Das Hillary-Risiko

(JÜRGEN POCK) Aller guten Dinge sind drei: Die mit Überreiztheit und einer Brise Zweckoptimismus erwartete dritte und letzte TV-Konfrontation zwischen den beiden US-Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Hillary Clinton ist vor kurzem über die Bühne gegangen. Die kulturpessimistischen Abgesänge und stilkritischen Zwischenrufe haben nicht lange auf sich warten lassen. Die Mainstream-Kommentatoren steigern das herbeigeschriebene Katastrophenpotential Trumps ins Unermessliche, der Anti-Trump-Chor stimmt indes schadenfroh-vergnügt den Abgesang auf den Republikaner an.
Die veröffentlichte Meinung sieht Clinton schon als Siegerin, die Wall Street, ihr Elitenetzwerk, ihre treue Armee an Korrekten und Kultivierten, an Gut- und Bessermenschen, atmet auf. Das skurrile Schreckgespenst  Trump scheint gebannt. Die Umfragen erwecken den Eindruck, das Gute, das Zivilisierte, verkörpert durch die Demokratin, habe die Welt vor Trump und seiner Masse an Minderbemittelten gerettet, den Umsturz durch die Ungebildeten im letzten Augenblick verhindern können. Clintons einzige Vorteile liegen darin, dass Trump noch etwas unbeliebter ist als sie und ihre Fülle an Lügen und eklatanten politischen Fehltritten vom Washingtoner Establishment zugedeckt wird.
Und davon gab es bis dato zur Genüge. Man denke an die miserable Bilanz als Außenministerin in den Jahren 2009 bis 2013, an die nahöstlichen Trümmerfelder in Syrien, Irak, Ägypten, Türkei und Iran, die sie hinterlassen hat. 2011 unterstützte Clinton die antiwestliche Muslimbruderschaft in Ägypten, um nach deren Wahlsieg die Zerschlagung des säkularen Staates aus der Ferne zu beobachten. 2012 hat sich Clinton im Gefolge Obamas für dessen Wiederwahl stark gemacht und sämtliche US-Truppen aus dem Irak abgezogen. Trumps Vorwurf, sie habe ein Machtvakuum zurückgelassen, welches den Aufstieg des Islamischen Staates begünstigt hat, ist nur folgerichtig.

Clintons unerhört außenpolitische Inkompetenz kumulierte  zweifellos in Libyen. Sie wollte Gaddafis Sturz mit Bomben erzwingen. Der Diktator wurde schließlich getötet, es folgte der Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi, dem unter anderem der Botschafter zum Opfer fiel. Schuld waren laut Außenministerin andere. Sie kam davon. Der Bengasi-Sonderausschuss sorgte dafür. 17 Monate und 4,5 Millionen Dollar Steuergeld später.
Clintons Machtbegierde schreckt nicht vor Manipulation zurück. So unterhielt sie als Außenministerin einen privaten Server für ihre beruflichen Mails und schuf  ein massives Sicherheitsrisiko. Als diese Verfehlung ans Licht kam, ließ sie 30.000 Mails vernichten, es wurde ein U-Ausschuss einberufen, ihre politische Karriere hing am seidenen Faden. Dachte man, Doch Überraschung: das FBI verzichtete auf eine Anklage. Ein politischer Kuhhandel mit dem Außenministerium ließ Clinton ungescholten davonkommen. Erneut.
Angetrieben von der Besessenheit, die erste Frau im Weißen Haus zu werden, fallen regelmäßig ihre Masken. Im Wahlkampf gibt sie sich als Feministin, einst ließ die die außerehelichen Affären ihres Ehemannes verfolgen und denunzieren. Jetzt verkauft sie sich als Retterin des Mittelstandes, 2014 sprach sie vor Goldman Sachs-Mitarbeitern über ihre Reichtümer. Die Aussicht auf Macht heiligt all ihre Mittel. Clintons USP gegenüber Trump sei ihr politisches Know-how, so die Unterstützer. Erfahrung, die es ihr ermöglicht, das unübersehbare Chaos ihrer Misswirtschaft zu verhüllen, um den von Trump geblasenen Angriff auf die Elite noch einmal abzuwehren. Unter normalen Umständen hätten die Auswirkungen ihrer verantwortungslosen Politik längst sämtliche Karrieretüren für immer verriegeln müssen.

13 comments

  1. Fragolin

    Ein polternder Elefant im politisch korrekten Porzellanladen gegen die aalglatte kriegstreibende Lobbyistin der Rüstungsindustrie – die Wahl zwischen Choleriker und Pestilenz scheint auf letztere zu fallen.
    Worüber sich man da noch freuen kann, erschließt sich mir nicht.

  2. Mona Rieboldt

    Man kann nur hoffen, dass Clinton nicht Präsidentin wird. Eine alte Schachtel in USA und eine verrückte Frau in Deutschland, schlimmer geht es nicht mehr. Trump wird als Präsident nicht mehr so reden wie im Wahlkampf. Gegen ihn wird halt heute genau so gehetzt wie seinerzeit gegen Reagan.

  3. Selbstdenker

    Vielen Dank für diesen längst überfälligen Beitrag und die Kommentare!

    Hillary Clinton ist eine totale Katastrophe; sie ist durch und durch machtbesessen. Alle jenen, die über eine erste Frau im Präsidentenamt jubeln, sollte klar sein, dass sie der Architektin der Katastrophen im Nahen Osten, Nordafrika und demnächst Europa zujubeln.

    Für diese Leute wäre vermutlich sogar Hitler rehabilitiert, wenn er sich einer Geschlechtsumwandlung unterzogen hätte.

    Die Medien legen jedes Wort von Trump auf die Goldwage, während sie sämtliche Untaten der Clintons vertuschen.

    PS: Trump war übrigens ein Gegner vom Irak-Krieg.

  4. Carullus

    Darf man, auch als Nicht-Linker, Trump trotzdem für einen Trottel und als Präsident völlig ungeeignet halten? Clinton ist summa summarum einfach das kleinere Übel, trotz allem.

  5. Mona Rieboldt

    Selbstdenker
    Ja, es ist besonders nervig, wenn Clinton die Frauenkarte ausspielt. Sie war schon eine unfähige Außenministerin und wird auch eine unfähige Präsidentin werden, falls es zu dem Desaster kommt, dass sie gewählt wird.

    Ebenso wurde Merkel damals in den Medien bejubelt, endlich eine Frau als Bundeskanzlerin. Sie wurde völlig überschätzt bis heute. Allein ihr Machtstreben ist beeindruckend, sie hat alle, die ihr gefährlich werden konnten, vertrieben.

  6. Thomas F.

    Erst dachte ich, es geht um Trump, als ich die Überschrift las. Scheinbar geht der Autor davon aus, dass sich die Leser diesbezüglich einig sind, dass Clinton das geringere Übel ist.

  7. Christian Peter

    Donald Trump wäre die historische Chance für die USA, einer weitgehend unabhängigen Präsidentschaft nach vielen Jahrzehnten, schließlich waren alle US – Präsidenten davor lediglich Erfüllungsgehilfen der Wall Street und anderer US – Industrien. Kein Wunder, dass gegen Donald Trump eine mediale Hetzjagd unglaublichen Ausmaßes betrieben wird, nichts fürchtet das politische Establishment in den USA und Europa mehr als Politiker wie Donald Trump, die sich anschicken, eine an den Interessen der heimischen Bevölkerung orientierte und von partikularen Wirtschaftsinteressen unabhängige Politik zu betreiben.

  8. G.K.

    Ein Artikel aus dem linksliberalen Tagesanzeiger, in dem der befragte Experte bestimmt auch kein Trump-Anhänger ist:
    http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/amerika/Das-fuehrt-an-die-Schwelle-des-dritten-Weltkriegs/story/30530545

    @Carullus: wer das kleinere Übel wäre, werden wir nie erfahren, denn es ist kein Paralellslalom, nur der/die eine wird gewählt und anschliessend als Präsident(in) antreten. Höchstwahrscheinlich wird Clinton Präsidentin und es wird hier in Europa sehr gefährlich. Aber es gibt bestimmt bereits solche hier in Europa, Politiker und einfache Bürger, die schon soweit sind, dass sie einen ‘heiligen Krieg’ gegen Putin auch dann für richtig halten werden, wenn wir hier draufgehen, ob tot oder nur verstrahlt, oder gar nur in Elend und Hunger zurückgeworfen, denn die heutige weltweit vernetzte Wirtschaft kollabiert nicht nur nach dem ersten Schuss sondern vor allem nach dem Ausfall des Internets (wofür die Russen absolut sicher sorgen werden). Breschnew begegneten die damaligen Politiker, auch US-Präsidenten, zunehmend mit Verhandlungen, Zurückhaltung, Deeskalation und Abrüstung. Inzwischen sind wir politisch und militärisch schwächer geworden und je gefährlicher Putin ist, umso schneller und leichter wird es zum Krieg kommen und umso mehr werden wir verlieren. Dies habe ich noch ausführlicher – im Kontext des Artikels, d.h. des Stefan Zweig Zitats – hier beschrieben:
    https://www.ortneronline.at/?p=43152#comments

  9. mariuslupus

    Das ganze sogenannte progressive Establishment in den USA ist nicht bereit und fähig, Donald Trump zuzuhören. In diesen “progressiven Kreisen”, herrscht Angst vor dem Verlust ihrer Privilegien, sollte Trump gewählt werden. Die erneute Clinton-Administration würde die erworbenen Pfründe garantieren.
    Clinton beschreitet konsequent den Merkel Weg. Clinton behauptet sie ist eine Demokratin, ihr Programm ist , sozialistisch. Clinton hat, ganz wie Merkel in verschiedenen Betätigungsbereichen, konsequent ihre Unfähigkeit bewiesen. Clinton ist genau wie Merkel in der Lage zu lügen und die Lügen, mit moralisierenden Argumenten zu rechtfertigen. Clinton schreckt genauso wie Merkel nicht vor Anschwärzung ihrer Gegner mit Unterstellungen und Unwahrheiten. Clinton hat deutlich gezeigt wozu die Linke in der Lage ist, wenn sie um die Macht kämpfen muss. Clinton ist es gelungen das Erinnerungsvermögen von einigen Frauen aufzufrischen, die bereit waren, über gewisse Avancen von Donald Trump vor ettlichen Jahren, vor der Kamera herzzerreisend zu berichten.
    Diese Wahl wird zeigen ob die USA noch immer ein Land of the free, ist oder ob der sozialistische Zersetzungsprozess unumkehrbar ist. Eins is sicher, auf die ersten vier jahre Clinton, werden weitere vier Jahre Clinton folgen.

  10. waldsee

    @ mona rieboldt merkel und clinton :
    beide werden eine suppe kochen,die wir dann auslöffeln müssen.
    eine hat schon angefangen mit dem kochen.

  11. Monostatos

    Ich habe noch selten einen so faktisch falschen und derartig unsinnigen Artikel wie diesen gelesen.

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