Bürgerliche dürfen Social Media nicht den Linken überlassen

(MARCUS FRANZ) Politiker sind dafür da, Meinungen zu vertreten. Dazu müssen sie aber auch welche haben. Am besten eigene. Einer der berühmtesten Sager der österreichischen Politik lautet: “Ich bin der Meinung…” (genau, von Bruno Kreisky – der hatte dann auch eine meist recht klare ebensolche. Meinung nämlich). Aus verschiedenen, hier noch zu beschreibenden Gründen ist das “Meinungsprofil” seit den 70ern aber leider zu etwas geworden, das man in der Politik nahezu vergeblich sucht. Einzelne Ausnahmen bestätigen die Regel. Grundsätzlich gilt: Die Meinungs-Hoheit ist vom Politiker längst auf die veröffentlichte Meinung übergegangen. Und die wird vom Politiker höchstens fallweise und dann auch nur marginal beeinflusst, meist holt man sich die Positionen lieber gleich von dort schön vorgepackt ab.

Wer selber denkt und dann etwas sagt, das einer eigenen Meinung nahekommt, dem gnade Gott. Passt eine Aussage nicht in den Mainstream, kann sich der Urheber auf ein neuartiges meteorologisches Sturm-Pänomen gefasst machen: der Shitstorm ist ihm gewiss.

Das verstärkt natürlich das Vermeidungsverhalten vulgo die Feigheit. Und diese führt zu einem allseits verächtlich gemachten, weil unerträglichen Politiker-BlaBla. Zu Recht wird den Politikern heute oft vorgeworfen, sie würden nur Phrasen dreschen, Allgemeinplätze von sich geben oder irgend einem Medium oder einer Lobby nach dem Mund reden.

Wozu brauchen wir aber dann überhaupt Politiker, wenn diese keine eigene Meinung haben oder dieselbe nicht klar sagen können/wollen/dürfen, weil sonst der Shitstorm droht? Das Argument, sie würden ja demokratisch das Volk vertreten (müssen) und daher dessen Meinung weitertragen, gilt nur bedingt: Ja, klar – aber müssen sie deswegen Marionetten sein und möglichst allgemein verträgliche Stehsätze absondern? Ist die Volksmeinung denn so? Sollten sie nicht selber möglichst klare Haltungen haben, derentwegen sie dann gewählt werden? Und Taktgeber im Konzert der Haltungen und Positionen sein? Sollte Politik im Idealfall nicht ein gegenseitiger, auf Feedback beruhender Prozess zwischen Bürgern und deren Vertretern sein? Sind der Shitstorm hier und der BlaBla-Zwang dort nicht eigentlich das Ende der Politik?

Der Meinungsverlust und die Mitte-Sehnsucht in der Politik führen dazu, dass neben der medial gesteuerten veröffentlichten Meinung vor allem auch das dumpfe Ressentiment Platz greifen kann. Es gibt kaum Persönlichkeiten in der Politik, die sich hinstellen und etwas Gerades, Fassbares sagen. Anders formuliert: Kaum einer hat den Mumm, seine politische Haltungen zu vertreten, wenn sie nicht dem Mainstream entsprechen. Und notabene: der Mainstream ist links der Mitte. Das hat eine rezente Studie der Freien Universität Berlin ergeben. Aus dieser Arbeit geht auch hervor, dass 30% der politischen Redakteure aktiv die öffentliche Meinung beeinflussen wollen. Ohne sich allerdings als Politiker zu deklarieren, was einer gewissen Perfidie gleichkommt. Diese Haltung ist nur dann in Ordnung, wenn sie sich klar als Meinungs-Journalismus deklariert.

Aus diesen Fakten ist jedenfalls zu schließen, dass der wirtschaftsliberal-bürgerlich-konservative Politikertypus derjenige ist, der das natürliche Feindbild eines großen Teils der Medienszene dasrtellt und der dementsprechend heftig attackiert wird, wenn er konturiert auftritt.

Der Autor dieser Zeilen tut das und man kann die Auswirkungen seiner Aktivitäten beobachten: Auf jede klare und fundierte Meinungsäußerung erfolgen Anwürfe, Wortverdrehungen, Fehl-Zitate, Anpatze, Verbalinjurien, Rufmordversuche etc. Und meist kommen diese gerade von jener Seite, welche sonst mit ausgebreiteten Armen die Toleranz und die Akzeptanz für Alle und Jedes einfordert. Das beweist: Die politisch proklamierte Toleranz ist  nur dort echt, wo man seine Meinungszwillinge findet. Das Wort ist also ein Code nur, eine Parole. Sonst nichts. Weitere Codes aus dieser Ecke kennen wir alle, sie heissen: Solidarität, soziale Gerechtigkeit, Gleichstellung, Anti-Diskriminierung, Frauenrechte usw.

Resümmierend haben wir folgendes Szenario: Es gibt eine breite Schicht, die ohnehin recht politikfremd lebt und die fallweise zu Wahlen geht. Sie ist das Ziel der Populisten aus allen Lagern. Diese legen sich durchaus auch mal mit dem Mainstream an – aber natürlich nur, um ihren Bekanntheitsgrad zu steigern und nur, um das Ressentiment zu bedienen. Der sogenannte Mittelstand, die breiteste Schicht überhaupt, ist tendenziell eher leicht rechts der Mitte, also konservativ-traditionell eingestellt. Je höher der sozio-öknomische Status, desto bürgerlich-konservatier werden die Mittelständler. Gerne wird die gesamte Gruppe als die “schweigende Mehrheit” bezeichnet. Die meisten Angehörigen dieses Bevölkerungsteils haben das Gefühl, dass etwas gewaltig schief läuft in Österreich und in Europa. Durch die oben erwähnten Codes ist es aber schwierig, Meinungen zu äußern, ohne angegriffen und verbal geprügelt zu werden.

Es gibt deutliche Überlappungen mit der erstgenannten Schicht. Freilich gehören auch die Akademiker, Selbstständigen, Lehrer – kurz, viele der “Gebildeten” zur schweigenden Mehrheit. Auffallend ist, dass sich nur wenige dieser marktwirtschaftlich und intellektuell gewichtigen Leistungsträger bemühen, aktiv Politik zu machen. Wahrscheinlich fehlt ihnen einfach die Zeit dafür. Der Staat hat eine tückische Methode entwickelt, die Qualitäten der Bürgerlichen zu bestrafen: Durch die enorme Abgabenquote ist der Mittelstand ins Joch des Over-Achievements gezwungen.

Die schmale Schicht der aktiven Intelligentsija ist überwiegend links, zu ihr gehören auch die oben genannten Redakteure. Aufgrund ihrer genuinen Nähe zu den Medien entsteht daher genau jener Eindruck und jene Stimmung, der in der veröffentlichten Meinung vorherrscht. Die Bürgerlichen sind dort jedenfalls in der Minderheit (auch die bürgerlichen Redakteure). Viele aus dieser Gruppe sind in den sich gerne intellektuell gebenden SocialMedia-Blasen oder in den Qualitätszeitungen präsent und versuchen auch, über online-Zeitungen, Internet-TV, Foren, Blogs etc. Meinung zu bilden.

Im Internet tritt aber immer auch ein Verdünnungseffekt ein, denn im Netz darf jede(r) mitreden, Meinung bekunden, schreien, schimpfen, whatever. Schwer ist es nur, im allgemeinen Gewirr die Spreu vom Weizen zu trennen. Die größte Herausforderung wird es sein, hier die richtigen Methoden zu entwickeln, politische Prozesse nicht einer De-facto-Minderheit zu überlassen.

Das Internet ist daher das wichtigste demokratische Instrument aller Zeiten, auch wenn wir noch nicht genau wissen, wie es am besten und am fairsten für politische Zwecke genutzt werden kann. Und das Netz hat den Vorteil, dass es keine Maulkörbe zulässt. Es besteht also Hoffnung, dass die “schweigende Mehrheit” und die Bürgerlichen ihr Schweigen beenden. Sogar bürgerliche Politiker können hier abseits aller Klubzwänge und sonstiger Nöte freie Meinungsäußerung betreiben.

Sich hinsetzen und bloggen zum Beispiel ist schon mal ein guter Anfang.

46 comments

  1. Herr Superg'scheit

    Schweigende Mehrheit ist leicht rechts der Mitte? Habe ich auch jahrelang geglaubt. Bei jeder Wahl in den letzten 40 Jahren haben die Parteien, die für vermehrten Staatseinfluss, Massenzuwanderung und ungebremste Umverteilung und damit für weitere Steuerexzesse stehen, eine Regierungsmehrheit zusammengebracht (das Jahrhundert-Wunder Schüssel-Regierung, das ich miterleben durfte, ausgenommen).

    Die Mehrheit ist träge und lebt vom Staat, also auf Kosten der Nettozahler. Deshalb KANN sich eine Demokratie niemals entbürokratisieren und reformieren. Das System Demokratie geht jahrzehntelang gut und irgendwann kracht es. Danach startet das Spiel bei Null von vorne. Das zu akzeptieren macht das Leben eines Liberalen deutlich unverkrampfter (meine persönliche Erfahrung jedenfalls).

  2. Thomas Holzer

    “……………wenn er konturiert auftritt.”

    Mit Verlaub, Herr Dr.Franz: Sie treten nicht “konturiert” sondern bisweilen vulgär, um nicht zu schreiben, primitiv auf. Dieses Auftreten schadet Ihren Anliegen sehr; so ist zumindest meine Meinung

  3. H.Trickler

    >”Sich hinsetzen und bloggen zum Beispiel ist schon mal ein guter Anfang.”

    Allerdings müsste man dann trotzdem die bekannte Regel “In der Kürze liegt die Würze” beherzigen. Ich jedenfalls hatte nicht genügend Ausdauer, dieses Lamento insgesamt gründlich zu lesen.

    Liegt das an mir?

  4. Rennziege

    Wieder einer, der das Internet kindlich übeschätzt. Oder die Spielwiesen der infantilen Exhibitionisten: Twitter und Facebook, um nur die größten zu nennen.

  5. Mourawetz

    Im Internet erreicht man nicht die breite Masse. Erstens hat es nicht die allumfassende Strahlkraft  wie das staatliche Fernsehen der Siebzigerjahre FS1 FS2, der jeder ausgesetzt war wie der Hintergrundstrahlung aus dem Weltraum.

    Zweitens pickt sich jeder das “Seine” heraus. So liest nur jeder das, was er hören will. Passt ihm etwas nicht, schaltet er den Internet-Kanal um. Die Leute wollen sich in ihrer Meinung bestätigt wissen. So funktionieren Medien, das ist nichts Neues.

    Wer etwas bewegen will, muss Aufmerksamkeit erregen, auf dass ihm zugehört wird. Da dies heutzutage freiwillig und noch dazu gegen die seit Jahrzehnten eingeprügelte Staatspropaganda erfolgen muss, ein schwieriges Unterfangen. 

    Deshalb beglückwünsche ich jeden, der sich dazu bereit erklärt! Auf Marcus Franz! Und auf Christian Ortner! 

  6. Mourawetz

    Over-Achiever! Was für ein schönes Wort. Wir sind also dazu gezwungen, noch mehr zu leisten, über das hinaus, was wir eh schon Mehr als der Durchschnitt imstande sind! Wenn das nur nicht ins Auge geht.

    Kommt zustande durch eine übermäßige Steuerbelastung der Mehrleister. Over-Achiever thru over-taxment. Tolles Regierungskonzept! Man verheizt also die Mehrleister, die sich dann völlig ausgebrannt den Herzklappenfehler wegen Reichtums selber leisten dürfen, auf das sie dann auch noch abgebrannt sein dürften. Mehr auslutschen geht nicht. Man fühlt sich ungut an den DDR-Leistungssport erinnert.

  7. Marcus Franz

    @ Thomas Holzer
    Ich schätze Ihre Kommentare, aber jetzt müssens mir bitte sagen: was konkret finden Sie primitiv ? Dass ich mir den “Luxus” einer Aufmerksamkeitserregung im Boulevard geleistet hab? Immerhin wurde damit eine große Debatte angestossen, die aus meiner Sicht notwendig war und ist. Auch bin ich der Ansicht, dass gerade Intellektuelle und Gebildete dem Boulevard nicht immer so reserviert und naserümpfend gegenüber stehen sollten: Bitte, dort wird die reale Mehrheitsmeinung gemacht! Also: nix wie hin, wenn sich die Möglichkeit ergibt.

  8. Thomas Holzer

    @Marcus Franz
    Genau!
    Hier scheiden sich “unsere” Geister; ich erachte es weder als notwendig noch zielführend, die “Sprache” des vulgus populus zu verwenden, um bei den Boulevardmedien Aufmerksamkeit zu erheischen. Es ist durchaus möglich, Standpunkte niveauvoll zu artikulieren und bekannt zu machen.
    Der Zweck heiligt eben nicht alle Mittel, schon gar nicht wegen solcher Themen.

  9. H.Trickler

    @Thomas Holzer: Eine abgehobene Sprache wird nur von wenigen verstanden, der Rest zappt nach dem 1. Satz weg und wird nie mehr gesehen.

    Der vorliegende Blogtext ist m.E. viel zu lang und nicht auf den Punkt gebracht und daher auch kontraproduktiv. Ausserdem ist er nicht in allen Teilen logisch, dafür bestimmt gut gemeint…

  10. Thomas Holzer

    Nur weil man versucht, ein gewisses Niveau zu halten, nicht nur sprachlich, aber auch, muß die verwendete Sprache noch lange nicht abgehoben sein

  11. Zaungast

    Dr. Franz hat schon recht: Es ist ihm gelungen, etwas Aufmerksamkeit zu erregen und vielleicht sogar eine kleine kurzfristige Debatte anzustoßen. Das ist in der heutigen Medienwelt schon ein Erfolg. Mein Respekt, dass er sich das antut. Ich fürchte allerdings, dass alle liberal-konservative Liebesmüh vergeblich sein wird. Leider. Dieses Land wählt sich sozialgerecht ins Grab. Ob sich da noch was ausrichten lässt?

  12. Marcus Franz

    @ Thomas Holzer
    Sie meinen Elite und wollen dort sein, ok. Elite ist gut. Fühl mich da zu Hause. Aber sie muss sich auch verständlich machen. Denn eine Elite als Kaste ist NICHT gut. Das endet inzestuös und degenerativ. Und man kann sich durch “Abgehobenheit” nicht kommunikativ verhalten, das wird sofort überheblich.
    Elite braucht Leute, die sich dorthin vorarbeiten. Meritus. Meritokratie. Etc.
    Sie wollen da irgendwie anderes, versteh ich. Wie aber soll das gerechtfertigt sein?
    Elite by birth? Adel? Oder was?

  13. Thomas Holzer

    @Marcus Franz
    Vielleicht haben Ihnen Ihre “Wortspenden in Proletenmanier” kurzfristig Aufmerksamkeit und einige Auftritte vor den Fernsehkameras ermöglicht; soll sein. Gleichzeitig aber haben diese dazu geführt, daß mehr auf diese Wortspenden als Ihre, für mich zumindest teilweise, stichhaltigen Argumente Wert gelegt wird. Man beobachte nur das Verhalten des Herrn Steinhauser in der vergangenen “Im Zentrum”-Diskussion; es war -für mich- genauso öde, banal, peinlich und langweilig wie Ihre Wortspenden, nur -so denke ich- mit dem Unterschied, daß Ihre Bonmots im Gedächtnis -so vorhanden- des Proleten bleiben, detto Herrn Steinhausers Wiederholungen, niemals aber Argumente.
    Sie sollten bedenken, daß Ihre Fernsehauftritte
    a.) Ihrer Zugehörigkeit zur Totgeburt TS
    b.) dem Fakt, daß man -landläufig- von einem Arzt derartige Aussagen -zumindest- nicht in der Öffentlichkeit erwartet
    und
    c.) dem Fakt, daß die Medien liebend gerne jeden Tag “eine neue Sau durchs Dorf jagen”
    geschuldet sind.
    Ich denke, Sie wissen dies, ob es jedoch klug ist, damit zu spielen, wage ich zu bezweifeln; ich denke eher, der Schuß/die Schüsse werden langfristig nach hinten losgehen.
    Eine halbwegs niveauvolle Wortwahl, ein halbwegs niveauvolles Verhalten hängen nicht von Adel, elite by birth etc. ab, sondern schlicht und einfach von Erziehung, Selbsterziehung, Bildung (im humboldtschen Sinne) und, vor allem, Herzensbildung!

  14. Thomas Holzer

    Nachtrag:
    Elite ist nicht nur gut, sie ist schlicht und einfach notwendig, auch und vor allem für die weniger Gebildeten und die Ungebildeten. Elite hat Verantwortung, sollte diese (vor)leben, wahrnehmen, und lebt von Austausch, von Durchdringung; sie ist nie statisch.
    Insofern fällt es mir naturgemäß mehr als nur schwer, bei “unseren” Politikerdarstellern von Eliten zu sprechen.
    Sie als Arzt sind Teil der Elite, werden -davon gehe ich aus- einem “Unbedarften” in einfachen, schlichten, verständlichen Worten seine Krankheit erklären, sicherlich aber nicht mit Vulgärausdrücken 😉

  15. Thomas Holzer

    Nachtrag zum Nachtrag
    Gerade das TS als Totgeburt hätte die Möglichkeit, sich “radikal” libertären Gedanken zu verschreiben, für diese kompromisslos einzutreten.
    Dazu wäre natürlich notwendig, sich von “vielen” Wendehälsen zu verabschieden; aber: mehr als untergehen kann man nicht, wenn, dann wenigstens aufrecht und mit “wehenden Fahnen”; nur dies traue ich dem TS eben nicht zu

  16. Rennziege

    Servus, Herr Holzer! Ihre Postings zum Thema sind erfreulich. Zumal auch TS-Frau Nachbaur hier gelegentlich veröffentlicht wie Dottore Franz … Vielleicht erwachen die minder opportunistischen Patienten des Teams Stronach doch noch aus dem Koma. Dann hätten Sie, Herr Holzer, dem Gemeinwesen einen wahren Dienst erwiesen.

  17. Luke Lametta

    Sie haben das eh gut beobachtet – das Internet, und ganz besonders die ausschließlich im Hier und Jetzt lebende SocialMedia-Blase, ist für “mitreden, Meinung bekunden, schreien und schimpfen” zuständig. Wenn’s geht auf möglichst kleinem Raum. Und der eklatante Linksdrall ergibt sich schlicht aus der entsprechenden Journo-Dichte.

    Dabei nicht mitzumachen, empfinde ich eher als Königsweg. Und richtig, im Normalfall haben Leute mit nachgefragter Arbeit wenig Zeit, geschweige denn Muße, um sich mit den jüngsten Irrsinnigkeiten der in den letzten zwei Jahrzehnten um eine schlanke AE nach links gerückten Politik auseinanderzusetzen. Was wär auch gewonnen? Unternehmer sind ohnehin längst in der inneren Emigration.

    Ich selbst rationalisier mir meine Aufmerksamkeitsallokation für all den Unsinn auch ausschließlich mit “Psychohygiene” zurecht. Mittlerweile steigt jeder in meiner Achtung, der bekundet, keinen Fcbk- oder, noch schlimmer, Twtr-Account zu haben. Kein Mensch wird dort von irgendwas überzeugt, es sind Algo-Filterblasen, ein Schwimmen im eigenen Saft, Preaching To The Converted, alles mit viel Zwangsoriginalität angereichert.

    Klar, das Internet ist (noch) eine tolle Sache. Man erreicht soviele Menschen so günstig wie nie zuvor in der Geschichte und es ist ein wunderbares Korrektiv zur veröffentlichten Meinung. Aber Hand aufs Herz, kommen Ihnen die wesentlichen Erkenntnisse nicht immer noch aus Büchern entgegen? Zur Bewusstseinsbildung des von Ihnen treffend skizzierten Milieus würden mir ganz andere Hebel einfallen, als die ohnehin längst an die Linke und ihren 140 Zeichen entsprechenden Horizont verlorenen SocialMedia-Habitate.

  18. DNJ

    Wer Kinderlosigkeit als amoralisch bezeichnet und Homosexualität als krankhafte Verirrung hinstellt, ist nicht so weit weit den Gedanken jeder autoritären Systeme entfernt, die er ablehnt.

  19. Selbstdenker

    @DNJ:
    Richten Sie derartige Predigten nur an Christen und Atheisten oder auch an Muslime?

    Selbstverständlich darf man freiwillige Kinderlosigkeit als amoralisch bezeichnen. Gerade in einem Land, dessen Pensionsystem auf dem Umlageverfahren – nachfolgende Generationen werden pauschal dazu gezwungen die Pensionen der vorigen Generationen zu bezahlen – ist so ein Verhalten amoralisch.

    Sozialisten würden das als (Pensions-)Gewinne privatisieren und Kosten/Verluste sozialisieren bezeichnen: andere haben Kinder aufzuziehen, die den Kinderlosen die Pensionen zahlen und den Hintern abwischen sollen. Im Gegenzug bekommen diese Kinder das volle “Bildungsprogramm” in Sachen Homo- und Transsexualität der Homo-Lobby.

    Verlogener (=amoralischer) geht es wohl kaum noch.

    Doch: noch verlogener (=amoralischer) ist es die Kritik an solchen Ungerechtigkeiten in die Nähe totalitärer Systeme zu rücken.

  20. Luke Lametta

    “Homosexualität als krankhafte Verirrung hingestellt” ist bitte frei erfunden. Homosexualität eine Anomalie zu heißen, ist höchstens sprachlich ungeschickt. Rotgesichtige Erregung und Hysterie diesbezüglich zeugt dagegen bloß von überschaubarer Bildung. Natürlich ist Homosexualität eine Anomalie – ein normativ in keinster Weise aufgeladener Satz. Grow up.

  21. Selbstdenker

    @Luke
    An sich sind “Diskussionen” mit DNJ von vornherein überflüssig, da der besagte User nur sein linkes Glaubensprogramm runterspult. Argumente kommen nicht vor, dafür wirft er mit jeder Menge Dreck um sich.

    Wenn in den nächsten Jahrzehnten die Muslime allmählich in Europa ein Viertel und in vielen Städten sogar die Hälfte der Bevölkerung stellen werden, sind die Tage der aggressiven LBGT-Propaganda ohnedies gezählt. Dieses Thema erledigt sich auf kurz oder lange von selbst.

    Bin gespannt was die bis dahin stärker muslimisch geprägte Bevölkerung dazu sagen wird, wenn sie – per Umlageverfahren – die Pensionen der kinderlosen Kuffar bezahlen und ihnen den Hintern abwischen dürfen.

    Ob das gut gehen wird?

  22. Rennziege

    16. April 2015 – 07:22 — Luke Lametta
    16. April 2015 – 13:16 — Selbstdenker
    G’rad aufg’standen, aber noch vor dem ersten Kaffee erfrischt durch Ihre Postings, Gentlemen.

  23. Selbstdenker

    @Rennziege:
    Ist Ihnen in Ihrer neuen Heimat schon einmal folgende rothaarige Person untergekommen?
    https://www.youtube.com/watch?v=OH2cceoyIMg

    Auch jenseits des Atlantiks gibt es mehr als genug Verrückte, wobei sich die Bevölkerung von Kanada – im Gegensatz zu jener in Europa – offenbar nicht von solchen Gestalten unterkriegen lässt.

    Der gelassene Diskussionsstil vom “Preacher” ist beeindruckend. Da könnte sich so machner wehleidige suizidgefährdete Libertäre ein Stückchen abschneiden.

  24. DNJ

    @Luke und Selbstdenker
    Wie immer können Sie nur in absoluten Dichotomien denken, auch nicht sehr intellektuell,
    “linkes Glaubensprogramm” — na tun wir bitte nicht gleich übertreiben …. nur weil ich die herrisch vorgettragenen Aussagen von Herrn Doktor etwas vom Geschmack der absolutistischen Gesellschaftsklempnerei haben,
    Und was Herr Doktor Franz sonst von sich gibt, hat zumindest sehr wenig mit liberal zu tun, denn da hat Verächtlichmachung von Lebensstilen wenig verloren …
    Und die Muslime, naja, hier im Forum das Maul aufreißen kann bald wer, oder machen Sie was Konkretes außer FPÖ wählen?

  25. DNJ

    @Luke
    Ich habe ja nicht wörtlich zitiert, oder? “Anomalie” ist von krankhafter Verirrung jedenfalls nicht Welten entfernt … im Übrigen habe ich den Originalclip lange nicht mehr gesehen.

  26. Luke Lametta

    @Rennziege
    <3 We aim to please.

    @DNJ
    Um den Unterschied zwischen "nicht wörtlich zitiert" und dem, was Sie da dem Herrn Dokta in die Schuhe geschoben haben, würd ich gern Klavier spielen können. An diesen lässigen "nicht Welten entfernt"-Konnotationen von Kraut mit Rüben krankt heute der gesamte Politbetrieb. Deshalb traut sich keine dieser Pfeifen, nehmen wir die im Wr. Rathaus mal für zwei, drei Tage im Jahr aus, mehr, eine echte, starke Meinung kundzutun. Genau deshalb wirken sie alle aalig und übercoacht. Todesangst vor "Guilt by association". "Anomalie" ist eine rein statistische Kategorie, ohne jede normative Würze. Für "krank" dagegen wurde schon viel befunden, besonders in unseren Breiten…

  27. Thomas Holzer

    Soweit ich mich entsinne, hatte hier in diesem Forum Herr Dr. Franz auch die Implantierung von (Gesundheits)chips gefordert 😉

  28. Thomas Holzer

    @Luke Lametta
    Sie haben schon recht!
    Aber, gerade von einem Akademiker würde ich mir schon erwarten, seine Worte bedächtiger zu wählen, auch! wenn man pointiert formulieren möchte

  29. Luke Lametta

    @Thomas Holzer
    Sicher, da war vieles ungeschickt. Andererseits jammern die Leute tagein tagaus über die realitäts- und bürgerferne Berufspolitikerkaste und ihr jämmerliches, Teflon-beschichtetes Spezial-Esperanto. Kommen dann aber Leute, so wie gewünscht, “aus der Mitte der Gesellschaft” ins Parlament und machen den einen oder anderen Fehler, weil sie eben keine Profis in Sachen “viel reden, wenig sagen” und “deppert daherschwadronieren” sind – alle wieder so: “Kreuzigt sie!” Ad hoc fällt mir neben Dr. Franz der tapfere Gerald Loacker ein…

  30. Selbstdenker

    @Thomas Holzer
    Soweit ich mich entsinne, hatte hier in diesem Forum Herr Dr. Franz auch die Implantierung von (Gesundheits)chips gefordert.

    Ja, stimmt. Und diesen Vorschlag habe ich damals ganz scharf kritisiert.

    Aber weil Marcus Franz einmal einen schlechten Vorschlag gemacht hat, muss das ja nicht heissen, dass alle seine Analysen und Vorschläge schlecht wären. Sein Beitrag in Bezug auf Social Media trifft meines Erachtens den Nagel auf den Kopf. Hier kann ich ehrlich gesagt die zum Teil überzogene Kritik hier im Forum nicht verstehen.

    Überhaupt bin ich der Meinung, dass man in der Lage sein sollte, Vorschläge und Analysen unabhängig von dem, der sie äußert, zu beurteilen. Ich persönlich hätte auch kein Problem einen guten Vorschlag, der von den Grünen kommt, zu loben. Leider ist das halt relativ selten der Fall.

  31. Thomas Holzer

    Niemand wird gezwungen “deppert daher zu schwadronieren”
    Ich denke, es ist wohl nicht zu viel verlangt, meinetwegen pointiert, aber doch -und vor allem- niveauvoll zu argumentieren.
    Wie in der puls4 “Diskussion” ersichtlich, denkt Herr Dr. Franz, durch niveaulose Aussagen, z.B. auf twitter, Aufmerksamkeit zu erheischen……………dies gelingt ihm, jedoch -und dies ist der Kern meiner Kritik- gehen seine, durchaus stichhaltigen Argumente, unter.
    Außerdem erachte ich es als peinlich, wenn der Versuch unternommen wird, sich durch Vulgarität und Primitivität dem gemeinen Volk anzudienen.
    Die Plebs ist nicht so dumm, wie man “allgemein” annimmt, um diesen Anbiederungsversuch nicht als das zu erkennen, was er eigentlich ist!

  32. Thomas Holzer

    @Selbstdenker
    d’accord!
    Nur -ich weiß, ich wiederhole mich- es kommt auf die Wortwahl an!
    Ich versuche immer zu denken, nachzudenken, bevor ich in “die Tasten haue”
    Bei einigen “Beiträgen” des Herrn Dr. bin ich mir da nicht so sicher.
    Aufmerksamkeit (nur) um der Aufmerksamkeit Willen sollte doch wohl nicht das Ziel sein

  33. Selbstdenker

    @DNJ
    “na tun wir bitte nicht gleich übertreiben …. nur weil ich die herrisch vorgettragenen Aussagen von Herrn Doktor etwas vom Geschmack der absolutistischen Gesellschaftsklempnerei haben”

    Das muss man Ihnen lassen: zumindest über ein gewisses Talent zur Chuzpe scheinen Sie zu verfügen. Ein Schmetterlingskind wie Sie es sind, sagt uns “nun hab Dich nicht so”. Ein Forenschreiber, der stets das letzte Wort haben muss, mit Unterstellungen um sich wirft und auf Kritik gerne mit Anspielungen auf das StGB reagiert, stellt sich selbst auf den Sockel des “gelassenen Liberalen”.

    “Ma hamma g’lacht”

    Auch Ihre fremdsprachlichen Kenntnisse (“absolutistische Gesellschaftsklempnerei”) beeindrucken mich. Mit ein bisschen Anstrenung können Sie zwar nicht diese Diskussion aber immerhin einen Gastauftritt beim Villacher Fasching gewinnen.

    “denn da hat Verächtlichmachung von Lebensstilen wenig verloren”

    Im Westen und insbesondere in Österreich wird der LBGT-Lifestyle ja ganz besonders “verächtlich” gemacht. Überall sonst auf der Welt führen diese Menschen ein zufriedenes und glückliches Leben. Nur bei uns werden sie verfolgt und ausgegrenzt.

    Und wehe, wenn jemand es wagt Kritik daran zu üben. Das ist dann die “Verächtlichmachung” eines Lebensstils. Egal, ob wissenschaftliche Fakten dabei sind, die zudem von mehr als neunzig Prozent der Weltbevölkerung (=die demokratische Mehrheit) auch so gesehen werden.

    Ganz anders sieht es natürlich aus, wenn selbstdeklarierte Linke über die von ihnen konstruierten “Rechten” sprechen. Da werden Menschen, die sich nicht von anderen einen Lebensstil auf das Auge drücken lassen wollen nicht nur verächtlich gemacht, sondern es wird ihnen gleich die Existenzberechtigung abgesprochen. So wie es sich für “Gegner” autoritärer Systeme typischerweise gehört.

    Vielleicht sollen Sie gelegentlich das was Sie schreiben nochmals durchlesen, bevor Sie auf den “Kommentar verfassen”-Knopf drücken.

  34. Selbstdenker

    @Thomas Holzer:
    “Außerdem erachte ich es als peinlich, wenn der Versuch unternommen wird, sich durch Vulgarität und Primitivität dem gemeinen Volk anzudienen.
    Die Plebs ist nicht so dumm, wie man “allgemein” annimmt, um diesen Anbiederungsversuch nicht als das zu erkennen, was er eigentlich ist!”

    Da gebe ich Ihnen recht.

    Ich muss eingestehen, dass ich den Herrn Dr. noch nie im TV gesehen habe, da ich mir die heimischen Boulevard-Medien – dazu zähle ich auch alle Programme vom heimischen öffentlich-rechtlichen (aber nicht statutenkonformen) Rundunk – schon seit Jahren nicht mehr antue.

    Gut möglich, dass in Print- bzw. Online-Medien etwas von dieser Emotionalität verloren geht und ich es daher nicht so mitbekomme.

  35. Selbstdenker

    @Thomas Holzer
    Bevor ich mir die Höllenqualen im intellektuellen Darkroom vom heimischen Fernsehen antue, gehe ich – sollte mir echt einmal der Sinn danach stehen – ins nächste SM-Studio.

  36. Thomas Holzer

    Sie sehen, dies unterscheidet Libertäre, Liberale, sogar Pseudoliberale von allen Kollektivisten: wir üben keinen! Zwang aus

  37. Rennziege

    16. April 2015 – 18:37 Luke Lametta
    @Rennziege
    <3 We aim to please.
    Thank you very much, Jeeves. Keep eating lots of fish and reading Spinoza.

  38. DNJ

    @Selbstdenker
    Bevor Sie Denken einfordern, sollten Sie darüber nachdenken, warum Sie jemanden, der Herrn Franz’ Aussagen grenzwertig findet, als jemand mit linken Glaubensbekenntnis einstufen. Ich bin unbedingter Anhänger der Freien Marktwirtschaft, jedoch auch von Pflichtversicherung und Sozialsystem. Daran ist noch nichts gar so links. Und sicher liberaler als jemand, der glaubt den Leuten vorschreiben zu können, wie viele Kinder Sie haben sollten und welche sexuelle Ausrichtung ok ist. Für einen Linken könnte man auch Sie halten, wenn Sie die Bewertung von Menschen nach Nachwuchs und damit ökonomischen Nutzen vornehmen. Der Mensch ist nun mal kein Nutztier. Aber es bleibt Ihnen ja unbenommen, sich trotzdem für einen brillianten Geisteshelden zu halten. Aber wofür stehen Sie wirklich, wenn Sie nicht gerade andere, deren Werte Ihnen zuwider sind, verächtlich machen?

  39. Thomas Holzer

    “Der Mensch ist nun mal kein Nutztier”
    Absolut d’accord
    Dieses Faktum wird leider von vielen Liberallalalas unter den Teppich gekehrt.
    Mit dem selben Furor, mit welchem die Linken dem Menschen die Seele, Transzendenz, das Menschsein “schlechthin” austreiben wollen, agieren die Liberallalalalalas

  40. Selbstdenker

    @DNJ
    Na dazu möchte ich mich jetzt aber mal “outen”:

    Ich glaube, dass man keinen Menschen mit einen anderen gleichsetzen kann, jedoch glaube ich, dass jeder Mensch grundsätzlich mit der gleichen Würde geboren wurde. Kurzum: ich beurteile die Leute nicht an dem was sie sind oder woher sie kommen, aber ich erlaube mir das zu beurteilen was sie tun.

    Die sexuelle Ausrichtung habe ich nie jemanden zum Vorwurf gemacht und werde es auch nicht tun. Was mich aber stört, ist das immer aggressivere und anmaßende Aufreten diverser Lobbies bzw. Minderheitenvertreter. Jene Personen, die sich gerne bei kleinsten Anlässen beleidigt zeigen, haben häufig selbst nicht das geringste Taktgefühl. Sie greifen andere an und spielen anschließend das Opfer – wie billig!

    Würde nach dem Grundsatz “Leben und leben lassen” gedacht und gehandelt, wäre alles viel einfacher. Aber offenbar reicht das Erreichte nicht: man will noch mehr und begibt sich auf die Suche nach Ärger. Man provoziert um anschließend das Opfer spielen zu können und Aufmerksamkeit zu erzielen.

    Nicht der Umstand das jemand eine sexuelle Ausrichtung hat, welche die Mehrheit nicht teilt, mache ich jemananden zum Vorwurf, sondern die einseitige Auslegung bestimmter Prinzipien wie Toleranz, Gerechtigkeit oder Solidarität.

    Die Tatsache, dass kein Mensch mit einem anderen Menschen gleichzusetzen ist, veranschaulicht doch recht klar, dass es so etwas wie “Gleichstellung” nie geben kann. Ganz davon zu schweigen, dass man “Gleichstellung” auch dann wenn man Menschen tatsächlich gleichsetzen könnte, nur dann erreichen würde, wenn man die Leute ungleich behandelt.

    Was kann der einzelne Medizinstudent dafür, dass mehr Männer als Frauen ein Medizinstudium abschließen? Soll man ihn dafür ungerechtfertigterweise bestrafen und eine Medizinstudentin ungerechtfertigterweise bevorzugen, damit die Quote stimmt?

    Wollen oder sollen wir überhaupt “gleich” sein? Ich meine nicht. Würde es doch heißen, dass man eine sexuelle Ausrichtung aufgezungen bekommen würde und somit einen Teil der eigenen Identität aufgeben müsste.

    Was bleibt von einem Individuum übrig, wenn alle Individuen vereinheitlicht werden?

    Ich kann Homosexuelle sehr gut verstehen, die sich dagegen wehren. Aber genau aus dem selben Gedanken heraus sollte es auch klar sein, dass es sich bei Menschen, die sich ihre sexuelle Ausrichtung und ihre Ansichten nicht von LGBT-Lobbies vorschreiben lassen, keineswegs um “Reaktionäre” handelt; diese Menschen fordern schlichtweg für sich das selbe Recht ein.

    Und hier nähern wir uns dem Kern der Sache: jedes der erwähnten Prinzipien (Toleranz, Gerechtigkeit und Solidarität) lebt nur dann, wenn es grundsätzlich gleichermaßen gelebt und unabhängig von der jeweiligen Person angewendet wird. Ist dies nicht gegeben, handelt es sich m.E. lediglich um einen billigen Vorwand.

    Der ganze vermeindbare Ärger ist meines Erachtens deshalb entstanden, weil man sich mit Verfahrensgleichheit nicht begnügen wollte und mit aggressiven Agitprop auf Biegen und Brechen “Gleichstellung” erzwingen wollte.

  41. Selbstdenker

    Zum Thema Pensionssystem und Leistungsgerechtigkeit:

    @DNJ, Holzer:
    Nein, ich bin weder ein Sozialist noch ein Liberalala oder was auch immer.

    Fakt ist, dass wir alle mehr oder weniger dazu gezwungen werden unsere Steuern und Sozialversicherungsbeiträge zu zahlen. Wenn in Grundrechte – das Recht auf Eigentum gehört immerhin dazu – eingegriffen wird, sollten meines Erachtens sehr hohe Maßstäbe in Sachen Verhältnismäßigkeit und Fairness gelten.

    Zunächst einmal handelt es sich bei einem Pensionssystem, welches auf dem Umlageverfahren beruht, nicht um eine Versicherung, sondern um eine Steuer. Das Funktionieren vom System hängt davon ab, ob es genügend erwerbstätigen Nachwuchs gibt, so dass die Pensionen der vom Erwerbsleben ausgeschiedenen Menschen bezahlt werden können. Fehlt dieser Nachwuchs, gerät das System in Finanzierungsprobleme bzw. müssen andere noch mehr einzahlen.

    Dieses Problem individueller Lebensentscheidungen (z.B. Kinderlosigkeit) wäre bei einem nicht-umlagebasierenden Pensionssystem tatsächlich – zumindest aus finanzieller Sicht – eine reine indivduelle Angelegenheit. Über das Umlageverfahren hingegen wird – plakativ ausgedrückt – der finanzielle Vorteil derer, die sich zugunsten der Karriere entscheiden systembedingt zum finanziellen Nachteil der Kinder von denen, die sich zugunsten der Familie entschieden haben.

    Wenn man schon von “Gerechtigkeit” spricht, sollte man diesen Aspekt in die Steuer- und Sozialversicherungsdebatten einfließen lassen. Überhaupt dann, wenn man bedenkt, dass die Leistungsgerechtigkeit – zumindest der Theorie nach – ein tragender Pfeiler vom heimischen Einkommenssteuer- und Sozialsystem ist.

    Das aktuelle umlagebasierte Pensionssystem baut auf Prämissen auf, die immer weniger zutreffen. Als Lückenbüßer dient die schrumpfende Gruppe der Noch-Beitragszahler. So ein System im Lichte dieser Fakten zu belassen wie es ist und zulasten Dritter sogar noch auszuschöpfen ist tatsächlich amoralisch. In diesem Punkt hat der Dr. gar nicht so unrecht.

  42. DNJ

    @Selbstdenker
    Danke, dass wir uns doch auf eine rationale Basis begeben können, ich will hier keinen Wettstreit der Ideologien, weil ich selber keiner anhänge, außer dass ich jeden Kollektivismus ablehne. Hier stimmen wir wahrscheinlich sogar in vielem überein. Unser Staat betreibt übertriebene Fürsorge und schützt zugelich Privilegien von Politik und Großkonzernen, auch von den sehr Reichen. Die Zeche darf der Mittelstand bezhalen, siehe die neue Steuerreform, die vor allem Selbständige und Kleinunternehmer betrifft. Ich reihe mich dort ein, mir macht meine Arbeit Spaß, aber es ist auch schwierig, heute noch auf einen grünen Zweig zu kommen. Soweit dazu.

    Ich persönlich habe keine Präferenzen für die Interessen von Homosexuellen und anderen Minderheiten. Aber auch mein Prinzip lautet: Leben und leben lassen. Im Gegensatz zu Ihnen finde ich das Auftreten diverser Lobbies nicht so störend und aggressiv. Und die Medien kann man hier auch ein Stück weit einfach ignorieren. Die treiben jede Woche eine andere Sau durchs Dorf.

    Zum Pensionssystem: Das wurde unter schwarz-blau dahin reformiert, dass der Umlagegedanke zugunsten von Eigen vorsorge doch zurückgedrängt wurde. Das kostet alle nach 1954 Geborenen ohnehin viel Geld und durch die Verlängerung der Durchrechnungszeiträume ebenfalls geringe Pensionen. Trotzdem wird man für Menschen, die einen erklecklichen Teil ihres Lebens gearbeitet haben, nicht um eine Mindest- und Voklkspension herumkommen, auch im Interesse der gesamten Vokswirtschaft. Die zunehmende Kinderlosigkeit ist ein Problem, das man weder durch Belohnung und Bestrafung so leicht ändern kann. Aber es muss zweifellos wieder attraktiver werden, Nachwuchs zu haben. Hier hat die Politik sicher versagt, weil das in anderen Ländern besser klappt, andererseits ist das eine gesellschaftliche Entwicklung in Wohlstandsgesellschaften, ob es uns gefällt oder nicht. Dass das Folgen für die Altersorsorge haben wird, ist klar. Aber wie kann man hier gerechte Lösungen finden, wenn jemand unverschuldet kinderlos ist oder nur Pfeifen gezeugt hat, die dem Sozialsystem auf der Tasche liegen oder nach bezahlter Ausbildung ins Ausland abhauen? Nur einige Gedanken, danke.

  43. Thomas Holzer

    Politikerdarsteller, welche “die Gesellschaft” gerecht(er) machen wollen, welche dieses Wort in zumindest jedem zweiten Satz verwenden, sind mir sowieso mehr als nur suspekt

  44. Selbstdenker

    @DNJ:
    Vielen Dank. Die von Ihnen geäußerte Sichtweise teile ich weitgehend.

    Ich habe – im Gegensatz zu einzelnen auf diesem Blog – kein grundsätzliches Problem mit der Existenz eines Sozialstaates. Die Grenzen vom Sozialstaat sollten aber klar umrissen und die Finanzierung geklärt sein. Meines Erachtens gibt es für den Sozialstaat dort eine Legitimation, wo es um eine ausreichende Versorgung von Grundbedürfnissen geht. Hier ist eine Deckung der Kosten über das Steuersystem durchaus in Ordnung.

    Die Probleme entstehen dort, wo die ursprüngliche Idee bis zu deren völligen Pervertierung ausgeweitet und bei der Finanzierung nicht mit offenen Karten gespielt wird. Insbesondere dann, wenn auf Prämissen gebaut wird, die sich langfristig verschieben. Genau dieser Befund trifft meiner Meinung nach zu und ein als “Versicherung” getarntes de-facto Umverteilungssystem lädt geradezu zum Missbrauch ein. Das System sägt den Ast ab, auf dem es sitzt: die von Ihnen erwähnte marktwirtschaftlich verfasste in Klein- und Mittelbetriebe strukturierte Wirtschaftsordnung.

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