Das Ende der “Sozialistischen Internationale”

Von | 19. Mai 2013

(ANDREAS UNTERBERGER) Das ist im Grund die schönste Nachricht des Jahrzehnts: Die Sozialistische Internationale wird zu Grabe getragen.
Die SPD als größter Geldgeber kürzt ihre Gaben an die SI auf ein Zwanzigstel. Die an ihren Rockschößen hängenden Parteien wie die SPÖ tun Ähnliches. Schwer korrupte SI-Funktionäre, skandalöse Mitglieder wie die früheren ägyptischen oder tunesischen Regierungsparteien und eine völlige inhaltliche Leere haben diesen Schritt ausgelöst.

Das alles heißt nichts anderes als: Der Sozialismus ist tot! Das hat in Wahrheit Dimensionen, wie wenn die katholische Kirche keinen Papst mehr wählen würde. Oder wenn sich alle Mafia-Bosse der Polizei stellen wollten.

Ein kleiner Schritt, der ein großer für die Menschheit ist. Das ist schon mehr als ein herzliches Hurra wert.

Jetzt gründen einige dieser bisherigen S-Parteien halt ein neues Vereinchen mit dem Adjektiv „progressiv“. Nun denn: Sie haben ja in den letzten Jahren den schleichenden Tod des Sozialismus schon mit etlichen Adjektiven übertünchen wollen, wie „sozialdemokratisch“ oder „liberal“ (letzteres war ein besonders frecher Diebstahl, aber die Sozialisten werden es wohl als Mundraub in höchster Not gesehen haben).

Die Linken haben jedoch ihr eigentliches Problem wohl noch immer nicht begriffen: Sie haben keine historische Rolle mehr. Ihr Identitätsmerkmal der letzten Jahrzehnte – ständig unter der Parole des die gesamte Zukunft verkaufenden Wohlfahrtsstaates immer noch mehr Schulden zu machen – ist endgültig am Ende. Geistig wie ökonomisch. So wie es vorher Verstaatlichungen, Enteignungen, Gewerkschaftsbewegung, Kampf gegen die Kirche und Liquidierungen der Leistungsträger als Signale des Sozialismus waren. Auch der Internationalismus ist schon lange verblichen, waren die Überreste des Sozialismus doch zuletzt fast überall die eines sehr nationalen Sozialismus.

Köstlich nur, wie die Funktionärsschicht, also die einzige Gruppe der Profiteure des Wohlfahrtssystems, jetzt verzweifelt nach neuen Orientierungen sucht. Grünismus? Caritas-kommunistisch? Unpolitisch? Vom Erdboden verschwunden sind sie ja nicht. Denn Populismus ist unsterblich. (Tagebuch)

8 Gedanken zu „Das Ende der “Sozialistischen Internationale”

  1. Wettbewerber

    Nicht so schnell. Während die Linken intellektuell spätestens seit 1989 am Ende sind, haben sie den “schleichenden Sozialismus” seitdem noch verstärkt und ziemlich erfolgreich. Der immer noch wuchernde Regulierungswahn in immer mehr Bereichen (siehe z.B. neuestes Olivenöl-Verbot in Restaurants) zeigt uns auch, dass die mit ihnen immer noch koalierenden “bürgerlichen Rechten” mehr und mehr deren Ideologie übernommen haben.

    Ein britisch-kanadischer Philosoph hat einmal gemeint “Tribe over Truth”. Links zu sein oder zumindest links zu wählen ist ja um so vieles “cooler” als bürgerlich-rechts. Man ist ja soo sozial, weil alle abgesichert sein sollen, der Anspruch auf eine eigene Wohnung, PC, Internet-Anschluss und vor allem ein großer LCD-Fernseher gehören längst sowieso in den Rang eines allgemeinen Menschenrechtes. Tribe over truth: Sie wollen nicht nachdenken über die verheerenden Auswirkungen ihrer gutmenschlichen Weltanschauungen. Sie gefällt ihnen einfach zu gut. Die schlechte Botschaft wird dann zunächst ignoriert, wenn sie lauter wird, lächerlich gemacht und schließlich aufs heftigste angegriffen.

    Erst wenn gegen Leute wie uns offen zum “Angriff” geblasen wird, wird sich das Blatt wenden.

  2. norbert bender

    Ist wohl Satire oder Wunschdenken?
    Wo doch schon die ÖVP eine linke Expositur der SPÖ ist.

  3. gms

    Die These, die Linke hätte “ihr eigentliches Problem wohl immer noch nicht begriffen”, ist eine ewige und fatale Unterschätzung. Das mangelnde Wissen um das Mindset der Linken, deren Ziele und dafür eingesetzten Mittel, ist zugleich Hauptursache für die Schwäche liberaler und bürgerlicher Bewegungen.

    In den 70ern schon erläuterte der damalige Chefideologe der SPÖ, mit Bezugnahme auf diverse linke Denker, was geschehen müsse, wenn mangels evidenter Probleme der Eindruck entstünde, die Linke hätte ihre Ziele erreicht.
    Die Sozialisten werden nicht eher ruhen, bevor die Gesellschaft nicht vollständig und unumkehrbar nach ihren utopischen(!) Vorstellungen umgebaut wäre. Wie es gehen soll:
    “Vortrag von Heinz Fischer – Theorie – Ideologie – Politische Praxis”
    http://www.mediathek.at/atom/01572230-295-0020A-00000BAC-01563965
    (Anm.: Ein besonderer Höhepunkt folgt ab Minute 24 des Referates.)

  4. Rennziege

    @gms
    Danke für diesen Link, der die Motive dieser immer noch nach dem Hainburger Manifest (Premiere für mich, aber jüngst gelesen) operierenden Kommunisten entlarvt — ein wesentlicher Grund dafür, dass die KPÖ bis auf die ersten Nachkriegsjahre stets marginal blieb; denn diese SPÖ war links nie und nimmer zu überholen. Entlarvend auch dadurch, dass Heinz Fischer flächendeckend “sozialistische Partei”, “sozialistische Ideologie”, “sozialistische Ziele” sagt.

    Das war halt kurz vor Bruno Kreisky, der den Genossen und dem Namen der Partei das Mäntelchen “demokratisch” umhängte. Was an den langfristigen marxistischen Intentionen nichts änderte, die heute ungeniert umgesetzt werden. Leider mit Hilfe einer am Futtertrog vor dem Verhungern zitternden ÖVP.

  5. Mourawetz

    Moment. Soll das heißen, nur weil die Deutschen nicht mehr mitmachen, löst sich die SI in Luft auf? Mit dieser Vorlage tun sich Chancen in ungeahnter Höhe auf, was z.B. den Euro betrifft auf. Wie schön wäre doch die Welt, wenn die Deutschen nur einfach konsequent nicht überall mitmachen würden! Problem gelöst.

  6. aaaaaaa

    @Mourawetz

    Bei vielen solchen Dingen sind die Deutschen einfach die zahlenden, während andere Länder mehr nehmen als einzahlen. Das ist mit der EU gar nicht mal neu. Sobald Deutschland nicht mehr zahlt, fehlt das Geld.

    Selbst die katholische Weltkirche wäre ohne deutsche Kirchensteuerkungelei weit ärmer. In den meisten Ländern gibt es sowas nicht, ganz abgesehen davon, dass die meisten katholischen Länder deutlich ärmer sind.

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