Buchempfehlung: „Die unheimlichen Parallelen“

Von | 28. Februar 2017

(ANDREAS TÖGEL)  Das englischsprachige Original des Buches erschien bereits im Jahr 1982. Nun liegt endlich eine Übersetzung ins Deutsche vor. Dass ein amerikanischer Philosoph „unheimliche Parallelelen“ zwischen dem Deutschland der Weimarer Zeit und den USA der 1980er-Jahre diagnostiziert, mag zunächst überraschen. Doch der Autor versteht es, in seiner brillanten Analyse, die einen historischen Bogen bis in die griechische Antike schlägt, auf zwingende Weise zu begründen, wie er dazu kommt.

Zunächst räumt er rigoros mit einigen gängigen Erklärungen auf, die für die Entstehung des Nationalsozialismus in Deutschland angeboten werden, wie verlorener Weltkrieg, zerstörtes Selbstwertgefühl von Generationen, Hyperinflation, Massenarbeitslosigkeit, politische Polarisierung, etc. All diese Phänomene traten so oder in ähnlicher Form auch anderswo auf, ohne dass sich am Ende eine nationalsozialistische Diktatur etablieren konnte. Peikoff verortet die Erklärung des Phänomens in der dem Denken der meisten Deutschen zugrundeliegenden, falschen Philosophie.

Im Abschnitt, der sich mit dem Wesen der Philosophie auseinandersetzt werden einige grundlegende Begriffsklärungen vorgenommen. Die sind besonders für diejenigen erhellend, die sich mit Philosophie nicht oder nicht intensiv beschäftigt haben. Insbesondere der Erkenntnistheorie widmet Peikoff breiten Raum.

Die Schuld an der besonders in Deutschland grassierenden „Seuche des Kollektivismus“ lastet er im Wesentlichen drei großen Philosophen an: Platon, Kant und Hegel. Diese drei stehen in direkter Opposition zum freiheitlich-individualistischen Denken Aristoteles´. In diesem Punkt deckt sich die Analyse Peikoffs voll und ganz mit jeder Ayn Rands.

Wie schon Rand, so wirft auch er Immanuel Kant vor, mit seiner „Kritik der reinen Vernunft“ ein Tor zum Irrationalismus aufgestoßen zu haben, durch das dann – allen voran der Apologet des preußischen Absolutismus, Hegel, – eine Reihe von Nachfolgern hindurchgetreten seien. Der auf dem von diesen Männern produzierten Humus gedeihende deutsche Idealismus wurde zum Gegenentwurf zum rationalistischen Denken, das in England herrschte und das letztlich in der amerikanischen Revolution (der Sezession der 13 Kolonien vom englischen Mutterland) seinen höchsten Ausdruck fand.

Peikoff: „Hegels Kollektivismus und Staatsverehrung sind expliziter als alles, was sich in Platons Schriften findet.“ So wird durch ihn das Individuum vollständig marginalisiert, wie im folgenden Zitat aus „Philosophie und Geschichte“ deutlich wird: „Aller Werth, den der Mensch hat, alle geistige Wirklichkeit, er allein durch den Staat hat.“ Die Fundamente des totalitären Staats, wie ihn später die Nationalsozialisten verwirklichen werden, sind zu dieser Zeit schon gelegt. Als sie in den 1920er-Jahren antreten, die Macht zu erobern, finden sie dafür ideale Voraussetzungen vor, die durch kollektivistisch-autoritäres, jeder Vernunft zuwiderlaufendes Denken geschaffen wurden. Die „deutsche Tugend“ blinden Gehorsams, wird am Ende zum Sargnagel von Frieden und Freiheit.

Peikoff beklagt den vollständigen Mangel an eigenständig denkenden Philosophen in den USA. Letztlich habe man ausschließlich auf aus Europa importierte Ideen gesetzt. John Locke, der als „intellektueller Gründervater“ der Vereinigten Staaten gelten darf, wurde nach und nach durch Immanuel Kant ersetzt, der den Aufstand gegen die Vernunft anführte.

Da moralisches Verhalten durch die zunehmend an Einfluss erlangenden Intellektuellen als „uneigennütziger Dienst an der Gemeinschaft“ definiert wurde, hatten und haben die Verteidiger des klassischen Laissez-Faire-Kapitalismus auch in den USA einen immer schwereren Stand.

In einem den verschiedenen Stadien der nationalsozialistischen Durchdringung Deutschlands gewidmeten Abschnitt, wird die verheerende Wirkung eines Abweichens von der „reinen Vernunft“ deutlich. Relativismus aller Art, der in einer Verwerfung des aristotelischen Prinzips der Identität gipfelt, könnte sich auch in den USA zu einer totalitären Bedrohung auswachsen.

Die unheimlichen Parallelen

Dr. Leonard Peikoff

Juwelen Verlag 2016

377 Seiten, gebunden

ISBN: 978-3945822-13-5

19,90,- Euro

11 Gedanken zu „Buchempfehlung: „Die unheimlichen Parallelen“

  1. andreas.sarkis

    Das Buch stammt aus 1982… und es gab keine Übersetzung aus dem Englischen. Ist das ernst gemeint? Englisch ist die internationale Wirtschaftssprache. Zu warten, bis etwas “ins Deutsche” (in welches?) übersetzt wird, ist ein vernichtendes Urteil für die Bildung.

  2. raindancer

    ich mag nicht über Vergleiche diskutieren; die die NS Zeit oder Hitler hernehmen
    BITTE NICHT

  3. Thomas Holzer

    @raindancer
    Ab und zu schadet es nicht!
    Vergleichen Sie bitte die Nachfolgeorganisationen der Nationalsozialisten in der DDR, detto die Art und Weise der Aufmärsche in der DDR und anderen, sogar noch existierenden realsozialistischen Staaten.
    Da sollte für jeden erkenntlich sein, oder werden: Nationalsozialismus und Internationalsozialismus waren niemals Gegner, sondern immer Konkurrenten

  4. raindancer

    ok ich habe es durchgelesen ich sehe da keinen Zusammenhang wie erwartet
    Vielleicht bin ich zu blöd dafür, erklären sie mir ihre Aussage Mr Holzer..warum waren die Nazis Konkurrenten der Amerikaner?
    Es ist logisch, dass der Nationalsozialismus mit der Judenvernichtung abschreckend wirkte ..aber nicht nur auf die Staaten, sondern auf die ganze Welt.
    Die Kommunisten mit ihren Versagen in wirtschaftlicher Hinsicht waren ebenso kein Grund abzukupfern.
    Das Ergebnis war ein prächtiger Staat der mit Makeln es gar nicht so schlecht macht. Ebenso wie Japan.
    Die Schwarzen waren schon früher (eingesiedelt für die Baumwollernte) da und die Mexikaner sind zu 90% illegal, sozusagen Nachbarn.
    Das laissez faire hat logischerweise aus gutem Grund einen schweren Stand weil es in den Staaten, für die die es nicht geschafft haben….not so easy ist.
    –>Die „deutsche Tugend“ blinden Gehorsams, wird am Ende zum Sargnagel von Frieden und Freiheit.
    Ja die gibts auch heute wieder ..die ganzen linken in Deutschland!
    Also bitte..ich bitte um Erklärung.

  5. Marcel Elsener

    @raindancer
    Sie jubeln Herrn Holzer eine Aussage unter, die er so nicht getätigt hat. Herr Holzer bezeichnete den National- und den Internationalsozialismus als Konkurrenten. Die Amerikaner wurden von ihm gar nicht erwähnt. Wie kommen Sie also darauf zu behaupten, Herr Holzer sähe die Nationalsozialisten und die Amerikaner als Konkurrenten?

    Tatsächlich buhlten sowohl National- als auch Internationalsozialisten um dieselbe Klientel: um die Arbeiterklsee. Beide Ideologien versprachen den Arbeitern soziale Wohltaten und bekämpften das Bürgertum (= Bourgeoisie). Beide waren erbitterte Gegner sowohl des Liberalismus als auch konservativer Lebensweisen. Beide waren kollektivistische Ideologien, die das Wohl des von ihnen präferierten Kollektivs (Arbeiterklasse) über das Wohl der Individuen stellten.

    Konsequenterweise bezeichnete Göbbels den Nationalsozialismus als links, was sich sowohl philosophisch als auch historisch sehr gut belegen lässt. Tatsächlich ist der Nationalsozialismus die Symbiose zwischen zwei klassisch linken Ideologien, nämlich des Nationalismus und des Sozialismus.

  6. raindancer

    wahrscheinlich deswegen—->dass ein amerikanischer Philosoph „unheimliche Parallelelen“ zwischen dem Deutschland der Weimarer Zeit und den USA der 1980er-Jahre diagnostiziert, mag zunächst überraschen.

    Ich nehme an die International Socialists sollen die Democrats in den Staaten sein.

    -> präferierten Kollektivs (Arbeiterklasse) über das Wohl der Individuen..würde dann aber überhaupt nicht mehr passen.

  7. Marcel Elsener

    @raindancer
    Sie befinden sich schon wieder auf dem Holzweg. Wenn ein amerikanischer Philosoph ‘unheimliche Parallelen’ zwischen dem Deutschland der Weimarer Zeit und den USA der 1980er Jahre sieht, bedeutet das keineswegs, dass daraus eine Konkurrenz zwischen Amerikanern und Nationalsozialisten (Ihre Worte, werter raindancer) gefolgert werden kann. Die beiden Kategorien stimmen einfach nicht. Wenn Sie die Parteigänger der Demokraten mit den Internationalsozialisten gleichsetzen, dann müssten folgerichtig die Parteigänger der Republikaner mit den Nationalsozialisten gleichgesetzt werden. Verknüpft mit Ihrer obigen Aussage würde daraus logisch folgen, dass die Republikaner keine Amerikaner sind, weil sie ansonsten in Konkurrenz zu sich selber stünden, was natürlich Unsinn ist. Sie sehen, Ihre ursprüngliche Aussage ist logisch herleitbar Unsinn, werter raindancer.

    Ich habe Herrn Peikoffs Buch nicht gelesen, weshalb ich mir kein Urteil darüber anmasse. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er dieselbe Parallele findet, die Sie so leichtfertig Herrn Holzer in den Mund legen, die aber lediglich Ihrer Phantasie entspringt.

    Ansonsten vertraue ich sehr Herrn Tögels Urteilsvermögen. Wenn er dieses Buch zur Lektüre empfiehlt, dann kann man davon ausgehen, dass er es zu Recht tut.

  8. Wanderer

    Ein Philosoph räumt also mit den üblichen (historischen und wirtschaftlichen) Erklärungsversuchen zur Entstehung des Nationalsozialismus auf und macht die philosophischen Ansätze seiner weltberühmten deutschen Vorgänger mit- oder gar hauptverantwortlich? Die Herren müssen schon ganz gewaltig im Unterbewusstsein der deutschen Weltkriegsverlierer verankert gewesen sein, wenn ihr Einfluss auf die politische Meinungsbildung der 1920er jenen des Versailler Vertrages übertrifft.

  9. raindancer

    @Marcel Elsner
    ganz ehrlich ich glaube dass hier zwei Dinge vermischt werden …nämlich wirtschaftliche und politische …
    was in Amerika gegenübersteht ….wirtschaftliches laisser faire (Kant, republicans Kapitalismus–conservatives nationalists) gegen —“Intellektuellen als „uneigennütziger Dienst an der Gemeinschaft“ (Hegel, Locke,democrats…socialists)
    ich würde die Nationalsozialisten bei beiden einreihen (da Überschneidungen –Nationalismus findet sich auch bei den Konservativen(republicans), aber Sozialismus eher bei den Demokraten). Aber für Ideale zu morden, Meinungen zu verbieten, Menschen einzusperren,Kriege zu beginnen das kann man ganz speziell dem Nationalsozialismus zuordnen. Man könnte also beinah sagen..es ist nicht der Kapitalismus oder der Sozialismus der Gift enthält sondern der Idealismus.
    Ich hoffe, dass ich mich nun klar ausgedrückt habe.

  10. Marcel Elsener

    @raindancer
    Ich vermische hier gar nichts. Ich prüfe lediglich Ihre Behauptungen auf ihre innere Konsistenz und zeige Widersprüche auf.

    Dass man für Ideale mordet, Meinungen verbietet, Menschen einsperrt, Kriege beginnt, das alles ist keineswegs spezifisch nationalsozialistisch. Tatsächlich findet man solche Tendenzen in sozialistischen Regimes recht häufig – sei es im Stalinismus, im Maoismus, bei der Ideologie der Roten Khmer wie auch der Nordvietnamesen unter Ho Chi Minh oder auch im Sozialismus eines Fidel Castro etc. Auch hier zeigt sich einmal mehr: Rotsozialismus und Braunsozialismus sind sich wesentlich ähnlicher als man gemeinhin wahrhaben will.

  11. raindancer

    naja wenn man es unbedingt in links und rechts dividieren will …so gesehen kann man sagen, dass von den Kapitalisten (also rechts) die Sklaverei, der Imperialismus, die Ausbeutung, die Akzeptanz der Armut der Massen kommt.
    Ich denke nach wie vor, dass eine Ausgewogenheit von Nationalismus und Globalismus, Sozialismus und freiem Markt die beste Option ist und zwar ohne Ideologien.

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