Buchtip: “Afrika wird armregiert”

(ANDREAS TÖGEL) 17 Jahre lang hat der Autor Deutschland als Diplomat in Afrika gedient. Zuletzt als Botschafter in Kamerun. Seine vor Ort gemachten Beobachtungen und Erfahrungen ergeben ein verheerendes Bild der westlichen Entwicklungshilfe, die aus Gründen der politischen Korrektheit auf den neuen Namen „Entwicklungszusammenarbeit“ umgetauft wurde.

Von einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe kann keine Rede sein. Wie Volker Seitz anhand einer Fülle von Beispielen erläutert, geht es vielmehr um eine modere Art des Ablasshandels, der den Spendern das wohlige Gefühl der Barmherzigkeit einträgt, ohne den vorgeblich zu beglückenden Afrikanern zu nutzen. Ganz im Gegenteil: Jeder nach Afrika fließende Cent zementiert die Herrschaft der, von wenigen Ausnahmen abgesehen, korrupten afrikanischen Politeliten. Jede mit westlichen Spendengeldern errichtete Schule enthebt die jeweilige Regierung der Notwendigkeit, selbst in die Bildung zu investieren. Da werden schon eher teure Limousinen und Waffen angeschafft.

Stark verkürzt: Entwicklungshilfe bedeutet den Geldtransfer von armen Menschen in reichen Spenderländern zu in üppigem Wohlstand schwelgenden Potentaten im armen Afrika, die nicht selten über Konten und Immobilienbesitz in Europa und den USA verfügen.

Der Autor geht mit den staatlichen und nichtstaatlichen Hilfsorganisation hart ins Gericht, denen er vorwirft, einen Gutteil ihrer Aktivitäten zum eigenen Nutzen zu entfalten. Die Spenden- Hilfs- und Elendsbewirtschaftungsindustrie hat nicht das geringste Interesse daran, die vorgeblich zu behebenden Probleme (in erster Linie die Armut) zu beseitigen, weil sie damit ihre Existenzberechtigung verlieren würde. Wer gefährdet schon ein Geschäftsmodell, das weltweit Hunderttausenden Funktionären beachtliche Einkommen sichert – besonders dann, wenn die sich auch noch als selbstlose Wohltäter gerieren dürfen?

Seitz fordert eine rigorose Erfolgskontrolle für die eingesetzten Mittel, die nur dann fließen sollen, wenn die herrschenden politischen Strukturen deren Einsatz sinnvoll erscheinen lassen. Das gern gebrauchte Schlagwort vom „Marshallplan für Afrika“ ist unredlich, weil keine der in Europa nach dem Kriege gegebenen Bedingungen, wie das Vorhandensein funktionierender ziviler, politischer, kultureller und wirtschaftlicher Strukturen in kaum einem afrikanischen Land gegeben ist.

Schutzbehauptungen, die Missstände seien dem (vor rund 60 Jahren beendeten) Kolonialismus, geographischen oder klimatischen Bedingungen geschuldet, lässt der Autor nicht gelten. Die gegen jeden Entwicklungshilfekritiker gerne geschwungene Rassismuskeule ändert nichts an den Tatsachen: Wo es in Afrika Probleme gibt, sind sie durchwegs hausgemacht. Korrupte Regierungen und Beamte, mangelnde Rechtssicherheit und eine mittelstandsfeindliche Bürokratie behindern oder verhindern jeden wirtschaftlichen Fortschritt, den die Afrikaner nur aus eigener Kraft – und nicht gestützt auf westliche Almosen – erreichen werden.

Auch wenn anmaßende westliche Paternalisten es nicht gerne hören: Die Afrikaner können ihre politischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Defizite nur aus eigener Kraft beseitigen. Probleme mit Geldern der „Entwicklungszusammenarbeit“ zu bewerfen, bringt sie nicht zum Verschwinden, sondern perpetuiert sie.

 

Afrika wird armregiert oder: Wie man Afrika wirklich helfen kann

Volker Seitz

dtv Verlagsgesellschaft, 2018

287 Seiten, broschiert

ISBN: 978-3—423-34939-0

12,90,- Euro

4 comments

  1. Hausfrau

    Ich kann nur allen Politikern empfehlen, die Ausführungen von Volker Seitz zu lesen und seinec Empfehlungen zu befolgen

  2. sokrates9

    Benin – Westafrika: Ein Afrikaner studiert in England, und erschnorrt sich nach Studienabschluss ein Röntgengerät dass er ebenso wie ein kleines Auto in seine Heimat bringt. Auto bekommt er nach 5 Monaten und etlichen Bestechungsgeld aus dem zoll – Kleinigkeiten wie Lenkrad un Außenspiegel fehlen – aber man sollte nicht kleinlich sein, das Röntgengerät bekommt er – offensichtlich mangels verwertbarer Teile – auch!.
    Er beginnt seine Ordination und ist 2 Monate total ausgebucht da sein Stamm sich alle gratis behandeln lassen. Dann – Leere in der Praxis! er hinterfragt warum keine Patienten kommen! Dann erkennt er dass einige Kilometer entfernt Ärzte ohne Grenzen ein Medical Center aufgemacht hat, ausgestattet mit allen Geräten wovon er nur träumen kann und die Patienten gratis behandelt……..

  3. Falke

    Die NGOs, die sich so sehr für die Afrikahilfe einsetzen (Caritas, Volkshilfe, Ärzte ohne Grenzen usw.) haben ja auch überhaupt kein Interesse, die Armut vor Ort zu bekämpfen; damit würde ja der Flüchtlingsstrom versiegen, oder zumindest geringer werden, was für deren Geschäftsmodell ausgesprochen schädlich wäre.

  4. Seerose

    Wie verlogen ist denn das alles?. Da haben “Ärzte ohne Grenzen und wie sie alle noch heissen, Schiffe, die “Flüchtlinge” retten in Afrikas Küstennähe und diese nach Europa bringen. Und da ist auf der anderen Seite z.B. Burundi, eines der ärmsten Länder Afrikas: dort kostet
    “7 Euro eine Monatsration Essen für ein Kind. 25 Euro kostet Saatgut, 41 Euro eine Ziege, 70 Euro ein Halber Hektar Gemüsefeld”.
    Wieviele Kinder Burundis könnte man ernähren von einer Woche Unterhalt eines Rettungsschiffes?

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