Buchtip: Privatisierter Krieg?

Von | 17. April 2013

(Andreas TÖGEL)  Modernes Söldnertum, Privatisierung des Krieges, Gefahr der Unterminierung des Machtmonopols des Staates, Geschäftemacherei mit der Gewalt – diese Assoziationen tauchen gemeinhin auf, wenn von jenem – relativ neuartigen – Phänomen die Rede ist, das Im Zentrum dieser Publikation steht. Die große Vielfalt von Diensten, die von privaten Anbietern im traditionell dem Staat zugewiesenen Bereich der Sicherheitsproduktion angeboten werden, geht indes weit über die mit dem negativ konnotierten Begriff Söldnertum hinaus.

Denn die Teilnahme von durch Privatfirmen gestellten Kriegern an Kampfhandlungen macht nur einen kleinen Teil des Aktionsspektrums der insgesamt 909 untersuchten PSMF aus. Dagegen bilden Leistungen im privaten Sicherheitsbereich (etwa zur Objektbewachung), Wartung und Instandsetzung komplexer militärischer Ausrüstung (z. B. von Kampfflugzeugen oder Drohnen), Transportaufgaben, Personenschutz, Bewachung und Schutz militärischer Einrichtungen und Transporte, sowie Informationsbeschaffungs- und Beratungsdienste in den verschiedensten Sektoren, den weitaus wichtigeren Teil deren Angebots.

Der Autor, ein österreichischer Berufsoffizier, greift weit über den durch den Titel vorgegebenen Rahmen hinaus, wenn er sich – gestützt auf eine Fülle von Daten und Primärliteratur – historischen Betrachtungen, sowie juristischen, staatsrechtlichen und philosophischen Fragen im Zusammenhang mit der Legitimität von Gewaltausübung, bis hin zum Frage des „Gerechten Krieges“, widmet. Daß Fußnoten und Anhang ein gutes Drittel des Volumens der vorliegenden Publikation ausmachen, verringert einerseits zwar den Lesekomfort, belegt andererseits aber die überaus gründliche Quellenanalyse.

Die Globalisierung trägt ihren Teil dazu bei, auch militärische Aufgaben zu internationalisieren. Transnational tätige Sicherheits- und Militärfirmen sind gegenüber nationalen Armeen vielfach klar im Vorteil. Sie bieten staatlichen Militärapparaten die Möglichkeit zur Effizienzsteigerung – sowohl in funktionaler Hinsicht, als auch mit Blick auf die entstehenden Kosten.

Die gewachsene Bedeutung privater Militärfirmen wird etwa dadurch eindrucksvoll illustriert, daß die Zahl deren Mitarbeiter am Höhepunkt des US-amerikanischen Engagements im Irak, die der Militärpersonen deutlich überstieg… PSMF sind hauptsächlich in den Staaten des Westens anzutreffen. Der Autor erkennt in seiner abschließenden Zusammenfassung keinen Grund für die gelegentlich geäußerte Befürchtung, daß das staatliche Gewaltmonopol in diesem Teil der Welt durch PSMF ernsthaft herausgefordert werden könnte. Vielmehr bilden diese eine wichtige Komponente zur Aufrechterhaltung und Steigerung der militärischen Kapazitäten im Hinblick auf die sich seit dem Ende des kalten Krieges drastisch wandelnden Bedrohungsszenarien. Eine Fülle von Tabellen, Graphiken und der ausführliche Anhang komplettieren diese ebenso umfangreiche wie informative Publikation. Kommentar des Rezensenten: Über die Richtigkeit der auch vom Buchautor vertretenen These Peter W. Singers, „Krieg ist zu wichtig, um ihn der Privatwirtschaft zu überlassen.“ lässt sich trefflich streiten. In der Tat war und ist der Krieg ein mit dem staatlichen Gewaltmonopol unlösbar verbundenes Ereignis. Private pflegen gemeinhin keine Kriege gegeneinander zu führen, da sie deren Kosten – anders als der Staat – nicht auf die Schultern Dritter abladen können und daher alle üblen Konsequenzen selbst zu tragen haben.

Kein Wirtschaftstreibender, sofern er nicht im Bereich der – stets staatsnahen – Rüstungsindustrie engagiert ist, hat Interesse an Mord und Totschlag oder an kriegsbedingten Zerstörungen. Handel, Wandel und Wohlstandsproduktion gedeihen nur im Frieden. Der Staat dagegen braucht den Krieg (und sei es der gegen Terror oder Drogen), um zu wachsen.

Der heute in den beiden durch den letzten Weltkrieg schwer gezeichneten Verliererstaaten Deutschland und Japan herrschende Wohlstand, gründet nicht etwa auf den Heldentaten seiner im Krieg aufgebotenen Militärstrategen, Feldherren und Soldaten, sondern ausschließlich auf im Frieden gezeigtem Fleiß, Erfindungsreichtum und unternehmerischem Geist seiner Zivilisten. Insofern liegt auf der Hand, daß der Großteil der PSMF nicht anders denn als verlängerte Werk- (oder Schlacht-)Bänke des Leviathans fungieren. Eine Gefahr für das (angesichts der von der Geschichte erteilten Lektionen, mehr als fragwürdige) staatliche Gewaltmonopol geht daher von ihnen – leider! – nicht aus…

Private Sicherheits- Und Militärfirmen

Thomas Eppacher

LIT-Verlag 2012 659 Seiten, broschiert ISBN 978-3-643-50456-2 € 64,90,- LIT-Verlag Tagebuch

7 Gedanken zu „Buchtip: Privatisierter Krieg?

  1. Halmstan

    Publikationen von Militärangehörigen leiden in der Regel daran, dass diese nur wenig Einblick in wirtschaftliche Vorgängen haben (können). Gerade die PSMF verdienen diese Perspektive aber wesentlich stärker als andere sicherheitspolitische Themen. A. Tögel hat einige Aspekte der politischen Ökonomie dieses Sektors erwähnt, lesens- und hörenswert sind dazu auch die Kommentare von Hans-Hermann Hoppe.

  2. Lodur

    “Kein Wirtschaftstreibender, sofern er nicht im Bereich der – stets staatsnahen – Rüstungsindustrie engagiert ist, hat Interesse an Mord und Totschlag oder an kriegsbedingten Zerstörungen. Handel, Wandel und Wohlstandsproduktion gedeihen nur im Frieden. Der Staat dagegen braucht den Krieg (und sei es der gegen Terror oder Drogen), um zu wachsen.”

    Aha, demnach waren Imperialismus und Kolonialismus kein Produkt des Kapitalismus. HA, HA, HA! Selten so gelacht. Seltsamerweise waren die Hauptprofiteure dieser Prozesse private Handelsunternehmen, Plantagenherren, Manufaktur- und Fabrikseigentümer, Banken etc. Und im Kapitalismus vertritt der Staat prinzipiell die Herrschaftsinteressen der herrschenden Klassen. Geht er doch aus den materiellen Bedingungen hervor.

  3. Samtpfote

    @Lodur
    So viel Dioptrien kann Ihnen ein Augenarztarzt gar nicht verschreiben, wie Sie benötigten. Diese Art von Kurzsichtigkeit, die Sie hier seit ewigen Zeiten beweisen, ist bei Ihnen anscheinend unheilbar.
    Ach ja, der Terror des Sozi, leni-Kommi und was weiss ich noch linken -ismussen, blenden Sie graziös aus.
    Aber wahrscheinlich rennen’S andauernd gegen irgendetwas…. was halt die Kurzsichtigkeit so mit sich bringt…

  4. Schabeltierfresser

    Ich bevorzuge die Bezeichnung “staatlich verordneter Mord” statt “Krieg”.

  5. Rennziege

    @Samtpfote
    San S’ pittäh vuahsichtig, Chef! Es ist doch verboten, sich über chronisch G’störte und Behinderte lustig zu machen, oddärr? 🙂

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