vollständig bei der einzig dann existierenden Volx-Bank angesiedel sehen will, die jedem nach demokratistisch ermitteltem Bedarf elektronisch Pekunien zuteilt oder entzieht. Private handhaben dabei allenfalls noch die Buchhaltung und verteilen unterschiedlich gefärbte Plastikkarten.

    Selbst also, wenn die Mehrheit im Lande das sich Abspielende ablehnt und die Desinteressierten in der Minderheit sind, ist noch lange nicht entschieden, in welche der beiden diamatralen Richtungen die Chose weiterläuft, sind doch Staat und Demokratie doppelplusgut und private Banken per Definition böse.

  18. Thomas Holzer

    @A:Felsberger
    Dann lassen Sie uns doch an Ihren umfassenden Wissen teilhaben, indem Sie die Güte besitzen, zu erklären, welchen “anderen “Gesetzen”” die Welt folgt

  19. A.Felsberger

    @Holzer: Ich würde sagen: “Zivilierung der Sitten” steht ganz oben, unmittelbar gefolgt von der “Steigerung der Produktivkraft”. Dies zusammen führt dann in eine Welt – der perfekten Heuchelei.-)

  20. Luke Lametta

    @gms

    Ja, das ist interessant zu beobachten: Bezüglichlich Geldpolitik läuft im jenseitigen Camp langsam die “Monetative”-Sekte den Gesell-Jüngern und Wörgl-Murksern den Rang ab. Die waren da irgendwie lange die #1 in Sachen linker Heterodoxie. Die Monetative!, die Vierte Gewalt! – sowas kommt einfach gleich “amtlicher” und zentraler daher als so Kleinkram wie regionale Schwundwährungen, war mir von Anfang an klar, dass das eine unwiderstehliche Anziehungskraft und Kompatibilität mit deren Gottspieler-Gen entwickeln wird. Dirk Müller erklärts dann nochmal bei Armin Wolf und Markus Lanz. Bevor er dann, Pointe, AfD wählt.

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