Buchtip: “Die Diktatur der Guten”

(ANDREAS TÖGEL)  24 Jahre hat das Buch anno 2020 auf dem Buckel – und es hat nichts von seiner Bedeutung eingebüßt. Ganz im Gegenteil. Die Macht der über die Deutungshoheit gebietenden, in Parlamenten, Medienredaktionen und Hochschulen sitzenden Eliten hat seither erheblich zugenommen. Eine Mehrheit der Bürger klagt bei rezenten Befragungen darüber, ihre Ansichten zu vielen Themenkreisen – aus Angst vor Ausgrenzung, sozialer Ächtung und wirtschaftlichem Schaden -, nicht mehr in der Öffentlichkeit ausbreiten zu können.

Damit hat der Tugendterror gewonnen. Eine kleine Minderheit selbstgerechter Philister hat ihren Willen gegen die große Mehrheit erfolgreich durchgesetzt: was nicht länger gefahrlos ausgesprochen werden darf, wird alsbald (dank der als „Schere im Kopf“ bekannten, rigorosen Selbstzensur) auch nicht mehr gedacht. Daher ist nicht nur die Meinungsfreit dahin, sondern auch die Gedankenfreiheit. Damit werfen die pc-verseuchten Gesellschaften die Errungenschaften der Aufklärung bedenkenlos über Bord. Wichtig ist nicht länger die Suche nach der Wahrheit, sondern der Glaube ans vermeintlich Gute: Bekenntnis schlägt Erkenntnis.

P.C. hält die Stöckchen hoch, über die alle brav zu springen haben – sofern sie Wert darauf legen, nicht als ignorante Hinterwäldler, Unmenschen oder gar als Nazis diffamiert zu werden. Die allgegenwärtigen Tugendwächter bestimmen jene Opfergruppen, die jeglicher Kritik entzogen sind, “Flüchtlinge” etwa.

Einerseits erheben sie sich dadurch zu deren Vormund und andererseits zwingen sie alle anderen unter das Diktat ihrer Denkschablonen. Andere Minderheiten, als die von den Tugendbolzen erwählten, können niemals Opfer sein. Beispielsweise sind Unternehmer, Katholiken und „Reiche“ stets Täter und somit vogelfrei.

Diskurse sind grundsätzlich nicht vorgesehen: mit bösen („rechten“) Schmuddelkindern führen die Angehörigen des juste milieu keine Dialoge, man redet allenfalls über sie, respektive über die vielfältigen Methoden, wie sie zur Raison zu bringen sind. „PC unterscheidet nicht nach wahr und falsch, sondern nach Gut und Böse…will nivellieren und einen Einheitsbrei von Menschen und Einheitsmeinungen schaffen“ (Michael Klonovsky).

Der Autor nennt die von den „Guten“ zu Minenfeldern gemachten Tabuzonen, ihre Disziplinierungsmittel und die Konsequenzen, die starrsinniges Beharren auf der politisch unkorrekten Wahrheit nach sich zieht. Die reichen – und das war zum Zeitpunkt der Drucklegung des Buches durchaus noch anders – bis zu physischen Angriffen auf die Abweichler. Der Furor der politisch korrekten Linken richtet sich längst nicht mehr nur gegen Sachen. Nach wie vor – in Deutschland und Österreich mehr als anderswo – ist die Nazikeule jenes Instrument, das Nonkonformisten und Dissidenten zuverlässig zum Schweigen bringt.

Der letzte Absatz lautet: „Politkommissare gestern, die [das Netz durchforstenden, Anm.] Gesinnungspolizisten heute, ihre Methoden der Auslese und die Mittel der Diffamierung gleichen sich. Political Correctness ist die neue Schlachtordnung all derer, die ihr Millionenheer der blauen Ameisen verloren, der postmaoistischen Gleichmacher. Die Schönlügner marschieren auf ihren Plätzen des himmlischen Friedens auf.“
Ein ebenso erschreckender, wie richtiger Befund. Absolut lesenswert!

Die Diktatur der Guten: Political Correctness
Klaus J. Groth
Verlag Herbig, 1996
320 Seiten Hardcover
ISBN: 3-7766-143-0
24,90,- Euro

7 comments

  1. Sokrates 9

    Mit einer von linken Lehrern indoktrinierten Jugend gibt es da keine Alternive mehr.D auch intensives Studium einer Meinung und Denken in Alternativen nicht mehr “in” ist wird Europa so enden analog diverser Hochkulturen wie die Ägypter,Römer, Griechen.

  2. Der Realist

    Aktuell sind die Vorkommnisse in Hanau natürlich ein Fressen für all die Guten und politisch Korrekten, und sämtliche Schreiberlinge der “Qualitätsmedien” geben Ferndiagnose ab, alle mit dem Ergebnis, dass der Täter ein Rechtsextremer war. Für Die Opfer ist es wurscht, ob ein Verrückter ein Rechter oder ein Linker ist.
    Sofort ist natürlich auch ein Schuldiger gefunden, kein Kommentar oder Interview kommt ohne einen Bezug zur AfD aus.
    Um dem Meinunungsterror Einhalt zu gebieten. müssen sich jene formieren, die den Mut haben ihre Meinung auch klar zu bekunden, ohne Rücksicht auf die Reaktionen der “Guten”, dass jemand eine andere Meinung vertritt, sind diese gar nicht mehr gewohnt.

  3. Tomj

    @Der Realist: Das wirklich Schauerliche an diesem Propagandatheater ist ja, daß es derzeit überhaupt noch nicht geklärt ist, ob der medial präsentierte Täter (der nachweislich schon vor 15 Jahren, na sagen wir mal: “seltsame” Anzeigen gemacht hat – und da hat’s die AfD ebenso nachweislich nicht gegeben) die Tat auch tatsächlich begangen hat! Der einzige Überlebende ist ja interessanterweise der Vater – und der ist (Ex?-) Grüner…

  4. astuga

    Von der grundsätzlichen Problematik her passt das auch ganz gut auf die EU bezogen, bzw die meisten westeuropäischen Nationen…

  5. Mourawetz

    Vom angeblichen rechten Terror zum realen Meinungsterror ist es oft nur ein kleiner Schritt.

  6. Eugen Richter

    Ende der 1970er fragte uns ein Lehrer, nach der Lektüre von Kant, ob wir in einem aufgeklärten Zeitalter leben und liess und darüber diskutieren. Damals war mir recht schnell kkar, dass man eher von einem aufgeklärteren Zeitalter sprechen könnte. Ach ja, die optimistische Jugend oder jung und dumm auf Einfachsprech gesagt. Die selbst verschuldete Unmündigkeit ist eine Krankheit, die wohl aks unausrottbar gelten muss und immer wieder sehr viele Opfer fordert.

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