Buchtip: “Der deutsche Untertan”

Von | 6. September 2021

(von VOLKER SEITZ) Josef Kraus schafft es, mit informativem Gehalt, ein aufklärendes und aufrüttelndes Buch über den deutschen Untertanengeist zu schreiben. Die Wortmeldung ist das Resultat mühevoller Arbeit, die der Autor mit Bravour geleistet hat. Er schreibt überaus lebendig, logisch, strukturiert und anschaulich mit großer analytischer Schärfe über den vom Denken entwöhnten deutschen Untertan. Das Bild eines früher mal gut regierten Landes hat in den letzten Jahren sichtbare Risse bekommen. (Josef Kraus: „Der deutsche Untertan“ LMV, 2021)

Das Buch besteht aus 30 Kapiteln mit fünf Themenbereichen: „Der brave Deutsche; Alte und neue linke Autoritarismen; Das Arsenal des Gefügigmachens; Die Akteure des Untertanengeistes und Immunisierung gegen Obrigkeitsgehabe und Untertanengeist“.

Es basiert auf einer Vielzahl von Lektürefunden und Erschließung von Quellen. Es ist eine Gedankensammlung mit einem umfangreichen Überblick und ist mit über 500 treffenden Zitaten von Pascal Bruckner, Ralf Dahrendorf, Karl Popper, Peter Sloterdijk, Thomas Sowell bis Max Weber gespickt. (Leider fehlt ein Personen- und Sachregister. Das würde zweifelsohne helfen, wenn man das Buch als Nachschlagewerk nutzen möchte. Der Verlag sollte dies unbedingt in der nächsten Auflage nachbessern.)

Die Abhandlung ist äußerst erhellend im Blick auf die Vergangenheit und Gegenwart. Sie nimmt auf aktuelle Themen Bezug und besitzt eine hinreichende Tiefe. Kraus macht sich Sorgen um die Zukunft des Landes, weil die Mehrheit der Bürger eine lethargische Rolle spielt. Die Bürger würden schlaftrunken alles über sich ergehen lassen und ein andermal sich martialisch aufblasen, um die Welt an unserem moralisierenden Wesen genesen zu lassen.

Früher hätte man die Debatte um politisch korrekte Feindbilder als dümmlich abgetan, und die meisten wären gelassen geblieben. Heute werde Sprüche wie „alter weißer Mann“ in den Rang eines Arguments erhoben und es wird jakobinischer Hass auf eine Gruppe geschürt. Weiße werden so für alles Leid auf der Welt verantwortlich gemacht. Mit der Besserwisserei werden mit geschichtspolitischen Verrenkungen rückwirkend heutige moralische Standards angelegt und herausragende Leistungen ignoriert. Gesinnungspuristen und Bilderstürmer sind dabei, Straßen, Namen und Firmenlogos von vermeintlich rassistischer/kolonialistischer Last zu befreien. (Übrigens: in den ehemaligen Kolonien schert man sich kaum um die Kolonialisten-Statuen.)

Kraus macht sich große Sorgen um den Fortbestand der Freiheitsrechte und den demokratischen Rechtsstaat, weil „der eine oder andere Politiker Corona als Trittbrett für andere autoritäre ‘klimarelevante’ Entscheidungen betrachtet, etwa Fahrverbote, Verbote von Inlandsflügen sowie ein gänzliches Verbot von Verbrennermotoren und/oder Ölheizungen… Das über die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Bedrohungen hinaus wohl Gefährlichste könnte sein, dass wir in eine Phase der Politik hineinschlittern, die Geschmack gefunden hat an totalitärer Verführung und an einem Regieren mit der Angst“ (S. 130-133).

Sein gut lesbares Manifest eines Konservativen beschreibt den verklemmten Selbsthass und die moralische Überheblichkeit des amtlichen, kirchlichen, kulturellen, medialen Deutschland, den unsere Nachbarländer und Verbündeten mit Skepsis sehen. Kraus schreibt: “Denn wer mag schon einen Nachbarn, der sich selbst zuwider ist.“

Wokeness versteht keinen Spaß

Auch beim Gendern handelt es sich um eine politische Agenda, die von oben durchgesetzt werden soll, um moralisch zu erziehen. Es wird damit auch die „richtige“ Gesinnung ausgestellt. Kraus liefert viele Beispiele dafür, dass der Genderneusprech nicht nur unfreiwillig komisch, sondern auch sachlich völliger Unfug ist. Nie entpuppen sich solche Meldungen als Satire: Der Standard (Wien) titelte im Januar 2021: „Wichtige Informationen für Bartträger und Bartträgerinnen.“ Die TAZ sprach kürzlich von „Samenspenderinnen“. Das ZDF berichtete im August: „Die Islamistinnen ziehen in immer mehr afghanische Städte ein.“ Wir sind nicht hilflos und machtlos gegenüber den radikalen Gutmenschen, die uns die Gendersprache unter dem Deckmäntelchen des moralischen Scheinarguments „Geschlechtergerechtigkeit“ aufzwingen wollen. Wir sollten massiv gegen diese ungeheuerliche missionarische Sprachverschandelung der Behörden, Abgeordneten, Haltungsjournalisten protestieren. Zwei Drittel der Deutschen lehnen einer Umfrage vom Mai 2021 zufolge Gendersprache ab (Infratest Dimap). Claus Kleber gendert dennoch unverdrossen weiter. Dabei wirkt der eingesetzte Glottischlag – um das Gendersternchen zu betonen – lächerlich. Unter diesem seltsamen Gendern leidet die Nachrichteninformation. George Orwell hätte sich diese freiwilligen Sprachverirrungen gar nicht ausdenken können.

Das Buch schließt mit einem Zitat des ehemaligen Bundespräsidenten (1969 – 1974) Gustav Heinemann: „Nicht der Bürger steht im Gehorsamsverhältnis zur Regierung, sondern die Regierung ist dem Bürger im Rahmen der Gesetze verantwortlich für ihr Handeln. Der Bürger hat das Recht und die Pflicht, die Regierung zur Ordnung zu rufen, wenn er glaubt, dass sie demokratische Rechte missachtet“.

Volker Seitz war von 1965 bis 2008 in verschiedenen Funktionen für das deutsche Auswärtige Amt tätig, zuletzt als Botschafter in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und Äquatorialguinea mit Sitz in Jaunde. Er gehört zum Initiativ-Kreis des Bonner Aufrufs zur Reform der Entwicklungshilfe und ist Autor des Bestsellers „Afrika wird armregiert“. Die aktualisierte und erweiterte 11. Auflage erschien am 18. März 2021. Volker Seitz publiziert regelmäßig zu afrikanischen Themen und hält Vorträge (z.B. „Was sagen eigentlich die Afrikaner“, ein Afrika-ABC in Zitaten

5 Gedanken zu „Buchtip: “Der deutsche Untertan”

  1. Johannes

    Ich gebe Ihnen vollkommen Recht und muß dennoch anmerken das es der Wähler ist der diesen Akteuren die Macht gibt.
    Jetzt ist es mir klar das viele Bürgerliche die scheinbar einzige
    Partei welche sich nicht dem Mainstram unterworfen hat, aus verschiedenen Gründen, auch denen der Stigmatisierung, nicht zu wählen getrauen.
    Würden die Bürger aber dennoch ein starkes Zeichen setzen wollen so wäre es eigentlich naheliegend der FDP bei der kommenden Wahl einen überwältigenden Vertrauensvorschuß zu geben.
    Es spricht alles dafür in jakobinischen Zeiten einer neuen, unverbrauchten liberalen Partei eine Chance zu geben.
    Ob diese Partei dann ebenfalls einknicken würde ob des mörderischen medialen Beschusses ? Nun dieses Risiko müsste man eingehen.
    Ich denke ein Wahlergebnis von über 20 Prozent für die FDP würde viele wachrütteln, vor allem in der Merkel-Partei welche früher als CDU eine Bewegung und kein Einfraubetrieb war.

  2. Falke

    Nicht nur Claus Kleber beherrscht das Gendern durch “Stottern”, auch Tarek Leitner und Armin Wolf können das inzwischen “perfekt”. Erstaunlich, dass sie sich selber nicht lächerlich dabei vorkommen. Oder vielleicht ist das gar von der jeweiligen Generaldirektion der Intendanz vorgegeben?

  3. sokrates9

    Johannes@…..Jetzt ist es mir klar das viele Bürgerliche die scheinbar einzige
    Partei welche sich nicht dem Mainstram unterworfen hat, aus verschiedenen Gründen, auch denen der Stigmatisierung, nicht zu wählen getrauen..
    Meiner Meinung nach ist das die AfD die mehr oder weniger das Parteirpogramm derCDU / CSU das vor 10 Jahren Gültigkeit hatte übernahm- Die neue Strategie diese Partei medial vollkommen zu ignorieren geht voll auf.
    Die FDP ist doch die klassische Wendehalspartei ohne Werte, ohne Programm..
    .

  4. Johannes

    Sokrates9 @
    Ich sehe es genau so wie Sie und es war auch die AfD gemeint.
    Nun kenne ich einige Deutsche und gerade in der CDU Wählerschaft ist man skeptisch, ob der Rechte Flügel der AfD nicht doch zu dominant sei.
    Die mediale Begleitmusik macht es den meisten nicht möglich einen solchen Schtritt zu wagen.
    Jetzt war mein Gedanke eine Stimme für die FDP ist wesentlich ungefährlicher als aus Protest gar nicht zu wählen.
    Die FDP würde analysieren warum viele zu ihr gekommen sind und könnte nicht leicht umfallen.
    Die CDU würde einen, hoffentlich heilsamen, Schock erleiden und es wäre dennoch keine einzige bürgerliche Stimme verloren gegangen.

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