Buchtip: “Was genau war früher besser?”

(C.O.) Laut einer jüngst von der deutschen Bertelsmann-Stiftung veröffentlichten Studie vertraten 67 Prozent der rund 11.000 befragten EU-Bürger die Auffassung, “die Welt sei früher besser gewesen”. Leider sind die Werte für Österreich nicht extra ausgewiesen, angesichts der landestypischen Neigung, Optimismus für eine behandlungsbedürftige Erkrankung zu halten, dürfte diese Form der romantischen Verklärung der Vergangenheit auch hierzulande recht robust ausgeprägt sein.

Das ist insofern recht überraschend, als die Welt “früher” entgegen diesem Befund eher ein viel schlechterer Ort war, egal ob man den materiellen Wohlstand, die Lebenserwartung oder die Chance, einen Krieg miterleben zu müssen, als Maßstab heranzieht. Die Behauptung, “früher ist alles besser gewesen”, ist deshalb empirisch leicht widerlegbar; nicht für den Einzelnen natürlich, sehr wohl aber für ganze menschliche Gesellschaften. mehr hier

10 comments

  1. MM

    – größere Meinungsfreiheit/ Meinungsvielfalt im öffentlichen Diskurs
    – stabilere Familien
    – weniger ethnische Spannungen
    – ausgeglichenere Altersstruktur der Gesellschaft
    – weniger Regulierung der Wirtschaft und des Privatlebens
    – niedrigere Steuern
    – ein Durchschnittseinkommen reichte für eine Familie um “mitzuhalten”
    – Technik als Chance anstatt als Risiko
    – schönere Bauten
    – besser gekleidete Menschen

    es gab schon einiges, das früher mal besser war. Vielleicht nicht in Afrika, aber schon in Mitteleuropa. Es reicht halt nicht, nur auf das BIP zu schauen, das früher niedriger war. Oder auf die Epochen in der Geschichte zu schauen, in denen es bei den oben angeführten Punkten noch schlechter stand als heute.

  2. sokrates9

    MM@ Völlig richtig!
    Sozialer Zusammenhalt war gefragt
    Streben nach Oben,
    Leistung wurde gefördert und anerkannt
    soziales Abzocken – holt was euch zusteht war nicht ausgeprägt
    Besserwisserei – . wie die ganze Welt funktionieren muss war nicht so vorhanden
    multikulturelle Vielfalt konnte man in den Ländern kennenlernen, heute hat ein Merkur von Chianti über Wun Tan suppe, belgische Schokolade, US – Hamburgers, chilenische Würste alles
    Sparen war angesagt um sich etwas schaffen zu können
    Zinsen waren ein Faktor
    Kredite wurden nicht für Urlaub verwendet
    es gab noch Leute die philosophische Bücher lesen und verstanden haben
    Schulnoten hatten Bedeutung
    Prestige konnte man mit Kauf von (Luxus-) Gütern erlangen!

  3. fxs

    Mir fällt da Prof. Rainer Mausfeld ein, der ja die Aufgabe der Medien darin sieht, die Bevölkerung von den echten Problemen abzulenken.

  4. Der Realist

    Davon bin ich überzeugt, zumindest als es noch den Menschen nicht gab.

  5. Tom Jericho

    @MM: 100% d’accord.

    Aber früher war zB auch die SPÖ noch für Arbeit, für Bildung und gegen religiöse Fundamentalisten.

    Und heute? 180° gewendet.

    Ich darf zitieren:
    Was wir ersehnen von der Zukunft Fernen,
    Dass uns Arbeit und Brot gerüstet stehen,
    Dass unsere Kinder in der Schule lernen
    Und unsere Alten nicht mehr betteln gehen.

    Da kommen einem schon ein bisserl die Tränen, wenn man darüber nachdenkt, gell?

  6. Leitwolf

    Die Objektivierung des Glücks objektiviert letztlich nur die Dummheit des Protagonisten. Beispiele gäbe es wohl genug, aber nehmen wir Kurt Cobaine. Wie objektiv glücklich war er wohl? Berühmt, reich, gut aussehend, jung, selbst bei den Kritikern oben auf…

    Seltsamer Weise führt gerade die anhaltende Satisfaktion oft zum Unglück. Unsere Natur ist nunmal das Streben, das Arbeiten, das Entwickeln, dafür haben wir Hände und Verstand. Dieser Antrieb nach vorne hält uns fit und glücklich, und in schlimmen Zeiten macht er uns resilient.

    Man braucht kein Psychologe zu sein um der heutigen Gesellschaft eine schwere Depression zu diagnostizieren. Nicht weil wir in irgendwas Perfektion erreicht hätten, sondern weil uns die Freude an allem Schönen und Guten verboten und der Niedergang zum höchsten Ziel erkoren wurde.

  7. dna1

    Mein Großvater hat mir auch immer gesagt, dass früher alles besser war, und meine Replik an ihn war immer: “Was war an 2 Weltkriegen besser als jetzt?”
    Es ist ein psychologisches Problem: Die negativen Erfahrungen werden verdrängt, die positiven verstärkt. Ich denke auch früher war alles besser, und ich möchte meine Jugend nicht mit der heutigen tauschen, aber ich bin vorsichtig mit solchen Statements.

  8. Erich Bauer

    Die “Gesellschaft” ist gespalten. Die Blöcke sind verhetzt, “geframet” und immer mehr auf Bürgerkrieg gestimmt. Man muss nur ORF Debatten verfolgen. Der Deckel steht unter Druck. Immer mehr wollen den Showdown…

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