Buchbesprechung: Das Ende der SPÖ

Von | 19. Oktober 2017

(ANDREAS TÖGEL) Zeitlich hätte diese Neuerscheinung nicht besser programmiert sein können: pünktlich zur vorgezogenen Nationalratswahl 2017, erscheint diese Abrechnung mit Versäumnissen, Fehlern und personellen Missgriffen der österreichischen Sozialdemokratie in der Zweiten Republik. Ist der Titel auch überzeichnet, so kommt immerhin der Untertitel den Tatsachen nahe: „Von der absoluten Mehrheit in die Bedeutungslosigkeit“.

Errang die einst staatstragende Partei unter „Sonnenkönig“ Bruno Kreisky, anno 1979 noch satte 51,03 Prozent der Wählerstimmen, dümpelt sie gegenwärtig bei unter 30 Prozent dahin. Erstmals in der Geschichte der Zweiten Republik, ist es ihr als der den Kanzler stellenden Regierungspartei gelungen, bei einer Nationalratswahl nur als zweiter ins Ziel zu kommen – und das nur knapp vor den drittplatzierten Freiheitlichen. Blamabel. Victor Adler und Bruno Kreisky werden vermutlich in ihren Gräbern rotieren.

Auf kurzweilige, ironisch pointierte, aber keineswegs bösartige Weise, geht der Autor den Gründen für den systematischen Abstieg der einstigen Partei der werktätigen Massen auf den Grund. Serienweise Skandale, offensichtlicher Ziel- und Identitätsverlust, sowie unattraktives Führungspersonal, bilden die Hauptgründe für den stetigen Wählerschwund. Das Auftauchen des charismatischen Populisten Jörg Haider Mitte der 80er-Jahre, dessen Kür zum Chef der FPÖ und die darauf folgende Ausgrenzungsstrategie („Vranitzky-Doktrin“), hat den Wählerverlust nur noch weiter beschleunigt und die Freiheitlichen gestärkt. Jetzt waren und sind es eben sie, die den Finger am Puls der kleinen Leute haben, nicht mehr eine zum Macht- und Pfründenerhaltungsverein degenerierte Sozialdemokratie. Die Facharbeiter, die einst die roten Kerntruppen bildeten, stehen heute mehrheitlich im blauen Lager.

Zu allem Überfluss trägt der kometenhafte Aufstieg des schwarzen Jungstars, Sebastian Kurz, zum weiteren Niedergang der Sozialisten bei. Denn er, und nicht die Roten, scheint die Zeichen der Zeit erkannt zu haben und auf die richtigen Themen zu setzen. Der politische Trend ist im Jahr 2017 kein Genosse mehr. Wenn die SPÖ sich nicht alsbald neu erfindet, wird ihr Weg in die Bedeutungslosigkeit unumkehrbar.

 

Das Ende der SPÖ

Martin Sörös

Verlag Frank 6 Frei

233 Seiten, broschiert

ISBN: 978-3-9504348-5-9

19,- Euro

6 Gedanken zu „Buchbesprechung: Das Ende der SPÖ

  1. Kluftinger

    Das dümpeln bei 30% ist auch nur möglich weil die Grünen “gewandert” sind. Sonst wäre das Ergebnis, wie vorausgesagt, bei ca. 24-24%.

  2. sokrates9

    Meiner Meinung nach haben sich auch fatal die gekauften Medien ausgewirkt! Wenn es keine kritische Presse gibt und man in der Öffentlichkeit für jeden Furz den man von sich gibt in höchsten Tönen gelobt wird, braucht man sich nicht wundern wenn der Bezug zur Realität verloren gehrt!

  3. Reini

    Der Weg der SPÖ in die Bedeutungslosigkeit hat begonnen, eine Großpartei startet zur Selbstvernichtung, wenn man nicht mit der Zeit geht, geht man mit der Zeit, … sie wird das gleiche Schicksal treffen wie die Grünen, Innerbetriebliche Streitereien – nach Rechts oder Links, Abspaltung, Auflösung. Man könnte “fast” Mitleid für ihre Blindheit und falschen Realitätssinn haben,…

  4. Erich

    Nach dieser Wahl dürfte es Kern noch weniger gelingen, die Partei einigermaßen stramm auf Linie zu bringen. Was die Gefahr von noch offeneren Richtungskämpfen auf Kosten der Demokratie und Bevölkerung mit sich bringt. In letzter Not wird halt wieder regelmäßig mit großem Aufwand in Demos mit den üblichen Vermummten gegen schwarz-blau gehetzt und in den üblichen Medien (vom Falter bis zum Standard und vor allem im Ausland) das groß herausgebracht. Zum Schaden auch des Wirtschaftsstandortes Österreich.

  5. Falke

    Der SPÖ steht ja noch etwas bevor, nämlich die Wahl des neuen Vorsitzenden der Wiener SPÖ, also der wichtigsten Landesorganisation. Es ist durchaus möglich und denkbar, dass es da die Wiener SPÖ zerreißt (derzeit gerade noch mühsam von Häupl zusammengehalten), die ja bisher Garant für einen Großteil der Wählerstimmen für die Bundespartei war. Die Wiener SPÖ könnte sogar noch früher implodieren, nämlich im – doch eher unwahrscheinlichen – Fall, dass es zu einer Rot-Blauen Regierungskoalition kommt.

  6. Urban Galler

    @Reini, die internen Streitereien und Richtungskämpfe werden nicht dazuführen, sehrwohl die Gründung von islamischen Parteien. Dann hat der nützliche Idiot nämlich seine Schuldigkeit getan und kann gehen. Die Arbeiter sind ohnehin schon weg und mit der Islamisierung gibt es den Femen- und Genderwahn sowie Schwulen und Lesbenverehrung auch nicht mehr. Wer sollte noch Rot wählen.

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