Das bedingungslose Grundeinkommen ist unsozial

“…Die Propaganda für ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE) hat stark zugenommen. Prominente Befürworter sind zum Beispiel der Gründer der Drogeriemarktkette dm, Götz Werner, der Philosoph Richard David Precht oder Yanis Varoufakis, der ehemalige griechische Finanzminister. Götz Werner meint: „Grundeinkommen bietet die Möglichkeit die eigenen Talente in der Gesellschaft wirksam werden zu lassen. Jeder kann zeigen, was er kann. Es eröffnet die Freiheit ‚Lebensunternehmer‘ zu werden.“[1] Der Sozialist Yanis Varoufakis weiß: „Es ist nicht eine Frage, ob wir es [das BGE] wollen oder nicht. Es wird ein wichtiger Bestandteil eines jeden Versuchs sein, den Kapitalismus zu zivilisieren. Denn der Kapitalismus leidet am Krampf der von ihm selbst hervorgebrachten Technologien die ihn untergraben.“[2] Und nun soll es in Schleswig-Holstein nach dem Willen der dortigen Jamaica Koalition zu einem „BGE-Feldversuch“ kommen; die Rede ist von einem verdienstunabhängigen Grundeinkommen von 1.000 Euro für Erwachsene und 500 Euro für Kinder.[3]….” (hier)

12 comments

  1. Der Realist

    All die Befürworter eines BGE sollen zuerst einmal genau definieren, was sie darunter verstehen und dazu ihre Vorstellungen präzisieren.

  2. Kluftinger

    Die Befürworter des Grundeinkommens verstehen nicht, dass sie mit der Forderung danach den “Kapitalismus” stärken, den sie ja meist verachten oder bekämpfen.
    Irgendwer muss das Grundeinkommen ja erwirtschaften. Die “Grundler” tun das nicht .

  3. mariuslupus

    BGE klingt gut, ist verlockend. Hervorragend geeignet für den nächsten Stimmenfang. Über die Folgen haben sich die Politiker und die Wähler noch nie den Kopf zerbrochen.

  4. ignatius

    In der Theorie ist das BGE eine gute Idee. Selbstverständlich nur in der Höhe des Existenzminimums, das sowieso (unter diversen Titeln) gezahlt wird, und natürlich nur für Angehörige der Solidargemeinschaft (also Staatsbürger). Profiteure eines solchen BGEs wären nicht die Faulenzer, sondern arbeitende Menschen mit niedrigem Einkommen, denen im dzt. System auch bei geringem Verdienst sofort alle Sozialleistungen gestrichen werden, weswegen sich Arbeit erst ab ca. 1500,- EUR überhaupt erst lohnt (zumindest ökonomisch)..

    Der Haupteffekt wäre aber eine drastische Verwaltungsvereinfachung, denn das BGE müsste, um überhaupt sinnvoll zu sein, alle anderen umverteilenden Sozialmaßnahmen ersetzten. Flankierend wäre auch eine Verflachung der Progressionskurve (oder gleich eine flat tax) angezeigt.

    ignatius

  5. Falke

    Das klingt ja alles sehr schön und romantisch. Niemand kann allerdings logisch begründen, woher das dafür notwendige Geld kommen soll. Sollen etwa diejenigen, die trotzdem arbeiten, bis auf das Grundeinkommen besteuert werden? Und wenn dann niemand mehr (oder vielleicht nur 10%) arbeitet – fällt das Geld dann vom Himmel oder kommt direkt aus der Druckerpresse? Jedenfalls eine absurde Idee wirtschaftsfremder Sozialromantiker.

  6. Götz Werner

    …wer eine geraume Zeit darüber nachdenkt und beobachtet wird erkennen, dass es natürlich schon finanziert sein muss, denn die Menschen leben ja schon.

  7. Lisa

    @ignatius: sehe ich auch so. Die ganze teure Sozialindustrie mit ihrem Kompetenz-. und Machtgerangel würde wegfallen. Allerdings werden notorische Faulenzer, Trinker, Asoziale, finanziell Ungeschickte etc. nicht einfach verschwinden: sie werden betteln, stehlen, betrügen – denn der Vergleich mit den arbeitenden Besservedienern besteht ja weiter und macht gierig. Die paar Kreativen und Bescheidenen könnten damit zwar neidlos gut auskommen – aber das sind ja auch schon heute nicht diejenigen, die vor allem unsere Sozialämter belasten.

  8. Sven Lagler

    Glaube eine Art BGE im Yukon Territory in Kanada kennengelernt zu haben.
    Mir wurde erklärt, dass Indianer als Entschädigung für historisch geschehenes Unrecht eine regelmäßige Zahlung vom Staat erhalten. Dies führt dazu, dass einige (nicht alle) nichts arbeiten und nur auf die Zahlung warten. In den ersten drei Tagen des Monats wird dann heftig „gefeiert“ (trau mich nicht zu schreiben was ich da genau gesehen habe), danach wird lange Zeit ausgeschlafen und dann wird auf den nächsten Monatsbeginn gewartet und dann geht es wieder von vorne los. Diese Leute sind entwurzelt, haben keine wirkliche Aufgabe und sehen sich als Opfer.

    @ Rennziege: Stimmt das mit den staatlichen Zahlungen ?

  9. Bösmensch

    Mal angenommen, die Rechnung geht sich aus, dass für ein BGE alle Sozialleistungen gestrichen werden und der Markt mit “billigem” Geld geflutet wird. Wie will man jedoch den dadurch ausgelösten Preisanstieg verhindern?

  10. Rennziege

    18. September 2017 – 16:41 — Sven Lagler
    Ja. Es gibt diese Zuwendungen für “aboriginal peoples” und “Indians”, seit ~1970 politisch korrekt als “First Nation” bezeichnet. Also eine Art Reparation für enteignetes Land, großteils schon unter der britischen Kronherrschaft gewährt. Bis zum heutigen Tag genießen diese Ureinwohner das Privileg, ihre Forderungen im Dialog mit lokalen Behörden festzulegen, ohne vor Gericht gehen zu müssen. Was auch ich begrüße, obwohl meine Kenntnis der kanadischen Ureinwohner auf den Algonquin Park viel weiter südlich beschränkt sind, im mittleren Norden Ontarios, eine Touristenlandschaft wie auch viele Indianerreservate in den USA.

    Also: Diese Zuwendungen gibt es, aber deren Höhe ist nur örtlichen Insidern bekannt, denn es gibt keine Veröffentlichungspflicht. Also müsste man Ihren Spuren folgen, Herr Lagler, um vor Ort die Ohren zu spitzen.
    Awfully sorry, but cheers anyway, sir!

  11. Rennziege

    P.S. @ Sven Lagler
    Die Exzesse, die Sie andeuten, gibt es ebenso in den zitierten USA-Reservaten. Indianer und Eskimos vertragen halt kein Feuerwasser, genetisch bedingt. Vor zwei Jahren war ich in Grönland und erschrak über die Fjorde, wo man vor treibenden Carlsberg-Dosen kein Meer mehr sehen kann. 🙂

  12. Sven Lagler

    @ Rennziege

    Herzlichen Dank für Ihre Antwort.
    Habe damals in Whitehorse eine Spannung zwischen der first nation und den noch nicht ganz so lange dort Lebenden vermeint festgestellt zu haben und war erstaunt, dass das Zusammenleben anscheinend doch nicht ganz so harmonisch war wie ursprünglich gedacht.

    Eine andere „Quelle“ hat mir gesagt, dass die Häuptlinge (keine Ahnung wie die korrekt heißen) sehr viel Verhandlungsmacht haben und die Verhandlungsergebnisse in weiten Teilen geheim bleiben und sie große Entscheidungsbefugnisse über Gelder haben. Kann überhaupt nicht beurteilen ob das zutrifft.

    Im Algonquin Park war ich auch mal vor Jahren. Jetzt bin ich schon sehr stark off topic – sorry .
    Have a nice evening madam and all the best to your family.

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