Besser Puerto Rico als Griechenland….

(A. UNTERBERGER) Es lebe der Unterschied zwischen Amerika und Europa. Puerto Rico ist pleite und insolvent. Die Karibikinsel ist Teil der Dollarzone – und wird dennoch weder von Washington noch der amerikanischen Notenbank Fed gerettet. Dabei müsste diese Nichtrettung gemäß der mythengeprägten Rhetorik jetzt furchtbare Folgen haben, die uns Europäern in den letzten Jahren als Begründung der mehr als 400 Milliarden teuren Griechenland-Rettung ständig an die Wand gemalt worden sind: Bei einer solchen Pleite eines Dollar-Landes wäre zwangsläufig der Dollar gescheitert. Und wenn der Dollar scheitert, wären auch die USA gescheitert (Copyright Angela Merkel).

Aber – nichts dergleichen ist passiert. Puerto Rico und seine Gläubiger müssen selber schauen, wie sie mit der Pleite zurechtkommen. Kein Mensch sieht dadurch den Dollar bedroht. Und schon gar niemand sieht als Folge den Bestand der USA bedroht. In Washington diskutiert man ganz andere Probleme (derzeit insbesondere die fast genauso problematische Klima-„Rettung“ – aber das ist ein anderes Thema, das zeigt, dass auch die Amerikaner keineswegs vor Blödheit gefeit sind).

Dabei hätte Washington viel stärkere Gründe, Puerto Rico zu retten, als sie die Euro-Zone bei der Rettung Griechenlands hat: Ist die Insel doch ein direktes US-Territorium; und ist sie doch kleiner als Griechenland. Weshalb seine „Rettung“ – oder präziser formuliert: seine Daueralimentierung nach griechischer Art – auch viel billiger wäre als die ständige Griechenland-„Rettung“ und der jetzige von vornherein zum Scheitern verurteilte Versuch, Griechenland unter eine Art Kolonialverwaltung zu stellen.

Puerto Rico ist damit ein weiterer Beweis, wie falsch es war und ist, Griechenland ununterbrochen zu „retten“. Die US-Regierung und die US-Notenbank zeigen sich völlig immun gegen das verlogene Solidaritäts-Gedudel nach europäischer Art. Sie haben auch die Pleite der Stadt Detroit im vorletzten Winter nicht verhindert. Was absolut die richtige Reaktion war und ist. Dadurch hat man Detroit gezwungen, sich selber zu sanieren und nicht in einen dauerhaften Hospitalismus zu retardieren.

Keines der Drohszenarien ist richtig, die da in Europa für den Fall einer griechischen Insolvenz warnend aufgebaut worden sind. Die griechische Rettungs-Malaise hat ganz andere Ursachen und Motive als die angebliche Verhinderung einer paneuropäischen Katastrophe:

Europa hat sich mit rhetorischer Ekstase in eine rauschartige Euro-Begeisterung hineintreiben lassen und daher auf klare und im Falle der Anwendung auch unangenehme Spielregeln vergessen, etwa für den Fall der Zahlungsunfähigkeit eines Euro-Staates.
In Europa gelingt es seit 70 Jahren immer wieder, die Deutschen unter Hinweis auf die einstigen NS-Verbrechen in schlechtes Gewissen zu versetzen und sie so zum ständigen Financier von allem und jedem zu verwandeln.
Frankreich und Italien haben panische Angst, dass es auch ihrer wohlfahrtsstaatlich verrotteten Wirtschaft genauso gehen würde wie Griechenland, wenn man Deutschland nicht zwänge, für die griechischen Schulden aufzukommen. Worin sie eine Art Garantie auch für sich selbst sehen (die meisten anderen stabilen Länder hingegen hätten ja ohne das deutsche Vorbild längst Nein gesagt).
Am Anfang seiner De-facto-Zahlungsunfähigkeit, also 2010, war die „Rettung“ Griechenlands auch für etliche (vor allem französische) Banken lebensrettend, die Griechenland viele Kredite gegeben hatten. Auch aus diesem Grund hat man damals mit der Rettungspolitik begonnen, aus der man nun nicht mehr herauskommt, weil man sonst nachträglich einen schweren Fehler eingestehen müsste. Was Politiker immer um jeden Preis zu vermeiden trachten. Der Fehler hat darin bestanden, dass man die griechische Verschwendungspolitik zu finanzieren begonnen hat und nicht nur die durch einen gefährlichen Dominoeffekt bedrohten Banken (deren Kollaps ganze Volkswirtschaften mit sich gerissen hätte). Was viel billiger gewesen wäre. Und heute sind die Banken ja in Griechenland gar nicht mehr exponiert. (TB)

4 comments

  1. Fragolin

    Wie war das mit den ständigen “Mahnungen” der Parolenausgeber von Washington, die EU dürfe Griechenland nicht fallen lassen und müsse dauerhaft jeden Euro in dieses Land pumpen?

    Da nehmen die “Freunde” (Seit wann nennt man die Leute aus der Chefetage so?) ihre “Verbündeten (auch eine nette Umschreibung für die um Aufmerksamkeit heischenden Untergebenen aus der zweiten Ebene) hart ins Gericht:
    http://www.morgenpost.de/politik/article205457413/Amerika-kritisiert-EU-Sparpolitik-gegenueber-Griechenland.html

    Na dann, liebe Burger-Könige, lasst es mal schön krachen und bietet der kleinen Insel den gleichen Schuldenschnitt an, den ihr so vollmundig von der EU für Griechenland fordert. PR ist ja gerade mal mit etwas über 70 Milliarden gesamtverschuldet. Peanuts gegenüber der halben Billion, der sich Griechenland nähert.
    Aber nein, was man von anderen fordert, muss man jetzt nicht selbst auch tun.
    Jedenfalls nicht als Amerikaner.
    Denn dann verbittet man sich auch Wortmeldungen aus Europa zur eigenen Finanzpolitik. Nur selbst die Klappe halten, das geht nicht.
    Nicht wenn man der Chef ist.

  2. Thomas Holzer

    “Und wenn der Dollar scheitert, wären auch die USA gescheitert (Copyright Angela Merkel).”

    Nee, bei Frau Merkel würde gleich ganz Amerika scheitern 😉

    Und nicht Europa hat sich in eine rauschartige Euro-Begeisterung hineintreiben lassen, und schon gar nicht die Bürger/Untertanen, sondern nur die Politikerdarsteller der an der EU teilnehmenden Nationalstaaten und natürlich die Bürokraten in Brüssel und die EU-Parlamentarier

  3. H.Trickler

    Mit Verlaub: Wenn der Dollar jetzt wegen Porto Rico nicht zusammenkracht, so beweist dies gar nichts bezüglich Euro und Griechenland.

    Und die Gründe, welche die USA für eine ewige Stützung Griechenlands durch Europa drängeln lassen, sind nur zu durchsichtig.

  4. Thomas Holzer

    @H.Trickler
    Wenn die USA solch Sorge um die “Südflanke” der NATO haben, dann sollen die USA GR alimentieren……..

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