Buchbesprechung: “Parasit Staat”

Von | 29. Oktober 2020

(Andreas Tögel) Entdecken Sie den Libertarismus! Ihr Impfstoff gegen Staat, Ideologie und Aberglaube. Die einst von Milton Friedman apostrophierte „Tyrannei des Status quo“ betrifft ganz besonders die Einschätzung des Wohlfahrtsstaates. Ohne ihn sind wir nichts und ohne ihn geht vermeintlich nichts. Wenn es ihn nicht gäbe, herrschte der Krieg jedes gegen jeden, wäre das Leben kurz, scheußlich und brutal. Und: Ohne Staat – wer würde denn da die Straßen bauen?!

Der Autor unternimmt einen Generalangriff auf diese eklatante Fehleinschätzung. Er präsentiert – ganz im Sinne anderer libertärer „anarchokapitalistischer“ Denker – den Staat als das, was er ist: Eine parasitär lebende Organisation. Alles was der Staat seinen Klienten zukommen lässt, hat er zuvor den Bürgern und Leistungsträgern geraubt. Alles was er tut, könnte von Privaten, die ohne das Privileg eines Macht- und Gewaltmonopols agieren, qualitativ besser und preisgünstiger getan werden.

„Rechtsstaat“ – das ist ein Oxymoron, denn einen rechtsetzenden Rechtsbrecher, einen eigentumsschützenden Enteigner und einen vor fremder Willkür bewahrenden Gewalttäter – das kann es aus logischen Gründen nicht geben, wenn der Begriff des Rechts ernst genommen wird.

Alexander Kreis baut seine Argumentation auf der von Immanuel Kant formulierten Kernthese der Aufklärung auf, die auf den Aufbruch des Menschen aus der selbstgewählten Unmündigkeit hinausläuft und den Einsatz des eigenen Verstandes fordert. Ein freier Mensch braucht keine allsorgende Gouvernante, die ihm unentwegt vorschreibt, wie er sein Leben zu führen hat und die ihm darüber hinaus den Großteil seines redlich erarbeiteten Einkommens unter Gewaltandrohung abnimmt (niemand zahlt freiwillig Steuern, denn sonst gäbe es wohl keine Finanzpolizei).

Der Autor erkennt im Staat ein sozialistisches Umverteilungssyndikat, das nach der Devise „teile und herrsche“ Reiche gegen Arme, Gescheite gegen Dumme sowie Fleißige gegen Faulpelze ausspielt und die Menschen in zwei Klassen teilt: In eine, die Steuern bezahlt und eine, die davon lebt. Ein unauflösbarer, Konflikte erzeugender Gegensatz.

Die Alternative zum stets zum Totalitarismus tendierenden Staat bildet die vom Autor präferierte Privatrechtsgesellschaft, in der jeder sich um seine eigene Lebensführung kümmert und das in Wahrheit einzige menschliche Grundrecht, nämlich jenes, in Ruhe gelassen zu werden, vollumfänglich respektiert. Es wäre schön, wenn das Buch nicht, wie so viele andere dieses Genres, eine Predigt zu den bereits Bekehrten bliebe.

Parasit Staat
Alexander Kreis
Verlagshaus Schlosser
227 Seiten, broschiert
ISBN: 978-3-96200-401-9
15,90,- Euro

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