Buchempfehlung: “Österreichs Kriegshelden”

(ANDREAS TÖGEL) „Kriege mögen andere führen, du, glückliches Österreich heirate!“ Dieses mutmaßlich aus der Zeit von Kaiser Maximilian I. stammende Zitat, das die über viele Jahrhunderte erfolgreich betriebene Heiratspolitik der Habsburger charakterisiert, sagt zugleich einiges über das Fremd- und Eigenbild des österreichischen Militärs aus. Im scharfen Gegensatz zu „den Preußen“, von denen man weiß, dass sie mit Kommissstiefeln an den Füßen geboren werden, traut man dem austriakischen „Kamerad Schnürschuh“ kein sonderliches Talent für militärisch Belange zu. Zu Unrecht, wie das vorliegende Buch belegt.

Der Autor präsentiert eine Reihe hochverdienter „Landsknechte, Haudegen, Feldherren“ (so der Untertitel), die die Geschichte Österreichs im Lauf vieler Jahrhunderte durch ihr taktisches Geschick und strategisches Genie zum Teil entscheidend beeinflusst haben. Nur wenige der beschriebenen Männer dürften dem durchschnittlich informierten Zeitgenossen unserer Tage bekannt sein. Ausnahmen davon bilden wohl Prinz Eugen, Feldmarschall Radetzky und Andreas Hofer. Doch wer kann mit Namen, wie etwa Erzherzog Albrecht, Leopold Joseph von Daun oder Gideon Ernst von Laudon etwas anfangen, die immerhin mit Reiterstandbildern an prominenten Plätzen im Herzen Wiens geehrt werden?

Eine Analyse von rund 7.000 Gefechten und Schlachten, die in der Zeit von 1495 bis 1895 unter Beteiligung österreichischer Truppen stattgefunden haben, ergibt für diese eine „Erfolgsquote“ von etwa 65%. Nicht schlecht, für die Armee eines Reiches, das man eher mit Musik, Wein und Mehlspeisen, denn mit Pulverdampf in Verbindung bringt.

Die mit einigen Kriegsherren des Mittelalters beginnende Darstellung der einzelnen Persönlichkeiten, die mit einem Fliegerhelden des Ersten Weltkriegs endet, bietet zugleich eine komprimierte Geschichtslektion. Sind die geschlagenen Schlachten doch stets in einen politisch-strategischen Kontext eingebettet, der zumindest kurz umrissen wird.

Wie ein roter Faden zieht sich die unausgesetzte Geldnot des Hauses Habsburg durch das das Buch. „Ohne Geld ka Musi“, besagt ein altes Wiener Sprichwort. Und ohne entsprechende personelle und technische Ausrüstung ist es auch schwer, gegen besser gewappnete Gegner im Felde zu bestehen. Angesichts dessen – und eingedenk der ebenfalls das gesamte Buch durchziehenden Tatsache, dass die habsburgischen Herrscher ihren Gegenspielern zum Teil nicht nur intellektuell, sondern vor allem auch hinsichtlich ihres Verständnis´ für Militärstrategie oft heillos unterlegen waren, kann man über die trotzdem erstaunlichen Erfolge der vorgestellten Herren im Kampf gegen Türken, Franzosen, Preußen und Russen, nur staunen.

Die Kurzbioraphien zweier Protagonisten auf „exotischen“ Kriegsschauplätzen, verleihen dem interessanten Werk zusätzliche Würze: Einer davon ist Johann Carl Khevenhüller, der an der Seite Kaiser Maximilians in Mexiko gekämpft hat; der zweite ist Rudolf von Slatin, der für die Briten im Sudan gegen die fanatischen Horden des Mahdi sein Leben riskiert hat.

Männer dieses Zuschnitts, oder solche wie die beiden Verteidiger Wiens gegen die Türken (1529 Niklas Graf Salm, 1683 Ernst Rüdiger Graf Starhemberg), strafen all diejenigen Lügen, die die alle Österreicher für Nulpen und militärische Blindgänger halten. Fazit: ein vielfach illustriertes, informatives Buch für den geschichtsinteressierten Leser.

 

Österreichs Kriegshelden

Helmut Neuhold

Ares Verlag

282 Seiten, Hardcover

ISBN: 978-3-902475-99-2

24,90,- Euro

5 comments

  1. stiller Mitleser

    Heerführer waren oft “Gastarbeiter”, Gideon von Laudon war Balte, Lacy ein Ire und z.B. der Deutsche Hammerstein-Equord war General in napoleonischen Diensten. In Laudons Vita berührt, daß er, aus kleinem Adel, bereits mit 15 Jahren zu den Soldaten kam, wie Prinz Eugen (z.Z. guter Artikel in der Presse) noch in fortgeschrittenem Alter ins Feld mußte und – ungleich späteren Militärs – Strapazen nicht scheute.
    An Lacy und seinen Neffen erinnern deren Grab auf ihrem ehemaligen Besitz, dem Schwarzenbergpark, und an Laudon ein schönes Grab im westlichen Wienerwald, mit einem Grabspruch der an die Stationen seiner Karriere erinnert .” (tiro ad Borysthenem, dux ad Moraviam, Viadrum, Boberim, Neissam, Vistritiam; veteranus ad Unnam, Istrim, Savum – als Rekrut an den Dnjepr, als Anführer an die March, Oder, Bober, Neisse und Bystritza, als Veteran an Una, Donau und Save).

  2. cmh

    Auch die meisten der Soldaten wären heute eigentlich Ausländer. Was aber nicht zählt, denn alle waren Kaiserliche.

    Und darin liegt des Pudels Kern: für einen Kaiser mag man sch vielleicht schlagen, aber wofür sollten wir das heute tun? Für den Sozialstaat, für die linke Presse (die es bestenfalls in ein sicheres Pressequartier verschlägt), für die sozialistischene Bundeskanzler und (grün)kommunistischen Präsidenten, die ganze Schmarozerbrut, die nicht zum Kämpfer, sondern nur zum Kriegsgewinnler taugt?

    Die Sinnfrage wäre zu stellen, dann ergibt sich der Rest von alleine.

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