Da freuen sich die Chinesen

(ANDREAS UNTERBERGER)  Statistiken zeigen vieles sehr präzise, werden aber dennoch oft nicht gern gelesen. Daher nur die zwei wichtigsten Zahlen über die Arbeitskosten im ersten Quartal 2013: Im EU-Schnitt sind sie um 1,9 Prozent gestiegen (gegenüber dem letzten Quartal des Vorjahres). Das ist viel, da es ja eben noch lange nicht der Anstieg eines ganzen Jahres ist. Wirklich schockierend ist aber der Wert für Österreich: Hier sind die Arbeitskosten in der selben kurzen Zeit gleich um 4,8 Prozent gestiegen. Die Konkurrenz in China&Co sagt da nur noch: Dankeschön.

Angesichts gleichzeitig rasch wachsender Arbeitslosigkeit müsste spätestens jetzt ein gewaltiger Ruck durch Österreich gehen. Und vor allem die Gewerkschaften müssten kollektiv ein Schuldgeständnis ablegen, das in etwa so lautet:

„Auch wenn nicht nur die Gewerkschaft schuld ist, so geben wir zu, dass wir es übertrieben haben. Österreich muss wieder wettbewerbsfähiger werden, um genügend Wachstum zu haben. Wir liegen in harter Konkurrenz mit Ländern, deren Arbeitskosten nur einen Bruchteil ausmachen. Zugleich haben wir wegen der Öko-Lobbys inzwischen Energiepreise, die schon bis zum Vierfachen der amerikanischen ausmachen. Auch die Überregulierung vertreibt immer mehr Investitionen. Wir brauchen eine ganz neue Politik.“

Der ÖGB zeigt jedoch keinen Hauch von Selbstkritik. Er stellte vielmehr auch beim jüngsten Kongress eine Fülle von Forderungen auf, welche vom Investieren in österreichische Arbeitsplätze noch mehr abschrecken: längerer Urlaub, Wiedereinführung der Erbschaftssteuer – also auch bei Betriebsübergängen – schon ab 150.000 Euro(!), höhere Steuern auf Arbeitsplätze und so weiter. Jedoch kein Millimeter Nachgeben etwa bei Ladenöffnung oder Pensionsantrittsalter. Im Gegenteil: Der ÖGB-Präsident selber geht vielmehr als schlechtes Beispiel schon mit 62 ohne jede Erkrankung in Pension.

Das alles in der gleichen Zeit, da der zweitgrößte Baukonzern des Landes mit 7000 Jobs in Insolvenz gegangen ist.

Natürlich kann man sagen: Geschieht den Gewerkschaftern schon recht, wenn das Land den Bach hinuntergeht. Nur: Es leben außer betonköpfigen Gewerkschaftern noch ein paar andere in Österreich. Wie kommen die dazu, mit in deren Krise zu geraten?

Immerhin sind das ja meist fleißige, verlässliche und arbeitsame Menschen, die geglaubt haben, sich einen Wohlstand erarbeitet zu haben, der bis zum Tod reicht. Ihnen droht aber durch Rezession, Steuern, Gebühren, Abgaben und Inflation das Schwinden sämtlicher Ersparnisse. Man kann aber auch denen keinen Vorwurf machen, die in Frühpension gehen, die sich regelmäßig Kuren zahlen lassen, und die auch sonst alle Töpfe des Sozialstaats leeren. Denn nicht sie sind schuld, sondern jene, die all das beschlossen und ermöglicht haben, obwohl es nur durch ständig wachsende Schulden finanziert wird.

Bei den Schuldigen stehen zwar die Gewerkschafter an der Spitze – mit ihnen aber auch alle jene, die ihnen nie energisch Nein gesagt haben.

Ich schreibe in jeder Nummer der Finanz- und Wirtschafts-Wochenzeitung „Börsen-Kurier“ die Kolumne „Unterbergers Wochenschau“.

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