Das demokratische Dilemma

(ANDREAS TÖGEL) Was scheinbar „schon immer“ da war, bestimmt in entscheidendem Maße das Denken der Menschen. Dass der Staat, neben vielem anderen, für Gesundheitswesen und Bildung zu sorgen hat, scheint daher sonnenklar. Wer sonst sollte es tun? Hätte der Leviathan – anstatt des Gesundheitssystems – einst die Textilproduktion an sich gerissen, würde jedermann es als selbstverständlich erachten, dass er seine Hemden Jeans und Strümpfe von einem Staatskombinat namens „Jeder nach seinen Bedürfnissen“ zugeteilt bekommt, andernfalls er nackt herumlaufen müsste.

Dass nur ein staatliches Gütesiegel Qualität garantiert, und ausschließlich staatliche Kontrollmaßnahmen sicherstellen, dass überall alles mit rechten Dingen zugeht, steht für die Masse außer Frage. Milton Friedman prägte einst den Begriff der „Tyrannei des Status quo“, der diesen Sachverhalt beschreibt.

Nicht anders verhält es sich mit der Regierungsform, wenn sie nur lang genug praktiziert wird. Die Demokratie wird – mit überschaubar langen Unterbrechungen – selbst in Deutschland und Österreich seit immerhin nahezu hundert Jahren praktiziert. Der Großteil der heute lebenden Zeitgenossen hat also weder Monarchie noch Diktatur erlebt. Beides liegt für sie daher ähnlich weit zurück, wie Pestepidemien und Bauernkriege. Im Bewusstsein der überwiegenden Mehrzahl der Zeitgenossen westlicher Gesellschaften, entzieht sich die Demokratie – oder vielmehr das, was sie dafür halten – jeder Kritik. Etwas anderes war ja scheinbar nie da und ist demnach auch gar nicht vorstellbar. Dass Demokratie keineswegs „alternativlos“ ist; Dass jenseits der Massendemokratie Gesellschaftsorganisationsformen denkbar sind, die dem Einzelnen entscheidend aussichtsreichere Möglichkeiten zum „Streben nach Glück“ einräumen, scheint undenkbar.

Die Demokratie ist einfach unschlagbar, wenn nicht sogar etwas Heiliges. Niemals hat die Menschheit etwas Großartigeres erdacht. Wer sich nicht vorbehaltlos zu ihr bekennt, steht am Rande, wenn nicht außerhalb der zivilisierten Gesellschaft. Wer Kritik an der Demokratie übt, tickt nicht ganz richtig, ist ein anarchistischer Spinner oder macht sich offen oder heimlich für eine Diktatur stark. Oder er gehört gar zu jenem lächerlichen Haufen nostalgischer, meist seniler alter Narren, die das Jahr 1918 gedanklich nie überwunden und den Traum von einer Restauration der Monarchie noch immer nicht ausgeträumt haben.

 

„Von einer Demokratie kann nur gesprochen werden, wenn sie auch in Frage gestellt werden darf. Wo dies nicht der Fall ist, herrscht lediglich die Diktatur eines Dogmas von einer bestimmten Form der Demokratie als der allein ethisch zulässigen Staatsform.“

Wilhelm Schwöbelt

 

Dass Demokratien – und zwar mit erschreckender Regelmäßigkeit – dazu neigen, durchaus, um es euphemistisch auszudrücken, suboptimale Ergebnisse zu liefern, wird, wenn überhaupt, nur widerwillig zur Kenntnis genommen. Die viel geschmähten Herren George W. Bush, Silvio Berlusconi, „Tricky Dick“ Nixon“, Robert Mugabe oder der Gottseibeiuns jedes aufrechten Demokraten, Adolf Hitler – respektive die beachtlichen Fehlleistungen oder Verbrechen zur Zeit ihrer Herrschaft – sind oder waren indes allesamt Produkte lupenrein demokratischer Prozesse. Gläubige der zeitgeistigen Religion des Demokratismus hören das nicht gerne. Bei der Kür von „Falschen“ in Spitzenämter, handelt es sich eben um Pannen, die immer einmal passieren können – und die einfach auszuhalten sind.

Dass bis heute kein zuverlässig wirksamer Mechanismus existiert, der verhindern kann, dass eine Tyrannei mit demokratischen Mitteln installiert wird; Dass das herrschende System sich strukturell durch nichts von jenem zur Zeit der Weimarer Republik unterscheidet – und zwar nirgendwo in Europa, regt augenscheinlich niemanden auf.

Die von Montesquieu erdachte Vorstellung von der „Gewaltenteilung“ mag aus der Sicht seiner Zeit durchaus Sinn gehabt haben, als verschiedene Kräfte der Gesellschaft, Krone, Adel, Klerus und Bürgertum, die Legitimation ihres politischen Einflusses und ihrer Macht aus unterschiedlichen Quellen schöpften. Sie alle entstammten de facto verschiedenen Welten. In einer demokratischen Gesellschaft dagegen, in der ein hypothetischer „Gemeinschaftswille“ einen fiktiver „Gesellschaftsvertag“ konstituiert, der alle Mitglieder der Gesellschaft (gewaltsam) gleichmacht, ist eine Gewaltenteilung indes kaum sinnvoll realisierbar.

So sorgfältig ausgeklügelt die von den Gründervätern der USA formulierte Verfassung sein mag: Auch dieses scheinbar wasserdichte System von Checks and Balances krankt an der Tatsache, dass alle relevanten politischen Institutionen ihre Legitimation lediglich auf einen „demokratischen Auftrag“ gründen, der letztlich von ein und demselben Kollektiv – dem der Wähler – ausgeht. Es ist daher, als ob verschiedene Abteilungen desselben Unternehmens einander gegenseitig kontrollieren würden. So etwas indes kann niemals dauerhaft funktionieren! Wer je in einem Großunternehmen tätig war weiß, dass eine wirkungsvolle Kontrolle nur von außerhalb des Betriebes erfolgen kann. Nicht umsonst existieren unabhängige Treuhänder, die Unternehmensprüfungen vornehmen.

In der politischen Praxis der USA scheint es so zu sein, dass kein einziger Artikel der Verfassung nicht bereits vielfach gebrochen worden wäre. In keinem einzigen Fall ist es deshalb zu einer folgenschweren Verfassungskrise gekommen. Der Wert einer Verfassung ist daher meist geringer, als der des Papiers, auf dem sie geschrieben steht…

 

„Die Verfassung gleicht einem Keuschheitsgürtel, von dem die Lady selbst den Schlüssel hat: wenn sie der Gewinnerkoalition nicht passt, wird man Wege finden, sie zu umgehen oder zu ändern.“

Anthony De Jasay

 

Es besteht keinerlei Anlass, die Stabilität unserer demokratischen Ordnung als sonderlich hoch einzuschätzen. Die Ereignisse nach den Anschlägen vom elften September 2001 in New York und Washington, haben drastisch vor Augen geführt, wie entschlossen und rücksichtlos die gewählten politischen Eliten die erste sich bietende Gelegenheit dazu nützen, ihre Macht schlagartig und entscheidend auszudehnen und grundlegende Freiheitsrechte zu beschneiden oder abzuschaffen. Einige weitere, sorgsam geplante und ausgeführte Terroranschläge, ein paar wirtschaftlich richtig miese Jahre mehr, garniert mit einigen zusätzlichen Beweisen dafür, dass ein massendemokratisches System dagegen ja doch nichts ausrichten kann – und schon wird der Ruf nach dem “starken Mann“ wieder laut werden. Denn wer mit seiner Freiheit nichts (mehr) anzufangen weiß, wünscht sich stattdessen Sicherheit und die Führung durch eine harte Hand. Schätzt man seine eigene Freiheit als geringwertig ein, sollen auch andere nicht darüber verfügen können. Seltsamerweise regt das alles die ansonsten so sensible, wachsame und jederzeit empörungsbereite Kaste der (Staats-)Intellektuellen nicht im Geringsten auf.  (Vorabdruck aus “Schluß mit Demokratie und Pöbelherrschaft” von Andreas Tögel. Zu beziehen hier)

15 comments

  1. Thomas Holzer

    Diesen Beitrag sollten Sie mal im (Sub)Standard veröffentlichen; da dürfen Sie sich glücklich schätzen, wenn sie nicht wegen Verhetzung geklagt oder gleich gelyncht werden, genau von dem Mob und Pöbel, der sich quer durch die Gesellschaft zieht und auch vor dem Parlament nicht halt macht 😉
    Das sind nämlich die ersten, die “kreuzige Ihn” rufen werden

  2. Christian Weiss

    Mal vorweg, womit ich einverstanden bin: Ja. Menschen haben oft einen beschränkten Vorstellungshorizont und wenn etwas “schon immer so war”, dann fehlt oft nur schon der Glaube, dass etwas auch anders funktionieren könnte. (Das Beispiel mit den staatlich verteilten Hemden erscheint mir recht gelungen.)

    Einspruch 1: Die Behauptung, Hitler sei durch einen lupenreinen demokratischen Prozess an die Macht gekommen, scheint mir dann doch reichlich gewagt. Letztlich war es in weiten Teilen eine Mauschelei der Eliten in einem demokratisch eher wenig ausgereiften System, das elementare Konstruktionsfehler hatte – unter anderem beim Schutz der Gesinnungsfreiheit, weshalb Parteien beinahe im Handumdrehen verboten werden konnten. Das Reichsermächtigungsgesetz, das die Diktatur Hitlers letztlich ermöglichte, wurde in einem Staatsstreich durchgebracht, wo elementare Regeln der Weimarer Republik über den Haufen geworfen wurden.

    Bezugnehmend auf meinen eigenen Einwand vom “mangelnden Vorstellungsvermögen” gebe ich zu, dass mir in Bezug auf Alternativen zur Demokratie dieses auch fehlt. Ich höre immer wieder Kritik an der Demokratie und Sätze im Sinne “das müsste man anders machen”, aber bitte wie?

    Demokratie kann in Despotie umschlagen. Demokratie kann dazu führen, dass Menschen ihrer Grundrechte beraubt werden. Demokratie kann zu Machtballungen führen. Kann.
    Aber: Die bisher praktizierten Alternativen mussten zwangläufig zu den genannten Problemen führen. Dort war nix mit “kann passieren”, dort musste das passieren.

    Eine mögliche Alternative zur demokratischen Republik, die ich begrenzt sehe:
    Ich habe mich schon mal ein bisschen mit den Theorien der entweder nicht ganz ernst genommenen oder als rechtsextrem verschrienen monarchistischen Bewegung “Tradition und Leben e.V.” befasst. Diese propagiert ein monarchisch-demokratisches Mischsystem, wie es am ehesten wohl mit dem Staatssystem Liechtensteins zu vergleichen ist. Und man kann ja mit Fug und Recht behaupten, dass sich das politische System Liechtensteins bezüglich Erfolg, Freiheit und Wohlstand ihrer Einwohner hervorragend bewährt hat. Das ist aber sicher zu einem grossen Teil dem Umstand zu verdanken, dass sowohl Fürst Hans Adam, als auch sein Sohn Erbprinz Alois eben die “richtige” Gesinnung mitbringen. Die beiden Herren sind durch und durch liberal. Doch was passiert, wenn die führenden Köpfe mit der quasi göttlichen Legitimation eben nicht so weise, behutsam und freiheitlich vorgehen wie die Fürsten von Liechtenstein? Dann stehen wir wieder am gleichen Punkt wie in einer korrumpierten Demokratie.

    Letztendlich erachte ich das schweizerische Modell der halbdirekten Demokratie als das Überzeugendste. Das hohe Mass an direkter Mitbestimmung könnte rein theoretisch auch zu einer Pöbelherrschaft mit dem entsprechenden Niedergang der Freiheitsrechte einhergehen und natürlich sind es die Apologeten der parlamentarischen Demokratie – vor allem die Berufspolitiker – die genau diese Gefahr herauf beschwören. Aber auch da gilt: Es kann passieren, muss aber nicht. Tatsächlich ist es der direkten Demokratie bisher besser als der parlamentarischen Demokratie gelungen, individuelle Freiheiten zu wahren. In den letzten Jahren ist das sogar verstärkt zum Vorschein gekommen: Während die Schweizer Parlamentarier die Tendenz dazu haben, immer mehr wirtschaftliche und gesellschaftliche Bereiche zu regulieren, haben solche Ansinnen vor dem Stimmvolk nur in ganz wenigen Ausnahmefällen (von vergleichsweise geringer Tragweite > Minder-Intiative Aktienrecht) eine Chance.
    Warum funktioniert das Schweizer Modell, obwohl alle Berufspolitiker in unseren Nachbarländern davor warnen:
    1. Die politische Mündigkeit, die vom Bürger verlangt wird, schafft mündige Bürger. Eigenverantwortung hat in der Schweizerischen Gesellschaft insgesamt einen höheren Stellenwert als in anderen Staaten (Es gibt entsprechende Erhebungen dazu von der OECD).
    2. Politischer Wettbewerb: Die im internationalen Vergleich sehr föderale Struktur führt zu einem Wettbewerb der politischen Teilsysteme. Der Kanton Genf ist zum Beispiel für Schweizer Verhältnisse schon fast eine parlamentarische Demokratie, während kleine Kantone wie Glarus und die beiden Appenzell ausgeprägt direkt demokratisch sind, aber auch der einwohnerstärkste Kanton Zürich hat eine ausgeprägte direkte Demokratie. Man kann dazwischen Vergleiche ziehen und sehen, dass direktdemokratischer geprägte Kantone schlankere Haushalte und tendenziell eine geringere Verschuldung haben und die Subsidiarität einen höheren Stellenwert hat. Dank des Steuerwettbewerbs (leider eingeschränkt durch einen Finanzausgleich) sind Kantone mit schlankeren Haushalten insgesamt im Vorteil.
    Ideen, die in Kantonen ausprobiert werden, und dann scheitern, scheitern eben nur in einem Kanton und nicht gleich im ganzen Land. Das schafft Spielraum für politische Experimente – auch für abschreckende Beispiele: “Wir haben diesen Mist gemacht. Macht das ja nicht nach!”

    Man muss einschränkend sagen, dass auch in der Schweiz eine Tendenz zur Zentralisierung und Regulierung von immer mehr Lebensbereichen besteht. Das scheint mir aber ein grundlegendes Problem des Systems Staat zu sein. Es besteht die Tendenz nach einer immer höheren Organisiertheit zu streben. An der Stelle, wo diese Organisiertheit dysfunktional wird, zerfällt der Staat. Insgesamt traue ich aber dem Schweizerischen Initiativ- und Referendumssystem hier mehr Korrekturfunktion und die Fähigkeit “back to the roots” zu gehen zu als den bekannten Alternativen.

  3. PP

    Wo ist Demokratie? Ich sehe allerorts nur Sozialdemokratie!
    Der Widerspruch scheint inhärent und unauflösbar.
    Sozialismus ist ein Gift, eine Droge in der heute üblichen Dosis.Typischerweise ist es den Abhängigen nie genug.
    Aber auch dieser Sozialismus wird scheitern wie seine Vorgänger. Verschiedene Totalitarismen werden durch die Hintertüren “im Kampf gegen” Blablabla etabliert. Die Islamofaschisten sind nützliche Idioten, die gottlosen Ökos noch dümmer!

  4. Mourawetz

    Und doch gibt es in den Wogen der Demokratie ein kleines Schifflein Monarchie: Liechtenstein.

    Monarchie funktioniert auch in heutigen Zeiten.

  5. Kassandra

    Gratuliere Herr Weiss!
    Die Tendenz zur Zentralisierung ist verständlich. Aufgaben zu delegieren spart Zeit und Energie hat aber vielleicht einen hohen Preis. Die Entscheidungsfindung ist derart komplex und zeitaufwendig geworden, dass sie den Horizont vieler Menschen übersteigt. Ich bin sicher nicht dumm, aber manche Entscheidungen möchte ich doch nicht treffen, weil ich mir kein gutes Urteil zumute.
    Ich gehe auch nicht mehr wählen, weil mir das System Österreich am A…. geht. Auch nicht auf Gemeideebene. Wenn man vom Bürgermeister wirklich einmal etwas will, es war zum Beispiel anlässlich eines Streites mit der Versicherung nur eine Kleinigkeit: die Bestätigung dass eine Ortsstraße 2spurig befahrbar ist, wird man an die Bezirkshauptmannschaft verwiesen.
    Ich sehe auch das Problematische meiner Haltung, weil eben Leute mit meiner Einstellung und dem sehr umfassenden Wissen für eine funktionierende Demokratie gebraucht werden.
    Jetzt einige Beispiele zur ordentlichen Entscheidungsfindung.
    Vor einiger Zeit gab es in diesem Forum eine Diskussion über das Boni-System, welches ich strikt ablehnte. Ich wurde kritisiert, weil meine Ablehnung ein Eingriff in die unternehmerische Freiheit sei. Ein derartiges System übt aber einen Selektionsdruck aus. Es kommen dann nur jene Manager in Spitzenpositionen die besonders rücksichtslos draufgängerisch sind. Und dann haben wir ein System Hypo-Adria wo alle Bedenken über Bord geworfen werden und schließlich die Allgemeinheit zur Kasse gebeten wird, während sich die Boniabgrapscher vertschüsst haben.
    Ich habe bisher an keiner Hysterie teilgenommen. Jetzt sind wir beim Klima angelangt. Flaut aber schon ab. Wissen Sie es ist nicht so einfach und ungeheuer zeitaufwendig diese Hype als Pseudowissenschaft zu entlarven. Man muss sich sogar mit der Quantenphysik auseinander setzen. Und dann muss man gegen Leute antreten die ein Loch in ihrer Identität mit einer neuen Religion stopfen müssen.
    Thema Energiewende in Deutschland. Hier wurde in einem Anfall von totaler Verrücktheit eine Entscheidung getroffen die Energieversorgung vollständig von den Launen der Natur abhängig zu machen. Bayern erkennt sehr wohl den Unsinn und wird die Atomkraftwerke nicht wegen eines Zappelstroms aus Norddeutschland abschalten. Bei diesem religiösnahen Thema muss ein Politiker vorsichtig und sehr raffiniert vorgehen sonst bekommt er es mit der grün-marxistischen Mafiapresse zu tun.
    Machen Sie bitte eine Umfrage in Ihrem Bekanntenkreis: die meisten werden behaupten man könne ein Stromnetz auf- und abdrehen wie es bei der Wasserversorgung der Fall ist.
    Das Faszinierende betreffend Entscheidungsfindung habe ich bei Managern gefunden. Über die Anschaffung von Bleistiften (hier übertreibe ich) wird sehr lange diskutiert, aber schwerwiegende, sehr kompizierte und sehr teure Entscheidungen werden durchgewunken. Und so kommt es wie in Linz wo folgenschwere Spekulationsgeschäfte eingegangen wurden und schließlich der Spitzenpolitiker meinte, er hätte keine Zeit sich um Details zu kümmern.
    Ich würde auch Formate wie Dschungelcamp und Next Star verbieten. Ich hatte eine Diskussion mit meiner Tocher die meinte, die Leute machen es freiwillig. Aber eine derartige Entwürdigung des Menschen finde ich unappetitlich und menschenverachtend. Ich bin davon gefeit, weil ich kein Fernsehen habe, aber bekanntlich muss man diese Formate toppen und dann gehen wir in Richtung der Hungergames oder der Gladiatorenkämpfe.
    Die Frage ist: soll und kann man Mitbürger vor ihrer eigenen Dummheit schützen. An der Dummheit, Gier und Niederträchtigkeit scheitert jedes System. Ich stimme aber zu: die Demokratie ist noch das beste.
    Viele Grüße von einem Skeptiker

  6. Mario Wolf

    Demokratie leidet an ihren Wählern. Der Wähler ist verfürbar, gewählt werden immer die am meisten versprechenden Populisten – Beispiel. Hollande, Faymann, Merkel usw. Das beste Beispiel aus der letzetn Zeit sind die Wahlen in Griechenland. Eine Clique von verantwortungslosen das Blauevomhimmel zum Nulltarif Versprechern wurde demokratisch vom ahnungslos-profitgierigen Mob gewählt. Das ist bereits der Anfang vom Ende der Demokratie. Versprechen bedeutet auch Verantwortung zu übernehmen. Das Hauptproblem der sogenantten Demokratien ist die Politikerkaste die noch nie gearbeitet hat, von nichts eine Ahnung hat, sich nach den Umfragen richtet und Angst vor dem abwählen hat, weil keine Fähigkeit zum selbständigen Brotterwerb. Gegen diese Oligokratie der Politiker war das feudale System fast ein Paradies. Abgaben betrugen ein Zehntel, und jeder Landesherr hatte eine längere wirtschaftliche Perspektive im Sinn als die Wahlperiode.
    Noch zum Verständnis die direkte Demokratie beterffend. Die direkte Demokratie basiert auf dem Prinzip der Selbstverantwortung auf der Ebene der Gemeinde. Die Fähigkeit direkt demokratisch zu entscheiden hat sich in der Schweiz durch die Abwesenheit des bestimmenden Obrigkeitstaates seit Jahrhunderten entwickelt. Dieses System kann nich in Staatsgebilden implementiert werden in denen die Bevölkerung Obbrigkeitshörig und Staatsgläubig ist, nach dem Motto: Der Staat wird es schon richten, der Staat weis was mir mich gut ist. Er nimmt mir zwar mein Geld weg, gibt mir ab und zu etwas, wen ich brav bin. Niemand in Europa ausserhalb der Schweiz und Liechtenstein hat in einer Demokratie gelebt. Repräsentative Demokratie ist ein Obrigkeitsschwindel um die Bevölkerung von den wichtigen Entscheidungen auszuschliessen.

  7. Christian Peter

    ‘Die Demokratie wird – mit Unterbrechungen – in Deutschland oder Österreich bereits seit mehr als 100 Jahren praktiziert.’

    In Deutschland und Österreich hat es noch niemals eine demokratische Regierungsform gegeben. Was bitte haben totale Parteienstaaten wie Deutschland und Österreich mit Demokratie zu tun ?

  8. Fragolin

    Da muss ich Christian Peter Recht geben.
    In Deutschland und Österreich wurde das monarchistische System eines feudalen Beamtenstaates eins zu eins übernommen und nur ein einziger Zusatzpunkt eingeführt: Die Feudalhäuser erlangen das Recht nicht mehr durch Geburt sondern durch Parteizugehörigkeit und sie dürfen nicht mehr durch Paktieren und Mauscheln ihre Herrschaftsposten besetzen und ihre Reviere abstecken, sondern sie müssen sich regelmäßig einem Ranking unterwerfen, bei dem das Volk nur Einfluss nimmt, welches Feudalhaus sich mit wieviel Prozent an der Mauschelei beteiligen darf. Der ganze Rest ist eine reine Kopie des Obertanene-Untertanen-Organigramms aus feudalen Herrschaftszeiten, nur dass auch der letzte langfristig (in Generationen) denkende Erbfürst durch kurzfristig denkende (bis zur nächsten Wahl) Intriganten und Betrüger ersetzt wurde.
    Mit Demokratie hat das nichts zu tun und “Wahlen” sind nur eine Veranstaltung aus der Rubrik “Brot und Spiele”.

  9. cppacer

    Viele,viele klugen Worte.Das Meiste würde ich unterschreiben. Nur– wer tut etwas gegen diese Zustände? An Aktivisten fehlt es.

  10. Wolf

    Schon Churchill sagte, Demokratie sei eine schlechte Staatsform. Er fügte zwar hinzu, er kenne keine bessere, nichtsdestoweniger bleibt die Tatsache bestehen, dass die Demokratie erhebliche Schwächen hat, vielleicht immerhin doch etwas weniger als alle anderen möglichen Staatsformen.

  11. H.Trickler

    >”Schluß mit Demokratie und Pöbelherrschaft”

    Schön und gut, aber was will denn Hr. Tögel wirklich?

    Dass die nur repräsentative Demokratie schlechter ist als die sehr direkte, wie es in der Schweiz seit dem Wiener Kongress der Fall ist, tröstet nicht wirklich, denn auch in der Schweiz besteht das Problem, dass in der öffentlichen Verwaltung das Peter-Prinzip ungestraft über Jahrzehnte schlimmste Blüten treibt.
    Ausserdem wird auch die schweizerische Verwaltung fett und träge, und die einzige Partei welche dies anprangert wird (völlig ungerechtfertigt) in die rechte braune Ecke gestellt.

    Ich sehe eine der Ursachen für immer schlimmeres Staatsversagen in der extrem gestiegenen Komplexität der letzten 50 Jahre. Diese ist durch weltweit kostenlose Kommunikation und Logistik beflügelt, fast niemand überblickt das noch.

  12. A.Felsberger

    Wer das Streben nach “Glück“ als Antrieb des menschlichen Daseins sieht, der wird leicht in dem Hier und Heute eine Tyrannei erkennen. Herr Trögel! Das menschliche Leben ist kein Zuckerschlecken nicht und mündet nicht umsonst dort, wo kein Funken “Glück” mehr existiert. Erster Grundfehler aller Utilitaristen: Die Ignoranz des tatsächlichen Leidens, das das Menschsein ausmacht. Wir wurden nicht “in die Welt geworfen” um glücklich zu sein, sondern um das Dasein zu ertragen. Der “Stein des Sisyphos” ist das Sinnbild der menschlichen Existenz, das Hinaufrollen der Last von in der Früh bis am Abend, und jeden Tag aufs Neue, mit dem von aussen auferlegten Ziel sich mit diesem Leiden zu versöhnen. Daraus folgt unmittelbar der zweite Grundfehler aller Utilitaristen: Die Überhöhung des Selbst. “Verwöhnte Kinder”, das ist der wahre Ausgangspunkt dieses Denkens, “junge Herren”, die allzeit zu nehmen bereit sind, aber niemals zu geben. Nicht einen Funken Respekt dem Leiden gegenüber, blind gegenüber allem, was schmerzt, die eigene Schönheit und Unfehlbarkeit vor Augen, so marschiert der brave Utilitarist durch die Welt. Die unverschämte und penetrante Zurschaustellung der eigenen Wünsche ist bloss die äussere Form dieses Denkens. Das mündet dann, drittens, in dem Konzept des “Einzelnen”, so als ob das Leben nur aus einem Atom bestünde und nicht aus Masse. Was dem Utilitaristen heilig ist, der “vereinzelte Einzelne”, ist eine Täuschung, die seinem Dasein als “junger Herr” entspringt. Bevor sich daher weiter über die Welt zu beschweren, lieber Herr Trögel, beginnen sie mal die eigenen Ausgangspunkte ihres Denkens zu überdenken. Das wäre um vieles fruchtbarer als Klagen, die als einzigen Adressat den “lieben Gott” haben. Was wünschen sie sich von dieser Welt? Ein Paradies? Entschuldigung, wie konnte ich das vergessen…….

    PS. Was die “Demokratie” im engeren Sinne betrifft, so ist sie unmittelbar an den Aufstieg der Masse gebunden. Es gibt daher Null Sinn die Mängel der Demokratie aus der Dummheit der Masse erschliessen zu wollen, weil das eine das andere bedingt. Oder, um einen Vergleich zu wählen: Sie beklagen sich darüber, dass 1+1 = 2 ist. Dass Sie, Herr Trögel, sich dieser Masse ganz offensichtlich nicht fügen können oder wollen, ist ihr ganz persönliches Problem und durch keine theoretische Analyse zu erschliessen. Sie haben selbst dieses Problem in in die Welt gesetzt, und Sie werden auch selbst damit umgehen lernen müssen. Ein anderer, der den “Einzelnen” in dieser Form gar nicht kennt, der sich selbst nicht so wichtig nmmt, hat dieses Problem nicht. Sagen wir es simpel: Das ganze liberale Gequatsche ist ein Fall für einen Kinderarzt. Man nennt es auch: Adoleszenz.

    Trotzdem liebe Grüsse
    Alfred Felsberger

  13. Fragolin

    Schöne Predigt, Herr Felsberger, aber jemand der sich in die Welt geworfen wähnt um das Dasein zu ertragen, sollte es auch ertragen können, dass es Mitmenschen gibt die nicht gerne regiert werden, ihre höchste Zufriedenheit nicht daraus ableiten, sich in ein Kollektiv zu fügen und nach persönlichem Glück suchen, ohne ihnen einen Arzt zu empfehlen.
    Mit Ihrer Verurteilung des Utilitarismus, dessen Streben dem Wohlergehen von Menschen gilt, lehnen Sie jegliches Streben nach Wohlergehen und persönlichem Glück ab. Eine arme leidende Seele, die sich durch das irdische Jammertal schleppt und Glück im Ertragen des Leidens findet, geißelt Utilitaristen als verwöhnte Kinder und umschreibt sie als Egozentriker.
    Ehrlich, das hat was!

  14. Carsten Thöne

    Da der Mensch von Natur aus Faul ist,……………wird in einer Demokratie,irgendwann der übergewichtige,bewegungslose Taugenichts,…….über die kräftigen und Systemrellevanten Menschen Herrschen,…………….

    So ähnlich schrieb Aristoteles schon vor einigen tausend Jahren……

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