Buchtip: Alles was Sie über das Kapital im 21.Jhdt. wissen müssen….

(A. TÖGEL)  Nie zuvor hat ein wirtschaftswissenschaftliches Werk wie „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ aus der Feder des Ökonomen Thomas Piketty, derart breite Aufmerksamkeit erfahren. Während etwa Keynes´ „General Theory“ ausschließlich beim Fachpublikum und der politischen Klasse Beachtung fand, stößt das Elaborat des linken Franzosen (der seit vielen Jahren als Berater der sozialistischen Partei Frankreichs, PS, in Wirtschaftsfragen fungiert) auf breites Interesse des Laienpublikums – namentlich dem aus den Reihen hauptberuflicher Neidgenossen. Viele Intellektuelle, Gewerkschafter und andere um eine „gerechte“ Einkommens- und Vermögensverteilung bemühte Zeitgenossen zeigen sich davon geradezu entzückt.

 

Piketty hat – genau zum richtigen Zeitpunkt – mit seiner vermeintlichen „Weltformel“ r > g (Kapitalrendite > Wirtschaftswachstum) unzweifelhaft einen Nerv getroffen. Die gebetsmühlenartig wiederholte Geschichte von der sich öffnenden Kluft zwischen Arm und Reich erhält damit – scheinbar – ein wissenschaftliches Fundament. Mit der aus seinen empirischen Beobachtungen abgeleiteten Forderung nach noch mehr staatlicher Umverteilung, einer stärkeren Einkommensteuerprogression und Substanzsteuern auf Vermögen, liefert Piketty den Sozialisten in allen Parteien exakt jene Argumente, mit denen die ihre niemals erlahmenden Klassenkampfphantasien zu begründen trachten: Ohne massive staatliche Eingriffe in private Eigentumsverhältnisse, drohe in unserer Zeit einer anhaltenden Wirtschaftskrise nicht nur eine Erosion des geheiligten Wohlfahrtsstaates, sondern am Ende gar die der Demokratie selbst. Ein geradezu erschreckendes Szenario! Gleichviel, betont der Autor, kein Marxist zu sein (die Wahl des Buchtitels, der sich an Karl Marx´ 1867 erschienenen ersten Band der Prosadichtung „Das Kapital“ anlehnt, ist vermutlich reiner Zufall). Ist es Pikettys Ehrgeiz zum „neuen Marx“ mit einer besseren Datenbasis zu avancieren?

 

Dem Autor gebricht es nicht an Ambition. Mit weniger als damit, einen Bogen von der Zeit Christi bis in unsere Tage zu schlagen, will er sich nicht zufriedengeben. Da verlässliche Wirtschaftsdaten bis ins Jahr 1700 indes weitgehend fehlen, werden diese großzügig von ihm geschätzt. So setzt er zum Beispiel die Kapitalrendite der Jahre 0 – 1700 mit 4,5% an. Daß der Autor all seine Betrachtungen anstellt, ohne dabei die Rolle des Staates zu berücksichtigen (so findet etwa die Verteilungswirkung von Steuern keinerlei Beachtung), erweist sich – im Sinne der von ihm geforderten „sozialen Gerechtigkeit“ – als sehr geschickt. Auch seine Konzentration auf nominale Vermögenswerte unter völliger Vernachlässigung der Wirkung einer inflationistischen (staatlichen!) Geldpolitik, fügt sich bestens in das angestrebte Ziel, weiter in Richtung einer staatlich gelenkten Planwirtschaft voranzuschreiten. Zu den ersten fachkundigen Kritikern des Buches zählt der deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn, der (wie auch andere Experten) die Gültigkeit von Pikettys „Weltformel“ rundweg bestreitet. Sinn betont, „…daß eine jede wachsende Größe auf die Dauer nur mit der Rate wachsen kann, mit der auch ihr Zuwachs wächst.“ Langfristig gelte daher: r = g.

 

Die durch das Buch angestoßene Debatte steht erst an Anfang. Alle Freisinnigen, Liberalen und Gegner eines allmächtigen Staates sind gefordert, sich nach Kräften daran zu beteiligen!

 

Alles, was Sie über Das Kapital im 21. Jahrhundert von Thomas Piketty wissen müssen

Ulrich Horstmann

Finanzbuchverlag 2014

ISBN 978-3-89879-884-6

109 Seiten, broschiert

€ 6,99,-

22 comments

  1. Wathrudnir

    Auch wenn die “Daten”, die Piketty für die frühe Neuzeit und die Zeit davor präsentiert, die reinste Kaffeesudleserei sind, muß sein empirischer Befund noch nicht gänzlich falsch sein. Tatsächlich gibt es ja tatsächlich Hinweise, daß die Erträge aus der Finanzwirtschaft weit schneller wachsen als jene aus Arbeit. Ob das ein Problem sein muß, und ob es ein Eingreifen des Staates erfordert, sind zwei ganz andere Fragen.
    Interessant erscheint mir aber, daß die Daten Pikettys mit einer anderen Theorie, nämlich der Österreichischen, absolut Sinn ergeben (vgl. das aktuelle EF): wenn sich die berühmte Einkommensschere ab den 70ern besonders schnell öffnet, so fällt dies nämlich nicht nur mit der Liberalisierung der Finanzmärkte zusammen, sondern vor allem mit der weltweiten Einführung von Fiat-Geld. Und ungedeckte Geldschöpfung eine Umverteilung von unten nach oben bewirkt, insbesondere in die Hände der Geldschöpfer selbst, das könnte die Menschheit seit genau 102 Jahren wissen.

  2. Karl Markt

    “„…daß eine jede wachsende Größe auf die Dauer nur mit der Rate wachsen kann, mit der auch ihr Zuwachs wächst.“

    Was soll das für ein Gesetz sein?

  3. Andreas Tögel

    Leider weist der Autor des rezensierten Buches nicht mit der nötigen Deutlichkeit darauf hin, daß eine inflationistische Geldpolitik einerseits eine Umverteilung von unten nach oben bewirkt (Cantillon-Effekt), daß Piketty andererseits aber lediglich Nominalwerte beobachtet, die mit dem “inneren Wert” einer Sache nichts zu tun haben, sondern durch die Geldschwemme “aufgeblasen” werden. Daß die roten Canaillen den neuen Marx frenetisch feiern (und etwa die Wiener AK dem Kerl Rosen gesteut und Hunderte ihrer Zwangsmitglieder zu seinem Vortrag versammelt hat) ist kein Wunder. Wenn einer erklärt, daß man nicht nur durch persönlichen Einsatz, Leistung und wohl kalkuliertes Risiko, sondern auch durch Raub und Diebstahl sein bequemes Auskommen finden kann, dann löst das bei schlichteren Gemütern – besonders bei Absolventen von Juxstudien (wie Politik- und Zeitungs”wissenschaften” oder Soziologie, etc.) – eben Begeisterungsstürme aus…

  4. Klaus Kastner

    @Karl Markt
    Warren Buffett hat dieses Gesetz einmal folgendermassen erklaert: “Sie koennen alle S+P 500 Aktionaere in eine grosse Halle einschliessen. In dieser Halle koennen sich die einzelnen Aktionaere gegenseitig hoch lizitieren. Das einzige was zaehlt ist jedoch die Frage, wieviel Geld am Ende des Tages den Saal verlassen wird und dass wird auf Dauer nie mehr sein, als die S+P 500 Firmen insgesamt verdienen”.

  5. gms

    Karl,

    >…daß eine jede wachsende Größe auf die Dauer nur mit der Rate wachsen kann, mit der auch
    > ihr Zuwachs wächst.“

    “Was soll das für ein Gesetz sein?”

    Das ist ein mathematisches Gesetz. Sei z die Wachstumsrate des Zuwachses und g das daraus resultierende Gesamtwachstum, so konvergiert g immer gegen z.

    Ins Ökonomische übertragen heißt dies, daß sich langfristig der Vermögensaufbau nicht rascher steigern läßt als mit derselben Rate, mit der zunehmende Überschüsse dank Wachstum erzielt werden. Selbst also wenn Kapitalisten hypothetisch das gesamte Wachstum (g = growth) inform von Zinsen für sich reklamieren würden, könnte deren Vermögenszuwachsrate (r = rendite) die Wachstumsrate auf lange Sicht nicht konstant übersteigen.

    Neben diesem prinzipiellen mathematischen Zusammenhang verkennt Piketty einen zweiten banalen Umstand, der tatsächlich permanent höhere Zinsen als das Wachstum erklären würde: Zu keiner Zeit in der Geschichte dient das Vermögen vollständig der Erzielung von Renditen. Wäre es anders, hätten alle Kapitalisten ihr gesamtes Hab und Gut zu 100% als Kredit vergeben und zugleich sprichwörtlich unter der Brücke gehaust.

    Was auch immer im Rückblick die historischen Zinsniveaus und Wachstumsraten gewesen sein sollen, die Piketty zu erkennen glaubte => bezogen auf die Gesamtvermögen, die zwangsweise immer höher waren als die Außenstände, für welche auch Renditen bezogen wurden, kann r>g niemals zutreffen. Für reale Werte ist dies logisch zwingend — mit Fiat-Money und dem damit einhergehenden Nominal-Hokuspokus kann das aber ins Beliebige verkommen.

  6. Karl Markt

    Sei g das Gesamtwachstum und z die Wachstumsrate des Wachstums.

    Wenn wir als Ausgangsgröße 100 haben und g 10% ist, haben wir nach Runde 1 “110”. Wenn z 20% ist, haben wir in Runde 2 ein Wachstum von 12% und eine neue Größe 110*1.12 = 123.2. In der nächsten Iteration haben wir ein Wachstum (g) von 14.4% (die Wachstumsrate des Zuwachses ist 20%, 12%*1.2 = 14.4%). Usw.

    Warum sollte g bei 20 aufhören?
    Hier konvergiert mathematisch gar nichts, es handelt sich schlicht um ein exponentielles Wachstum, was gewissermaßen das genaue Gegenteil von Konvergenz ist.

    Wirtschaftlich freilich ist genau das das Problem, weil über den Zinseszinseffekt (= exponentielles Wachstum) die Schulden = Kredite (staatlich wie privat) immer Schneller wachsen als die Reale Wertproduktion (Mehrarbeit der Lohnarbeiter).
    Somit blähen sich automatisch immer Kreditblasen auf, welche in Krisen wieder zusammensacken (Krise = “Wertkorrektur”).

    Nun habe ich Piketty nicht gelesen, aber liegt hier nicht vielleicht ein Missverständnis vor?
    Kapitalismus könnte krisenfrei funktionieren, wenn r>g dauerhaft gelten könnte.
    Kann es aber nicht, weil die Leistung der Lohnarbeiter nicht exponentiell wachsen kann (auch nicht wenn man Studiengebühren einführt und die Mindestsicherung abschafft).

  7. gms

    Karl,

    > Warum sollte g bei 20 aufhören?

    Weil bei Ihren Vorgaben im 34sten Zyklus das Ende der Fahnenstange erreicht ist. Wenn Sie das nicht zu Fuß rechnen können, dann werfen S’ halt ein Spreadsheet an oder fragen an der VHS Ihrer Wahl um Rat.

    > Hier konvergiert mathematisch gar nichts, es handelt sich schlicht um ein exponentielles
    > Wachstum, was gewissermaßen das genaue Gegenteil von Konvergenz ist.

    nicht bös’ sein, aber solange Sie nicht zwischen einer Funktion und deren Ableitung unterscheiden können, sollten S’ zum Thema Wachstum und Konvergenz lieber den Rand halten — und zwar konsequent.

    > Nun habe ich Piketty nicht gelesen, aber liegt hier nicht vielleicht ein Missverständnis vor?

    Weniger ein Mißverständnis, als ein Unverständnis der Mathematik — und zwar bei Ihnen.

  8. Andreas Tögel

    H. W. Sinn bietet zur Erläuterung den Vergleich mit einem Sandhaufen an, der mittels einer Schaufel nach und nach aufgeschüttet wird. Dabei wird sich ein Kegel ausbilden. Es ist auf Dauer nicht möglich, allein dessen Spitze zu erhöhen (also einen progressiven Anstieg zu erreichen – eine Art “Hohlkehle” auszubilden), ohne daß dabei Material nach unten kullert und dabei die Basis verbreitert. Es mag – mit viel Geschick – kurzfristig gelingen, nur die Spitze zu erhöhen, aber eben nicht dauerhaft. Ein stimmiges Bild, wie mir scheint.

  9. Karl Markt

    @ gms
    Warum ist bei der 34. Iteration Schluss?
    100*1.1 *(1.2^34) = 54144.58, mit einen stolzen g_34 von 541.44%. Z ist aber immer noch 20%…

    Ich kann zwischen Stammfunktion und Ableitung unterscheiden. Leiten Sie diese Funktion ab, haben Sie immer noch eine monoton steigende Funktion.

  10. Karl Markt

    @ Andreas Tögel

    Das ist wegen der Schwerkraft und der Reibung.
    Aber Sie haben Recht, es ist ein stimmiges Bild für die Wirtschaft, nämlich das einer Klassengesellschaft, bzw von der Schere, die aufgeht und von der steigenden Arbeitslosigkeit.

    “Es ist auf Dauer nicht möglich, allein dessen Spitze zu erhöhen , ohne daß dabei Material nach unten kullert und dabei die Basis verbreitert”
    Die Arbeitslosigkeit und Armut lässt sich nicht durch Wachstum und Wettbewerb bekämpfen, weil genau dieser Prozess eben “die Basis verbreiterT” 😉 Denken Sie mal drüber nach.

  11. Ferguson

    An der Uni habe ich noch gelernt, daß die reale Kapitalverzinsung vom Altertum bis heute zwischen einem und zwei Prozent liegt. Daß also auch die im Bürgerlichen Gesetzbuch postulierten vier Prozent nur bei gleichzeitiger Inflation erzielbar sind.
    Weiter kann ich die Kapitalverzinsung vermittels Verminderung der Löhne erhöhen. Solches hat jedoch bisher nur ganz kurzfristig funktioniert.
    Auch der Kapitalgeber lebt in einer Traumwelt und sollte sich überlegen, ob es sich für ihn lohnt für eine Kapitalinvestition zu hungern und Konsumverzicht zu üben.
    Es gibt viele Rechenfehler auf dieser Erde, und viele Gläubige, die sich vorsichtig abtasten sollten.

  12. gms

    Karl,

    “Warum ist bei der 34. Iteration Schluss?”

    Das Gesamtwachstum hat dann auf drei Nachkommastellen 20% erreicht (von 20.559 auf 24.661).

    “100*1.1 *(1.2^34) = 54144.58, mit einen stolzen g_34 von 541.44%”

    Was auch immer Sie hier als g_34 ausweisen, ist erkennbar nicht das Gesamtwachstum auf Jahresbasis.

    “Z ist aber immer noch 20%…”

    Das war ja auch Ihre Vorgabe.

    “Ich kann zwischen Stammfunktion und Ableitung unterscheiden.”

    Ihr obiges “Hier konvergiert mathematisch gar nichts, es handelt sich schlicht um ein exponentielles Wachstum, was gewissermaßen das genaue Gegenteil von Konvergenz ist” deutet nicht darauf hin, zumal ja nicht von einem Wert f(x) die Rede war, gegen den das Vermögen konvertiert, sondern von dessen Wachstumsrate f'(x).

    “Leiten Sie diese Funktion ab, haben Sie immer noch eine monoton steigende Funktion.”

    Die abgeleitete Funktion fürs jährliche Gesamtwachstum konvergiert im Anlaßfall von 1,1 zu Beginn steigend gegen den Faktor 1.2, sprich gegen Ihre Vorgabe. Das kann man nun allgemein mathematisch beweisen, im Einzelfall berechnen, oder auch intuitiv verstehen: Entscheidend auf lange Sicht ist die Zuwachsrate des Zuwachses, und nicht der Ausgangswert, zu dem jährlich etwas hinzugefügt wird. Mit einer 0 zu Beginn (keinerlei Vermögen) konvergiert der Wert sinkend — bei einer unendlichen Vermögenswachstumsrate im ersten Jahr — was bildhaft einer Ökonomie entspricht, deren Betreibende anfangs vollends mittellos sind (Robinson Crusoe) und jedes Jahr konstant mehr produzieren und davon zum Vermögensaufbau zur Seite legen.

    Die Reihe der Zuwächse lautet bei Ihren Vorgaben 10, 12, 14,4 usw. (10*1,2^n). Selbst mit einer beliebig größeren oder geringeren absoluten Leistung (größer Null) im ersten Jahr, nähert sich die Wachstumsrate des Angehäuften asymptotisch derselben Rate an, mit der jedes Jahr mehr geschaufelt wird.

  13. gms

    Ferguson,

    “An der Uni habe ich noch gelernt, daß die reale Kapitalverzinsung vom Altertum bis heute zwischen einem und zwei Prozent liegt.”

    Ungeachtet, ob dieser Wert nun für oder gegen eine bestimmte Theorie spricht — die Ermittlung dieses Wertes ist hochgradig willkürlich und scheitert trivial an zwei Fragestellungen:
    (1) Was ist das existierende Vermögen wert? (2) Wieviel davon wird überhaupt zinsbringend eingesetzt?

    Diese Fragen lassen sich weder für die Gegenwart auch nur ansatzweise halbwegs unstrittig beantworten, und demgemäß noch viel leidlicher für die Historie bis zurück ins Altertum.

  14. Archophob

    Exponentielles Wachstum ist ein mathematisches Konstrukt. In der Realität kommen Sättigungskurven wesentlich häufiger vor: als Ludwig Erhardt sein Buch “Wohlstand für alle” schrieb, stieg die Zahl der Haushalte mit Waschmaschinen in Deutschland noch exponentiell an – inzwischen ist der Markt für Waschmaschinen gesättigt. Und auch der für Wäschetrockner, der für Geschirrspülmaschinen, der für Mikrowellenöfen, und der für Grundnahrungsmittel sowieso. Wenn die %-Zahlen für das Wirtschaftswachstum von Jahr zu Jahr kleiner werden, liegt das schlicht daran, daß die Wirtschaft in entwickelten Ländern mit vielen gesättigten Märkten garnichtmehr exponentiell wächst, sondern (inflationsbereinigt) bestenfalls noch linear.

    Insofern sind alle Modellrechnungen, die auf “exponentiellem Wachstum mit konstantem Exponenten” basieren, eben nur Modelle – und kein Abbild der Wirklichkeit. (Gilt auch für Klimamodelle…)

  15. Ferguson

    Für gms: Die Verzinsung zwischen einem und zwei Prozent bezog sich damals (natürlich nur näherungsweise, denn eine Quelle dafür im heutigen juristischen Sinn oder gar wahrhaftigen Sinn gibt es nicht) auf das neu hinzu kommende Kapital, das also vermittels Konsumverzicht damals zeitnah erschaffen wurde. Ihre Frage (1) erhob sich damit nicht.
    Unstrittig ist weder dies noch sonst etwas. Sogar Juristen können in Wahrheit irren.

  16. Karl Markt

    @ Archophob

    Der Punkt ist, dass Kapitalismus aber exponentielles Wachstum braucht, um krisenfrei zu funktionieren!

    Die Zinsen werden ja nicht abgeschafft, nur weil das Wachstum abflacht.
    Natürlich gibt es in der Wirklichkeit kein unbeschränktes (exponentielles) Wachstum, aber Kapitalismus basiert darauf. Deshalb kommen periodisch Krisen.

  17. Karl Markt

    @ gms

    “Das Gesamtwachstum hat dann auf drei Nachkommastellen 20% erreicht (von 20.559 auf 24.661).” ??????

    Können Sie das mal vorrechnen oder bring ich Sie da in Verlegenheit?

    Es ist ganz einfach.
    Es kann jedes Jahr ein Wachstum von sagen wir 10% geben.
    Dann ist das Gesamtwachstum 10% und die Wachstumsrate des Zuwachses 0 (wenn der Zuwachs jedes Jahr 10%, also konstant, ist).

    Es kann aber auch das Wachstum selbst wachsen. Es kann im e. Jahr 10%, dann 20%, dann 30 etc…
    Es gibt hier keinen Grund, dass irgend etwas gegen irgend etwas konvergieren sollte.

    Wenn das Wachstum gegen die Wachstumsrate des Zuwachses konvergierete, dann könnte es zB nicht mal konstantes Wachstum geben, da konstantes Wachstum eben eine Wachtumszuwachsrate von 0% hat, also gemäß ihrem “Gesetz” selbst gegen 0 konvertieren müsste.

    “Sei z die Wachstumsrate des Zuwachses und g das daraus resultierende Gesamtwachstum, so konvergiert g immer gegen z.”

    Dieses Gesetz gibt es ganz sicher nicht. Ich will die Formel sehen. Dann haben Sie evtl zum erstem Mal recht, ich bin mir aber sicher, dass Sie auch hier irren.

  18. gms

    Ferguson,

    “Unstrittig ist weder dies noch sonst etwas. Sogar Juristen können in Wahrheit irren.”

    Damit schließt sich der Kreis zu Piketty. Selbst wenn seine Behauptung r > g korrekt wäre, kann sich diese “Wahrheit” bestenfalls auf einen untersuchten Teilbereich beziehen. Für die Summe aller Vermögen kann es aber mathematisch nicht stimmen. Selbst also, wenn ergänzend die von Ihnen genannten zwei bis drei Prozent Konsumverzicht korrekt wären, haben diese mangels Basis (2% wovon?) keine besondere Aussagekraft.

    In Wahrheit irren ist die Hauptbeschäftigung der zahlenverliebten und zumeist linken Ökonomen, kommen deren Endergebnisse doch immer mit dem Vorbehalt daher, ihre Prämissen seien korrekt respektive Vermögen ließe sich halbwegs objektiv bewerten. Das ist einmal mehr Anmaßung von Wissen.

  19. gms

    Karl,

    “Können Sie das mal vorrechnen oder bring ich Sie da in Verlegenheit?”

    Können Sie lesen, oder bringt Sie diese Frage in Verlegenheit? Raten Sie mal, weshalb oben steht: — Die Reihe der Zuwächse lautet bei Ihren Vorgaben 10, 12, 14,4 usw. (10*1,2^n). —
    Und wenn Sie schon verlegen sind: Können Sie eine Tabellenkalkulation bedienen?

    “Es ist ganz einfach. Es kann jedes Jahr ein Wachstum von sagen wir 10% geben.”

    Bullshit. Das Wirtschaftswachstum haben Sie selbst mit 20% vorgegeben. Die Leistung im Jahr null war von Ihnen willkürlich mit 10% der initialen Vermögensbasis (100) gewählt. Das Vermögen entwickelt sich von anfangs 100 auf 110, dann weiter auf 122, 136,40, 153,68 usw — abhängig von der Wirtschaft!

    Nun zu plappern, irgendein jährliches Wachstum sei 10%, wenn zugleich die konstanten 20% für z vorgegeben sind und der Vermögensaufbau daraus zwingend folgt, ist an Inferiorität nicht zu toppen.

    “[Sei z die Wachstumsrate des Zuwachses und g das daraus resultierende Gesamtwachstum, so konvergiert g immer gegen z.]
    Dieses Gesetz gibt es ganz sicher nicht. Ich will die Formel sehen. Dann haben Sie evtl zum erstem Mal recht, ich bin mir aber sicher, dass Sie auch hier irren.”

    Bussibär, spiel mit deinesgleichen, eventuell oder ganz sicher, wie’s deinem künstlich aufgeblasenen Gemüt beliebt.

  20. Ferguson

    Für gms: Der Trick jeder Wissenschaft ist es zunächst nur einen Teilbereich zu betrachten und danach zu versuchen die gewonnene Erkenntnis auf einen größeren Bereich anzuwenden. So wird wissenschaftlich gearbeitet. Deswegen habe ich nie von der Summe aller Vermögen gesprochen. Sie, gms, konnten der Inflation der Werte nicht widerstehen. Von drei Prozent habe ich nie gesprochen. Der Mittelwert von eins Komma fünf Prozent für neues Kapital scheint hingegen gemäß der damaligen Beweisführung (im untersuchten Teilbereich) glaubwürdig. Die Rede ist immer von eher weniger als 1,5% vom frischen Kapital. Eine sinnhaltige Aussage ist das durchaus, weil es die geringe, reale Wirksamkeit von Investitionen unter wertbeständigen Zuständen darlegt, von denen wir heute dank ständiger, enormer Fiat-Geld-Vermehrung weit entfernt sind. Wer nun glaubt ständiges Neu-Drucken von Fiat-Geld könnte die Gesetze der Wirtschaft auf Dauer aushebeln irrt gewaltig und zahlt am Ende den gehörigen Preis.
    Ihren sonstigen Behauptungen stimme ich zu.

  21. Karl Markt

    @ gms
    Mathematik ist Ihnen wohl genauso fremd wie Wirtschaft.
    Was haben Sie eigentlich studiert (falls Sie überhaupt studiert haben)?
    Ich würde Jus tippen. Ziemlich eingebildet aber keine Ahnung von wissenschaftlichem Arbeiten.
    Zweite Wahl wäre Betriebswirtschaft. das Orchideenfach schlechthin. Abschluss trotz (eigentlich wegen) totaler Ahnugslosigkeit.

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