Das Aussterben des gut gekleideten Menschen

Von | 19. Januar 2018

“Eines meiner Lieblingsbonmots stammt von Ralph Waldo Emerson und lautet: “Das Gefühl, gut gekleidet zu sein, verschafft eine Sicherheit, wie sie keine Religion geben kann.” Rein empirisch sind gut gekleidete Menschen freilich noch seltener anzutreffen als fromme, auch wenn zunehmend neues religiöses Bodenpersonal im postchristlichen Westen eintrifft, das aber in der Regel ebenfalls nicht besonders ansprechend gekleidet ist. An dieser Stelle ist meist der basisdemokratische Einwand “Die Geschmäcker sind eben verschieden” fällig, auf welchen ich zu replizieren pflege, dass der Plural falsch sei, es müsse heißen: Der Geschmack ist verschieden. Friede seiner Asche.” (Sehr lesenswerter Text von Michael Klonovsky, dort bitte zum 17.Jänner hinunterscrollen)

5 Gedanken zu „Das Aussterben des gut gekleideten Menschen

  1. Thomas Holzer

    Aus dem Artikel:
    “Tatsächlich erleben wir einen Siegeszug der Vulgarität, auf welche Freiheit ohne kulturelle Verbindlichkeiten anscheinend unvermeidlich hinausläuft.”

    Ja. auch und vor allem ein Siegeszug der Vulgarität in der Sprache, egal wohin man hört, leider.

  2. Calderwood

    Gute Kleidung ist der frommen Lebensführung in der Tat vergleichbar. Und daß immer mehr Menschen ihre persönlichen Vorlieben wichtiger nehmen als ihnen von außen auferlegte modische oder religiöse Zwänge ist ein sehr erfreulicher Fortschritt der Zivilisation.

  3. braquarius

    Das hat doch nichts mit “fromm” zu tun. Ich sehe gute (und das heißt durchaus nicht zwangsläufig “teure”) Kleidung als Wertschätzung meines Gegenübers, aber auch mir selbst.
    Leider ist Wertschätzung im Zuge der weitgehenden Proletarisierung der Gesellschaft abhanden gekommen.

  4. Rennziege

    19. JANUAR 2018 – 12:07 — braquarius
    Starkes Posting, vielen Dank!

  5. astuga

    Wobei es sehr viel an geckenhaft Modischem wie auch an durchgestiltem Barbarentum zu beobachten gibt.

    Interessanterweise zählen in Österreich die beiden ehemaligen Rechnungshofpräsidenten Moser und Fiedler zu den gut gekleideten Persönlichkeiten.
    Der kanadische Premier und Schauspiel-Aushilfslehrer Justin (nicht der Biber) fällt hingegen vor allem durch seine mit Eitelkeit zur Schau gestellten bunten Socken auf.
    Da hilft auch kein noch so qualitativ hochwertiger Anzug.
    Das wirkt ebenso gezwungen wie Jugendliche die mit schon von weitem erkennbarer Markenkleidung, ausrasiertem Bärtchen und Idioteninsel herumlaufen.

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