Buchtip: “Die Krise hält sich nicht an Regeln”

Von | 9. Dezember 2021

(ANDREAS TÖGEL) Seit der Erstauflage des vorliegenden Buches sind rund zehn Jahre vergangen. Insbesondere die durch die Corona-Pandemie ausgelösten politischen und wirtschaftlichen Verwerfungen, bescheren uns nach Meinung des oft als „Crash-Prophet“ bezeichneten Autors Max Otte nun den „Weltsystemcrash“, den er bereits 2019 beschworen hat. Die durch die Pandemie bedingten Ereignisse, haben den Autor zu einer überarbeiteten Neuauflage veranlasst.

In Antworten auf 99 Fragen, die zur internationalen und nationalen Politik, zur wirtschaftlichen Entwicklung und zu Möglichkeiten, sich gegen Krisen aller Art individuell möglichst gut zu wappnen gestellt werden, entwickelt Max Otte ein Bild von der Welt, wie sie sich für ihn gegenwärtig darstellt.
Überraschen mag, dass er Investmentbanken, Hedgefonds und den Derivatehandel, die spekulative Veranlagungen fördern, härter kritisiert, als die politischen Verantwortungsträger, die viele der aktuellen Fehlentwicklungen erst ermöglicht haben. Wenn es auch plausible Gründe dafür geben mag, anzunehmen, dass ein entfesselter „Casinokapitalismus“ zur Ausbildung von wirtschaftlichen Oligopolen tendiert, so kann die angemessene Reaktion darauf doch schwerlich darin bestehen, dem Staat, also einem territorialen Machtmonopolisten, die absolute Kontrolle über sämtliche wirtschaftliche Interaktionen einzuräumen, wie sie dem Autor offenbar vorzuschweben scheint. Immer wieder erhebt er Forderungen zur verstärkten staatlichen Regulierung, Kontrolle und auch nach Verboten. Mit der freien Interaktion freier Individuen hat das wenig zu tun. Immerhin bildet ja gerade die Symbiose von Big Government und Big Business die Basis der zunehmenden Macht internationaler Konzerne – insbesondere derer, die aktiv an der fortschreitenden Digitalisierung des Lebens beteiligt sind, oder von ihr profitieren. Die zunehmende Bedeutung von Amazon und anderen Internetriesen, resultiert ja letztlich aus dem – beabsichtigt oder unbeabsichtigt – geführten Kampf der Regierungen gegen den Mittelstand.

Dass die politischen Eliten den Euro als Vehikel zur Schaffung der „Vereinigten Staaten von Europa“ eingeführt haben, wird von Max Otte zu Recht scharf kritisiert. Dass die Machtakkumulation bei der Kommission der EU zu nichts Gutem führt und mit dem ursprünglichen Gedanken einer Wirtschaftsgemeinschaft nichts mehr zu tun hat, ebenfalls.

Dass er aber F. A. Hayek und Milton Friedman (ausgerechnet ihn!) – als „Marktreligiöse“ kritisiert, dafür aber über viele Seiten hinweg nichts als lobende Worte für Maynard Keynes – den Anwalt des Staatsinterventionismus schlechthin – findet, dürfte indes viele Liberale unter seinen Lesern massiv befremden.
Fazit: Interessant zu lesende Lektüre – besonders im Hinblick auf die am Ende erteilten Anlageempfehlungen.

Die Krise hält sich nicht an Regeln
Max Otte
Finanzbuchverlag
252 Seiten, Hardcover
ISBN: 978-3-95972-460-9
20,- Euro

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