Das Geheimnis der verschwundenen Zinsen

Von | 19. Juli 2016

“….Dass derzeit die Marktzinsen niedrig sind, mag man zunächst auf geringe Wachstums- und Inflationserwartungen zurückführen. Doch entscheidend ist etwas anderes: und das sind die Zinsmarktmanipulationen der Zentralbanken.

Man nehme nur einmal die Europäische Zentralbank (EZB). Sie kauft Staatsanleihen. Dadurch fällt die Nachfrage nach Anleihen logischerweise höher aus im Vergleich mit einer Situation, in der sie keine Anleihen aufkauft. Steigende Anleihekurse bedeuten, dass die Renditen fallen.

Die Zentralbank kann die Rendite der Anleihen quasi auf die Nachkommastelle festlegen. Wenn sie beispielsweise als Käufer einer Anleihe auftritt und einen Kaufpreis von 100 Euro bietet, wird der Marktkurs der Anleihe sich bei 100 Euro einstellen…. (hier)

2 Gedanken zu „Das Geheimnis der verschwundenen Zinsen

  1. gms

    Geld, oder genauer gesagt jenes, was heute unter dieser Bezeichung im Umlauf ist, wurde inzwischen zu einem Ungut, einem Schadstoff, den man loswerden möchte. Kann angreifbares Papiergeld bloß auf seinen Materialwert zurückfallen, hat elektronisches Fiatmoney bereits die nächste Evolutionsstufe erlangt.

    Geldsozialisten erklären dies mit der sogannten “Sparschwemme”, es gäbe — verkürzt gesprochen, zuviele Währungseinheiten, denen analog ein Mangel sinnvoller Verwendung gegenüberstünde. Schließt man sich dieser Arbeitshypothese an, stellt sich die Anschlußfrage, weshalb angesichts dessen Geldsozialsten ausgerechnet noch mehr Währungseinheiten generieren und diese regelrecht gewaltsam in den Markt quetschen.

    Besagtes Pumpen-als-gäbe-kein-Morgen erklären “Hüter” des Geldes postwendend mit dem Ernst der Lage, die so verzweifelt sei, daß einzig verrücktes Verhalten die Ökonomie wieder zum Rundlauf bringen würden.

    Was macht der Markt? — Er sieht sich konfrontiert mit Gottspielern, die ihn förmlich anbrüllen, der Karren sei derart verfahren, wonach nur noch das Absurde helfen könne. Dergestalt unverblümt über zukünftige Aussichten motiviert, nimmt der Markt das Geld und betreibt damit das einzig Sinnvolle: Es erfolgen eben keine potentiell riskanten Unternehmungen, sondern allein Verschiebungen von Vermögen und damit einhergehenden Anpassungen der Preisschilder.

    Wer heute mit billigem Geld als Unternehmen eigene Aktien rückkaufen kann, wäre als Finanzchef sein Gehalt nicht wert, würde er das nicht tun. Dasselbe gälte für CFOs, die im Ausland geparkte Gewinne zuhause mit zu 35% versteuern, bevor sie das Verbleibende als Eigenkapital an Aktionäre ausschütten. Die Alternative ist die Aufnahme einer Anleihe mit nahezu Nullzins und eine partielle Weitergabe davon an die Eigentümer.

    Wozu ein Risiko eingehen, wenn man tatsächlich Wertvolles auch auf Kredit erwerben kann, dessen Rückzahlung ohne Mehraufwand erfolgt und zugleich durch das Angekaufte gedeckt ist? Brenzlich wird diese Strategie gegen Ende hin, wenn die Illusionen aufgedeckt und Preisschilder wieder in die Gegenrichtung angepaßt werden, auf gut Deutsch die Blase platzt. Wer aber nahe am Notausgang sitzt, wenn die Panik ausbricht, kann auch dem entspannt entgegensehen.

    Einige Wenige kamen noch jedesmal aus diesen vorhersagbaren gigantischen Kollapsen besser heraus, als vor sie dastanden, bevor die Musik des billigen Geldes zu spielen begann. Seit es Zentralbanken gibt, beschränken Booms und Busts sich nicht bloß auf exotische Produkte oder verlaufen geographisch kleinräumig; sie erfassen Kontinente oder gar die gesamt Welt.
    Der gewaltige Crash kam noch jedesmal, die breite Masse und Firmen unterhalb der Schwelle zum global Player bluteten, während andere die Scherben einsammelten, ihren Wohlstand vergrößerten und mit der Politik unisono schworen, dies dürfe niemals wieder passieren, aufdaß man gemeinsam die Weichen für den späteren noch größeren Orkan stellte, der dann tatsächlich eintrat und einmal mehr die bekannten Sieger vom Platz gehen ließ. Same procedure as every decade.

    Fiatmoney führt zur Konzentration durch erzwungene Umverteilung nach oben. Naiv ist die Vorstellung, hierbei würden Akteure in den Zentralbanken zwar wie besoffene Seehunde einen mehrfach geknickten, turmhohen Stab auf der Nase balancieren, was allein schon anmaßender Wahnsinn ist, dabei aber doch redlich in bester Absicht agieren. Diese Leute kennen den Unterschied zwischen echtem Geld und dessen Illusion, sie sind definitiv nicht jene Vollkoffer, die ihre eigenen dialektischen Sprüche glauben, mit denen sie medienwirksam ihre tatsächlichen blutlosen Raubzüge begründen.

  2. Thomas F.

    Die Marktzinsen sind niedrig, weil sie eben nicht der Markt macht, sondern die Planwirtschafter sie beschließen.

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