Buch: Österreich – Die zerrissene Republik?

Von | 26. April 2017

(C.O.) Österreich, behauptet der deutsche Journalist Hans-Peter Siebenhaar in seinem jüngst erschienen gleichnamigen Buch, sei eine “zerrissene Republik”. Der Riss, meint der langjährige Wien-Korrespondent der angesehenen deutschen Tageszeitung “Handelsblatt”, teile sozusagen Hell-Österreich von Dunkel-Österreich. Hell-Österreich, das ist die weltoffene, demokratische und EU-freundliche Hälfte des Landes, hat Alexander Van der Bellen zum Bundespräsidenten gewählt und ist entsetzt über Donald Trump.

Dunkel-Österreich hingegen ist Islam- und migrationskritisch, hat eine Schwäche für Grenzen, ist EU-skeptisch, hält Trump nicht für einen Weltuntergang und hat – erraten – natürlich für Norbert Hofer votiert und wird demnächst H.C. Strache wählen. “Das Pack” eben, wie das im deutschen Polit-Establishment mitunter heißt.

Ein Motiv des Dichters Friedrich Hebbel aufnehmend – “Dies Oesterreich ist eine kleine Welt, / In der die große ihre Probe hält, / Und waltet erst bei uns das Gleichgewicht, / So wird’s auch in der andern wieder licht” – geht Siebenhaar noch einen Schritt weiter. “Österreich wird zum Testfall in Europa, an dem sich zeigen wird, ob am Ende Menschlichkeit, Aufrichtigkeit und Mut in einer lebendigen Demokratie siegen werden.” Man kann das natürlich so sehen. Eher fraglich ist freilich, ob ein derart vereinfachender, schablonenhafter und undifferenzierter Blick auf die Republik tatsächlich die Wirklichkeit einigermaßen abbildet. Denn immerhin hat sogar der SPÖ-Chef und Bundeskanzler dem Führer von Dunkel-Österreich, H.C. Strache, in einer Podiumsdiskussion sinngemäß zugestanden, auch um das Wohlergehen der Österreicher bemüht zu sein. Ganz zu schweigen davon, dass seinerzeit schon Bruno Kreisky, heute eine Ikone des Hell-Österreich, mit der Partei der Finsternis koaliert hatte.

Ganz so einfach, wie Siebenhaar es sich macht, dürfte es mit dem Riss zwischen den Guten und den Bösen, der das Land teilt, doch nicht sein. Da scheint der Autor der alten journalistischen Weisheit zu folgen, wonach man sich eine gute Geschichte nicht von den Fakten ruinieren lassen soll.

Erfrischend klar und klug ist das Buch hingegen in jenem Teil, der sich den wirtschaftlichen Problemen des Landes widmet. Hier ist der “Handelsblatt”-Korrespondent sachkundig und beschreibt das Land völlig zutreffend als vom Abstieg bedrohten ökonomischen Minderleister, verursacht vor allem durch eine leistungsfeindliche, illiberale Wirtschaftspolitik. “Geheimer Exodus: Warum Österreich die Investoren aus dem Ausland verliert” heißt etwa ein Kapitel, das sich mit der abnehmenden Attraktivität des Landes für Unternehmen beschäftigt. “Wegen einer überbordenden Bürokratie, viel zu hohen Steuern und einer diffusen Wirtschaftsfeindlichkeit fällt der Standort Österreich zurück”, diagnostiziert er. “Es ist ein offenes Geheimnis, dass insbesondere Hochqualifizierte wie Ingenieure, Ärzte, Chemiker und Informatiker um Österreich einen weiten Bogen machen” – vor allem wegen der absurd hohen Steuerbelastung.

Völlig zu Recht beklagt er auch die Art und Weise, wie wirtschaftliche Sachverhalte in der Öffentlichkeit erörtert werden. “Die Unwissenheit über ökonomische Zusammenhänge ist eines der Grundprobleme in der öffentlichen Meinungsbildung. Eine traurige Rolle spielt in diesem Zusammenhang der ORF, der mediale Teil der österreichischen Identität”, urteilt der Autor, “Die enge Verquickung zwischen Parteien und der Rundfunkanstalt sind schlichtweg skandalös. Doch noch nie waren die Chancen auf einen Rückzug der Parteien schlechter.” Einen Rückzug, den er dem Staat auch sonst ans Herz legt: “Damit das Land im Herzen Europas wirtschaftlich richtig in Tritt kommt, muss sich der Staat aus der Wirtschaft zurückziehen. Dazu gehört die Privatisierung von teilstaatlichen Unternehmen.” In diesem Punkt zeigt sich die Nation wenig zerrissen: Davon, dass Privatisierungen des Teufels sind, ist die große Mehrheit im Lande felsenfest überzeugt. Egal, ob Hell-Österreicher oder Dunkel-Österreicher. (WZ)

Österreich – Die zerrissene Republik
Hans-Peter Siebenhaar
Orell Füssli, 2017
272 Seiten, 19,95 Euro

24 Gedanken zu „Buch: Österreich – Die zerrissene Republik?

  1. Thomas Holzer

    Dann dürfen wir uns ja glücklich schätzen, daß es Österreich zu den Zeiten, als SPÖ und ÖVP bei Wahlen jeweils nahe an die 50% der abgegebenen Stimmen kamen, nicht wirklich zerrissen hat 😉
    Und zu diesen Zeiten gab es wirklich noch Unterschiede zwischen diesen beiden Parteien, nicht nur programmmäßig, sondern auch bei den “handelnden” Personen

  2. aneagle

    Hell- und Dunkelösterreich teilen sich das den Bürgern längst geraubte Land in traditioneller Eintracht. Für die Insassen Österreichs ist es nahezu egal, von wem sie beherrscht werden. Gemeinsam ist den Regierenden aller Couleurs die absolute Freiheitsfeindlichkeit, sowie die feste Hand, mit der die bedauernswerte Republik im Griff gehalten wird, wenn nötig sogar mit grünen Einsprengseln. Das politische Credo der EPÖ (Einheitspartei Österreich) lautet: ” Da könnt´ ja ein jeder kommen”. Die politische Blaupause zur Beherrschung des Landes, ist der ORF. Wer gerade das Sagen hat, ist über lange Strecken nicht unterscheidbar und im Grunde auch unerheblich, da vorsorglich keine erkennbaren, erreichbaren oder schon erreichten Ziele der Regierungsarbeit formuliert werden. Außer vielleicht einem: Hieß es früher- der Balkan beginnt am Schwarzenbergplatz,- steht er jetzt bereits, gut ausgebreitet, zwischen Stephansplatz und Schottenring. Österreich hat zu einer neuen Fortbewegungsart gefunden, es taumelt.

  3. sokrates9

    Solange die arbeitenden Dunkelösterreicher nicht sehen, dass mehr als die Hälfte des Einkommens dazu dient die ” Hellen” durchzufüttern, die dafür die abstrusesten Ideen einbringen- der Bundespräsident sagt gerade dass die Österreicherinnen als Solidarität ein Kopftuch tragen sollten – kann sich nichts ändern!

  4. Thomas Holzer

    @Sokrates 9
    Könnten Sie das auch belegen?! Ich meine Ihre Behauptung, VdB betreffend

  5. sokrates9

    Thomas Holzer@ Heutige Kronenzeitung! – Mir fehlt die Phantasie solche Aussagen zu erfinden!

  6. Thomas Holzer

    @sokrates9, AD
    Danke!
    Ja, der Dummheit sind keine Grenzen gesetzt, auch nicht Bundespräsidenten 😉

  7. TomM0880

    “Davon, dass Privatisierungen des Teufels sind, ist die große Mehrheit im Lande felsenfest überzeugt. Egal, ob Hell-Österreicher oder Dunkel-Österreicher.”

    Das liegt einfach daran, dass die “Hell-Österreicher” internationale Sozialisten, und die “Dunkel-Österreicher” nationale Sozialisten sind. Stehlen wollen beide Gruppierungen. Der einzige Unterschied der beiden Fraktionen ist der Empfänger der gestohlenen Güter.

  8. Dr.Fischer

    …wird noch der Tag kommen, an dem wir ALLE Frauen bitten müssen, ein Kopftuch zu tragen. ALLE. –
    Also sprach VdB lt. Mitschnitt der Rede und setzte diese Ankündigung in Zusammenhang mit einer “tatsächlich stattfindenden Islamophobie”.
    Damit scheint die Linie der politischen Strategie in Österreich auch schon umrissen zu sein. Ich möchte warnen davor, sich auf die Terminologie des Hell- versus-Dunkelösterreich einzulassen, damit wird lediglich der in Deutschland bereits erstaunlich fortgeschrittene pc Zwang zur – siehe Antifa-Mobilisierungen – Spaltung gefördert.

    Die Website von Journalistenwatch.de ist nach wie vor “forbidden” und nicht mehr erreichbar- übrigens.

  9. KTMTreiber

    Buch: Österreich – Die zerrissene Republik?

    Ma·the·ma·ti̱k
    Substantiv [die] die Wissenschaft von den Zahlen und ihren in Formeln ausdrückbaren Beziehungen.
    + (PLUS)
    De·mo·gra·fi̱e̱, Demographie
    Substantiv [die] Wissenschaft von der (zahlenmäßigen) Bevölkerungsentwicklung.
    + (PLUS)
    dem Wissen um die Reprodukionsrate, muslimischer Frauen (im Schnitt in D/Ö / – 3,1 Kinder – was auch immer ein 0,1 Kind ist) und deutscher / österr. Frauen (1,3 Kinder)

    kann sich jeder, der (noch) bei klarem Verstand ausrechnen, wohin die Reise geht … 😉

    Wir, die Durchschnittseuropäer, oder Autochthonen,- werden auf kurz, oder lang einfach verschwinden … – welcome zu Eurasistan. Europa hat “bereits fertig”.

  10. Wanderer

    Darth Vaders “come to the dark side” sei allen Nichtlinken nach den bundespräsidialen Aussagen ins Stammbuch geschrieben!

  11. namor

    Ein paar Beobachtungen zur Kronen Zeitung.

    Im Herbst 2015 war man beim tagespolitischen Hauptthema ganz auf Regierungslinie, selbst die Leserbriefe waren fremdenfreundlich.
    Tage vor der dritten Präsidentenwahl war das Abschlussvideo VdBs zweimal auf der Homepge gelistet, ganz oben und unten als Top-Video. Die Leserbriefe waren auch nicht mehr so ablehnend gegen den grünen Kandidaten.
    Am 24.12. (oder war es der 25.12) wurde in der Beilage der Kronen Zeitung über vier (sic!) Seiten entgeltlich geworben, vom Sozialen Wien (sic!) in der Ausgabe für ganz Österreich.
    Ach ja mit Faymann und ÖBB und Kronen Zeitung war ja auch mal was.

    Egal was die Kronen Zeitung schreibt. Wenn es darauf ankommt, weiß sie auf welcher Seite sie steht. Evtl. dient sie nur als Ventil. Ausreichend Druck ab lassen. Aber nie zu viel und nicht wenn Wahlen anstehen.

  12. KTMTreiber

    @namor

    Die “Kronen Zeitung” dient de facto ausschließlich als Ventil. Dessen bin ich mir sicher.

  13. Gerald Steinbach

    Aufgrund Geschlechtergerechtigkeit und Gleichstellung könnten ja die Männer auch aus Solidarität ein Kopftücher tragen, da Vdb könnte ja einmal anfangen

  14. Thomas Holzer

    @Gerald Steinbach
    Wenn schon, dann Bärte, Krausebärte und Pluderhosen 😀
    Da geht der Herr VdB eh mit halbwegs gutem Beispiel voran, ein bisserl zu viel getrimmt noch, sein Bart, aber das wird schon

  15. sokrates9

    Wieso können Menschen, denen man ja eine gewisse Grundintelligenz nicht absprechen kann, oft derart realitätsfremd agieren? Beispiel: alle Gutmenschen beklagen sich dass ja – Marke Milchmädchen – 1% Flüchtlinge pro Jahr in Europa leicht integrierbar wären! Theoretisch ja. Doch mir konnte noch niemand erklären wie lange ein Flüchtling in Finnland am Polarkreis, in Ungarn, Bulgarien, Griechenland bleibt und wie schnell er an den Sozialtöpfen Österreichs und der BRD hängt!
    wenn man heute durch die Mariahilferstrasse geht glaubt man in Ankara – nicht Istanbul zu sein – da so viele intensiv arbeitende Frauen mit Kopftuch herumspazieren!

  16. Thomas Holzer

    @sokrates9
    Sollen sie doch ihre Kopftücher tragen, ich habe kein Problem damit. Aber!
    1.) die Folgesätze des Herrn VdB sind schlicht und einfach dumm und lächerlich
    2.) ebenso ist das Reden und Agieren “unserer” Politikerdarsteller dumm und lächerlich.
    wenn eine glaubt, ein Kopftuch tragen zu müssen, soll sie sich nicht auf die dummdreisten Gesetze wie Antidiskriminierung ausreden können.
    Ergo: Abschaffung all dieser Meinungsparagraphen, und jeder und jede soll mir seiner und ihrer Kleidung “glücklich” werden.
    basta

  17. TomM0880

    @Thomas Holzer
    ich bin auch der Meinung, dass jeder das anziehen kann, was er will.

    Nur würde ich gerne wissen, wie viele von den Frauen es wirklich freiwillig machen und ob ihnen von unseren Linken geholfen wird, falls diese Damen sich entscheiden gegen ihre Unterdrücker (Männer) zu rebellieren.

    Weiters bin ich auch der Meinung, dass wenn das Tragen eines Kopftuches zur Redefreiheit gehört (wie es der Präsident von Österreich letztens beschrieben hat), ich mich auch auf meine Redefreiheit berufen kann, wenn ich es einfach nur lächerlich finde (und dies auch kundtun darf), wegen eines “Glaubens” Kleidungsvorschriften einhalten zu müssen.

    Sollte ich jedoch durch einen kaugummiartigen Paragraphen wegen Hetze verurteilt werden, ist jeder Anspruch auf Redefreiheit seitens der Islamversteher in Österreich hinfällig.

  18. mariuslupus

    Genosse VdB liegt voll im Trend, hat den Finger am Puls der Zeit. Die NYT hat den Begriff “female genital mutilation” verbannt, weil er “culturally loaded” ist. Bedeutet, Verbrechen die in Namen einer bestimmten, interessanterweise immer einer sog. islamischen “Kultur”, verübt werden, dürfen nicht beim Namen genannt
    werden. Warum eigentlich ? Warum diese Akzeptanz und Schutz von atavistischen Verbrechen die im unseren Kulturkreis verübt werden ? Was wird der nächste Schritt sein ? Vor einigen Jahren haben sich Tierschützer wegen der Schächtung aufgeregt . Jetzt wird voll akzeptiert dass die armen Viecher leiden müssen, keiner verliert ein Wort. Im Namen der gleichen Ideologie dürfen Frauen brutal verletzt werden, der Straftatbestand einer schweren Körperverletzung, mit nachfolgender psychischer Traumatisierung, wird ignoriert.

  19. Thomas Holzer

    @TomM0880
    Da weder Sie noch ich, und -erfreulicher Weise- auch kein Politikerdarsteller (noch) in die Gehirne eines Menschen schauen können, werden wir schwerlich feststellen können, wer nun diese Tücherl (egal in welcher “Ausfertigung) freiwillig oder gezwungener Maßen aufsetzt/trägt.

    Als aufrechten Verfechter für die Abschaffung jeglicher Antidiskriminierungs- und Verhetzungsparagraphen finden Sie in mir einen bekennenden Mistreiter für die (Wiedereinführung der) Rede- und Meinungsfreiheit

  20. Rado

    Das Video mit dem Bundesspräsidenten van der Bellen samt Kopftuchaussage und Nazivergleich vom 26.4.2017 gibt es ungekürzt, unkommentiert und ungeschnitten hier. Gesamtdauer ca. 1:15h, die spezielle Aussage fällt etwa bei Min. 26; Nur falls sich jemand selbst ein Bild machen will: von wegen “Ironie” oder “aus dem Zusammenhang gerissen”!
    (den übrigen Text auf der Seite braucht man ja nicht zu lesen)
    https://www.unzensuriert.at/content/0023850-NS-Verharmlosung-Van-der-Bellen-verglich-Kopftuch-Verbot-indirekt-mit-Deportation

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.