Belgien, Paradies für Leistungsaverse

(MANFRED JACOBI) In Belgien bekommt jeder, der das 18. Lebensjahr vollendet und keine Einkünfte hat, Sozialhilfe. Und zwar zeitlich unbegrenzt. Die Höhe des Sozialhilfesatzes beträgt für Alleinstehende 801,34 EUR.
Zum Vergleich: In Österreich beträgt der Ausgleichszulagenrichtsatz für alleinstehende Pensionisten 872,31 EUR. Der Begriff Ausgleichszulagenrichtsatz bedeutet folgendes: Wer nach einem arbeitsreichen Leben weniger Pension als den genannten Betrag bekommt, hat Anspruch auf eine Ausgleichszulage. Der Richtsatz firmiert somit gleichsam als eine Art “Grundeinkommen” für Pensionsbezieher.

Österreich und Belgien sind von ihrer Wirtschaftsleistung her durchaus vergleichbare Länder. Es ist also nicht so, dass man ein hochentwickeltes Land mit einem weniger entwickelten vergleichen würde. Siehe hier.

Mit anderen Worten: Jemand, der in Österreich sein ganzes Leben unter schwierigen Bedingungen gearbeitet hat, bekommt um 71 EUR mehr im Monat als jemand, der in Belgien die Schule ohne Abschluss verlassen hat und ohne Job dasteht. Wenn wir weiters eine 40-jährige Arbeitstätigkeit unterstellen, so schlägt jedes Arbeitsjahr mit etwas weniger als 2 Euro monatlich zu Buche. Ich erspare es mir, diesen Betrag den geleisteten Arbeitsstunden gegenüber zu stellen.

Es bleibt dem Leser überlassen, zu entscheiden, wer von beiden besser dasteht.

4 comments

  1. Christian Peter

    Verstehe den Vergleich nicht. Meines Wissens haben auch in Österreich volljährige Erwerbslose Anspruch auf Sozialhilfe.

  2. mh

    Auch ein leistungsaverser Rentner bekommt die Ausgleichszulage.
    Und wenn man nach einem “arbeitsreichen Leben” weniger als 870 EUR Pension kassiert, war das Leben entweder nicht wirklich arbeitsreich, oder man hat in vielen Fällen falsche Entscheidungen getroffen.

  3. Rennziege

    (a) Schlimm genug, dass Österreich und Belgien, dieser intern bis in die entlegensten Dörfer hoffnungslos zerstrittene Möchtegern-Staat, mittlerweile wirtschaftlich als vergleichbar gelten. Vor wenigen Jahren war das undenkbar, selbst nach den lahmsten EU-Kriterien.

    (b) Aber so schnell geht’s den Bach runter, wenn sogar Regierungen sich nicht entblöden, öffentlich Kakerlaken zu fressen, um den Wählern ihre Zukunft schonend nahezubringen. Der Aufenthalt im “Dschungelcamp” entspricht dem geistigen, fiskalischen, sozialen und kulturellen Abgrund, in den alle Regierungen seit Wolfgang Schüssel tu felix Austria gestürzt haben.

    (c) Nur Emigration hilft. Aber stolz darauf kann man nicht sein. Wie sagt eine nach New York emigrierte alte Wiener Jüdin in Friedrich Torbergs “Tante Jolesch” auf die Frage, ob sie in ihrer neuen Heimat “happy” sei? “Happy bin i’ schon, aber glücklich net.”

    (d) Kanada ist in allen Facetten wunderschön, die Menschen weltoffen, intelligent gemischt, lustig und ziemlich rotweinfreudig. Mannsbild, Kinder und ich waren schon vor unserer Übersiedlung oft dort, als Ösis unglaublich willkommen. Der Lake Muskoka (ein Ausläufer des Lake Huron, an dem die berühmten “Lederstrumpf”-Romane von James F. Cooper spielen) ist zwar hundertmal so groß, aber nicht ganz so heimelig wie der Millstätter See und die Villa Verdin.
    Die Landschaften sind allerdings, bis auf die Almen, sehr vergleichbar, so dass man sich nicht mehr als “emigrierter Verräter” (Lion Feuchtwanger) fühlt.

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