Dafür zahlt man echt gerne ORF-Zwangsabgabe

Von | 2. Oktober 2016

(LUKE LAMETTA) Pünktlich zur Vergabe des sogenannten “Wirtschaftsnobelpreis” rührt der sich in beklagenswerter Ironieferne “öffentlich-rechtlich” schimpfende Medienanbieter mit dem Zwangsgebühren-Privileg die ORF-Werbetrommel: Unter der – wie ungewöhnlich – wertfreien Überschrift “Steigbügelhalter für den Neoliberalismus”¹, ja da schau her. Für das neue Buch des – bin überrascht – linken Wirtschaftshistorikers Avner Offer. Na sowas aber auch.
Zusammenfassung des Schmökers für Nervöse: Wirtschaftsnobelpreise für Friedman (1976) und vor allem Hayek (1974) > Nobelpreis-Renommee stärkte den seither ohnehin tobenden Neoliberalismus zusätzlich > beides führte zur Finanzkrise.
Hui, wie originell. Noch nie gehört sowas. Beweislage ja auch erdrückend. Fazit des Autors, bzw. was er in seinem Buch eigentlich zum Ausdruck bringen möchte: Die Einführung des “Wirtschaftsnobelpreis” 1969 hatte für die Wirtschaft sowie die Ökonomie als wissenschaftliche Disziplin „desaströse“ Folgen. Und das wiederum ist tatsächlich ganz originell, irgendwie.
Denn Avner Offer ist mit dieser These etwas spät dran. Vor den Gefahren des sogenannten “Wirtschaftsnobelpreis” warnte nämlich bereits vor schlanken 42 Jahren einer seiner Träger: Friedrich August von Hayek. Dieser schröckliche, von Offer so geschmähte “Marktfundamentalist”. Und um Offer final zu demütigen, tat er dies nicht nur bereits im Jahre 1974, sondern auch noch um 1 AE eleganter:
Nicht nur, weil im Rahmen seiner Dankesrede [!] beim Stockholmer Royal Nobel Banquet mit König Carl XVI. Gustaf und über 1000 anderen VIPs, sondern auch, weil Hayek damit den – und bis hierher hätte Avner Offer ja Recht – desolaten akademischen Zustand der ‘dismal science’ Ökonomie heutzutage bereits erstaunlich klarsichtig erahnte:
“I am not sure that it is desirable to strengthen the influence of a few individual economists by such a ceremonial and eye-catching recognition of achievements, perhaps of the distant past. I am therefore almost inclined to suggest that you require from your laureates an oath of humility, a sort of hippocratic oath, never to exceed in public pronouncements the limits of their competence.
Or you ought at least, on confering the prize, remind the recipient of the sage counsel of one of the great men in our subject, Alfred Marshall, who wrote: “Students of social science, must fear popular approval: Evil is with them when all men speak well of them.”
Im Gegensatz zu Offer wusste Hayek nämlich auch, warum der schottische Philosoph Thomas Carlyle bereits im Jahre 1849 von der ‘dismal science’ Ökonomie sprach: Wird sie als wissenschaftliche Disziplin mit intellektueller Redlichkeit betrieben, sind ihre Erkenntnisse selten populär.
Well. Bestsellerautor Thomas Piketty (Weltformel für Das Kapital entdeckt! Life, the Universe and Everything!), Superstar Yanis Varoufakis (New York, Davos, Alpbach, World Tour! Top-Wunschgast jeder Talkshow des Planeten! 797 Tsd. Follower auf Twitter!!) und NOBELPREISTRÄGER Paul Krugman (“He has a NOBEL! Where’s yours?” | Kult-Kolumnist der New York Times! Intl. Celebrity! Cameos in Hollywood-Blockbustern!!), also die so?
Ja, ‘humility’, sowas liegt denen. Auch ‘fear popular approval’ beschreibt die echt gut. Gefallsucht dagegen, sowas könnte man denen zum Beispiel nicht nachsagen. Welche Schlüsse bezüglich der Qualität ihrer, den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erhebenden Arbeiten lägen deshalb eventuell nahe und wären möglicherweise auch nicht völlig aus der Luft gegriffen? Frech.
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¹ http://science.orf.at/stories/2798138/

2 Gedanken zu „Dafür zahlt man echt gerne ORF-Zwangsabgabe

  1. Luke Lametta

    Die O-Töne von Avner Offer sind btw wirklich lustig (http://science.orf.at/stories/2798138/). Er flennt, dass antineoliberale Werte und Wirtschaftspolitik heute unglaublich unpopulär wären und man damit keine Wahlen mehr gewinnen könne. Da ist was dran.

    Während zum Beispiel Hans-Werner Sinn oder Joachim Starbatty samt Hans-Olaf Henkel mit ihren Vorträgen die Fußballstadien ausverkaufen und das Feuilleton vor Verzückung bebt – gibts umgekehrt Farbbeutel-Angriffe auf die Häuser von Yanis Varoufakis und Paul Krugman! Die jederzeit auch damit rechnen müssen, dass die Fenster ihrer Büros (wieder) eingeschlagen oder ihre Autos angezündet werden.

  2. Christian Weiss

    Wo bitte findet denn der teuflische Neoliberalismus überhaupt statt? Ich sehe aktuell nur das Gegenteil davon: Immer höhere Staatsausgaben, immer mehr staatliche Intervention.

    Der mieseste Trick der Etatisten und Sozialisten ist der, dass sie ihre Politik durchsetzen und danach, wenn sie immer und immer wieder scheitert, rufen, das sei jetzt der Neoliberalismus gewesen. Eine unglaublich verlogene Schweinebande.

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