Buchtip: „Und erlöse uns von den Blöden“

Von | 7. Januar 2021

(C.O.) Falls Sie gelegentlich das Gefühl haben, in einer Welt zu leben, in der die Verblödung, das Narrentum und alle anderen geläufigen Schattierungen der intellektuellen Minderleistung plötzlich um sich greifen wie das heuer unser Leben dominierende Virus aus Wuhan, dann haben Sie vermutlich recht mit dieser Diagnose. Dass manche Menschen nach fast einem Jahr Pandemie noch immer Schwierigkeiten haben, eine Stoffmaske so zu tragen, dass Mund und Nasse bedeckt sind, dass manche damit überfordert sind, den Unterschied zwischen eineinhalb Meter Abstand und sich aneinander reiben zu behirnen und nicht nur bildungsferne Migranten, sondern auch gefeierte Manager reiferen Alters Corona-Partys feiern, bei denen sich ein Dutzend Teilnehmer infizieren – all das scheint nicht geeignet zu sein, die Theorie von der Vernunftbegabung der Spezies Mensch zu stützen. Viel eher scheint, aus welchen Gründen auch immer, ein milieuübergreifender Prozess der Verblödung und der Verrüpelisierung deutlich an Tempo zu gewinnen.

Das ist jedenfalls die Grundannahme der in Bayern recht bekannten Kabarettistin Monika Gruber und ihres Co-Autors Andreas Hock in ihrem neuen Buch „Und erlöse uns von den Blöden – Vom Menschenverstand in hysterischen Zeiten“.

Sehnsucht nach dieser Form der Erlösung scheinen derzeit ziemlich viele Menschen zu haben, das Buch ist innerhalb kurzer Zeit auf der „Spiegel“-Bestsellerliste auf den ersten Platz vorgerückt.

Tatsächlich haben wir es hier mit einem fein leserlichen Vademekum für all jene zu tun, die sich nicht von jener Hysterie haben anstecken lassen, die seit einigen Jahren weite Strecken des öffentlichen Diskurses erfasst hat, mit Corona als vorläufigem Höhepunkt.

Schon das Inhaltsverzeichnis gibt dem Leser einen Begriff davon, welche Spielarten der Unvernunft hier seziert werden: „Love me, Gender“, „Berufswunsch Influencer“, „Von Burkinis, Schwimmbadkultur und Handtuchhelden“, „Müllentsorgung mit Diplom“, „Unsere Scarlett schreibt keinen Vierer“, „Weiberdämmerung“, „Raucher, Autofahrer, Fleischesser“ bis „Du Opfer ersetzt nicht die förmliche Anrede“ – man merkt schnell, woran sich die Autoren und offenbar ziemlich viele Leser so stoßen im Alltag des Jahres 2020.

Dazu gehören natürlich auch die zahllosen Eruptionen der Unvernunft, die Corona ausgelöst hat, nicht zuletzt beim Staat und seinen Organen. „Jäger konnten zu zweit Jagen gehen, aber zusammen picknicken, war streng verboten. Schleswig-Holsteinern war erlaubt, nach Hamburg zu fahren, aber Hamburgern verboten, nach Schleswig-Holstein zu fahren (…) Zum Glück blieb sich unser plötzlich so aktionistischer Staatsapparat wenigstens in einem Punkt treu, der uns Bürger seit Jahren um den Verstand bringt: der konsequenten Inkonsequenz“. Das kommt einem in Österreich auch irgendwie bekannt vor.

Aber auch abseits der coronainduzierten Blödheiten fühlen sich die Autoren gehörig von Zeitgeist bedrängt, etwa was das Verhältnis zwischen den Geschlechtern betrifft. Was sich etwa im Kino festmachen lässt, wo, so vermuten sie, der nächste Bond gespielt werden wird „von einer alleinerziehenden schwarzen Transfrau und Mutter, die in London in einer subventionierten Sozialwohnung lebt und sich beim MI6 etwas dazuverdienen muss, weil ihr Verdienst als Kassiererin bei Tesco nicht ausreicht (…) und die dann (die Bösewichte) statt nach einem anständigen Martini-Wodka nach einem Spinat-Algen-Smoothie mit einem letal langweiligen Gespräch über die Rolle der Frau im poststrukturalistischen Materialismus niederstreckt, da sie als Pazifistin niemals eine Pistole berühren würde.“

Wer dergleichen nicht für Nonsens hält, sondern für eine gesellschaftspolitische Notwendigkeit, wird mit dem vorliegenden Buch vermutlich eher wenig Freude haben, Kulturpessimisten eher bürgerlichen Zuschnittes hingegen werden es gerne lesen.  (WZ)

 

„Und erlöse uns von den Blöden: Vom Menschenverstand in hysterischen Zeiten“

Von Monika Gruber, Andreas Hock

Piper Verlag, 240 Seiten, 20 Euro.

 

12 Gedanken zu „Buchtip: „Und erlöse uns von den Blöden“

  1. Susi

    Danke Herr Ortner für diesen pointierten Beitrag, der mich dahingehend beruhigt, dass ich nicht mehr das Gefühl haben muss, mit dieser Ansicht und den gemachten Erfahrungen alleine zu sein.

  2. CE___

    „Dass manche Menschen nach fast einem Jahr Pandemie…..bla bla bla………all das scheint nicht geeignet zu sein, die Theorie von der Vernunftbegabung der Spezies Mensch zu stützen.“

    Also dann war die Menschheit vor dem März 2020 schon….blöd?

    Eine wahrlich interessante These.

    Es wäre erhellend zu erfahren ob die Autoren des Buches sich schon vor dem März 2020 bei jeder „Pandemie“ gut maskiert im Keller versteckt und bei jedem Ein- und Ausatmen eines Mitmenschen die Nervenkrise bekommen haben.

  3. sokrates9

    Für mich stellt sich schon die Frage wie es zu einem derartig dramatischen Anstieg der Verblödung kommen konnte.Wobei mit Corona, Lockdown,Schulunterricht gibt es viele Indikatoren dass nun diese Verblödung exponentiell wächst.

  4. Selbstdenker

    „Viel eher scheint, aus welchen Gründen auch immer, ein milieuübergreifender Prozess der Verblödung und der Verrüpelisierung deutlich an Tempo zu gewinnen.“

    Treffend formuliert.

    Es wurden häufig unbewusst und immer öfter auch bewusst die individuellen Rückkopplungsmechanismen zur Realität gekappt.

    Menschen, die von den positiven / negativen Konsequenzen ihres Tuns / Unterlassens entbunden werden, richten ihr Verhalten entsprechend diesen Erwartungen aus; das schlägt sich kulturell als Sklavenmentalität bzw. politisch als Pöbelherrschaft und folgender Tyrannei nieder.

    Der Treppenwitz der Geschichte: das anfängliche Bestreben individuelle Gleichheit zu maximieren führt schlussendlich immer zu Tyrannei und Kastenwesen.

    Wir brauchen keinen „Great Reset“, sondern eine Rückkehr zur individuellen Freiheit mit Eigenverantwortung!

  5. Cora

    Bravo Monika Gruber, sie hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Bei der Ansprache am Silvesterabend auf Servus TV, dort geschaut anstatt mir das langweilige Blabla des Bundespräsidenten auf ORF anzuhören, hat sie gesagt, sie werde sich wohl impfen, sie möchte ja auch nicht die einzige sein, die im Spätsommer draußen vor dem Biergarten bleiben muss. Eine vernünftige Frau.

  6. CE___

    @ Cora

    Bei Ihnen kann ich nur den Kopf schütteln.

    Sie springen auch wirklich über jedes Stöckchen dass ihnen eine „Regierung“ hinhält.

    Der Gessler-Hut lässt grüssen, die MAske tut es ja schon.

    Lesen Sie eigentlich etwas über den Impftstoff auch oder nur die neusten Gängeleien der „Regierung“ bis in den Spätsommer?

    Nix‘ genaues weiß man nicht über dem Impfpansch, sowohl über wirklichen Schutz als auch Langzeitschäden, die Hersteller geben mehr oder weniger offen zu dass es sich eher um ein, naja, wie soll man treffend sagen, es sich eher um ein modernes „Corona-Schmerzbetäubungsmittel“ handeln wird, aber eher auch nicht mehr.

  7. Nightbird

    Man mag Corona die Schuld geben, wo vermutet wird, daß sich dieser Virus durchaus auf das Hirn auswirken kann. Aber auch der immer mehr zunehmenden Sucht, sich in den Social Networks rumzutreiben. Man lebt in einer Blase. In einer Cloud. Jenseits aller Bedürfnisse.

    Es ist (für mich) das Zeichen einer echten Abhängigkeit, wenn man, falls man mal rausgeht, sieht, wie die Leute wie Drogensüchtige in ihr Smartphone stieren und nichts anderes mehr wichtig erscheint. Habe schon oft bemerkt, wie solche „Smombies“ bei rot über die Kreuzung laufen oder mit Blick auf’s Smartphone, ohne es zu merken, an die in der Haltstelle stehende Tramway anrennen.

    Ich bekomm‘ jedesmal das Kellermeister-Syndrom, wenn ich sowas sehe.

    Faktisch wird das Hirn, der eh so bescheidene Intellekt auf’s Handy „outgesourced“.
    Wozu brauch‘ ich denken? Steht eh alles im Netz!
    Bald wird’s eine App geben, die einem sagt, wann man auf’s Klo gehen muss.

    Ideal für all jene, die keinen freien Bürger wollen, aber Sklaven brauchen.
    Ohne Sklaven wäre auch das römische Imperium RatzFatz zusammengebrochen.

    Wissenschaftlich scheint jedenfalls bewiesen zu sein, daß seit ca. 1990 der IQ kontinuierlich abnimmt.
    Wenn’s so weitergeht, sind wir bald beim IQ eines Pantoffeltierchens angelangt.

    Ich frage mich dann nur:“ wozu braucht ein Pantoffeltierchen ein Smartphone?“

  8. Falke

    Ich habe das Buch zwar nicht gelesen; als guter und langjähriger Kenner der Kabarettauftritte von Monika Gruber kann ich mir absout nicht vorstellen, dass sie Menschen als verblödet hinstellt, die die Corona-Maßnahmen der Regierung (Deutschland oder Österreich, kein großer Unterschied) nicht als der Weisheit letzten Schluss ansehen und deren Wirkung in Zweifel ziehen. Bitte das nicht wieder – wie üblich – mit „Coronaverweigerung“ zu verwechseln. Man kann durchaus COVID-19 als gefährliche und ansteckende Krankheit ansehen, muss aber nicht unbedingt die Hysterie und Angstmacherei der Regierungen mitmachen und als adäquat betrachten. Nicht jedem, dem Gott ein Amt gab, gab er auch Verstand. Oder habe ich vielleicht den ganzen Artikel missverstanden?

  9. Alahut

    @sokrates9
    Der Anstieg der Verblödung ist doch schon seit Jahren stetig zu beobachten, und das nicht nur beim gemeinen Volk, das geht bis in höchste Kreise.

    Habe das Buch zu Weihnachten bekommen, wirklich sehr lesenswert.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.