Das Gefühl des Sprachverfalls trügt nicht

“….Das Institut für Deutsche Sprache befasste sich auf seiner Jahrestagung mit dem Sprachwandel. Die Wissenschaftler fasziniert Veränderung, für den Normalbürger jedoch bedeutet sie einen Verlust…”(“Welt”)

7 comments

  1. Nattl

    Warum Verlust? Dass sich die Sprache ändert, liegt in der Natur des Menschen. Das war immer schon so, sonst würden wir ja alle noch mittelhochdeutsch oder noch schlimmeres sprechen. Wer sich wegen so etwas aufregt, der betrauert in Wirklichkeit, dass die Zeit vergeht und nicht stillsteht.

  2. Mona Rieboldt

    @Nattl

    *lach* Was ist denn “noch Schlimmeres”?
    Natürlich verändert sich Sprache laufend. Ausländische Lektoren beispielsweise sollen nicht länger als fünf Jahre aus ihrem Land sein. So war es jedenfalls an der Uni.
    Ich habe in USA deutsche Frauen erlebt, die schon lange dort leben. Sie haben ein Deutsch konserviert, das man in D schon länger nicht mehr sprach.

  3. Spruance

    Natürlich ändert sich eine Sprache ständig! Aber wer mit dem heutigen ausdrucksarmen Gestammel leben muß, erschließt sich nicht, worin die Wendung zum Besseren bestehen soll.

  4. Reinhard

    @Spruance
    Es gab eine Zeit, da sprach der Pöbel sein primitives Kauderwelsch und der Hochadel seine gezierte Hochsprache.
    Mit der Erfindung des Schulsystems kam eine Zeit, als der Adel dem einfachen Volk das Hochdeutsch beibrachte und Kinder unter Strafe dazu zwang, diese Sprache zu beherrschen (unser Schulsystem wurde von deutschen Fürsten eingeführt und nicht von sozialistischen Experten, auch wenn diese das gern unterschlagen). Damals entstand erst eine einheitliche deutsche Schriftsprache, dank Herrn Duden und Co.
    Heute, in der Zeit der Zerschlagung des Schulsystems durch eine Generation schultraumatisierter Versager und eben jener vorgenannten sozialistischen Experten fallen wir wieder in den mittelalterlichen Zustand zurück – eine aussterbende Elite spricht Hochsprache, die nachwachsende primitivisierte Plebs kauderwelscht wieder ihr primitives Gestammel voller verdrehter Anglizismen und sinnfreier SMS-Kürzel. Die Lehrer dürfen Kinder nicht mehr dazu anhalten, Schriftsprache zu sprechen, ja nicht einmal, schreiben und lesen zu lernen.
    Das Ergebnis ist eines von vielen Indizien der letzten Jahre, dass wir auf dem Weg in eine neue primitive, mittelalterliche Zivilisation sind. Im Zyklus kulturellen Aufstiegs und Verfalls sind wir am absteigenden Ast angekommen und konsequent abwärts unterwegs…

  5. Thomas Holzer

    @Reinhard
    Erlaube mir, eine kleine Korrektur anzubringen: Ganz so primitiv war die mittelalterliche Zivilisation aber nicht!

  6. Rennziege

    Zweite Korrektur zu Reinhard:
    Die erste im ganzen deutschen Sprachraum verständliche Sprache schuf Martin Luther durch seine begnadete Bibelübersetzung, die schon im 16. Jahrhundert angenommen wurde und auch heute noch im Original sehr lesbar und verständlich ist: so logisch, rhythmisch und melodisch wie ein guter Songtext.
    Sogar ein ordinärer Rüpel und Mafioso wie der unsägliche Bushido weiß das.

  7. Reinhard

    @Thomas Holzer
    Im Vergleich zu heute schon, denn ich darf nicht nur die hinter den Mauern der Macht emporwachsenden Wissenschaften und Künste betrachten, sondern muss auch den vom Von-der-Hand-in-den-Mund-lebenden Bauern sehen. Die damals herrschenden Niveauunterschiede wurden durch das Einführen des flächendeckenden Landschulsystems verkleinert und bis vor wenigen Jahren fast ausgerottet. Inzwischen sorgt die “reformierte” Schule für ein Wiederaufklaffen dieser Schere.

    @Rennziege
    Danke für Ihre Korrektur, aber ich meinte nicht eine im ganzen deutschen Sprachraum verständliche Sprache sondern eine vereinheitlichte, also strengen Regeln der Rechtschreibung unterworfene Schrift. Das war wohl meinerseits zu unklar formuliert.

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