Buchbesprechung: “Bargeldverbot”

(ANDREAS TÖGEL)  Die Einschläge kommen näher: zuerst die Limitierung von Barzahlungen, jetzt die Abschaffung des 500-Euro-Scheins und die Kriminalisierung der Bargeldverwendung durch prominente Ökonomen. Die konzertierten Aktionen für den Umstieg auf ein reines Plastikgeldsystem nehmen täglich an Intensität zu.

Die Autoren, beide sind ausgewiesene Experten auf dem Gebiet des Geldwesens, liefern mit ihrem Buch eine profunde Zusammenfassung der auf dem Weg zum Bargeldverbot bereits gesetzten, sowie der in der nächsten Zeit noch zu erwartenden Schritte. Das Ziel der Regierungen und Zentralbanken wird von Ökonomen, wie dem häufig zitierten Kenneth Rogoff, ganz unverblümt genannt: Die Möglichkeit zur flächendeckenden Durchsetzung von (die privaten Haushalte, darunter namentlich die der Sparer, enteignenden) Negativzinsen. Dem herrschenden, nichtsdestotrotz aber unbewiesenen Mantra folgend, wonach es einer moderaten Inflation bedarf, um die Wirtschaft am Laufen zu halten, sind diese eines der Mittel zum Zweck. Ein (der Marktwirtschaft fremder) Negativzins kann jedoch nicht ungehindert durchgesetzt werden, solange die Menschen in bares Geld ‘flüchten’ und so dem Zugriff von Zentralbanken und Fiskus wirkungsvoll entziehen können.

Es geht im vorliegenden Werk nicht um die Pflege einer Verschwörungstheorie, sondern um handfeste, nachprüfbare Fakten.

Die Strategie, den geradezu unerhört erscheinenden Plan eines allgemeinen Bargeldverbotes voranzutreiben, indem man ihn ganz offen verkündet und die Bürger das Offensichtlich einfach nicht glauben wollen, könnte – zu unser aller Schaden – durchaus aufgehen. Sie wird auch aufgehen, wenn sich der Widerstand gegen den Umstieg auf ein rein virtuelles Geldsystem nicht deutlich verstärkt. Eine der Möglichkeiten, über die jedermann verfügt, ist der Verzicht auf den Einsatz von Kreditkarten – auch wenn damit ein verschmerzbarer Verlust an Bequemlichkeit verbunden ist. In einer bargeldlosen Welt würden die Vorteile dieser Bequemlichkeit rasch von den Nachteilen ihrer horrenden (nicht nur in Geldeinheiten messbaren) Kosten überwogen werden.

Von einer Reihe guter Gründe, die für den Erhalt des Bargeldes sprechen, ragt der von Fjodor Dostojewski formulierte heraus: ‘Geld ist geprägte Freiheit.’ In unserer Zeit des Papiergeldes müsste stattdessen von ‘gedruckter Freiheit’ die Rede sein.

Den Autoren geht es darum, den Nutzen privater (kaum kontrollierbarer) Transaktionen und die mit einem von Banken und Regierungen total überwachten Plastikgeldsystem verbundenen Gefahren deutlich zu machen. Die listigen Betreiber der Kampagne für den Umstieg auf virtuelles Geld (und dessen potentielle Nutznießer) schrecken vor keiner Desinformation zurück. Die infame Gleichsetzung “Bargeld = Kriminalität” ist eine davon.

Es geht um sehr viel mehr als um die Entscheidung Bares oder Plastikgeld. Es geht um die Freiheit.

 

Bargeldverbot

Alles, was Sie über die kommende Bargeldabschaffung wissen müssen

Ulrich Horstmann & Gerald Mann

Finanzbuchverlag

154 Seiten, broschiert

ISBN: 978-3-89879-933-1

6,99 Euro

4 comments

  1. Selbstdenker

    Ein erster, nicht sehr aufwendiger Schritt:
    https://www.volkspetition.org/petitionen/bargeldverbot-stoppen/

    Einen festverankerten, sehr gut versteckten privaten Tresor zulegen
    Größere Bargeldbestände aufbauen
    Gold- und Silbermünzen kaufen, Fremdwährungsbestände aufbauen
    Keine Systemparteien wählen (AT: SPÖ, ÖVP, Grüne, DE: CDU/CSU, SPD, Linke, Grüne)
    Rechtsschutzversicherung abschließen und Rücklagen für Rechtsstreitigkeiten bilden
    Wer die Möglichkeit dazu hat: Inhaberkonten – idealerweise im Ausland – einrichten
    Großen Bekanntenkreis von Leuten mit handwerklichen Fähigkeiten aufbauen
    Sich mit Bitcoin und Hawala-Banking vertraut machen
    Umfassendes soziales Netzwerk offline aufbauen und auf die Problematik hinweisen
    Alles vorzeitig abernten, wo sich die Politik schnelles Geld erhofft

    Die Devise lautet: dezentralisieren, diversifizieren und dort wo möglich offline gehen.

    Politik, Zentral- und Großbanken haben ein Geschäft zu Lasten Dritter (=der Bürger) geschlossen. Wir müssen sie auflaufen lassen und Kosten bzw. Risiko angestrebter Enteignungsmaßnahmen in die Höhe treiben.

    Am wichtigsten ist die Erkenntnis: wir leben in keinem vollwertigen Rechtsstaat mehr. Man muss sich von Anfang an klar sein, dass das Recht so gut wie immer auf der Seite der Systemprofiteure (Politik, Medien, Transferempfänger, etc.) steht und jeder noch so miese Trick angewendet wird.

    Bereitet Euch vor und lasst Euch nichts mehr gefallen, Mitte 2016 bahnt sich leider was Großes an.

  2. gms

    Geht es nach Hans-Gert Penzel und seines Zeichens einer der EZB-Generaldirektoren von 2004 bis 2010, dann ist es maßgeblich die ach so böse Privatwirtschaft, welche die Bargeldabschaffung forciert. Im Substandard reicht dies sogar für die Headline: “Bankenexperte: Internet-Oligarchen treiben bargeldloses Zahlen”. Soviel zu Propaganda und Deception.

    Und weil Penzel eben nun mal ein Experte ist, darf er auch frank und frei behaupten: ‘Aus Sicht der Volkswirtschaftstheorie stört Bargeld immer’. Immer also.
    Welche spezifische Theorie er meint, nämlich die geldsozialistische, wird rasch klar, denn er führt postwendend aus: ‘Wer Bargeld hortet, unterbricht den Geldschöpfungsmechanismus, das heißt die Möglichkeit, an anderer Stelle Kredite zu schaffen. Bargeld schafft damit auch ein Element der Unkontrollierbarkeit in einer Geldmengensteuerung.’

    In unserem aktuell pervertierten Währungssystem hat obige Aussage ihre Berechtigung, limitiert doch die von Zentralbanken ventilierte Basisgeldmenge M0 mittelbar alle anderen Geldmengen, sprich auch jene, die etwa vollständig durch Aktien oder Hypotheken im Wert gedeckt wären.
    Gäbe es kein elektronisches Zentralbankgeld, sondern nur Banknoten und Münzen und wären diese wiederum vollständig in den Händen von Nicht-Banken, dürfte im bestehenden System keine einzige Bank einen Kredit gegen eine noch so wasserdichte Sicherheit vergeben, weil ihr das dazu nötige Wertlose aus Frankfurt oder sonstwo in der Hinterhand fehlt. Was aber der Experte nicht dazu sagt, weil es seine Theorie ein Kleinwenig ins Stottern brächte, ist der Umstand, wonach M0 heute zum überwiegenden Teil nicht mehr aus bunten Fetzten, sondern monochromen Bits besteht, mit denen Banken untereinder saldieren.

    Das einzig Positive an der Debatte ist die mitterdings ins Allgemeinwissen durchsickernde Erkenntnis, daß mit dem Ansinnen zwar etwas abgeschafft weden soll, es sich dabei aber definitiv nicht um Geld handelt. Was sich noch nicht rumgesprochen hat, ist die anvisierte Endausbaustufe des Wahnsinns, bei dem es einzig und allein von Zentralbanken emittierte Bits geben soll. Besonders Schmerzbefreite, sei’s nun aus eigener Unbelecktheit oder in ihrer Natur als Handlanger der echten Oligarchen, vermarkten das bereits jetzt schon als ‘Vollgeld’.

    [1] http://derstandard.at/2000035567438/Bankenexperte-Internet-Oligarchen-treiben-bargeldloses-Zahlen

  3. gms

    Trompeter,

    “Was die Abschaffung von Bargeld mit TTIP und den Interessen multinationaler Konzerne zu tun hat”

    Ein Tag ohne Konzääan-Geplärre sind für dich verlorene 24 Stunden. Man könnte mit entsprechend engen Scheuklappen bewährt auch gegen Elon Musk vom Leder ziehen, nutzt er doch die Co2-Religion zur Vermarktung seiner Innovationen, seien es nun Autos ohne Verbrennungsmotor, Akkus abseits von Garagenromantik oder leasbare Solarpanele. Nieder mit dem Systemprofiteur Musk, dem wir zu allem Überfluß sogar PayPal verdanken!

    Hat man sich aber erstmal vom Niveau eines Einzellers entfernt, behirnt man, wonach die Schicht unterhalb der echten Machthaber, sprich Unternehmen der New Economy a) von oben genauso steuertechnisch und regulatorisch bombadiert wird, wie der Mittelstand und b) allenfalls partial von dem Machenschaften der Strippenzieher profiteren darf zur Aufrechterhaltung der eigentlichen Stoßrichtung wider die Basis an der gesellschaftlichen Pyramide.

    Ohne Einfädelung von ganz oben könnten Konzerne an alternativen Bezahlmethoden basteln und daran verdienen bis zum Schwarzwerden, es hätte mehrfach nachgezählt exakt null Konsequenzen, ob es echtes Geld geben darf oder nicht. Capito?

    Superreiche und zur Laternisierung ausgeschrieben sind dann Paris Hilton und Konsorten ihrer Bussi-Gesellschaft oder eben Firmen wie Uber, AirnB, Starbucks, Amazon, Google und so fort, massenmedial sorgsam aufgereiht als Blitzableiter für den Volkszorn, an denen Kläffer deiner intellektuellen Gehaltsstufe sich erleichternd in Triebabfuhr üben dürfen in der Rolle abertausender Echokammern der täglich aus allen Medienritzen hervorquellenden Propaganda.

Kommentar verfassen

Du kannst die folgenden HTML-Codes verwenden:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .