Comrade Bob feiert seinen Geburtstag

(Volker Seitz) In Simbabwe wurde dieser Tage der Notstand ausgerufen. Aufgrund einer Dürre und einer systematischen Vernachlässigung der Ernährungssicherung droht dem Land eine Hungersnot. Die Sorge um die Bevölkerung wird vor allem ausländischen Hilfsorganisationen überlassen. Die Regierung hat Wichtigeres zu tun. Am 21. Februar wird der Despot Mugabe 92 Jahre alt und wie jedes Jahr gönnt sich Mugabe seit Jahren luxuriöse Feierlichkeiten zu seinem Geburtstag. Im letzten Jahr lies er sich von tausenden Anhängern im Fünf-Sterne-Ressort “Elephant Hill Hotel” in der Nähe der Victoria Fälle feiern. Für Mugabes großspuriges Geburtstagsmenü, das 1 Million Dollar kostete, wurden 100 Tiere, darunter 2 Elefanten geschlachtet. Dieses Jahr wird die Geburtstags-Zeremonie 800 000 US-Dollar (umgerechnet 715 000 Euro) kosten. Wie die Katholische Nachrichten Agentur (KNA) berichtete, sollen in der Provinz Masvingo, der Heimatregion Mugabes, offenbar alle Lehrer verpflichtet worden sein, einen Teil ihres Gehalts für Mugabes Fest abzuzweigen.

Nostalgische Freiheitskämpferromantik

Der südafrikanische Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu beschrieb einmal Robert Mugabe “als Karikatur eines schwarzen Führers.” Aber nicht wenige Afrikaner halten den Langzeit-Präsidenten von Simbabwe in Umfragen für einen bedeutenden Afrikaner. Anders als die eigenen Landsleute, Amnesty International oder Human Rights Watch feiern sie ihn als Freiheitshelden (“Comrade Bob”) und glorreiches Vorbild im Kampf gegen die Weißen.

Auf Mugabe trifft zu was der südafrikanische Wissenschaftler Moeletsi Mbeki in seinem Buch “Architects of Poverty” schreibt, dass die meisten Länder im südlichen Afrika noch von Parteien regiert werden, die gegen die Kolonialmacht gekämpft haben. Sie seien überzeugt davon, dass sie der Freiheitskampf berechtigt, das Land für immer zu regieren. Auch würden sie nicht akzeptieren, dem Volk gegenüber rechenschaftspflichtig zu sein.

Der frühere Unabhängigkeitskämpfer Mugabe regiert Simbabwe seit mehr als drei Jahrzehnten mit harter Hand. Er gehörte zu den Herrschern, die sich unverfroren der Reichtümer ihres Staates bedienen während viele Landeskinder keinen eigenen Wasserhahn kennen. Die einstige britische Kolonie im Süden Afrikas leidet seit Jahren unter einer Wirtschaftskrise und hoher Arbeitslosigkeit. In der Hauptstadt Harare und anderswo wird die Strom-und Wasserversorgung regelmäßig für mehrere Stunden oder gar Tage eingestellt. Die eigene Währung, den Zim-Dollar hatte Mugabe 2009 nach einer schweren Rezession und jahrelanger Rekordinflation, abgeschafft. Seitdem ist der US Dollar die gängige Währung. Außerdem wurde im Dezember 2015 der chinesische Renminbi Zahlungsmittel. China hatte dem Land in den vergangenen Jahren Kredite von mehr als einer Milliarde Dollar gewährt.

Nicht nur auf Mugabe trifft ein afrikanisches Grundmuster zu: “Mancher machtverliebte Autokrat hat wenig Fortschritt vorzuweisen und nach mehreren Jahrzehnten Machterhalt lebt er nur noch als eigenes Museum fort. Er regiert nicht, sondern herrscht im vordemokratischen Häuptlingsstil. Er rast in Großlimousinen mit Blaulicht und Eskorte durch das Land, ohne einen Blick auf die Armut seiner Bevölkerung zu werfen. Kaum eine herausragende Aktivität ist erinnerungsfähig. Sein Land wird nicht von den Ereignissen der Gegenwart zusammengehalten, sondern von der Vergangenheit. Die Unabhängigkeit ist oft Errungenschaft genug.” so Ulrich Menzel in seinem Buch “Der Zerfall der postkolonialen Staaten”.

Von der Kornkammer zur Hungersnot

Bei der Unabhängigkeit von Großbritannien 1980 galt das Land noch als die Kornkammer oder der Brotkorb des südlichen Afrikas. Eine Landreform, die das Land weißer Großgrundbesitzer zu Anfang des Jahrtausends auf Mitglieder der Regierungspartei Zanu-PF umverteilte, führte zum Einbruch der Produktion. Der Weltbank zufolge sank die Wirtschaftsleistung zwischen 1999 und 2008 um mehr als die Hälfte. Nach der chaotischen Enteignung von etwa 5000 weißen Landwirten ging das Land wirtschaftlich bergab. Die meisten Großfarmen wurden unter schwarzen Kleinbauern aufgeteilt. Doch die neuen Herren produzieren fast nur für den Eigenbedarf.

Mugabe hat Simbabwe so weit heruntergewirtschaftet, dass es inzwischen ein Land der Armut mit vierzehn Millionen teils hungernden Menschen geworden ist. Dies sind die Folgen von Repression, Korruption und zynischem Desinteresse von Mugabe an Daseinsvorsorge für die Bevölkerung. Es gibt unverändert unglaubliche Armut und Not. Gleichzeitig nimmt das Vermögen der Oberschicht märchenhafte Dimensionen an. Die Sunday Times vom 14. Februar 2009 berichtete, dass Mugabe in Hongkong eine Villa für 5,6 Millionen US Dollar gekauft hat.

Das Land ist reich an Mineralien wie Platin, Diamanten, Graphit und Gold, verfügt jedoch über keine verarbeitende Industrie in diesen Sektoren, was das Land abhängig macht von den Preisentwicklungen an den internationalen Rohstoffmärkten. Von den Bodenschätzen profitieren nur wenige Simbabwer um die Familie Mugabe. First Lady Grace Mugabe beutet z.B. das außerordentlich ertragreiche Diamantenfeld von Marange nahe der Grenze zu Mosambik als Privatbesitz aus. Im Volk wird sie Gucci Grace genannt, in Anspielung auf ihren luxuriösen Lebensstil.

Rechenschaftspflicht nur schwer durchzusetzen

Mugabe profitiert davon, dass als Autokrat bezeichnet zu werden, für die meisten Politiker keine Beleidigung ist. In der afrikanischen Kultur ist der Gehorsam gegenüber Älteren und Chefs tief verwurzelt. In diesem kulturellen Umfeld ist eine Rechenschaftspflicht des Präsidenten schwer durchzusetzen. Deshalb wird kaum ein afrikanischer Präsident einen seiner Kollegen kritisieren, denn Mugabe ist beileibe nicht der einzige afrikanische Präsident, der nach langen Jahren als Staatsführer den Eindruck erweckt, er betrachte das Amt als Lebensaufgabe.

Das Land belegt den 172. Platz (von 185 Ländern) beim Doing Business Index der Weltbank und rangiert auf Platz 157 (von 175) beim Korruptionsindex von Transparency International. Ausländische Firmen in Simbabwe müssen 51 Prozent ihrer Anteile schwarzen Simbabwern übertragen. Vor allem große Bergbaufirmen kämpfen mit den Folgen der Regel. Das Gesetz schreckt neue Investoren ab, die das Land dringend braucht. 2014 haben mehr als 4600 Betriebe geschlossen. Die Arbeitslosigkeit beträgt über 80%.

Nachfolgefrage

In der Regierungspartei Zanu-PF ist ein Machtkampf ausgebrochen, wer Mugabe nachfolgen soll. Laut Verfassung müsste der erste Vizepräsident Emmerson Mnangagwa die Macht übernehmen. Seit seiner Ernennung zum Justizminister wird der ehemalige Geheimdienstchef als möglicher Erbe genannt. Es gibt aber auch Vermutungen, dass Mugabes 40 Jahre jüngere Frau Grace sich als Nachfolgerin etablieren will.

(Volker Seitz war 17 Jahre als Diplomat in Afrika tätig. Sein Buch „Afrika wird armregiert oder Wie man Afrika wirklich helfen kann“ erschien 2014 bei dtv in 7. überarbeiteter und erweiterter Auflage.)

13 comments

  1. Dr. phil. Daniela Roth

    Vielen Dank an Volker Seitz für diesen wichtigen, Fakten- und Kenntnis-reichen Beitrag! Ich habe Simbabwe in den vergangenen Jahre dreimal bereist. Die Stimmung ist niedergedrückt, die Korruption zieht sich durch alle Bereiche. Die Simbabwerinnen und Simbabwer erdulden die Situation. Die kamerunische Kuratorin Koyo Kouoh fragt: Warum machen die Simbabwer keine Revolution?

  2. mariuslupus

    Nur zu Erinnerung, das Gedächtnis der Zeitgenossen scheint sehr kurz zu sein. Rhodesien war während der Regierungszeit von Ian Smith ein blühender Staat der Lebensmittel exportiert hat. Die Lebensmittelproduktion wurde durch Rhodesier, jetzt werden sie weisse Farmer genannt, gewährleistet. Die Farmen haben tausenden von Arbeitern und ihren Familien eine gesicherte Existenz geboten. In Rhodesien hat es eine Apartheid wie in Südafrika nicht gegeben, dass Land war sicher, Kriminalität minimal. Schuld an dem Untergang von Rhodesien und Verelendung ist nicht Mugabe, sondern Grossbritanien und die EU. In einen Akt des politischen Blindflugs wurde Sanktionen verhängt, die die Regierung von Ian Smith nicht überleben konnte. Das linke Lager hat sich durchgesetzt und wie immer, war den Linken dass Schicksal der einfachen Leute egal. Mugabe hat die Apartheid eingeführt, die weissen Rhodesier wurden vertrieben.
    Seither herrscht in Zimbabwe Dürre, die mit den Mitteln des europäischen Steuerzahlers bekämpft wird. Die Entwicklungshelfer als Regenmacher.

  3. Thomas Holzer

    Mir ist kein Staat in Afrika bekannt, welchem es nach “Entlassung” in die Unabhängigkeit besser geht als davor

  4. sokrates9

    Thomas Holzer@ da hat es mal einen Gewissen Ghadaffi in Lybien gegeben, der das Land zum reichsten des Kontinent machte; das hat aber irgendwelchen “Players” nicht ganz gepasst…

  5. Thomas Holzer

    @sokrates9
    Unter den Blinden ist der Einäugige König; außer Öl aus dem Boden zu holen, ist in Lybien nichts passiert, über Jahrzehnte

  6. Volker Seitz

    Thomas Holzer: siehe Funkelndes Beispiel – IPG-Journal
    http://www.ipg-journal.de/kolumne/artikel/funkelndes-beispiel-1239/
    15.01.2016 – Botswana ist die älteste Demokratie des Kontinents. … Botswana hat – anders als viele andere afrikanische Staaten…………
    Ich war drei Jahre in Libyen tätig. Gaddafi hat das Land 42 Jahre mit harter Hand regiert. Auf ausländischen Konten wurden -wie bei den vormaligen Herrschern in Tunesien und Ägypten- zweistellige Milliardenbeträge in Euro, Dollar, Pfund, Franken etc.gefunden.

  7. sokrates9

    Volker Seitz@ Unbestreitbar hat Gadaffi auch den Volksbrauch des Abzocken gefrönt. Trotzdem war Lybioen ein Land mit vorbildlichen Strassen, Gesundheitssystem, Bildung usw. Und das Bigmanriverprojekt stand kurz vor der Vollendung!

  8. astuga

    @mariuslupus
    Südafrika nicht zu vergessen!
    Dort hat sich die Regierung wegen der Unterstützung durch Mugabes in Zeiten der Apartheid immer treu hinter Mugabe gestellt.
    Selbst als er mit Baumschienen die Elendsviertel niederwalzen ließ, oder Oppositionspolitiker brutal verfolgte.

  9. astuga

    @sokrates9
    Das mag teilweise richtig sein.
    Andererseits weiß man auch nicht, welche Entwicklung Libyen ohne den Militärputsch von Gaddafi genommen hätte.

    Letztlich verhindern Diktaturen auch gesellschaftliche Entwicklungen (gerade in jungen Nationen) und fördern negative Eigenschaften in Bevölkerung und Gesellschaft.

  10. sokrates9

    astuga@…Letztlich verhindern Diktaturen auch gesellschaftliche Entwicklungen (gerade in jungen Nationen) und fördern negative Eigenschaften in Bevölkerung und Gesellschaft. meinen Sie damit die EU?? 🙂

  11. astuga

    Interessanter Einwand. 😉
    Und in Hinblick auf so unterschiedliche Zivilgesellschaften wie Dänemark oder Bulgarien, Deutschland oder Griechenland innerhalb eines politischen Gebildes.
    Da kann man sich schon seine Gedanken machen…

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