Buchtip: Die Alpen-Philosophen

Von | 20. Mai 2015

(ANDREAS TÖGEL)  Von Aristoteles über Schopenhauer, bis zu den rezenten Größen der Philosophie: Alle lebten und leben sie in der Stadt. Intellektuelle lieben die Stadtluft. Nach der Beschaulichkeit des Landlebens steht ihnen meist nicht der Sinn. Was also treibt die zwei brillanten Wiener (Quer-)Denker Rahim Taghizadegan und Eugen Maria Schulak in die Bergwelt? Romantische Vorstellungen von einem „gesunden Landleben“ und der naive Wunsch nach einem „Zurück zur Natur“ sind es zweifellos nicht.

Die beiden, sie mögen es vielleicht nicht gerne hören, im besten Sinn des Wortes aber dennoch konservativen Autoren, spüren in ihrem jüngsten Werk vielmehr dem im Alpenraum bis heute erhalten gebliebenen, wenn auch dort bereits im Schwinden begriffenen Sinn für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens nach. Die von jeher harte, bisweilen durchaus auch gefahrvolle Existenz in den Bergen, zwingt die Menschen – weit mehr als die in der Stadt wohnenden – zu einer Synchronisation ihres Lebens mit dem Lauf der Natur. Der Jahreskreis und dessen Abläufe bilden denn auch den Rahmen und das Rückgrat für den reichlich bebilderten Band.

Beginnend mit dem Frühling werden, unter ständigem Bezug auf tradierte alpenländische Weisheiten, der Jahres- und der menschliche Lebenszyklus behutsam miteinander verknüpft. Wer eine Suche nach dem Sinn des Lebens erwartet, wird enttäuscht sein. Denn wer nach dem Sinn des Lebens sucht, der hat ein psychisches, kein philosophisches Problem. Man lebt um zu leben. Der Weg ist das Ziel. Mag der religiöse Mensch auch mit niedrigerer Zeitpräferenz leben als der Agnostiker, so hindert auch letzteren – die nötige Lebensweisheit vorausgesetzt – nichts daran, ein erfülltes Leben zu führen und dessen Ende gelassen entgegenzublicken.

Die Autoren erkennen, den hauptsächlichen Sinn ihres Werkes ganz offensichtlich im Philosophieren, nicht in einer umfassenden Welterklärung.

Mit ausgesprochen viel Sinn für Sprache und Ästhetik werden die Herausforderungen, Freuden und die Plagen der Alpenbewohner erforscht und beschrieben. Sinn für Tradition, langfristige Planung und ein scharfer Blick fürs Wesentliche werden im Alpenraum, wie wohl in allen bäuerlich dominieren Regionen, als entscheidende Voraussetzungen für ein über Generationen erfolgreiches Bestehen im Einklang mit den unbarmherzig herrschenden Elementen erkannt.

„Wir sind davon überzeugt, dass sich so manches aus der alten Zeit zwar nicht als Schablone, aber als Spiegel eignet, nicht zum exakten Nachzeichnen, aber als Korrektiv dienen kann.“

Genauso ist es. Ein wirklich schönes Buch!

 

 

Die Alpenphilosophie

Rahim Taghizadegan & Eugen Maria Schulak

Servus, Salzburg bei Benevento Publishing, 2015

272 Seiten, gebunden

ISBN: 978-3-7104-0004-9

17,99 Euro

Tagebuch

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