Besser Mord!

(GEORG VETTER) Im Sommer 2004 soll es im Finanzministerium einen Geheimnisverrat gegeben haben, der im nunmehrigen BUWOG-Prozess auch dem damaligen Minister Grasser angelastet wird. Das zunächst beste Angebot von 960 Millionen Euro soll rechtswidrig ausgeplaudert worden sein, sodass die Konkurrenz auf 961 Millionen Euro erhöhen konnte und den Zuschlag erhielt.

Nicht sehr weit vom Finanzministerium entfernt und nur kurze Zeit danach wurde ein Mord verübt. Der Mörder wanderte für 14 Jahre ins Gefängnis. Nun ist er wieder auf freiem Fuß und versucht sein Leben neu zu regeln.

Die unmittelbaren Tatfolgen: Hier ein Toter, dort ein Schaden von neun Millionen Euro oder ein Nutzen von einer Million Euro für die Republik (je nachdem, ob es Provisionszahlungen gab oder nicht).

Für die Angeklagten im BUWOG-Verfahren ist die Sache aber noch lange nicht erledigt. Sie sind heute alle ohne Job, ein Ende des erstinstanzlichen Verfahrens ist nicht wirklich absehbar und die Kosten laufen. Ob irgendein Angeklagter im Falle einer Verurteilung sein Leben je wieder in den Griff bekommen wird, steht in den Sternen. Die meisten dürften nach Absitzen einer allfälligen Strafe wohl schon zu alt zu sein. Aber auch bei einem Freispruch sind die meisten Angeklagten am Arbeitsmarkt kaum mehr vermittelbar.

Wenn ein Mord der Resozialisierung förderlicher erscheint als ein Geheimnisverrat ist etwas faul in der österreichischen Justiz.

5 comments

  1. Rado

    Wie will man eigentlich eine Sorte Mörder REsozialisieren, die gar nicht sozialisiert sind? Bestenfalls vielleicht in Afghanistan.
    Da überhebt sich das österr. Strafsystem aber mächtig.

  2. sokrates9

    Es gibt kein Rechtssystem mehr! Das was hier in Österreich aber auch in der EU getrieben wird hat mit Rechtsverständnis nichts mehr zu tun! In der Monarchie haben sich Monarchen kaum eingemischt- weil sie davon nichts verstanden haben – nur in Diktaturen gibt es eine solche Willkürjustiz!

  3. Falke

    Es gibt in Österreich (und nicht nur hier) ein krasses Missverhältnis zwischen Strafen für Körperdelikte und für Eigentumsdelikte. Wenn man für Totschlag mit 5 Jahren davonkommt, für Untreue (etwa Bilanzfälschung) mit 10 Jahren rechnen muss, stimmt irgend etwas nicht.

  4. Johannes

    Mich würde interessieren ob die oberste Führung des Konsortiums das diesen Zuschlag erhielt wusste das da Gelder fließen. Ich kann mir nicht vorstellen dass das in der zweiten oder dritten Manager-Reihe entschieden wurde.

    Das größte Geschäft der Republik und die Generaldirektoren und Generalanwälte haben nichts davon gewusst und nichts davon genehmigt?

    Die ganzen Vermittlungs und Provisionszahlungen an der obersten Führung des Konsortiums vorbei bezahlt?
    Die oberste Führung sagt bei diesem Mega-Deal zu den Managern der zweiten Reihe machts nur?
    Und niemand dort wußte was genau die Leistung der Vermittler ist?

    Ein paar junge Yuppies wollten schlau sein und sind nun Bauernopfer für jene die den großen Vorteil daraus ziehen konnten, kommt mir vor. Muss hart sein vor dem Richter zu stehen wenn man weiß das die für die man es tat unantastbar sind.

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