Buchtip: Der Weg zur zweiten Pension 

Von | 20. Mai 2017

(ANDREAS TÖGEL) Unter den derzeit herrschenden Bedingungen einer planwirtschaftlich orchestrierten Nullzinspolitik sind, bei gleichzeitig anziehender Inflation, selbst jene Sparer, die lediglich den Substanzerhalt ihrer Geldvermögen anstreben gezwungen, sich mit Anlageformen auseinanderzusetzen, die sie bislang nicht in Betracht gezogen haben. Dass in Deutschland und Österreich sämtliche Anlagemöglichkeiten abseits von Sparbuch, Bausparvertrag und Erlebensversicherung ein Schattendasein fristen, hat damit zu tun, dass mit den genannten Sparformen in der Vergangenheit ein zwar geringer, aber sicherer Wertzuwachs zu generieren war. Damit ist es vorbei. Wer Geld auf dem Sparbuch liegen hat, kann ihm beim Wertverfall zusehen. Und wer sich heute darauf einlässt, durch Abschluss einer Erlebensversicherung Jahrzehntelange Verpflichtungen einzugehen und sein (relativ) gutes, heutiges Geld gegen (mit Sicherheit) schlechteres künftiges Geld einzutauschen bereit ist, kann gleich ins Casino gehen.

Deshalb sollten alle jene Zeitgenossen an Wertpapierinvestments denken, die nicht alles Geld auf “Betongold” oder physisches Edelmetall setzen möchten. Die Auswahl des Portfolios ist dabei von entscheidender Bedeutung, um einerseits das eingesetzte Kapital einem möglichst geringen Verlustrisiko auszusetzen und damit andererseits ein regelmäßiges Einkommen zu erwirtschaften. Ein soeben erschienenes Buch bietet dafür einen guten Leitfaden.

Nur rund sieben Prozent der heimischen Sparer setzen auf Wertpapiere. Während nicht wenige Zeitgenossen dazu bereit sind, jedes Abenteuer bei einer allfälligen Verschuldung einzugehen und etwa bedenkenlos auf Fremdwährungskredite setzen, zeigen dieselben Leute interessanterweise keinerlei Phantasie bei der Geldanlage.

Der Untertitel des Buches sagt, worum es geht: Nicht um die Spekulation auf etwaige Kursgewinne, sondern um die Erwirtschaftung eines laufenden Zusatzeinkommens durch Dividenden. Der Autor präsentiert zu diesem Zweck eine Fülle von in Frage kommenden Wertpapieren, die sich dazu eignen, ihren Eigentümern regelmäßige und zuverlässige Kapitalerträge zu verschaffen, ohne dabei hohe Verlustrisiken einzugehen.

Zuvor allerdings wartet er mit einer Reihe ernüchternder Botschaften auf, die allesamt darauf abzielen, Illusionen im Hinblick auf die Aussicht, mit Wertpapierinvestments in kurzer Zeit reich werden zu können, gar nicht erst aufkommen zu lassen: „Tatsächlich verlieren die meisten Privatanleger auf Dauer Geld an der Börse.“ Das klingt nicht besonders ermutigend. Luis Pazos zeigt indes systematisch die gebotenen Möglichkeiten für ein langfristig gewinnbringendes Engagement auf. Es gibt eine schier unüberschaubare Menge von Wertpapiertiteln, bei denen der Ertrag und nicht mögliche Kurssteigerungen im Vordergrund stehen. Von einigen dieser Wertpapierklassen hat der Laie vermutlich noch nie im Leben gehört. All die für den Rentier in Frage kommenden Investmentformen – von „Income Trusts“ bis zu „Convertible Bonds“ und von der Beteiligung an Schifffahrtsgesellschaften bis zur klassischen staatlich oder privat aufgelegten Anleihe, werden detailliert vorgestellt und hinsichtlich ihrer Vor- und Nachteile, sowie was die steuerlichen Aspekte betrifft, beschrieben. Auch die praktische Umsetzung von Investitionsentscheidungen, von der Auswahl und Gewichtung der Depotpositionen, bis zur Wahl der geeigneten Depotbank, finden Erwähnung. Fazit: eine wirklich gute Einstiegshilfe für Börsenneulinge.

 

Bargeld statt Buchgewinn / Mit Hochdividendenwerten zum passiven Monatseinkommen

Luis Pazos

Finanzbuchverlag 2017

ISBN: 978-3-96092-052-6

304 Seiten, broschiert

17,99,-Euro

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7 Gedanken zu „Buchtip: Der Weg zur zweiten Pension 

  1. raindancer

    Ich muss ein halbes Jahr für Zahnimplantate sparen und nachdem die nicht aus Gold sind,wars das mit Wertpapier und Sparbuch

  2. Falke

    Warren Buffett wurde einmal gefragt, wie er das schaffe, dass er immer auf Aktien setze, die hohe Rendite abwerfen. Er antwortete, dass ihm das keinesfalls gelinge, 49% seiner Investments seien verfehlt und brächten Verluste, allerdings 51% Gewinne. Und aus diesen 2% Differenz ergibt sich sein Vermögen.

  3. stiller Mitleser

    @ raindancer
    vielleicht besser als Zahnimplantate (die eh nicht immer halten, die Knochenstruktur wird mit dem Alter schlechter, über weitere mögliche Folgeprobleme wollen wir hier nicht reden) http://orf.at/stories/2392227/2392225/

  4. Zaungast

    „Tatsächlich verlieren die meisten Privatanleger auf Dauer Geld an der Börse.“

    Ein höchst bemerkenswerter Satz, rechnen doch prominente Ökonomen wie Piketty, Felber & Co mit Kapitalrenditen von 5, 7 oder gar 10 Prozent.

    “Der Autor präsentiert zu diesem Zweck eine Fülle von in Frage kommenden Wertpapieren, die sich dazu eignen, ihren Eigentümern regelmäßige und zuverlässige Kapitalerträge zu verschaffen, ohne dabei hohe Verlustrisiken einzugehen.”

    Trotz dieser Fülle verlieren die meisten Privatanleger auf Dauer Geld an der Börse. Bemerkenswert. Irgendwo muß da ein Hund begraben sein.

    @Falke
    Dieser Spruch stammt vom legendären André Kostolany.

  5. Falke

    @Zaungast
    Danke, habe offenbar die beiden verwechselt.

  6. raindancer

    @stiller Mitleser
    Das fällt unter Träume, wirklich bezaubernde und berührende, aber leider jenseits meines Implantatgeldbörschens;)

  7. derspekulant

    @Falke du hast auch investments mit spekulation vertauscht. in diesem zitat meinte er spekulationen

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