Bloß keine Tatsachen!

“Die Tatsachenmenschen haben abgewirtschaftet: In der Krise wird deutlich, dass Kapitalismus und Neoliberalismus keine Hoffnung bereithalten,” schreibt der Journalist Jakob Augstein auf “SpigelOnline”. Klar, wird höchste Zeit, dass wir uns nicht mehr mit den Tatsachen auseinandersetzen; und schon gar nicht als Journalisten, sonst kriegen wir das mit der Krise nie auf die Reihe. Augstein steht da würdig voll in der Tradition des letzten kommunistischen Chefredakteurs der  Moskauer “Prawda”, der auf die Frage, warum er in seinem chauffeurgelenkten Dienstwagen hinten immer die Vorhänge zugezogen hatte, geantwortet hat: “Weil ich sonst nicht die Wahrheit (“Prawda”) hätte schreiben können”.

10 comments

  1. Suwarin

    Augstein ist das beste Argument für eine möglichst umfassende Erbschaftssteuer. Wer unverdient so reich ist, hat mit Tatsachen tatsächlich nicht viel zu tun.

  2. Turing

    Augstein wäre ein Fall für Sigmund Freud. Während andere nur einen Vater haben, aus deren Schatten sie treten sollen, hat er gleich zwei. Und die haben besonders lange Schatten geworfen, der eine im Bereich des Journalismus, der andere in der Literatur.

    Ich lese Augsteins Kolumne seit über einen Jahr regelmäßig. Ich habe ihm noch nie zustimmen können, denn immer missachtet er Realität, verbarrikadiert sich in seinem linken Gedankengebäude und lässt nur ideologischen Blödsinn vom Stapel. Und was mich besonders beunruhigt: Der Mann hat dann tatsächlich auch noch Fans. Kein Beitrag Augsteins ist für die nicht blöd genug, um nicht den üblichen Jubel abzulassen.

    Sein Vorwurf, dass wir Neoliberalen “Tatsachenmenschen” seien, fasse ich persönlich als Kompliment auf. Unbemerkt lässt Augstein auch mal kluge Äußerungen ab und die “Tatsachenmenschen” treffen es. Wir sind keine Utopisten, wir machen keine Versprechungen, sondern treten einfach nur für die Wirtschaftsweise ein, die wir als die vernünftigste ansehen, eine Wirtschaftsweise, deren Grundpfeiler Eigentum, Eigenverantwortung und Freiheit sind.

  3. aneagle

    Ach,Jakob !

    Eins ist mal klar wie Kloßbrühe: Du hättest dem Esau NIEMALS das Erstgeborenenrecht mit einer Linsensuppe abkaufen können!

    Höchstens könntest Du mit deinem Erbrecht dem Grass Günterchen seine Blechtrommel eintauschen!

    Und was tief innen ganz schlimm schmerzt: DU WEIßT ES !

    Nun, wir und alle anderen auch, Sorry 🙂

  4. Michael Haberler

    och mein Gott, Klein-Augsteins Gelalle wird auch nur in deutschen öffentlichrechtlichen Talk-Formaten zur ernstzunehmenden Ansicht erhoben – der ist doch die wandelnde Selbstkarikatur eines super-politisch korrekt-bigotten Salonlinken

    das eigentliche Problem ist mE der Kurs des Spiegel unter seinem Einfluss (von SPON sowieso), dem leider die Leser den Sessel noch nicht vor die Tür gestellt haben

    beim Spiegel habe ich das für mich schon längst gemacht, leider kann ich das beim ähnlich gelagerten Problem ORF nicht

  5. G.K.

    @Aron Sperber

    Nein, nicht einmal das, denn den “Freitag” hätte er ohne das Geld, zu dem er dank seiner Herkunft gekommen ist, nicht kaufen können. Und nebenbei: dort hat er – an seinen eigenen Massstäben gemessen im Manier eines hemmungslosen Kapitalisten – gründlich aufgeräumt.

  6. Christian Weiss

    Man kann ja den Herrn Augstein schon verspotten, aber tatsächlich erreicht der Mann mit seinen Schüleraufsätzen ein beachtliches Publikum, dass sich tatsächlich auch über Dinge wie den vermeintlich neoliberalen “Konsumwahn” aufregt. Und Augstein ist sich dann ja auch nicht zu schade, das Statement eine geistig unbedarften jungen Mannes, der gerade für das neueste IPhone Schlange gestanden ist, als Beispiel für die Verrohungen im Kapitalismus anzuführen.
    Wie Jesus auf den IPhone-Kauf reagiert hätte, wird aus Augsteins laientheologischer Exegese nicht gänzlich klar, aber man muss wohl annehmen, dass der Gottessohn den Applestore aus dem Konsumtempel vertrieben hätte.
    Und so ist dann das Christentum exegetisch dargelegt auch kein Hort der freien Entscheidung, sondern es seien per ordre des Laienpredigers alle jenen üblen Dinge des Konsums verboten, für die je irgendwo jemand Schlange gestanden ist: Harry Potter, Schlussverkauf, IPhone, StarWars-Filme… Alles neoliberales Teufelszeugs.

  7. Klaus Kastner

    Ich teile die Meinung von Augstein nicht, meine jedoch, dass man hier das Kind nicht mit dem Bad ausschütten sollte.

    Die große Schwäche des Liberalismus, Neoliberalism etc., nennen wir es einfach des freiheitlichen Denkens, ist, dass es heutzutage keine Denker und/oder Führungspersönlichkeiten à la Hayek zu geben schein, die für die breite Masse formulieren können, wie eine solche ‘freiheitliche Welt’ aussehen könnte und welchen Nutzen sie für die breite Masse hätte. Stattdessen wird mit Zahlen argumentiert und mit dem Dämonisieren verschiedener Systeme, die gemeinsam haben, dass sie mit …mus enden.

    Ich empfehle die Videoserie “Freedom to choose” von Milton Friedman (siehe Link). Dort geht es weniger um die Frage, welches …mus am Ende besser ist, sondern wie das Wohl der Menschen (nicht nur der Lebensstandard) optimiert werden kann. Anders ausgedrückt: es geht um das Thema Freiheit.

    Ich muss immer wieder staunen, wie scheinbar unwichtig der Begriff persönliche Freiheit heutzutage geworden ist. Dabei haben sich Jahrtausende von Geschichte um diesen Begriff gedreht. Hayer definierte Freihat als “die Freiheit von der Willkür anderer’. Die Unterstellung war, dass Freiheit von der Willkür anderer das persönliche Wohlbefinden steigern würde.

    Der Gegenbegriff von Freiheit ist Abhängigkeit. Man hat es offenbar geschafft, dass Menschen, die durch die Jahrtausende für Freiheit gekämpft haben, nunmehr ihr persönliches Glück in mehr Abhängigkeit sehen, vor allem in ‘unnatürlichen Abhängigkeiten’ (damit meine ich Abhängigkeiten, die nicht auf Angebot und Nachfrage basieren).

    Was Augstein schreibt, bietet dem ‘Mann auf der Straße’ wahrscheinlich mehr Perspektive, als die besten faktenbasierten Argumente von Liberalen. Das ist aber ausschließlich deshalb so, weil offenbar niemand in der Lage ist, die guten Argumente für liberales Tun und Handeln den Menschen zu vermitteln. Was wären gute Argumente? Eine Welt aufzuzeichnen, die es gäbe, wenn anstelle von unnatürlichen Abhängigkeiten mehr Freiheit herrschen würde.

  8. KClemens

    @Klaus Kastner

    Freiheit ist total out. Und die Vorreiter der Abschaffung der Freiheit sind seit der Wiedervereinigung in D und der Osterweiterung in der EU oftmals alte Seilschaften, die nur im neuen, manchmal im grünen Gewand in den neuen Parlamenten auftauchen.

    Und auch ein Herr Augstein ist mir bisher nicht als Bewahrer oder ein Fürsprecher von persönlicher Freiheit aufgefallen.

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