Claus Peymann: “Nazihaftes Gepöbel” linker Sarrazin-Gegner

Linke Demonstranten erzwangen den Abbruch einer Thilo-Sarrazin-Lesung am Berliner Ensemble (BE). Dessen Intendant Intendant Claus Peymann dazu: “Es war ein undemokratisches, nazihaftes Gepöbel, dem wir uns schließlich beugen mussten….Diese unbelehrbaren “Linken” benehmen sich wie die Brandstifter von Hoyerswerda.” (Interessantes Interview in der “Welt”)

18 comments

  1. Mourawetz

    Meine Hochachtung vor Claus Peymann. Er handelt ganz nach der Maxime “ich teile zwar nicht, was du sagst, ich werde mich aber dafür einsetzen, dass du es sagen darfst.”

    Von dem können sich nicht nur seine Gesinnungsgenossen eine Scheibe abschneiden.

  2. gms

    Das Interview mag postitiv bemerkenswert sein, dennoch bleibt ein schaler Nachgeschmack:

    Die Welt: “Wenn die Proteste so unberechtigt waren, warum haben Sie dann nicht einfach gesagt: Wir ziehen die Veranstaltung jetzt durch?”

    Peymann: “Dann hätte man die Polizei rufen müssen. Ich habe im Prinzip nichts mehr gegen die Polizei, da habe ich meine Meinung sicher geändert seit der 68er-Zeit. Aber ich möchte trotzdem nicht, dass in meinem Haus Gummiknüppel über die Meinungshoheit entscheiden.”

    Die Polizei war bereits dort, es wäre weniger ein Ruf nach ihr notwendig gewesen, denn viel mehr ein Ersuchen um Eingreifen. Die Wortwahl “Gummiknüppel” und “Meinungshoheit” wirken ergänzend gar dick aufgetragen. Zugleich, und das ist das Entscheidende, tolereriert er damit die Mittel der Störenfriede zur Erlangung sogenannter Meinungshoheit, war doch das Erdulden des “nazihaften Gepöbels” trotz der Möglichkeit zur Abwendung aus seiner Sicht das geringere Übel.
    Anders formuliert: Das Herstellen der gewünschten Ordnung wäre schlimmer als jenes, wofür selbst Peymann deutliche Worte findet. Ich interpretiere das als Absage an den Rechtsstaat.

    Peymann: “Als die Proteste am Sonntagvormittag eskalierten, hat die BE-Direktorin Jutta Ferbers laufend mit mir telefoniert. Alle Entscheidungen der Theaterleitung in dieser Sache habe ich mitgetragen.”

    Im besten Fall leitet dieser Vorfall einen Nachdenkprozess ein und eine Trendwende. Zugleich bleibt im Raum stehen, auch hinkünftige Störenfriede hätten nichts zu befürchten und kämen mit ihren Aktionen durch, zumal es vorgeblich besser sei, sich dem braunen Wirken zu beugen. Ein glaubhaftes Plädoyer sieht definitiv anders aus.

  3. gms

    Zusätzlich relativiert sich das Interview mit Peymann in der “Welt”, wenn man weitere seiner diesbezüglichen Aussagen heranzieht: Zitat [1]:
    .. hat BE-Intendant Claus Peymann das Vorgehen seines Hauses verteidigt. „Wir haben alles versucht, haben ihnen das Wort gegeben und sogar eine Deeskalationspause eingelegt“, sagte Peymann der Berliner Zeitung.

    „Die wollten das halt niederschreien.“ Einen Polizeieinsatz in seinem Hause habe er aber keinesfalls zulassen wollen. „Die Gruppe wollte doch nur, dass zappelnde islamische Frauen von der Polizei rausgetragen werden.“ Solche Szenen hätten international ein falsches Bild von der Stadt Berlin vermittelt. Außerdem hätten die Protestler die Eintrittskarten regulär erworben. [..] „Ich hoffe, dass sie sich nun ein bisschen schämen“, sagte Peymann mit Blick auf die Protestierer. „Dass ihnen ihr Sieg im Halse stecken bleibt.“
    — Zitatende

    Hmmm, wer waren noch gleich besagte potentiell “zappelnde islamische Frauen”, deren Anblick das Ansehen Berlins hatte diskreditieren können? [2]

    [1] berliner-zeitung.de/berlin/sarrazin-lesung-peymann-will-sarrazin-wieder-einladen,10809148,26457220.html
    [2] cicero.de/sites/default/files/field/image/140302_cicerofoyerbe_sarrazin-raberghaeuser-2-3.jpg
    bilder.bild.de/fotos/sarrazin-cicero-foyergespraech-37301113-mbqf-34908630/Bild/4.bild.jpg

  4. world-citizen

    Ein Mensch, der zu seinen Grundsätzen steht – 1988 genau so wie heute.
    Zur Erinnerung: Damals dachten einflussreiche Gruppen und vor allem Medien laut darüber nach, ob die Aufführung von “Heldenplatz” verboten werden sollte.

    Heute weiß er nicht nur wie ähnlich sich extreme Linke und rechte sind, sondern auch, dass das einzig legitime Mittel des Kampfes gegen Demagogen und selbsternannte Pseudowissenschaftler das Argument ist. Dazu muss man ihnen natürlich auch rhetorisch gewachsen sein um sie in der Öffentlichkeit bloßzustellen.

    Ein wahrer Meister dieser Kunst ist ganz sicher Michel Friedmann. Dieser schaffte es immerhin, dass Bernd Lucke sich der Diskussion entzog nachdem er feststellte, daß seine Thesen einer kritischen Hinterfragung nicht standhalten würden. Das ist die einzig legitime Umgangsform mit solchen Leuten.

  5. Mourawetz

    @world-citizen:
    Michel Friedman/Bernd Lucke.

    Also ich habe das ganz anders wahr genommen: Bernd Lucke verließ die Talk-Runde, da ihn ein voreingenommener Talkmaster immer wieder unterbrach, um auf ihn mit der Rassismus-Keule einzudreschen. Das ihm vorgeworfene Zitat stammte gar nicht von der AfD.

    http://www.spiegel.de/kultur/tv/afd-chef-bernd-lucke-bricht-friedman-talk-auf-n24-ab-a-954945.html

    Zu Peymann noch ein Wort:
    Zum Schluss sagt er, dass der Sieg, den der nazihafte Pöbel meint, errungen zu haben, gar kein Sieg war, sondern vielmehr einer peinliche Niederlage, die ihnen noch im Hals stecken bleiben möge.

    So sehe ich das auch. Gewalt auch verbale Gewalt ist keine Lösung zu keiner Zeit. Ein Zurückweichen davor, ist legitim und oft auch der einzige Weg der Deeskalation. Gewalt hinterlässt den Täter immer im Unrecht.

  6. menschmaschine

    @ world citizen

    lucke ist kein rechtsextremist. ihre unterstellung ist unsinn.
    daß er das fernsehstudio verlassen hat, ist kein beweis dafür, daß “seine Thesen einer kritischen Hinterfragung nicht standhalten würden”. das hat lucke nämlich schon hinter sich, er durfte friedmans gastfreundschaft schon einmal genießen, im sommer 2013.
    zu sehen hier: https://www.youtube.com/watch?v=ZxF2uwgkrRM

  7. Thomas Holzer

    ““Es war ein undemokratisches, nazihaftes Gepöbel, dem wir uns schließlich beugen mussten…”

    Werfen nicht der Herr Peymann + Konsorten (inklusive der versammelten Gutmenschenclique) seit Jahrzehnten, “gebetsmühlenartig” der Eltern-, Großeltern- und Urgroßelterngeneration vor, daß diese sich “dem undemokratischem, nazihaften Gepöbel schließlich beugten” ?!?

    Bedenkend daß damals die Polizei im Verein mit Gestapo eher doch zumindest ein wenig brutaler war als die Polizei im Verein mit dem Verfassungsschutz in unseren Zeiten ist.

    Und dann jault die versammelte Meute auf und lobt die “Weitsicht/Toleranz”, das Verständnis et al. eines Herrn Peymann.

    Einfach nur mehr lächerlich!

  8. world-citizen

    >>>>>>>>>>>>> lucke ist kein rechtsextremist. ihre unterstellung ist unsinn <<<<<<<<<<<<<<<<<<<

    Ich nehem davon Abstand, Lucke irgendwo einordnen zu wollen.
    Lieber bleibe ich bei den Fakten.
    In einem Fall wurde jemand von einem aufgebrachten Mob am Reden gehindert.
    Im anderen Fall hat jemand auf sein Rederecht freiwillig verzichtet – vielleicht weil er auf eine klare Frage keine klare Antwort geben wollte; vielleicht weil er sich seinem Gegenüber nicht gewachsen fühlte oder vielleicht spürte er, dass seine Argumente einer kritischen Hinterfragung nicht standhalten würden.
    Wie auch immer: Ein Moderator wie Friedmann wäre wohl auch für den ORF wünschenswert.
    Aber dass das Debattierniveau in Österreich wesentlich niedriger ist, sieht man, wenn man Sitzungen des österreichischen Nationalrates mit jenen des deutschen Bundestages vergleicht.

  9. Thomas Holzer

    @WC-typisch
    Sie haben zumindest ein “vielleicht” vielleicht negiert, vergessen, ignoriert, nämlich: oder vielleicht spürte er, daß ihm keine Möglichkeit gegeben wird, seine Argumente ohne Zwischenrufe vorzutragen.

    Ein Schelm, wer Böses bei WC denkt 😉

  10. Gutartiges Geschwulst

    Claus Peymann:
    “Diese unbelehrbaren “Linken” benehmen sich wie die Brandstifter von Hoyerswerda.”

    Wo er Recht hat, hadder Recht, der Clausi! Er ist zwar ein Linker aus Stahlbeton, doch war er niemals unbelehrbar. Im Gegenteil!
    Ach so tapfer, verschluckte er seinen Ekel vor dem Kapital, sobald es um die SACHE ging, den Werbevertrag mit der Auto-Industrie!
    http://www.autozeitung.de/promis-am-steuer/Claus-Peymann-Intendant/n263731/35?panorama=1
    Sein Santa-Schlitten ist ein Skoda:
    http://www.bz-berlin.de/kultur/buehne/claus-peymann-verraet-was-er-im-sack-hat-article1779791.html
    Das ist Klassenkampf, liebe Leute!
    Ein Claus Peymann würde niemals zulassen, dass ein geldwerter Werbevertrag in falsche Hände fällt.
    Lieber opfert er sich selbst.

  11. gms

    Teuerster WC,

    die Fingerübung, Sie mit infamen Entscheidungsfragen (“Ja oder Nein!”) rückstandsfrei durch das debattorische Nudelsieb zu drücken, schaffen nach einem Zweiminuten-Briefing auch Sechsjährige. Doch nur eine Horde von Dreijährigen, in dessen Kreis Sie selbst sich ansiedeln mit der wortreich artikulierten Bewunderung für Friedmans Pentetranz, wird Sie dabei zum Verlierer erklären.

    Wollte man Gutes an Ihnen erkennen, so ist es wohl unbegrenzte Kindlichkeit, die Sie weder an Ihren eigenen Denk- und Argumentationsfiguren zweifen läßt, noch an jenen Ihrer freiwillig gewählten Vormünder.

  12. de Voltaire

    @ Thomas Holzer

    “Werfen nicht der Herr Peymann + Konsorten (inklusive der versammelten Gutmenschenclique) seit Jahrzehnten, “gebetsmühlenartig” der Eltern-, Großeltern- und Urgroßelterngeneration vor, daß diese sich “dem undemokratischem, nazihaften Gepöbel schließlich beugten” ?”

    Genau das war auch mein erster Gedanke …

  13. Gutartiges Geschwulst

    @Thomas Holzer:
    “Werfen nicht der Herr Peymann + Konsorten (inklusive der versammelten Gutmenschenclique) seit Jahrzehnten, “gebetsmühlenartig” der Eltern-, Großeltern- und Urgroßelterngeneration vor, daß diese sich “dem undemokratischem, nazihaften Gepöbel schließlich beugten?”

    Volltreffer, Thomas Holzer!

  14. Reinhard

    @Thomas Holzer

    Danke für diesen Satz, er trifft den Kern perfekt!

    Oh diese Betroffenheit über das ach so niveaulose Provozieren der Randalierer (das eigene Provozieren wird halt im Sinne des echten Theatralikers als niveauvoll empfunden und ist damit natürlich voll legitimiert); ich kann mir vorstellen, mit welcher Verzückung er selbst den Worten des Herrn TS gelauscht hätte. In den naserümpfend zur Kenntnis genommenen Niederungen der schnöden Welt jenseits der Bühne nennt man so etwas Verlogenheit. Im elitären Zirkel des Theatralischen ist das eben Kunst…

  15. Mourawetz

    Thomas Holzer 4. März 2014 – 18:25
    Werfen nicht der Herr Peymann + Konsorten (inklusive der versammelten Gutmenschenclique) seit Jahrzehnten, “gebetsmühlenartig” der Eltern-, Großeltern- und Urgroßelterngeneration vor, daß diese sich “dem undemokratischem, nazihaften Gepöbel schließlich beugten” ?!?

    Beugten? Sie beugten sich nicht, sie bejubelten die Nazis. Der Heldenplatz war zum Bersten voll mit Begeisterten und der ist nicht gerade klein. Ganz ohne Gewalt marschierte ein Nazi-Österreicher in Österreich ein. Und ganz anders dagegen die Situation im BE, da beugte man sich der Gewalt. Diese beiden Situationen kann man daher nicht miteinander vergleichen, also auch nicht indirekt Peymann vorwerfen, er messe mit zweierlei Maß.

  16. gms

    Mourawetz,

    gegen Ihre Darstellung sprechen, um nur einige diesbezügliche unverdächtige Quellen herauszugreifen, rotbewegt.at, Indimedia.org, ns-spurensuche.de.

    Selbige pfeifen sich aktuell Mut zu (“Wir werden uns nicht dem braunen Terror beugen”), loben den Kampf ihrer Widerstandkämpfer gegen den braunen Terror, und beklagen zuguter Letzt doch die Erfolglosigkeit, denn: “[während] sich Sozialdemokraten und Kommunisten dem Terror beugen mußten und keinen offenen Widerstand organisieren konnten, ..”

    Ausführlicher beschreibt es Martina Metzger: “Der Mangel an Mut zur Zivilcourage spielte bei der Stabilisierung der NS-Herrschaft eine ganz entscheidende Rolle. [..] Der allgegenwärtige objektiv vorhandene und subjektiv wahrgenommene Anpassungsdruck ermöglichte es, dass viele zusahen, wie rassistisch und politisch Verfolgte an den Rand der Gesellschaft gedrängt wurden. Das dadurch entstandene gesellschaftliche Klima der Angst schuf den Nährboden für die im Dritten Reich begangenen Gewaltverbrechen.”

    Vandenhoeck und Ruprecht zitieren in ihrem Buch “Arbeiter zwischen Weltwirtschaftskrise und Nationalsozialismus” u.a. aus den sog. Deutschlandberichten von 1934(!), die wortwörtlich festhielten: “Stimmungsmäßig verfügt der Nationalsozialismus über den meisten Anhang in der Arbeiterschaft und hier besonders bei den früheren Unorganisierten [..] Weiter ist zu beobachten, daß sich die Arbeiterschaft viel stärker dem Terror beugt und sich dann schließlich beeinflussen läßt.”

    Wo liegt nun die Wahrheit? Niemand von Verstand wird einem Norbert Frei widersprechen, wenn dieser von einer “Selbstnazifierung” schreibt und dies mit den Zuläufen zur NSDAP plausibel unterfüttert. “So ließ zum Beispiel ein nicht erwarteter Ansturm auf die NSDAP die Zahl ihrer Mitglieder schon bis Mai 1933 auf geschätzte 2,5 Millionen steigen. Nach der Aufhebung der Aufnahmesperre stieg die Zahl ab 1937 auf zuletzt 8,5 Millionen Parteimitglieder.”

    Deutschland hatte damals ebenfalls rund 80 Millionen Einwohner.

    Daß auch bei uns der neue Faschismus im Gewand des Antifaschismus regen Zulauf erfährt, ist ebenso banal wie evident. Sogar die Zahlenverhältnisse ordnen sich einer Analogie unter. Den Heldenplatz füllen die heldenhaften Antifaschisten nämlich auch schon locker, und zwar mehrfach.

  17. Mario Gut

    @world-citizen
    Habe Herrn Friedmann einmal persönlich kennen gelernt – ein unglaublich eitler, aufgeblasener Schaumschläger, der nur an seiner Person, die Art wie ER argumentiert und allenfalls am schnellen Solarstudio-Besuch interessiert ist. An seinen Gästen ist er nicht interessiert.
    UND: Schon vergessen, wie er hilflos wimmernd seine Drogen- und andere Geschichten äußerst unprofessionell abgewickelt hat. Andere, politisch weniger Korrekte, wären längst im Orkus der Bedeutungslosigkeit verschwunden ( http://www.youtube.com/watch?v=p8cESIhw8P0 ) – sorry, das Netz vergißt nicht.
    Auch wenn´s weh tut – da kommt sogar Paymann noch “ehrlicher” rüber – allerdings, unter Blinden……

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