Das autoritäre Gen der Grünen Partei

Es sei ein “Klischee”, ärgerte sich die Chefin der Grünen, Eva Glawischnig, jüngst darüber, dass ihre Partei immer wieder einer besonderen Affinität zu Verboten und Geboten aller Art bezichtigt wird. Fast zeitgleich jedoch verkündete die grüne Frontfrau, dem typischen grünen Reflex folgend: “Wir wollen eine Solaranlagen-Verpflichtung.”

Es ist eben doch kein Klischee, sondern politische Realität: Die Grünen sind mehr als jede andere Partei wesentlicher Treiber jener Ge- und Verbotskultur, die den Bürger zunehmend zu bevormunden sucht, als wäre er ein unmündiges Kind, das der gütigen, aber strengen Erziehung durch den Staat bedarf.

Wo immer ein Problem auftaucht, und manchmal auch dort, wo noch gar keines zu sehen ist, reagieren die Grünen mit Verboten oder Geboten und haben sich so zu echten politischen Spaßbremsen entwickelt, die sauertöpfisch jeden Verstoß gegen die Gebote der Ökoreligion ahnden.

Wohin das führen könnte, prophezeite jüngst das Magazin “The European” sarkastisch: “Werden wir in ein paar Jahren in Nachtclubs nur noch Kamillentee serviert bekommen, ohne Zucker wohlgemerkt… Müssen wir uns darauf einstellen, dass wir am Strand eine Selbstverpflichtung zum regelmäßigen Eincremen unterschreiben?”

Das ist insofern erstaunlich, als sich die Grünen ja grundsätzlich eher weltoffen, emanzipatorisch und modern gerieren. Grün-Wähler sind meist besser ausgebildet, wohlhabender und politisch gebildeter als der Durchschnitt der Bevölkerung – und ausgerechnet in diesem Milieu wuchert die Sehnsucht nach dem “Nanny-Staat”, der “betreuungsbedürftige Trottelbürger” (so der “Spiegel”) entmündigt?

Eine wesentliche Ursache dafür dürfte am singulären Status des grünen Kernanliegens “Umweltpolitik” liegen. Für “die Umwelt” zu kämpfen ist per definitionem gut und ein moralischer Wert, der seinen Vertretern automatisch eine Art moralische Lufthoheit verschafft. “Moral ist ein Medium politischer Disqualifikation”, meint der deutsche Philosoph Hermann Lübbe. Wer sich im Besitz dieser Moral wähnt, wird dazu neigen, sie gegen nahezu jeden Widerstand durchzusetzen, was ein wesentlicher Treiber jener penetrant oberlehrerhaften Mentalität sein dürfte, mit der uns die Grünen oft entgegentreten. Im Gegensatz zu Linken oder Rechten vertreten sie ja nicht ein Partikularinteresse, sondern eine Art höheres Interesse – und das macht sie so oft so unerträglich wie jeden, der sich im alleinigen Besitz der Wahrheit wähnt.

Dazu kommt am Rande ein ideengeschichtlich durchaus zum Autoritären neigender seitlicher historischer Wurzelstrang der grünen Bewegung. Denn in Deutschland wie in Österreich entwickelten sich die Ökos in den 1970er Jahren ja nicht nur aus dem linken Milieu heraus, sondern teilweise durchaus auch aus einer rechten, zum Teil sogar sehr weit rechten Naturschutzbewegung.

Nicht korrupt zu sein, ist zweifellos eine politische Qualität. Seine Mitbürger nicht als “betreuungsbedürftige Trottelbürger” zu verstehen, wäre freilich eine mindestens ebenso attraktive politische Qualität. (WZ)

9 comments

  1. Thomas Holzer

    “Das ist insofern erstaunlich, als sich die Grünen ja grundsätzlich eher weltoffen, emanzipatorisch und modern gerieren”

    Sorry, aber gerade weil sich die Grünen GERIEREN so zu sein, sind sie es eben nicht, sondern genau das Gegenteil.

    So sie einmal an den Futtertrögen der relativen macht sind, sind ihnen all ihre Beteuerungen und Versprechung zumindest ziemlich egal (siehe z.B. das Verhalten der Grünen in Wien); da werden Befragungen mit mehr als windigen Fragestellungen durchgeführt, Transparenz gibt es nicht mehr, und Steuergeld wird genauso verschleudert wie von allen anderen Parteien -natürlich in etwas geringerem Ausmaße, dies ist aber eben nur den weniger zugeschanzten/zugestandenen Posten geschuldet

  2. nometa

    Ich stimme jedem Satz zu hundert Prozent zu.

    “Im Gegensatz zu Linken oder Rechten vertreten sie ja nicht ein Partikularinteresse, sondern eine Art höheres Interesse – und das macht sie so oft so unerträglich wie jeden, der sich im alleinigen Besitz der Wahrheit wähnt.”
    Dieser Satz spricht mir aus der Seele. Allerdings trifft er nicht nur auf die Grünen zu. Ich habe mich viel mit der Österreichischen Schule beschäftigt, und der Absolutheitsanspruch der Libertären (“Nur wir sind moralisch, alle anderen sind Diebe”) ist genauso – noch nett ausgedrückt – zum Kotzen wie jener der Grünen. Und das findet man auch bei jeder Religion und bei vielen Bewegungen. Aber es stimmt, in der Politik gibt es derzeit wohl niemanden so Moralinsauren und Oberlehrerhaften wie die Grünen…

  3. gms

    Wollte man das Antipodenhafte zwischen Grünen und Liberalen auf den Punkt bringen, so liegt dieser in der Selbstwahrnehmung und der angenommenen Stellung eines selbst zur umgebenden Gesellschaft.

    Gäbe es nur Grüne auf der Welt, so bedürfte es nach deren Vorstellung nahezu keiner Vorschriften. Da das richtige Bewußtsein und das daraus erwachsende tugendhafte Verhalten noch nicht flächendeckend manifestiert ist, muß nolens volens in linker Tradition nachgeholfen werden, bis die entsprechende angestrebte Geistehaltung den Normalfall bildet. Der Bezug zur Natur spielte auf dem Weg zur angestrebten Idylle die willkommene Rolle der Einstiegshilfe ins politische Geschäft und der damit einhergehenden Einflußnahme.

    Am liberalen Gegenpol sieht der Mensch sich unverbesserlich fehlerhaft, findet diese Mangelhaftheit allerdings durch das Wirken seines Umfeldes entscheidend begrenzt. Liberale Utopien setzen keinen verbesserten Menschen voraus, anerkennt der Liberale doch echte Autorität und deren ordnende Wirkung in der Gemeinschaft, sowie geübte Disziplin als Konsequenz von Notwendigkeiten. Bietet das Leben dem Liberalen Zuckerbrot und und Peitsche, so erwachsen für ihn beide legitim den Zuständen innerhalb einer Gesellschaft, niemals jedoch aus dem Wirken derer, die sich über sie stellen und zugleich ein denkbar sonderliches Verständnis von Autoritität und Disziplin haben.

    Die Anmaßung von Wissen ist dem Grünen Mittel zum Zweck, dem Liberalen ein aufgelegter Nonsens. Während der eine den Weg zur Würde über ostentative Empörung und Lautstärke beschreiten will, sieht der andere darin ein trolliges und aussichtsloses Unterfangen. Wo aber mangelnde Glaubwürdigkeit und Widerspruchsfreiheit das Ausbilden echter Autorität verhindert, muß umso mehr mit Zwang nachgeholfen werden.

    Und so wird sich die Spirale noch eine Zeitlang weiter drehen. Eben weil Grüne sich mit ihrem Wirken zunehmend selbst der Lächerlichkeit preisgeben, werden sie vermehrt auf Bevormundung durch Ihresgleichen drängen, ist doch gerade die erodierende Anerkennung ihrer Restautorität vorgebliches Zeichen erhöhter Reparaturbedürftigkeit.
    Versagt der Liberale, so sucht er die Ursachen zuerst bei sich, und wo er sie bei anderen vermeint, so wird er diesem Mangel nicht mit Zwang begegnen. Die Vorstellung mag naiv sein, das Wort sei mächtiger als das Schwert, doch bis zum Beweis des Gegenteils wird der Liberale sich daran halten, während seine Antipoden den durch sie ausgeübten Zwang seit jeher als taugliches Mittel erkennen.

  4. gms

    nometa,

    > Ich habe mich viel mit der Österreichischen Schule beschäftigt, und der Absolutheitsanspruch der Libertären (“Nur
    > wir sind moralisch, alle anderen sind Diebe”) ist genauso – noch nett ausgedrückt – zum Kotzen wie jener der
    > Grünen.

    Zu diesem Absolutheitsanspruch mag man stehen wie man will, solange man dabei allerdings nicht ein alles entscheidendes Faktum negiert: Die Illegitimität von Zwang und Bevormundung als oberstes Prinzip der Austrians.
    Die Gewißheit des Stehens auf der richtigen Seite mag an der zum Zweifel neigenden menschlichen Natur kratzen, sie kann und wird jedoch niemals zum Nachteil des Menschen, solange diese Gewissheit zugleich Aggression abseits von Abwehr ablehnt.

    Wer Dritte ob deren Unsicherheit in Sachen des Gebens und Nehmens in einer Gesellschaft Diebe heißt, der handelt ungeschickt und überzogen in der Darstellung. Am Umstand jedoch führt kein Weg vorbei, die Dinge zeitweise gerade angesichts der ausufernden und gezielt vorangetriebenen Beliebigkeit zu verdichten, damit klaren Prinzipienbrüchen ebenso klare Worte gegenübergestellt werden.

  5. Wolf

    @Thomas Holzer
    Ein weiteres aktuelles und typisches Beispiel für die Prinzipienlosigkeit der Grünen, sobald sie Macht wittern, ist ja Salzburg: Offiziell hieß (und heißt es nach wie vor) “keinesfalls mit Stronach”; wenn man aber in die (Landes-)Regierung kommen kann – na, dann gilt das natürlich nicht mehr.

  6. Christian Peter

    Die Grünen stellen im direkten Vergleich mit anderen Parteien noch das kleinste Übel dar. Außerdem : Die Regierung SPD/Die Grünen unter Schröder war die beste Regierung im deutschsprachigen Raum der jüngeren Geschichte.

  7. Christian Peter

    Die Wahlslogans und Plakate der Grünen zählen (im Unterschied zu anderen Parteien) auch eher zu den kreativen.

    “Wer einmal stiehlt, den wählt man nicht.”
    “Weniger belämmert, als die Anderen.”

    Klingt doch besser als “Sozial Frank”, oder “Pensionen sichern” (Team Stronach), nicht wahr ?

  8. Christian Weiss

    Die Grünen sind ja gerade in ihrem Kernthema, dem Umweltschutz, völlig inkompetent. Mit ihrer technologiefeindlichen Haltung, die “Bio” statt Gentechnik und Windkraft statt Kernkraft propagiert, fördern sie den weltweiten Landverbrauch wie keine andere politische Strömung.

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