Buchtipp: Herr Lendvai flaniert durch Osteuropa

(CHRISTIAN ORTNER) Mitte der 1960er-Jahre besucht eine kleine Gruppe österreichischer Journalisten in Polen das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz. Einer der Teilnehmer, dessen mehr als 30 Personen zählende Verwandtschaft dort vergast worden ist, erinnert sich: “Vor den Gebirgen an Menschenhaar stehend und an meine kleinen Verwandten, Vetter Hugo und Cousine Livia denkend, bin ich plötzlich schluchzend zusammengebrochen. An diesem Sommertag im Todeslager habe ich mich als Überlebender, der kein Auschwitz-Häftling gewesen ist, zutiefst geschämt (. . .) Auschwitz hat mich nie mehr verlassen.”

Es ist eine ebenso intime wie berührende Szene, die Österreichs Journalisten-Legende Paul Lendvai, der am 24. August 90 Jahre alt wird, auf den ersten Seiten seines neuesten Buches “Die verspielte Welt” schildert. Man muss den Mann, der seinen ungarischen Akzent mit jener Sorgfalt zu pflegen scheint, mit der ein Harley-Davidson-Fahrer am Sonntag seine Maschine poliert, nicht weiter vorstellen: Lendvai ist gefühlt länger im heimischen Fernsehen präsent, als es überhaupt Fernsehen gibt; Bücher hat er dutzendweise geschrieben und sonst ist er das, was man eine Institution nennt. In seinem Fall völlig zurecht. mehr hier

5 comments

  1. Der Realist

    Herr Lendvai ist wahrlich eine Journalistenlegende, aber nicht so penetrant oberlehrerhaft wie sein Alterskollege Portwisch.

  2. GeBa

    Hörts ma auf mit dem Lendvai, nur weil jemand 90 Jahre alt wird, muss einem jemand, der einem sein Leben lang unsympathisch war nicht plötzlich sympathisch werden.

  3. Falke

    Lendvai floh zwar vor dem Kommunismus, findet es aber durchaus in Ordnung, denjenigen, der Ungarn endgültig vom Sozialismus befreit hat (und übrigens – im Gegensatz zu dem in Österreich in Sicherheit sitzenden Lendvai – schon unter der kommunistischen Herrschaft eine damals nicht ungefährliche Opposition betrieben hat), nämlich Viktor Orban, mit allen fairen und unfairen Mitteln (darunter auch – wie im Buch angeführt – Georg Soros) anzugreifen und zu verleumden. Ich kann leider absolut nichts Positives an Lendvai finden, und ihm schon gar nicht “aufs Worrt glauben”.

  4. GeBa

    Da er mir – schon vor längerer Zeit – über den Weg gelaufen ist, ich ihn als äußerst unsympathisch und Frauen gegenüber rüpelhaft (nicht nur seiner damaligen Ehefrau gegenüber) erleben durfte, ist mir egal wie alt er ist.

  5. Falke

    Und weil die Rede von Auschwitz ist: In Ungarn muss sich niemand fürchten, mit der Kippa herumzugehen – auch dank Orban; das ist bekanntlich im Merkel-Deutschland keineswegs der Fall, auch wenn der ehemalige Justiz- und aktuelle Außenminister Maas angeblich “wegen Auschwitz in die Politik gegangen ist”. Dessen Hauptaktivitäten bestehen darin, bei den zahlreichen Verurteilungen Israels in der UNO fleißig mitzutun.

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