Buchtipp: “Der Crash ist die Lösung”

(C.O.) Die Vorstellung, auf einen Schlag ein Drittel oder gar die Hälfte ihrer Ersparnisse zu verlieren, werden die meisten Sparer vermutlich eher wenig erstrebenswert finden. Doch das sei leider ein tragischer Irrtum, behaupten die beiden Ökonomen Matthias Weik und Marc Friedrich in ihrem neuen Buch “Der Crash ist die Lösung” – denn die meisten Sparer würden in dem von ihnen für die nähere Zukunft vorhergesagten Crash deutlich mehr verlieren; wem es gelingt, zumindest den größeren Teil seiner finanziellen Vorräte in Sicherheit zu bringen, der gehöre bereits zu den glücklicheren Anlegern.

Viele sehr harte Jahre vor uns
Davon, dass die Euro- und Bankenkrise nicht nur nicht vorbei sind, sondern der ganz große Knall noch bevorsteht, sind die beiden Bestseller-Autoren felsenfest überzeugt. Dass die Schuldenkrise der Jahre 2008 ff. mit noch mehr Schulden bekämpft worden ist, halten sie für ein Rezept zum Desaster: “Hätte man 2008 den Kapitalismus wirken lassen, dann wären natürlich ein paar Banken umgekippt und ja, es wäre sehr hart geworden: Die Wirtschaft wäre noch stärker eingebrochen und die Arbeitslosenzahlen in die Höhe geschossen. Aber man hätte vielleicht fünf harte Jahre gehabt. Stattdessen hat man die Schulden noch weiter aufgehäuft. Wenn das System nun kollabiert, haben wir nicht nur fünf, sondern vielleicht zehn oder noch mehr sehr harte Jahre vor uns. Anleger werden 90 Prozent ihres Vermögens verlieren. Das war zumindest bei der Währungsreform 1948 der Fall.”

Indem sie unvorstellbare Summen zur Rettung fallierter Banken ausgegeben, eine “in der Geschichte einmalige und scheinbar unendliche Rettungsorgie” veranstaltet und dabei “eine beispiellose Serie von Vertragsbrüchen, Lug und Betrug” begangen habe, manövriere Europas politische Klasse den Kontinent immer Näher an den ökonomischen Abgrund. Mit den zur Rettung des Euro und der Banken gepumpten Zillionen sei keines der die Krise verursachenden Probleme gelöst worden, sondern bloß “die größte Insolvenzverschleppung in der Geschichte der Menschheit” betrieben worden.

Diese Insolvenzverschleppung könne weiter betrieben werden, so lange die Großschuldner wie Banken und Staaten ihre Zinsen zu bezahlen imstande seien, was aber angesichts der immer höher aufgetürmten Schulden immer schwieriger werde. Und irgendwann böse enden müsse: Sobald etwa in den kommenden Jahren wieder einmal eine größere Bank pleitegehe, ein souveräner Staat seine Zinsen nicht mehr zahlen könne oder ein anderer unvorhergesehener “schwarzer Schwan” die Weltfinanzmärkte erschüttert, wäre ein Kollaps des ganzen Geldsystems zu befürchten. “Wir sind Zeugen eines komplett fahrlässigen und unverantwortlichen Spiels auf Zeit, bei dem am Ende alle nur verlieren können”, diagnostizieren die Autoren.

Nun sind das alles keine wirklich neuen Erkenntnisse, in jeder gut sortierten Buchhandlung findet sich Crash-Literatur laufmeterweise. Dass ausgerechnet dieses Buch seit Wochen in den Bestsellerlisten ganz oben liegt, dürfte nicht zuletzt am erfrischend undogmatischen Zugang der beiden Autoren liegen. Einerseits wettern sie im Stil der österreichischen Schule der Nationalökonomie gegen die Schuldenexzesse von Staaten und Privaten und halten rein gar nichts von staatlicher Bankenrettung, andererseits fordern sie eine viel stärkere Regulierung der Finanzwirtschaft, was ideologisch nicht so recht zusammenpassen will, aber pragmatisch ja durchaus sinnvoll sein kann.

Dem Erfolg des Buches durchaus dienlich dürfte auch sein, dass der Leser nicht schlotternd vor Angst, aber ohne jegliche Idee, welche Konsequenzen er aus dem Gelesenen nun für sich selbst ziehen muss, zurückgelassen wird. Stattdessen dreht sich etwa ein Drittel des Textes ausschließlich um die Frage, wie man zu jenen Glücklichen gehören könnte, die nach einem allfälligen Crash nicht 90 Prozent verlieren, sondern bloß die Hälfte.

Hardcore-Sachwerte
Dabei wird freilich jeder, der auch nur rudimentär mit den Regeln der Geldanlage vertraut ist, wenig Neues finden. Größere Geldsummen am Konto oder Sparbuch herumliegen zu lassen empfehlen die Autoren nur Anlegern mit übergroßem Todestrieb, auch Aktien (“überbewertet”) und Wohnungen (“leicht zu besteuern”) sehen sie nur bedingt als taugliche Rettungsboote. Hardcore-Sachwerte wie Gold oder Land hingegen legen sie ihren Lesern deutlich ans Herz, etwa “ein kleines Waldstück oder eine Streuobstwiese”. Echte Pessimisten können da ja auch noch ihre Goldbarren vergraben, sicher ist sicher. (WZ)

Sachbuch

Der Crash ist die Lösung. Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten.

Matthias Weik, Marc Friedrich

Eichborn, 384 Seiten, 20,60 Euro

8 comments

  1. Thomas Braun

    Gold oder Land sei sicherer?

    Wenn es wirklich hart auf hart kommt, wird Goldbesitz verboten und schwupps ist man damit illegal unterwegs. Und wieso Wohnungen leicht zu besteuern sind, aber Land nicht, kann ich nicht nachvollziehen.

  2. Chris

    Mei, süß, Herr Braun!

    Wenn Goldbesitz verboten wird, gehen Sie natürlich sofort aufs Amt und liefern Ihre Bestände ab!?

    Vielleich möchten Sie vorab dem Amt Ihre bis dato annonymen Bestände melden, damit diese es später leichter haben?

    Köstlich, diese – “was nicht sein darf, kann auch nicht sein”-Mentalität…!

  3. MSc

    @Chris
    Das dachte ich mir zuerst auch, als ich den Kommentar von Thomas Braun las.
    Dennoch bleiben zwei Probleme zurück, wenn Goldbesitz verboten wird:
    Erstens ist es dann unmöglich oder zumindest riskant, beispielsweise mit (kleineren) Goldmünzen im Alltag zu bezahlen;
    zweitens – selbst wenn das Verbot irgendwann wieder aufgehoben wird – ist die Frage, ob dadurch auch das vorherige “Nicht-Abliefern” des Goldes legalisiert wird – mit allen Folgeproblemen, denn woher haben Sie dann das Gold ? Vielleicht nehmen dann die “Schatzfunde” wieder zu … (da steht dann aber dem Staat auch wieder die Hälfte zu, meines Wissens …)
    Wie man es dreht und wendet, es bleibt besch …

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  5. Mourawetz

    Warum das Buch so ein Erfolg ist? No, weil die durch die linksversifften Medien vorkanalisierte Wut angesprochen wird: der Hass auf die Banken, auf die Reichen, die Kapitalisten, die man viel mehr regulieren müsste. Und obendrein gefällt die Beschwörung des Armageddons, des unwiderruflichen Endes, denn machen dagegen kann man nichts, außer ein paar Goldmünzen im eigenen Garten vergraben. Diese Untergangsfantasie ist wie ein Blockbuster von John Carpenter nur halt für intellektuelle Horrorfans.

  6. Timm79

    Lustig – ich habe das Buch vor ca 2 Wochen fertig gelesen und nun hier die Empfehlung, die ich ebenfalls aussprechen möchte. Ein wichtiges, kluges und sehr gutes Buch! Denke täglich an den Inhalt bzw. Werde gezwungen durch die Nachrichten daran zu denken.

  7. FDominicus

    @Mourawetz. Ich hatte das schon bei ihrem letzten Buch kritsiert.

    Ich gehe stark davon aus, daß die Autoren dieser Linie treu geblieben sind, jedenfalls lässt mich Ihr Eintrag das vermuten.

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