Buchtip: “Die Deutschland-Blase”

(C.O.) Deutschland, so ließ es Kanzlerin Merkel im letzten Wahlkampf selbstbewusst plakatieren, “ist stark”. Zu stark sogar , behaupten die Regierungen in Frankreich, Italien und anderen Staaten der Union, Deutschlands extreme ökonomische Stärke sei ein Problem für seine europäischen Partner; eine Meinung, die auch zahlreiche Ökonomen vertreten.
Um so überraschender kommt da Olaf Gersemanns Streitschrift “Die Deutschland-Blase – Das letzte Hurra einer großen Wirtschaftsnation” daher. Der Autor, im Hauptberuf Ressortleiter “Wirtschaft” der deutschen Tageszeitung “Die Welt”, hält die angebliche wirtschaftliche Potenz Deutschlands für eine Art Luftspiegelung ohne jede Substanz, in gewisse Weise eine “Blase”, also eine weit von der Realität entfernte Bewertung. Deutschland, meint er “ist ein Scheinriese”.

Im Wachstum hinter Tonga
Die Schulden seien in Wahrheit viel zu hoch, die Arbeitslosigkeit ebenso – “Massenarbeitslosigkeit ist ein Skandal. Und dass sie nicht mehr als solcher behandelt wird, ist auch einer” – und das Wachstum viel zu brustschwach, um von einer wirklich erfolgreichen Volkswirtschaft reden zu können. “Wenn sich dennoch Selbstzufriedenheit, ja Selbstgefälligkeit in der Wirtschaftspolitik der (….) Großen Koalition widerspiegelt, ist das vor allem ein Produkt falscher Maßstäbe. Wir vergleichen uns mit Ländern die gerade in akuten, umwälzenden Wirtschaftskrisen stecken, und freuen uns, dass wir dabei gut abschneiden. Wir definieren Beinahe-Stagnation in kräftige Aufschwünge und anhaltende Massenarbeitslosigkeit in nahende Vollbeschäftigung. Wir protzen mit unseren Stärken und blenden unsere Schwächen aus.”

Tatsächlich liegt Deutschland beim Wirtschaftswachstum seit 1994 mit 1,29 Prozent nur noch am Rang 156 von 166 erfassten Ländern; sogar Tonga – die mit dem dicken König – wuchs mit durchschnittlich 1,3 Prozent pro Jahr schneller.

Und das ist ein echtes Problem: “Ansehnliches Wachstum ist die einzig realistische Chance, die Versprechen gegenüber künftigen Rentnergenerationen auch nur halbwegs einzuhalten. Es droht aber das Gegenteil: Schon bald werden wir uns glücklich schätzen können, wenn die Wirtschaftsleistung nur ein kleines bisschen wächst. Deutschland ist auf dem Weg, wieder zu dem zu werden, was es nach Einschätzung des britischen Wirtschaftsmagazins “The Economist” Ende der 90er-Jahre war: zu einem “kranken Mann der Euro-Zone”.

Deutschland, behauptet Gersemann, werde “das Japan des Westens”. Teilweise führt er das auf ein ökonomisch falsches Management der Wiedervereinigung zurück, vor allem aber darauf, dass sich die Deutschen “die Latte zu niedrig legen” – sie lebten in einer Ära der “geschwundenen Erwartungen”.

Verschärft werde das Problem durch die Politik der Europäischen Zentralbank: “Die beispiellos lange Phase beispiellos niedriger Zinsen ist für die deutsche Konjunktur eine Art Dauerdoping. Doch das führt nur scheinbar zu größerer Leistungskraft, und es wird teuer erkauft. Wie bei jedem Langzeitdoping sind viele schwerwiegende Begleiterscheinungen zu befürchten. Banken und Versicherungen werden destabilisiert; Zombiefirmen werden zum Schaden aller künstlich am Leben gehalten; Finanzminister und Stadtkämmerer lassen die Zügel schleifen; Bürger werden verleitet, die finanzielle Vorsorge fürs Altenteil zu vernachlässigen; und am Ende könnte auch noch eine Immobilienblase entstehen.”

“Zehn-Punkte-Programm”
Wohl um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, zwar ein Diagnoseriese, aber auch ein Therapiezwerg zu sein, hat der Autor eine Art “10-Punkte-Programm” entworfen, wie Deutschland wieder fit gemacht werden könnte. Darunter findet sich die Einführung des Kinderwahlrechtes, die Abschaffung der Energiesubventionen zugunsten der Forschungsinvestitionen, eine Lockerung des Kündigungsschutzes, deutlich niedrigere Einkommensteuern und die forcierte Einwanderung von gut ausgebildeten Ausländern nach Deutschland.

“Es wird sich”, behauptet er am Schluss des Buches, “vieles ändern müssen, damit so manches bleiben kann, wie es ist.” Was, übrigens, für Deutschlands südlichen Nachbarn fast noch mehr gilt. (WZ)

Die Deutschland-Blase.

Das letzte Hurra einer großen Wirtschaftsnation.

Olaf Gersemann

DVA, 320 Seiten, 20,60 Euro

10 comments

  1. Syria Forever

    Shalom Chaver

    Danke für den Hinweis Herr Ortner. Ein weiteres Buch in meiner Sammlung.
    Und um ins selbe Horn zu blasen; Österreich ergeht es noch ein wenig schlechter.

    Vor Jahren, in Wien, hatte ich mir erlaubt den Osten als ernst zu nehmenden wirtschaftlichen Kontrahenten zu bezeichnen. Ich ging sogar so weit zu sagen; “Österreich wird aufgekauft wenn ihr nicht sofort gegensteuert.”.
    Was wurde mir damals alles um die Ohren geschlagen. Idiot waren noch die netteren Bezeichnungen.
    Arroganz, Ignoranz, Selbstgefälligkeit. Alles erinnerte mich an die Zwischenkriegsjahre.
    Es wurde nichts unternommen, im Gegenteil.

    Europa ist am Ende und die Blase wird den Europäern um die Ohren sausen.
    Ich kann es nicht verstehen weshalb alle nach Europa wollen? Mein Tipp? China oder Taiwan. Russland oder die Mongolei. Die haben Zukunft. Europa hat derzeit keine rosigen Zukunftsaussichten deshalb wird es auch zu Kriegen kommen. Das politischen Establishment, der neue Adel Europas, ungebildet und dumm, doch mit allen Vorzügen des Adels ausgerüstet aber entledigt jeglicher Verantwortung haben ganze Arbeit geleistet.
    Es kommen harte, unschöne Jahre auf Europa zu und der Zwerg Österreich wird besonders davon betroffen sein.

    Die Ukraine, ein Kind der Deutschen wird sich in ganz Europa breit machen. Der Import der “Feinde” wird seit Jahren mehr und mehr forciert um sich Minderheiten zu schaffen auf die man sich ausreden kann, auf die man zeigen kann, denen man alle Schuld geben kann. In Wien lebten in den 30iger über 150.000 Juden. Nach 45 waren es ein Hand voll.
    Der wesentliche Unterschied zu dieser Minderheit der man alle Schuld gab war diese gebildet und fern der Gewalt.
    Die Minderheiten die man sich seit den 80igern holt sind von anderem Schrott und Korn.
    Ungebildet doch hohes Gewaltpotenzial. Und noch ist nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Es werden noch viele Millionen folgen. Das hat Methode, ist geplant und wird gezielt voran getrieben.

    Meine Prognose.
    Der Mittlere Osten wird in den nächsten 10 Jahren eine neue Renaissance erleben. Europa wird sich im Mittelalter wiederfinden.

    Guten Samstag Österreich! 🙂

  2. Feldscher

    Ya chabibi,
    war die Formulierung “Schrott und Korn” ein Tippfehler oder ein Freud’scher Verschreiber?

  3. Herbert Manninger

    Wenn man nicht fähig ist, Einwanderer danach zu beurteilen, ob sie MIT uns leben wollen, arbeiten wollen und auch können, sondern pauschal als ,,verzweifelte, traumatisierte Flüchtlinge” darzustellen, dann wundere sich niemand, dass uns Massen von ungebildeten Sozialhilfeabgreifern wirtschaftlich enorm belasten.
    Die Lügen fast aller Politiker&Medienleute&Asylindustrieller, diese Form der Einwanderung sei ein Gewinn, sind an Frechheit kaum mehr zu überbieten.

  4. aneagle

    ein Land, das
    *seinen Hauptstadtflughafen auch mittelfristig nicht mehr fertig bekommt,
    *seit 1994 an einer unterirdischen Bahnhofshalle in Stuttgart dilettiert,
    *sich als “arm aber sexy” empfindet,
    hat seinen “Fort”- Schritt weit hinter sich gelassen.

    Einzig der Umbau der deutschen Gesellschaft von einer aktiven Produktions- und Exportgesellschaft, mittels Nudge und Tugendterror, in eine leistungsfeindliche, überwachte Stimmviehmasse, schreitet, dank einer einschlägig vorkultivierten Kanzlerin, ungehindert und zielsicher voran.

    Das werden nur demokratische Bewegungen, die das “NICHT MIT MEINER STIMME” robust und glaubwürdig vermitteln können, aufhalten. Angesichts des “totalitär-doktrinären-ökoindustriellen Komplexes” ((© die Welt ) scheint der Zug in Europa aber schon abgefahren.

  5. aneagle

    PS: wer nicht auf die nahe Zukunft warten und die “große politische Transformation” bereits jetzt vorempfinden möchte, dem sei der Roman “Der Circle” empfohlen.

  6. Manfred erzetic

    Syria Forever
    Selten so einen geballten Unsinn wie in Ihren Kommentar gelesen.

  7. KClemens

    Also, wenn ich Kinderwahlrecht höre, fällt für mich meistens eine Klappe….

  8. Syria Forever

    Feldscher

    Das ist schon in Ordnung, oder finden Sie es entspricht nicht den Fakten?

    Shalom 🙂

  9. Hugo

    Meiner Einschätzung nach hat es in den letzten zwei Jahrzehnten einen Trend gegeben, jede unterhaltsame oder werbewirksame Taschenspielerei als Produkt oder Leistung auszugeben und ins BIP einzurechnen. Das echte nationalökonomisch zu rechtfertigende Wachstum des BIP ist wahrscheinlich viel geringer als ausgewiesen. Es dominiert Stimmungmache. Damit die Lemminge eben bei Laune bleiben.

  10. Christian Peter

    @KClemens

    aber warum denn ? Nicht der deutschen Sprache mächtige Einwanderer und Kinder sind das perfektes Stimmvieh für Altparteien.

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