Biederschreiber und Brandstifter

(WERNER REICHEL) Kein Tag ohne neue Schreckensmeldungen aus Syrien, dem Irak, Libyen, Nigeria, Ägypten oder dem Gazastreifen. Rund um Europa wird gekämpft, gefoltert, vergewaltigt und gebombt. Der Blutzoll ist hoch. Christen und andere religiöse Minderheiten werden verfolgt, ermordet und vertrieben. Wann immer IS-Terroristen die Bewohner eines jesidischen Dorfes niedermetzeln, syrische Gegner am Dorfplatz kreuzigen, deren Frauen vergewaltigen und versklaven oder wenn ein Selbstmordattentäter mit den Worten „Gott ist groß“ sich und möglichst viele Kuffar in die Luft jagt, dann gehört es mittlerweile zum guten Ton bei den linken Mainstreammedien, immer anzufügen, dass das alles mit dem Islam nichts zu tun hat. Dieser Hinweis kommt so sicher, wie das, „Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die…“ bei der Arzneimittelwerbung. So titelte etwa der ORF: „Experten: IS hat nichts mit islamischer Religion zu tun“ Na Gott sei Dank. Noch mal Glück gehabt. Wäre ja auch irgendwie unangenehm, jetzt wo der Islam zu Europa gehört, wie unsere Politiker gerne und oft betonen. Nicht auszudenken. Aber die Annahme, dass Islamismus etwas mit dem Islam zu tun haben könnte, ist ja auch wirklich vollkommen abwegig. Und wenn es die Experten sagen, muss es wohl auch so sein.

Nun gibt es allerdings für jede Meinung, und sei sie auch noch so absurd und schräge, mindestens ein Dutzend Experten, die diese überzeugend vertreten und auch belegen können. Bei Meinungen, die im Mainstream daher treiben, gibt es diese Experten sogar im Dutzend billiger. Dementsprechend sind ihre Expertisen allerdings auch völlig wertlos. Zu allen Zeiten haben opportunistische Wissenschaftler jene Theorien und Beweise geliefert, die das jeweilige politische System gerade benötigt hat. Eine Hand wäscht die andere.

Einer dieser Experten mit der richtigen Meinung zum richtigen Zeitpunkt ist Politologe Thomas Schmidinger. Im Ö1-Morgenjournal durfte er seine geballten Weisheiten zum Besten geben. Und die waren so nützlich, dass danach fast alle ORF-Kanäle über die Frohbotschaften Schmidingers berichtet haben: „Die brennende Frage ist daher laut Schmidinger weniger, wie man etwa europäische Muslime vor einer Radikalisierung bewahren kann, sondern wie Europa insgesamt mit seinen Minderheiten und sozialen Randgruppen umgeht“, schreibt etwa orf.at. Es geht laut Schmidinger nicht um den Islam, sondern um die „sozial Schwächeren“ um die „sozial deklassierten Jugendlichen“.

Das hätte ein SPÖ-Politiker oder Grüner nicht besser formulieren können. Jetzt weiß man auch, wo der Islamismus herkommt, vom sozial kalten, unfreundlichen, turbokapitalistischen System in Österreich mit seiner unterentwickelten Willkommenskultur. Na dann, öffnet eure Geldbörsen und lasst uns noch mehr Steuergelder in die Integrations-, Asyl- und Sozialindustrie pumpen. Da fällt sicher auch ein bisserl etwas für den Herrn Schmidinger ab. Er und seine Kollegen im Geiste bei ORF und der Mainstreampresse kennen da nix. Da können die Kämpfer des „Islamischen Staates“ behaupten was sie wollen, das hat alles nichts mit dem Islam zu tun. Das wissen die Mainstream Schreiber von Wien bis Hamburg mit ihren abgebrochenen Politologie- und Germanistikstudien schließlich viel besser, als die religiösen Führer und Kämpfer des Heiligen Krieges. Da können sie sagen was sie wollen, selbst die Wahrheit.

Das erinnert an Biedermann und die Brandstifter. In dem Stück von Max Frisch quartieren sich die beiden Brandstifter Josef Schmitz und Wilhelm Maria Eisenring im Haus des reichen Haarwasserfabrikanten Gottlieb Biedermann ein. Die beiden Männer nötigen Biedermann mit einem Appell an die Menschlichkeit, sie aufzunehmen. Ihre Absicht, sein schönes Heim abfackeln, versuchen sie erst gar nicht zu verbergen. Als sie Biedermanns Dachboden mit Benzinfässern vollräumen, meint dieser völlig verunsichert, man dürfe doch nicht von jedem Menschen nur das Schlechteste denken.

Aus Angst, Feigheit und in der vagen Hoffnung, dass sich doch noch alles als Irrtum herausstellen könnte, serviert er ihnen auch noch ein Festessen, holt seinen besten Wein aus dem Keller und steckt den beiden zu guter Letzt auch noch Streichhölzer zu, in der verzweifelten Hoffnung, Schmitz und Eisenring könnten vielleicht doch seine Freunde sein. Was für den außenstehenden Betrachter aber vollkommen lächerlich und absurd erscheint.

Max Frisch beschreibt das geistige Innenleben unserer politischen Klasse, unserer Experten und Journalisten ganz gut. Natürlich wissen auch sie im Grunde was Sache ist. Doch so wie der verängstigte Biedermann hegen  sie die vage Hoffnung, dass ihre Parolen, Rezepte und Meinungen vielleicht doch die richtigen sind, dass sie mit ihrer Feig- und Verzagtheit vielleicht doch durchkommen werden.

 

8 comments

  1. Spruance

    An dieses Theaterstück muß ich schon seit Jahre denken, allzu offensichtlich sind die Parallelen zum heutigen Geschehen.

  2. Manuel Leitgeb

    Der Schmidinger gehört was die Sorte “Biedermeier – Brandstifter” angeht zu den absolut schlimmsten Vertretern in Österreich. Ich kann es mir nicht verkneifen, praktisch jedesmal einen Kommentar zu schreiben, wenn er in der Wiener Zeitung auftritt, da er einfach soviel Blödsinn bar jeder Realität von sich gibt.
    Dazu kommt, daß er sehr schnell ausfallend wird, wenn man seine Meinung nicht teilt und ihm reale Fakten vorhält. Aber das gehört wohl zu seiner Sorte Mensch.

  3. Mme. Haram

    Körperverletzung ohne medizinische Indikation IST per Gesetz verboten. Religiöse Vereinigungen haben es mit Lügen (“wie Nägelschneiden”) Erpressung (“Neuer Versuch der Shoah”, Muzikant) geschafft, die Menschenrechte tw abzuschaffen. Nur für Jungen, wohlgemerkt.
    http://www.zeit.de/2013/28/genitalverstuemmelung-gesetz-frauen
    “In Verbindung mit Paragraf 1631d BGB, der die Beschneidung von Jungen legalisiert, verkündet der neue Tatbestand damit folgende Botschaft: Das, was eine Frau körperlich ausmacht, ist unantastbar. Aber das, was einen Mann körperlich ausmacht, darf zurechtgeschnitten werden. Das weibliche Geschlecht ist sakrosankt, das männliche disponibel. Juristisch ist Paragraf 226a nicht so schlimm; ihn wird das Bundesverfassungsgericht kassieren. Allerdings müssen wir überlegen, wie viele Botschaften dieser Art wir Männern und Jungen noch zumuten möchten.”

  4. Wolf

    @Mme. Haram
    Bin ganz bei Ihnen. Ganz abgesehen von allen juridischen und religiösen Fragen: ich wäre ja neugierig, wie der Herr Schmidinger reagieren würde, wenn man ihn – natürlich ohne jedwelche Narkose und ohne ihn um sein Einverständnis zu fragen – beschneiden wollte. Sein Geschrei würde man noch bis Linz hören. Bei hilflosen Babys findet er es aber ganz o.k.

  5. Mme. Haram

    Schmidinger IST beschnitten, das erwähnt er auch extra im Artikel! Klassisches psychologisches Phänomen! Viele Kommentare von Befürwortern kommen von Leuten, die nichts mehr zu verlieren haben. s. Wikipedia: Dissonanzauflösung.
    Bei Frauen dasselbe Lied:
    “Beschneidung ist für mich keine Schande. Ich hatte auch bei der Geburt meiner Kinder keine Probleme. Keine beschnittene Frau aus Guinea fühlt sich verstümmelt, im Gegenteil, wir fühlen uns sauber. Wir sind stolz. Ich erinnere mich daran, dass ich als kleines Mädchen unbedingt beschnitten werden wollte.
    Viele Frauen ärgern sich zudem, dass sie in bester Absicht zu Opfern abgestempelt werden. Der Begriff ‘Genitalverstümmelung’ wird von vielen Betroffenen als abwertend und verletzend empfunden. Migrantin Muthoni Sana aus Tansania bringt die Sache auf den Punkt: ‘Fragst du mich, ob ich beschnitten bin, sage ich Ja. Fragst du mich, ob ich verstümmelt bin, antworte ich Nein.’
    Schnitte in Körper und Seele — Eine Umfrage zur Situation beschnittener Mädchen und Frauen in Deutschland

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