Buchtip: Auch sichere Häfen sind nicht sicher

(ANDREAS TÖGEL) Der Sparer sieht sich dieser Tage in einem Dilemma: Einerseits wird er zum Opfer einer eigentumsfeindlichen Politik der “finanziellen Repression”, die nicht nur risikolose Zinserträge verunmöglicht, sondern sogar an die Substanz geht. Anderseits erhebt sich – angesichts weltweit zunehmender Unsicherheiten – die schwer zu beantwortende Frage nach sinnvollen Alternativen zu Sparbuch und Festgeld.

Welches sind die Gefahren, die dem Anleger gegenwärtig drohen? Gibt es “sichere Häfen” in die er sein Vermögen retten kann?
Diesem Thema ist das vorliegende Buch gewidmet. Im Zentrum steht die Würdigung “langer Wellen” der Konjunktur, wie sie erstmals vom russischen Ökonomen Nikolai Kondratieff beschrieben wurden. Der macht den Ausgangspunkt von Wirtschaftszyklen an Paradigmenwechseln fest – den ersten davon am Ausbruch der Französischen Revolution. Der Verlauf eines “Kondratieff-Zyklus” ist gekennzeichnet vom mit der Einführung neuer Technologien verbundenen Aufschwung, dessen Nachlassen mit dem allmählichen Rückgang der Investitionen, einer darauf folgenden krisenhaften Rezession und dem Neustart durch den nächsten Paradigmenwechsel.

Der Autor meint, in jedem Fall demographische Entwicklungen als treibende Kraft hinter diesen langfristigen, 40 bis 60 Jahre laufenden Wirtschaftszyklen, am Werk zu sehen. Den größten Teil seines Buches füllt er daher mit einer beeindruckenden Sammlung einschlägiger Untersuchungen und Statistiken. Er kommt zum empirischen Befund, daß es stets eine starke Kohorte von am Anfang ihrer 20er stehenden Personen ist, die eine neue “Langwelle” auslöst. Ebenso typisch sei es, daß jeweils rund 20 Jahre später – die “Boomgeneration” steht dann am Beginn ihrer 40er – eine nach unten gerichtete Gegenbewegung zum einst aufwärts strebenden “Aufbruch” der Jungen einsetzt.

Lingnau will keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen langfristigen Konjunkturwellen und der demographischen Entwicklung beweisen, aber er zeigt eindeutige Korrelationen, die er anhand zahlreicher Beispiele illustriert. Konkretes Ergebnis dieser Betrachtungen ist seine Prognose einer demnächst von China ausgehenden Abwärtsentwicklung und die Warnung vor vermeintlich “sicheren Häfen” wie der Schweiz oder Norwegen.

Das Buch bietet zweifellos eine profunde Datenbasis im Hinblick auf internationale Bevölkerungstrends. Inwieweit diese in der Tat gut abgesicherten Daten Schlüsse zulassen, die konkret umsetzbare Anlagestrategien erlauben, sei indes dahingestellt. Zu asynchron laufen doch die “Langwellen” in den verschiedenen Wirtschaftsräumen unserer mittlerweile stark vernetzten Welt. Zu unterschiedlich wirken demographische Trends auf verschiedene Branchen.

 

Wer originelle, praktisch verwertbare Anlagetipps vom Autor erwartet, könnte sich herb enttäuscht sehen. Daß es in unsicheren Zeiten keine üble Idee ist, nicht sein ganzes Vermögen auf eine Karte zu setzen und auch Gold ins Anlageportfolio zu nehmen, ist ja nun wirklich keine bahnbrechend neue Erkenntnis…

 

Auch die Sicheren Häfen sind in Gefahr

Guido Lingnau

FBV, 2014

288 Seiten, gebunden

ISBN 978-3-89879-860-3

€ 21,99,-

 

Tagebuch

 

3 comments

  1. Thomas Holzer

    So lange die Politikerdarsteller, ganz demokratisch legitimiert, jegliches Recht in sein Gegenteil verwandeln, natürlich ohne jegliche Sanktionen für diese Politiker, so lange, ganz demokratisch legitimiert, jedes Individuum vor den Vorhang der krakeelenden Massen gezogen wird, so lange das Privateste, ganz demokratisch legitimiert, “öffentliches Gut” wird, gibt es keine sichere Häfen.

    Abgesehen davon, daß das einzig wahrlich Sichere der Tot ist 😉

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