Buchtip: “Die Infantile Gesellschaft”

Von | 26. März 2021

(ANDREAS TÖGEL) Der Autor stellt zu Beginn fest: „Kindische Erwachsene sind Erwachsene im Stand selbstverschuldeter Unmündigkeit“. Die diagnostizierte Infantilisierung der Gesellschaft bedeutet somit einen Rückfall hinter die Errungenschaften der Aufklärung, die Immanuel Kant als den Aufbruch aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit definiert und mit der Forderung verbunden hat, sich doch gefälligst des eigenen Verstandes zu bedienen.

Im Wettstreit der Gefühle mit dem Verstand kommt letzterer indes regelmäßig unter die Räder. Die Figur des Peter Pan verdeutlicht das Problem: Er kann und will nicht erwachsen werden – wie so viele Zeitgenossen heute auch. Er verharrt in ewiger Kindheit. In den Fußstapfen Peter Pans hüpfen dieser Tage Erwachsene beiderlei Geschlechts gegen Nazis und ihre Kinder, die es nicht besser wissen können, schwänzen unter dem Beifall ihrer Eltern die Schule, um das Klima zu retten. Wäre es nicht zum Weinen, könnte man darüber glatt in Gelächter ausbrechen.

Alexander Kissler nimmt in seinem Buch häufig – und keineswegs kritiklos -, Bezug auf den Philosophen und selbsternannten Erziehungsexperten Jean-Jacques Rousseau. Dessen Imperativ “zurück-zur-Natur” wird nach seiner Einschätzung vielfach völlig missinterpretiert.
Konsumgüterindustrie, Internetgiganten und politische Klasse sind inzwischen dazu übergegangen, erwachsene Menschen nahezu durchgängig zu duzen – zumindest in der Pluralform. Wie man Kinder halt so anspricht. Und die vom übergriffigen Wohlfahrtsstaat zunehmend unter Kuratel gestellten Bürger sind bereits so weit infantilisiert, dass sie bei jedem vermeintlich auftretenden Problem reflexartig eine prompte Intervention ihres Vormunds fordern. Eigenverantwortung in Nimmerland? Passé. Im Zweifel müssen Verbote her – um zu verhindern, dass der Nachbar tut, was man selbst nicht möchte.

Diese Mentalität spielt der Verbotspartei schlechthin, den Grünen, in die Karten. Sie eilen derzeit von einem Wahlerfolg zum nächsten.

Dem Hype um Greta Thunberg widmet der Autor – zu Recht – breiten Raum. Wenn die politischen Führer, Spitzenkleriker und Topmanager dieser Welt ergriffen den stereotypen Anklagen einer Halbwüchsigen (die sich stets auf „die Wissenschaft“ beruft, die es zum einen gar nicht gibt und von der sie zum anderen aus naheliegenden Gründen keine Ahnung haben kann) lauschen, sollten allerorts die Alarmglocken schrillen. Die von Greta gewollte und geschürte Panik liefert nämlich keine vernünftige Basis zur Bewältigung der tatsächlichen oder imaginierten “Klimakrise”. Ein kühler Kopf produziert allemal bessere Ideen als ein unduldsamer, ideologiebeladener Hitzkopf. Die von der kleinen Schwedin angepeilte “Überwindung des Kapitalismus” wird die Menschheit jedenfalls nicht voranbringen. Eher im Gegenteil.

Leider kommt die Beschreibung des Weges aus der Unreife zu kurz. Mehr oder weniger auf Immanuel Kants eingangs zitierte Forderung zu verweisen, erscheint ein wenig zu abstrakt. Trotz dieses kleinen Defizits hat Alexander Kissler ein absolut lesenswertes, in einer heute selten gewordenen, eleganten Sprache verfasstes Buch vorgelegt.

 

Die Infantile Gesellschaft – Wege aus der selbstverschuldeten Unreife

Alexander Kissler

Verlag Harper-Collins

255 Seiten, Hardcover

ISBN: 978-3-7499-0014-5

19,62,- Euro

 

8 Gedanken zu „Buchtip: “Die Infantile Gesellschaft”

  1. Johannes

    Wer die “How dare you” Rede aufmerksam verfolgte konnte ein pupertierendes Mädchen beobachten das eine Mimik, Gestik und Rhetorik zeigte das diesen jungen Menschen in seiner ganzen inneren Verzweiflungswut scheinbar an der Grenzen seiner psychischen Belastbarkeit zeigte.

    Jetzt wäre es die Aufgabe der Erwachsenen diese aufgestaute zum Teil irrational, ins apokalyptische kippende Angst zu relativieren, zu trösten und den positiven Umweltgedanken in unhysterische Bahnen zu lenken.

    Und was tun die Erwachsenen zB. ein BP VdB oder ein Arnold Schwarzenegger?
    Sie behandeln das Kind wie einen Erwachsenen, und schüren mit ihrem Handel noch das unkontrollierte Feuer in der Seele dieses Kindes.

    Wer sich die Kinder rund um Greta ansieht kann Wesen betrachten die um ihre unbeschwerte Kindheit gebracht werden weil Erwachsene sie benutzen oder sich im Medienhype rund um diese Erscheinung sonnen und politisch davon profitieren wollen.

    “Gebt den Kindern die Macht, sie berechnen nicht was sie tun” lautet die populäre Zeile eines mir suspekten Schreihalses.
    Nun in der Tat, das Rechnen und Berechnen, schlicht das Wekzeug um in Zukunft nicht nur zu protestieren sonder durch Mathematik zu gestalten scheint bei der Generation Greta zu verkümmern.

  2. Thomas F.

    Die verwöhnt – und zum überwiegendend Teil ohne Väter – aufgewachsene Generation der ‘Millennials’ hat in den letzten Jahren begonnen, den Ton anzugeben. Interessanter Weise sind sie sehr stark von psychischen Problemen geplagt, depressiv und nihilistisch.
    Vielleicht würde die ‘Red Pill’ helfen.

  3. Nightbird

    @ Johannes: zum ersten Absatz

    Was Greta anbelangt, so kann sie nichts für ihre Krankheit des Asperger-Syndroms. Eine leichte Variante des Autismus. Solche Menschen haben Probleme, ihre Mimik richtig rüberzubringen, die Worte des Gesprächspartner so zu verstehen, wie sie gemeint sind: Worte im Scherz, Ironie, Sarkasmus verstehen sie nicht, sondern sie nehmen die Worte in ihrer allgemeinen Bedeutung.

    Ein Beispiel:
    Ich sage zu Dir: Du bist ein Trottel! (ernst gemeint)
    Ich sage zu Dir: Du bist heute aber wieder ein Trottel! (im Scherz, lustig, ironisch)

    Für uns liegt der Unterschied in der Betonung, der Mimik, Der Wortmelodie, der Körpersprache dabei. Asperger könne das nicht deuten. Für Asperger hat beides diesselbe, ernstgemeinte Bedeutung. Ausserdem können Asperger die Gefühlsregungen, die Emotionen der Anderen nicht einordnen, nicht adäquat anrworten (zB den Anderen umarmen, wenn dieser weint)

    Ausserdem sind Asperger sogenannte Savants. Inselbegabungen, die nur eine Sache überrachend gut beherrschen, aber andere, vielleicht für uns ganz normale, überhaupt nicht. Einstein war ein Genie in der Relativitätstheorie aber Schuhe zubinden konnte er nicht. Alan Turing war ein IT-Genie und konnte den Enigma-Code der Nazis knacken, war aber nicht in der Lage, soziale Bindungen aufzubauen und zu halten, Emotionen der Anderen richtig einzuordnen. Alles Klar?

    Kindisch und Infantil ist nicht dasselbe. Kindisch bin ich, wenn ich wie ein Kind handele, denke, aber trotzdem berufsfähig sein kann. Kindisch sein kann man auch übergangsweise sein. Als Scherz, Ironie.

    Infantil (geistig, körperlich) kann zB eine Kopfverletzung, eine Halsabsschnürung durch die Nabelschnur während des Geburtsvorgangs sein, eine genetisch bedingte Krankheit sein wie Down-Syndrom (Trisomie 21) (der typische Dorfdepp) oder nur geistig, wissensmäßig aufgrund einer nie stattgefundenen Schulbildung, Lebenserfahrung. soziale Absonderung vn der Gesellschaft, von Gleichaltrigen um mit ihnen sozial zu interagieren und sich dadurch weiterzuentwicklen., siehe die Kollateralschäden der der Corona-Maßnahmen
    in Schulen, Kindergärten)

    Infantil kann aber auch werden, wenn die einzige Beschäftigung jene ist, sich mit dem Smartphone im Web, in
    Social Networks rumzutreiben oder die Meldungen der Medien für bare Münze nimmt. Dafür aber nicht liest, selbst denkt oder sich durch Diskussionen weiterbildet.

    BTW: wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten :-)))

  4. Johannes

    Nightbird @
    Danke für die ausführliche Analyse, mein erster Absatz war auch nicht wertend sondern beschreibend, ich habe natürlich davon gehört das dieses Mädchen eine bestimmte Beeinträchtigung haben soll.

    Prinzipiell spielt es für mich keine Rolle wer an welcher ev. Beeinträchtigung leidet, allein schon deshalb weil sowieso bei allen Menschen fließende Übergänge von vielen harmlosen oder manchmal manifesten psychischen Zuständen vorherrschen.

    Wie gesagt für mich spielt das keine Rolle, umso mehr verurteile ich es dieses Mädchen in ihrem Weltbild zu stärken und so ihre Verzweiflung nur immer weiter anzuheizen.

  5. Johannes

    Infantil nach meinem Verständnis ist das Verhalten von Erwachsenen, als wären sie Kinder zB. eben 13 jährige.
    Die verwendung des Begriffs Infantilität darf nach meiner Meinung für alle Erwachsene verwendet werden die aus welchen Gründen auch immer ihr Verhalten dem von 13jährigen anpassen.

  6. Nightbird

    @ Johannes
    Wenn ein Erwachsener sein Verhalten an das von 13 jährigen “anpasst”, wie Du es siehst, dann impliziert das eine Absicht um damit etwas zu erreichen. Eine Persiflage, eine Komodie auf der Bühne , Sarkasmus, Ironie. Selbst ist er natürlich nicht so, sondern er spielt nur den Infantilen.

    Wenn ein Erwachsener sich bloß kindlich benimmt, kann das auch bdeuten, er wüscht sich, wieder ein Kind zu sein, sich nicht an Regel halten zu müssen, Grenzen einzuhalten. In einer Welt, die nur mehr Regeln, Vorschriften kennt. Die damit unser Leben manchmal eher behindert als erleichtert.

    Echte, med.psych. determinierte Infantilität hat immer soziale, geistige Einschränkung/Behinderung als Grundlage.

    zu Greta:
    ich versteh’ schon, was Du meinst. Auch ich sehe es als falsch an, sie in irgendeiner Weise zu beeinflussen. Egal ob anheizen oder bremsen. Ich sehe aber darin nur den Versuch, sich über solche Menschen lustig zu machen oder sie zu etwas zu animieren, wozu sie gar nicht in der lage sind.

    Das gelingt auch nicht, denn Asperger sind (je nach Ausprägung) unbeeinflussbar. Da solche Menschen gänzlich abgesondert in ihrer eigenen Welt, in ihrer eigenen, persönlichen Blase mit ihrenganz eigenen Verhaltensnormen, Regeln leben, sind sie total entkoppelt von der unserigen Welt . Zwischen unseren und ihren Welten gibt es keinerlei Berührungspunkte oder Einflussmöglichkeit. Im Kontakt mit Aspergern muß sich der “Normalo” anpassen, um mit ihm klarzukommen, nicht umgekehrt.

    zu …ihre Verzfeiflung anheizen
    sich (in Worten, Gefühlen) selbst zurückzunehmen, kennen/können Asperger nicht. Diese Hemmung ist aufgrund der dafür fehlenden Hirn-Programmierung nicht vorhanden. Dadurch schiessen sie regelmäßig übers Ziel hinaus.

    Meine ehemalige Freundin war eine leichte Asperger. Ein für mich, normales Kommunizieren, war nicht nur schwer, sondern fast unmöglich. Ungemein stressig. Ich musste jedes Wort auf die Goldwaage legen, so, daß sie es auch begreift, was ich sagen wollte. Da ich wiederum ein Mensch bin, der auch sagt, was er denkt, war diese Zeit der Freundschaft ständiger Stress für mich. Vom normalen Leben, von ihren Besuchen bei mir möchte ich gar nicht est anfangen. Letzlich musste ich diese Freundschaft beenden, denn ein, für mich, normales Leben war für mich in dieser Zeit nicht mehr möglich.

    Falls es hier irgendwen interessiert, gibt Wikipedia hier einen Überblick: https://t1p.de/6wwy

  7. Johannes

    Nightbird @ Einspruch, die Solidarität von Merkel und Gewessler geht soweit, dass ihre vermeintlich “gespielte Infantilität“ zu einem sehr konkreten Handeln bezüglich Energie und Mobilität führt.
    Diese Absichten sind per Dekret und absolutem Datum festgelegt ohne auch nur einen realistischen Bezug zur Wirklichkeit (Stromversorgung, Rohstoffe für Elektroakkus usw.) zu haben.
    Wenn man so will der infantile Glaube an etwas das aus heutiger Sicht, auch technisch, schlicht unmöglich ist.
    Die Dummen sind nach meiner Meinung jene die diesen beiden Damen glauben.
    Ich vermute die beiden Protagonisten wissen sehr wohl, dass sehr viel Drang und Zwang nötig sein wird um die Menschen vom Auto in die Öffis zu zwängen. Wer ihnen aber jetzt folgt und daran glaubt das jeder sein Elektromobil besitzen kann ist kein Erwachsener der die Dinge durchschaut sondern, …….erraten, infantil.

  8. Nightbird

    @ Johannes Hier Infantilität zu sehen, gelingt mir beim besten Willen nicht.

    Beide tun nur so, als wüssten sie nicht, daß die e-mobilität aufgrund der knappen Ressourcen (Rohstoffe für den Accu) ein Schuss ins Knie ist. So blöd sind Politiker nämlich auch wieder nicht, daß sie nicht wüssten, was Sache ist. Für mich ist das reines Schauspiel mit Nebelgranaten. Den Eindruck erwecken, als würden sie für die Autofahrer etwas tun. Im Endeffekt wird ihr gespieltes Engagement das sein, was es ist: Eine Komödie!
    Nur, der Bürger soll’s bloß nicht mitkriegen. Der wird hier nur mit Scheintatsachen an der Nase herumgeführt
    “Diese Deppen glauben ja eh alles!” werden sich Merkel & Co. denken.

    Das einzige, was Merkel versucht, ist, den Standort Deutschland mit der Autoproduktion krampfhaft zu erhalten. Das alles ist für mich ein Schauspiel mit imaginären Daten & Fakten. Letztendlich wird dieses gespielte Projekt im Schredder verschwinden.

    Beide kommen mir vor wie ein Roßtäuscher, der einen elenden Klepper in den letzten Zügen vor dem Abdecker gerettet, als preisgekröntes Ross verscherbeln will um danach hurtig zu verschwinden, bevor in die Menge in die Finger kriegt.

    Mit einer med.psych. Infantilität hat das für mich definitiv nix zu tun.

    Erheiternd ist dabei nur, wie leicht manche auf solche Scheintatsachen hereinfallen *bg*

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