Beveridge statt Bismarck!

Von | 21. Februar 2017

(MARCUS FRANZ) Österreich ist ein Land, in dem sogenannte Beitragssysteme zur Leistungsfinanzierung im Gesundheitswesen angewendet werden. Die Mittelaufbringung für die Gesundheitsversorgung wird dabei über verpflichtende und einkommensabhängige Beitragszahlungen der Erwerbstätigen sowie über Beiträge der Arbeitgeber innerhalb öffentlicher, nicht gewinnorientierter und selbstverwalteter Körperschaften gewährleistet.

Idee aus dem 19. Jahrhundert
Das Grundkonzept eines durch Beiträge finanzierten Gesundheitssystems stammt aus dem 19. Jahrhundert und wurde vom deutschen Reichskanzler Bismarck zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung der Arbeiterschaft entworfen. Wachsende soziale Konfliktpotenziale wurden damals auf diese Weise reduziert. Die österreichische Monarchie hat die Bismarck`schen Ideen aus ähnlichen Motiven damals ebenfalls umgesetzt. Beitragssysteme heißen im Fachjargon daher auch Bismarck`sche Systeme. Sie sind nach wie vor der Prototyp und Grundpfeiler des sich seither trotz aller historischer Katastrophen entwickelnden österreichischen Sozial- bzw. Wohlfahrtsstaats. Für Deutschland gilt in den Grundzügen dasselbe.

Sollbruchstellen erkennbar
Auf den ersten Blick erscheinen auch heute noch staatsbildende Institutionen dieser Art als sinnvoll und dem sozialen Klima förderlich, bei näherer Betrachtung jedoch sind die irreparablen Sollbruchstellen der einkommensabhängigen beitragsfinanzierten Krankenversorgungssysteme und auch deren demokratiepolitische Mankos klar zu erkennen.

Ein bestimmte Demografie ist Bedingung
Die spezifischen Probleme, die heute in einem aus Bismarck`schen Systemen gebildeten Wohlfahrtsstaat auftreten, sind rasch beschrieben: Das klassische einkommensabhängige Sozialversicherungsmodell rührt aus einer Zeit, in der die demografische Gesellschaftsstruktur eine völlig andere war: Viele Junge, wenige Alte – das waren im 19. Jahrhundert die demografischen Rahmenbedingungen. In diesem Umfeld gediehen die beschriebenen Institutionen prächtig, denn die relative Überzahl der jungen Erwerbstätigen und die demzufolge reichlich geleisteten Beiträge ermöglichten ein klagloses Funktionieren des Systems. Bismarck war in Anbetracht der damaligen Verhältnisse mit seinem sozialpolitischen Konzept fraglos ein großer Wurf gelungen.

Es hat lange gut funktioniert
Weder Weltkriege noch Wirtschaftskrisen konnten den nach dem Bismarck`schen Prinzip funktionierenden Einrichtungen nachhaltig etwas anhaben, sie behielten ihre „Fitness“ bis in die späten Siebzigerjahre des 20. Jahrhunderts. Hohe Geburtenraten, Wirtschaftswachstum und die vergleichsweise noch niedrige Lebenserwartung sowie eine mangels teurer Technologien noch relativ kostengünstige medizinische Versorgung waren die essentiellen Kraftquellen des Systems.

Die Verhältnisse haben sich geändert
Doch vor etwa dreißig Jahren begannen die Fundamente des ehedem so erfolgreichen und beständigen Modells zu zerbröseln, denn die demografischen Verhältnisse, deren Asymmetrie im Sinne der sprichwörtlichen Alterspyramide ja die Grundvoraussetzung eines funktionierenden Beitragssystems bildet, diese Verhältnisse begannen sich zu ändern. Durch die Zunahme der Lebenserwartung und den Geburtenrückgang kam es zu einer kontinuierlichen, nach wie vor anhaltenden Verschiebung im Verhältnis der Alterskohorten.

Die Grundlagen gehen verloren
Mit der Änderung der Demografie gehen nun gerade jene Voraussetzungen, die das System so erfolgreich machten, sukzessive verloren. Die geringen Geburtenraten sowie die aus der steigenden Lebenserwartung und aus dem in Relation dazu viel zu jugendlichen Rentenalter resultierende rasante Zunahme der Pensionistenzahlen und die chronisch steigenden Arbeitslosenraten sowie zuletzt die massive Migration verursachen in einem Beitragssystem durch die solcherart bedingte stagnierende und tendenziell sogar abnehmende Menge der Beitragszahler logischerweise immer deutlichere Defizite.

Das dicke Ende kommt erst
Wenn in einigen Jahren die geburtenschwachen Jahrgänge in den Arbeitsprozess integriert sein werden und die Pensionistenzahlen durch Ausgliederung der geburtenstarken Jahrgänge noch weiter gestiegen sind, wird die Lage endgültig prekär. Vom Arbeitseinkommen abhängige Systeme brauchen schlicht und einfach ausreichend viele arbeitende Einkommensempfänger, um funktionieren zu können.

Die Beitragserosion schreitet fort
In der Expertensprache wird dieses Phänomen der sinkenden Einzahlungen Beitrags-„Erosion“ genannt – ein aus der Geologie entlehntes Wort, das ursprünglich eine stetige und unaufhaltsame Zerstörung von Landschaften bezeichnet. Diese Erosion führt auch im Gesundheitswesen zu einer nicht aufhaltbaren langsamen Zersetzung der ursprünglich höchst sinnvollen Beitrags-Idee. Zusätzlich verschärft die aktuell stattfindende Leistungsexplosion in der Medizin die finanzielle Situation der Beitragssysteme noch dramatisch: Neben Einnahmeverlusten müssen auch unverhältnismäßige Kostensteigerungen verkraftet werden.

Die Krise erscheint als nicht lösbar
Der Weg in die unlösbare Krise ist also längst beschritten, denn die heute einzig möglichen Maßnahmen zur weiteren Finanzierung eines durch die geänderten Rahmenbedingungen erodierenden Beitragssystems sind wachsende steuerliche Zuschüsse, kontinuierliche Beitragserhöhungen, steigende Selbstbehalte und/oder spürbare Rationierungen – Dinge also, die dem ursprünglichen Konzept dieses Modells zuwiderlaufen und es letztlich zum Scheitern bringen müssen.

Das öffentliche Bewusstsein ist bereits da
Die ständige Diskussion um die Finanzierung des österreichischen Gesundheitswesens hat die Nöte des langsam sterbenden Systems längst ins Bewusstsein der Bürger gebracht. Der Pferdefuß in der öffentlichen politischen Argumentation allerdings ist, dass dem Einzelnen die Brisanz der Problematik, die Ursachen derselben und die daraus entstehende unumgängliche Notwendigkeit einer strukturellen Systemänderung nicht klar vermittelt werden. Der Ruf nach der Finanzierung aus einer Hand erschallt zwar, aber niemand sagt genau, was damit eigentlich gemeint ist.

Die Gesundheitspolitik agiert unehrlich
Eine gewisse Perfidie im Verhalten der aktuellen Politik ist angesichts der Fakten also nicht wegzuleugnen. Letztlich ist die aktuelle politische Tücke aber ein Effekt von unreifen demokratischen Systemen. In einem noch nicht wirklich ausdifferenzierten demokratischen Staat wie Österreich erlauben die Partikularinteressen in den verschiedenen de facto noch undemokratischen Subsystemen des Staates (wie die Körperschaften und die Selbstverwaltungen es sind) langfristige Vabanque-Spiele.

Damals ging, was heute unmöglich ist
Es sei daran erinnert: Die überragende sozialpolitische Leistung der Einführung des Bismarck`schen Systems wurde interessanterweise in den Zeiten von erklärtermaßen ganz und gar nicht demokratischen Monarchien durchgeführt. Heute hingegen, unter scheinbar definitiv demokratischen Verhältnissen, ist eine ebenso dringend notwendige Erneuerung des Sozialsystems offenbar politisch (noch) nicht möglich.

Es blitzt und donnert, aber jedem ist es egal
Obwohl in Anbetracht der geschilderten Fakten sozialpolitisch brisante und vermutlich sogar stürmische Zukunftsszenarien drohen, ähnlich wie sie Bismarck 1880 vorhergesehen hat, geschieht de facto nichts. Die potenziellen Kontrahenten im sozialen Konflikt heißen heute nicht Arbeiter gegen Bürger und Adel, sondern Alt gegen Jung und natürlich auch Fremde gegen Inländer. Man debattiert zwar fleißig und setzt wie immer irgendwelche Oberflächenreformen durch, aber die strukturelle Problematik bleibt davon unberührt. Denn welcher gut versorgte Funktionär wird sich denn in den aktuellen Strukturen das Wasser selber abgraben?

Gibt es Lösungen?
Wie können pragmatische Lösungsansätze aussehen? Was kann man tun, wenn staatstragende Systeme obsolet werden? Oder, einfacher gefragt: Wie machen`s die Anderen? Demografische Probleme und finanzielle Nöte in den Gesundheitssystemen sind ja kein österreichisches Spezifikum, wie bereits hinreichend bekannt ist. Die gute Nachricht lautet: funktionierende Alternativen zur Crux der Beitragssysteme existieren, man braucht sie nicht neu zu erfinden.

Das Beveridge-System könnte funktionieren
Nüchtern betrachtet ist heute jeder demografisch unter Druck geratende Staat mit einer Annäherung an die Ideen des in Mitteleuropa zu Unrecht relativ wenig bekannten englischen Ökonomen und Sozialreformers Lord William Beveridge gut beraten.

Lord Beveridge hat die Sozialsysteme Englands und auch Skandinaviens maßgeblich beeinflusst: er war 1919-1937 Direktor der London School of Economics und hat in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Großbritannien ebenfalls aufgrund drängender sozialer Fragen einen von den Bismarck`schen Konzepten wesentlich differierenden Maßnahmenkatalog zur Abdeckung der gesundheitlichen Risken der Bevölkerung entwickelt. (Entgegen manchmal aufgestellter Behauptungen war Beveridge übrigens definitiv kein Sozialist, sondern klassischer englischer Liberaler.)

Steuern versus Beiträge
Der tiefgreifende und heute zunehmend vorteilhaft erscheinende Unterschied zur Bismarck`schen Idee besteht darin, dass im sogenannten Beveridge-System alleine der Staat über Steuermittel für die Abdeckung der Gesundheitsrisiken seiner Bürger zuständig ist. Diese Risikoabdeckung sah Beveridge als Grundrecht. Nach der Weltanschauung Beveridge`s und nach der herrschenden Grundmentalität in der vergleichsweise wesentlich reiferen, weil viel länger existierenden englischen Demokratie ist die öffentliche Gesundheitsversorgung eine der wenigen wirklichen Grundaufgaben, die ein Staat zum Wohle seiner Bürger zu erfüllen hat.

Einheitliche Finanzierung
Vereinfacht ausgedrückt: im Beveridge-System finanziert der Staat die öffentliche Gesundheitsversorgung der Bürger ausschließlich über Steuern. Im Bismarck-System geschieht dies wie beschrieben über Dutzende Körperschaften mit diversen berufsgruppenspezifischen, völlig unterschiedlichen und einkommensabhängigen Beiträgen, die Honorierung der medizinischen Leistungen ist ebenfalls uneinheitlich und der Bürger wird solcherart systembedingt finanziell unterschiedlich bewertet.

Ein Steuersystem lässt Platz für den Markt
Im Beveridge-System sind alle Partikularinteressen von zwangsbeitragsfinanzierten, halbstaatlichen Institutionen ausgeschaltet, jeder Bürger erhält ohne Ansehen von Rang und Namen und unabhängig davon, welches Einkommen er hat, eine steuerlich finanzierte Gesundheitsversorgung. Um sozialistische Tendenzen zu verhindern, dürfen die freien Gesundheitsberufe (also vornehmlich die Ärzte) aber nicht Teil des Systems werden (so wie sie das etwa in England sind), sondern sollen sich freiwillig vertraglich an das Beveridge-System binden können.

Parallel zur steuerfinanzierten Grundversorgung existiert natürlich ein privatmedizinischer Markt, der aber im Vergleich wesentlich klarer von der öffentlichen Medizin abgegrenzt ist und zu dem man sich in jeder Hinsicht bekennt. Heuchlerische politische Statements betreffend „Zwei-Klassen-Medizin“ können hier gar nicht aufkommen.

Die Vorteile überwiegen
Die Benefits der Beveridge-Systeme liegen heute auf der Hand: Einheitliche Budgetierung des öffentlichen Gesundheitssystems, klare politische Verantwortlichkeiten, relativ große Transparenz, Gleichwertigkeit der Bürger und vor allem: Die Unabhängigkeit vom Lohn bzw. vom Arbeitsverhältnis. Überdies kann man im Beveridge-System einen einheitlichen Grundleistungskatalog definieren, mit dem die Großrisken des Einzelnen abgesichert werden. Den Rest regelt der Markt.

Man muss es richtig machen
Wenn man es richtig macht, führt ein steuerfinanziertes Gesundheitswesen keineswegs in den sozialistischen Abgrund, wie das vielfach in den Ländern mit Beitragssystemen von deren Systemerhaltern schutzbehauptet wird. Die geringeren Gesamtkosten, die gleich hohe Lebenserwartung und die gleiche Krankheitshäufigkeit in den europäischen Ländern mit Beveridge-System beweisen deren Tauglichkeit zur Genüge. (Hier)

17 Gedanken zu „Beveridge statt Bismarck!

  1. Der Realist

    Es hat bisher ja auch funktioniert, warum soll man das ändern? Das ist wohl auch die Denkart der meisten Politiker, und das derzeitige System auch eine Spielwiese für Parteihaberer.

  2. waldsee

    Ich fürchte — bei aller Logik,die hinter diesem System steckt–,daß ich überlappend beide Systeme werde zahlen müssen. Was an GUTEM unsere Politiker mit diesem zusätzlichem Geld dann machen werden weiß ich nicht.Ich lasse mich überraschen.

  3. stiller Mitleser

    Das englische Gesundheitssystem war bekannt gut.

    Wellness-Randbereiche sollten allerdings selbst zu bezahlen sein, Rückentraining, regelmäßige Kuraufenthalte ohne schwere Erkrankung, Tanz- und Turngruppen werden von unterbeschäftigten Beamtenpensionisten eifrig und gratis in Anspruch genommen. Auch teure Mehrfachdiagnosen sollten vermieden werden.
    Intensiviert werden sollten die Angebote der Kinderpsychiatrie, da manche Entwicklungen so abgefangen werden könnten. Auch verpflichtende Info-Abende im Rahmen des Mutter-Kind-Passes (“trinken Sie als Stillende keine Energydrinks, wenn sie kein unruhiges,schlafloses Baby haben wollen, das Sie so müde macht, daß sie nur mit Energydrinks über den Tag kommen…”, “ein Volksschulkind sollte nicht auf 50kg gemästet werden…”) und illustrierte, mehrsprachige Broschüren zu Zöliakie, Diabetes und Empfängnisverhütung wären höchst angeraten.

  4. Rennziege

    Lieber Herr Dr. Franz,
    das Beveridge-Konzept wurde von Churchills PM-Nachfolger Clement Attlee (Labour) nach Weltkrieg Nr. 2 implementiert: staatliche Gesundheitsversorgung, National Health Service genannt. Dieses rein steuerfinanzierte Konstrukt bewährte sich eine ganze Weile, stößt aber seit zwei Jahrzehnten auf gewaltige Probleme, die nicht nur auf das von Ihnen erwähnte demographische Ungleichgewicht zurückzuführen sind, sondern besonders darauf, dass so gut wie alle praktischen und Fachärzte Staatsangestellte sind, mittelmäßig bezahlt, dafür aber ohne Risiko und Kredite für private Praxen. Was auch zu mittelmäßiger Äskulap-Ethik und magerem Fortbildungswillen führt.

    Das NHS wird darüber hinaus, wie auch hierzulande, von Zuwanderern (auch aus EU-Ländern) weit über die Grenzen seiner Belastungsfähigkeit strapaziert. Wartefristen von einem Jahr auf radiologische Diagnosen (MRT, etc.) sind die Regel, bei Fachärzten ähnlich lang, oft auch bei GPs (General Practitioners, Allgemeinmedizinern). So viel zum NHS.

    Freilich gibt es einige wenige Privatärzte und -Kliniken, die Barzahler und Privatversicherte rascher und kundiger behandeln und gar nicht so teuer sind; aber das Anspruchsdenken an “den Staat” hat sich in sieben Jahrzehnten so vertieft, dass einige Menschen einen vorzeitigen Tod dem Griff ins eigene Börsel vorziehen.

    In Österreich, staatsgläubig und sozialverträumt wie eine gealterte DDR, würde das nicht anders aussehen, fürchte ich. Dabei sollten wir abendfüllende Erfahrung mit Verstaatlichungen aller Art gesammelt haben, das dabei unweigerlich ins Kraut schießende Bonzentum eingeschlossen.
    P.S.: Ich habe in England eine Grammar School und eine Uni besucht, komme heute noch jährlich dorthin; bin auch kerngesund. Aber wenn Freunde mir von ihren NHS-Erfahrungen erzählen, freu’ ich mich, privat krankenversichert zu sein.

  5. raindancer

    ich glaube, das ganze Beitragssystem hat sogar mal gepasst, aber mittlerweile haben wir wirklich Bonzentum…
    Beamte gegen ASVGler und das ist das Problem
    eine Schicht arbeitet und zahlt für die andere….es nennt sich der neue ADEL in Österreich

  6. Thomas Holzer

    @all
    Deswegen! Mehr Zuwanderung von Jungen (Männern). Die füllen die demographische Lücke 😉
    Außerdem, Herr Dr. Franz: Ich vermisse als zusätzliche Maßnahme die Erhöhung des Pensionsantrittsalters, sowohl für Männlein als auch Weiblein als auch alle, die sich als dazwischen definieren 😉

  7. Weninger

    @Rennziege
    “Aber wenn Freunde mir von ihren NHS-Erfahrungen erzählen, freu‘ ich mich, privat krankenversichert zu sein.”
    Mehr kann man den rosaroten Schilderungen des Herrn Dr. Franz nicht entgegensetzen, besonders wenn man schon mal ein NHS-Spital von innen gesehen hat (sage nur Lambarene), außerdem genug verbürgte Begebenheiten aus dem Bekanntenkreis, wo Leute einen oder zwei Tage nach schweren Krebsoperationen (in die häusliche Pflege) entlassen wurden. Termine für Operationen bei lebensbedrohenden Erkrankungen sind immer schwerer zu bekommen etc. Dagegen ist Österreich bei allen Fehlern noch ein Paradies für schwerkranke Patienten, und das wissen auch alle Briten, nur Herr Dr. Franz noch nicht.

  8. Thomas Holzer

    @Weninger
    Da muß ich Ihnen leider zustimmen, das NHS befindet sich -gelinde formuliert- in argen Nöten. Woran das liegt, wage ich nicht zu beurteilen.
    Lambarene liegt aber definitiv nicht im UK 😉

  9. Oliver H.

    “Entgegen manchmal aufgestellter Behauptungen war Beveridge übrigens definitiv kein Sozialist, sondern klassischer englischer Liberaler.”

    Das ändert nichts daran, daß ein steuerfinanziertes Gesundheitswesen ein ursozialistisches Unterfangen ist. Gerecht ist auch das aktuelle System nicht, zumal es für idente Leistungen unterschiedliche Beiträge einfordert, doch deren Höhe ist aktuell unten und oben begrenzt, in einen steuerfinanzierten Modell ist sie das nicht.

    “Ein Steuersystem lässt Platz für den Markt
    Im Beveridge-System sind alle Partikularinteressen von zwangsbeitragsfinanzierten, halbstaatlichen Institutionen ausgeschaltet, jeder Bürger erhält ohne Ansehen von Rang und Namen und unabhängig davon, welches Einkommen er hat, eine steuerlich finanzierte Gesundheitsversorgung.”

    Es kann definitiv nicht von einem freien Markt gesprochen werden, wenn als Nachfrager und Begleicher der Rechungen für medizinische Leistungen allein der mit Steuermitteln finanzierte Staat auftritt. Private Versicherungen und eine Versicherungspflicht für ein Mindestset an Leistungen, ergänzt um Zuzahlungen des Staates für sozial Schwache, adressieren glasklar alle denkbaren marktwirtschaftlichen und sozialen Aspekte. Für klassische Liberale kann es daher nur ein derartiges System geben.

  10. Thomas Holzer

    @Oliver H.
    Kommen Sie mir bitte nicht mit “Gerechtigkeit”, diese gibt’s es in unserer Welt nicht, da diese Welt von fehlerhaften Wesen bewohnt wird

  11. Weninger

    @Oliver H.
    Bei lebensbedrohlichen Erkrankungen wenig begüterter Menschen kann man wohl schwer den “freien Markt” walten lassen. Das hieße diese verrecken lassen. Jeder kann mal in die Situation kommen, siehe Ayn Rand.

  12. Geheimrat

    Der Herr Dr.Franz macht die Leute und Leutinnen ganz wirr mit solchen Lächerlichkeiten. Wir haben doch im Moment doch ganz Probleme zu lösen, welche einfach überlebenswichtig sind für diesen Staat.
    Ich sag nur >HELDENPLATZ< ………
    Dieses Thema geht den Menschinnen und Menschen draußen wirklich unter die Haut.

    PS: "Platz der sozialistischen Partei" gefällt mir aber schon sehr gut! Oder?

  13. raindancer

    ich versteh das ganze Heldenplatz Theater sowieso nicht, das werden die Wiener besser verstehen

  14. Leitwolf22

    Die leidige Systemfrage betrifft gar nicht die Mittlaufbringung, sondern ihre Verwendung. So lange darüber jene die dran verdienen selbst bestimmen, werden die Kosten endlos nach oben gehen. Ein Beispiel:

    Ich habe mich letztes Jahr beim Inlineskaten verletzt. Ich bin gestolpert, hab Vorlage bekommen, mein Bein nicht mehr richtig unter den Körper gebracht und das Knie irgendwie verdreht. Ein hörbarer “Knacks”, ein stechender Schmerz, und ich lag im Gras.
    Eine Stunde später war ich im Krankenhaus, das Knie wurde geröntgt und nach einer weiteren Stunde bekam ich die Diagnose “in einer Woche is wieder gut” und eine Voltaren Salbe mit auf den Weg.
    Es wurde freilich nicht gut! Das Knie schwoll an, ich bekam erhöhte Temperatur, konnte überhaupt nicht mehr gehen, hatte extreme Schmerzen und war am nächsten Tag wieder im KH. Also gabs eine Drainage, einen Verband und Krücken.
    3 Monate später konnte ich dann ein extern angesetzes MRT (hätte es auch Hausintern gegeben) absolvieren. Ergebnis: Fraktur des lateralen Tibiakondyls. Ich hab mir also das Bein, respektive das “Knie” gebrochen.

    Ich will mich gar nicht über die vielen Fehlleistungen hier auslassen. Der Punkt ist der: all diese Fehlleistungen wurden voll verrechnet. Und die durch Komplikationen verursachten Mehrkosten waren auch Mehreinkommen. Strafen oder sonstige Sanktionen hat sowieso niemand zu befürchten.

    Stellen wir uns mal eine Airline vor, die den Flug überbucht und sie am Flughafen stehen lässt – um ihnen Flughafenaufenthaltskosten zu verrechnen und Ihnen für den nächsten Tag ein neues Ticket verkauft, zum extrateuren last-minute Tariff. Undenkbar? Klar, überall außer halt in unserem Gesundheitswesen.

  15. Oliver H.

    @Thomas Holzer
    “Kommen Sie mir bitte nicht mit „Gerechtigkeit“”

    Nachdem Sie unlängst schon bei den Target2-Salden so unqualifiziert vorwitzig waren und als “Falsch!” reklamierten, was niemand zum Thema machte: Lesen Sie überhaupt, worauf Sie antworten, oder picken Sie sich nur einzelne Wortfetzen raus als Trigger für Ihre Antworten?

    “diese gibt’s es in unserer Welt nicht, da diese Welt von fehlerhaften Wesen bewohnt wird”

    Erstens ließe sich dieses Dikum auf alles übertragen, was irgendwo auftaucht, wo mehr als nur eine Person involviert ist, wie etwa Fairness oder Angemessenheit, was jeder Debatte sofort der Begriffe entzöge, zweites aber, von wegen lesen, war nicht von Gerechtigkeit die Rede, sondern von deren Abwesenheit, zumal, unabhängig aller hinreichenden Definitionen und deren Erreichbarkeit auf Erden, ein notwendiges Kriterium in beiden Modellen verletzt wird.

    Kommen Sie mir also nicht Korinthenkackerei, zumal kein Ideal gefordert war, sondern eine taugliche und nachvollziehbare Annäherung daran.

    @Weninger
    “Bei lebensbedrohlichen Erkrankungen wenig begüterter Menschen kann man wohl schwer den „freien Markt“ walten lassen.”

    Diese Gefahr besteht bei einem System nicht, das mehr oder minder dem schweizerischen entspricht und dabei, wie festgehalten, soziale Aspekte mit einschließt.

  16. raindancer

    @Leitwolf22
    das hört sich aber nicht sehr vertrauenserweckend an..ich denke das Grundproblem ist die Sparerei bei den MRT
    Das meiste würde man eindeutig sehen, soweit jemand ein MRT deuten kann, so bleibt alles eine Raterei.
    In Zeiten wie diesen bei der Technik so zu sparen ist ein Skandal.
    MRT kann man bei fast allem einsetzen und die Bilder sind eindeutig.
    Ein weiterer Punkt ist, dass fast schon alle Ersparnisse für Kronen, Brücken und Implantate aufgehen, für Kontaktlinsen ebenso.
    Jedesmal die Ausrede die Grundversorgung sind Brillen und Röntgen usw.
    So als wären wir im Jahr 1930 stehen geblieben.
    Dafür zahlen wir aber der Leitung von den Krankenkassen horrende Gehälter.
    Das seltsame ist nur dass unsere Beiträge an 2017 angepasst wurden und nicht an 1930.

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