Das Beste an Obamas Präsidentschaft

(JÜRGEN POCK)  Der Neue kommt, der Alte geht. Eigentlich ist er ja schon da, der Neue, per Social Media ohnehin omnipräsent, von den Medien viel zitiert und kritisiert. Man darf nicht vergessen, die Anti-Trump-Phalanx sehnte sich nach einer besseren Welt, in der die korruptionsanfällige, lügenerprobte, politisch korrekte und scheinheilige Hillary Clinton das Zepter der Macht geschwungen hätte. Die tonangebenden Kreise wünschten sich nichts inniger als Obamas Erbe in trockene Tücher zu bringen. Aber es kam alles anders. Und nachdem sich der anfängliche Wahlschock gelöst hatte, verfestigte sich ein latentes Angstgefühl vor dem apokalyptischen Reiter Donald Trump, der gekommen ist, um die Welt in den Abgrund zu reißen. Noch vor seiner Vereidigung war der gesamte Vorrat an Vorurteilen verbraucht.
Aber sie liegen falsch, die Warner und Mahner. Der 45. Präsident der USA wird reüssieren, ähnlich wie Ronald Reagan seinerzeit. Seine im Wahlkampf vermeintlich größte Schwäche, eine fehlende breite Akzeptanz innerhalb der Republikaner, wandelt sich nun nach erfolgreich geschlagener Wahlschlacht zu seiner größten Stärke. Zu keiner Zeit spiegelten sich in Trump die Wünsche des etablierten Parteiadels wider, nie galt der Quereinsteiger als Favorit der GOP-Basis, aber genau kraft dieser Umstände wird er künftig Erfolg haben, weil er eben nicht bis zur totalen Selbstaufgabe von der Filzokratie vereinnahmt wird, sondern über ein gewisses Maß an Unabhängigkeit und Gestaltungsspielraum verfügt. Mit Hilfe dieser zwei Faktoren wird es ihm innerhalb des politischen Räderwerks leichter fallen, ergebnisreicher und effektiver zu sein als es seine Konkurrenten je hätten sein können. Vieles was noch kommen mag, hängt indes auch von seinem Temperament ab. Er genießt die Konfrontation und sieht sich nicht gezwungen, unter allfälligem Druck von seiner Position abzuweichen. Haltung und Stehvermögen bergen enormes Erfolgspotential in sich. Trump wird weiter an Akzeptanz in der Bevölkerung zulegen, wenn er es versteht, dass sein Gelingen vornehmlich von Sicherheit und Prosperität abhängt.
Das Beste an Obamas Präsidentschaft ist, dass sie jetzt ihr Ende findet, nämlich in der Trump-Nachfolge. Einst trat die jugendhafte Gestalt mit messianischer Botschaft an und präsentierte sich jenen als der perfekte Kontrapunkt zu einer müden Bush-Administration, welche Amerika als eine aggressive Nation beklagten. Seine persönliche Inszenierung, seine Stilnoten sowie sein Rhetoriktalent ließen sich dennoch nicht in politischen Erfolg übersetzen. Er ist angetreten, um zu einen und verlässt die Arena als Geschlagener. Sein Testament trägt die Spuren von Vetternwirtschaft und Parteilichkeit, gerade Obama war hauptverantwortlich für Trumps Sieg und die mehrheitliche Sehnsucht nach dem Systemwechsel.
Schlimmer hätte es für die Demokraten auch nicht kommen können. Vor zwei Amtszeiten schien es noch, also ob Obama, damals vitale 47 Jahre alt, die Partei grundlegend verjüngen und machtstrategisch festigen könnte. Tatsächlich wird die Partei von Altgranden im Pensionsalter repräsentiert, siehe Clinton-Clan oder Warren, und bleibt als Minderheitspartei in beiden Kammern zurück. Abgehoben und unglaubwürdig gab er den Prototyp einer Washingtoner Elite, die jedes Vertrauen in die Wählerschaft verloren hat. Obamas Zuversicht versprühender Leitspruch ist längst verhallt. Nach nur wenigen Monaten im Amt wurde er mit dem Friedensnobelpreis dekoriert und tat in den darauffolgenden Jahren nichts, um dieser Auszeichnung gerecht zu werden. Nun tritt er samt seinen gebrochenen Heilsversprechen ab und vermacht der Nachwelt die Reste seines gescheiterten sozialistischen Projekts. Kaum ein US-Präsident hat schlimmer enttäuscht.
Am 20. Jänner eröffnet Donald Trump ein neues Kapitel Geschichte, allerdings von einer stark geschwächten Position aus.

5 comments

  1. Fragolin

    Ist das schon mal wem aufgefallen?

    Immer wenn man darauf hinweist, dass Obama als Clintons Sockenpuppe und dampfplaudernde Showfigur irgendwie nichts so richtig gebacken bekommen hat, werfen sich seine Cheerleader sofort schützend vor ihn und behaupten, er hätte ja schon, aber die bösen fiesen Reps hätten ihn aber ständig daran gehindert, weil der Präsident eben nichts allein und am Kongress vorbei entscheiden könne und die Opposition alles blockieren würde und sowieso alle ganz garstig wären. Armer, kleiner Präsidentendarsteller ohne wirkliche Machtbefugnis, tagträumender Visionär mit fiesbösen Bremsklötzen am Hacken. Acht Jahre lang ununterbrochen lame duck. Schluchz.

    Die gleichen Tanzmäuse erstarren aber, wenn sie den Namen Trump hören, und überschlagen sich dann im Furor, dass die Welt in Schrecken versinken wird, denn wer weiß was Trump so alles beschließen, welche Verträge er kündigen, welche Gesetze er erlassen und welche Mauern er bauen würde. Ganz sicher würde er, vom garstigen Putin am Nasenring durch das Weiße Haus gezogen, sofort die Welt dem imperialistischen Russen zum Fraß vorwerfen und Amerika abschotten und und und, denn, so die Begründung, er wäre ein gefährlicher Rüpel auf der Position des mächtigsten Mannes der Welt.

    Äh, also was nun? Ist der amerikanische Präsident nun der mächtigste Mann der Welt und kann selbstherrlich bestimmen, oder ist er ein Bittsteller in den Parlamenten und ein zahnloser Tiger? Oder basteln sich unsere Pippilottas einmal mehr die Welt, wiedewiedewie sie ihnen gefällt?

    http://frafuno.blogspot.com/2017/01/also-was-nun.html

  2. Der Realist

    Wie Herr Pock richtig schreibt, dass sie jetzt zu Ende geht, und wohl auch den Sieg Trumps erst ermöglicht hat.
    Und vielleicht wachen die politischen “Eliten” in Europa und Brüssel, nach dem noch immer andauernden Schock ob des Trump Sieges, endlich auf.
    Bin schon gespannt auf die Ergüsse all der “Intellektuellen” Schreiberlinge, nachdem ihr abgesonderter geistige Schleim getrocknet ist.

  3. mariuslupus

    “Kaum ein US Präsident hat schlimmer enttäuscht”, man kann nur von jemanden enttäuscht werden, dem man glaubt oder, dem man vertraut. Warum die meisten Leute, ,in den USA und auch in Europa auf den seichten Spin-Doctor Satz “Yes, we can”, hereingefallen sind bleibt mir ein Rätsel. Selbstverständlich war die Wahl Obamas eine Reaktion auf die Bush Administration. Aber, es war ein Sieg der linken Demagogie der demokratischen Partei, viel versprechen und nichts halten.
    Obamas “Verdienst” bleibt dass er die demokratische Partei so weit nach links geführt dass die Menschen seiner möchtegern Nachfolgerin, nicht mehr folgen konnten.
    Die europäischen medialen Meinungsmacher behandeln die USA als würde dieses Land aus zwei Küstenstreifen im Osten und im Westen, bestehen. Die Meinungen die in NY, DC, SF, LA, die dort angesiedelten Medienprodukte vertreten und verbreiten, werden nach Europa als die Stimmung in den USA verkauft. In Europa von den Auftraggebern, Pressehäusern, Regierungen akzeptiert, weil es die Meinung ist die sie verbreiten möchten. So ist die Berichterstattung seit Trumps Auftauchen in der Politik. Obama der Unverstandene, von den Reps hereingelegte Heilsbringer, Clinton Vollstreckerin des Guten. Trump böse.
    Rücblick in die Gegenwart. Der seichte Obama Satz findet eine Fortsetzung im gleichen, seichten Satz von Merkel. Der Unterschied ist, die Menschen glauben an diese seichte Lüge. Sie glauben und der Glaube hat mit der Realität nichts gemeinsam. Sie wollen glauben, weil sie ohne einen Führer nicht auskommen.

  4. Fragolin

    @mariuslupus
    Er war ein farbiger, cooler Showman mit einem rassigen Gogogirl an seiner Seite, die personifizierte Party – mehr braucht es nicht, um Kleinhirnträger zu begeistern. Inhalte interessieren da nicht. Love-Parade statt Arbeiten und fertig. Eigentlich eine geistig recht seichte Truppe, das…

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