Das Märchen von den Klimaschulden

Von | 20. November 2021

(Christian Ortner/WZ) Hat das, was wir gemeinhin die westliche Welt nennen, eine Art historische Klimaschuld auf sich geladen, die es nun abzutragen gilt, indem der Westen die Hauptlast – in finanzieller, aber auch technologischer Hinsicht – trägt, wenn es in den nächsten Jahrzehnten darum geht, den globalen CO2-Ausstoß zu reduzieren? Das klingt zwar irgendwie arg an den Haaren herbeigezogen, wird aber vor allem von Vertretern der erst jüngst industrialisierten Staaten immer öfter vorgetragen und von der hiesigen Klimaschutzbewegung gerne aufgegriffen.

Rein numerisch ist das Argument durchaus valide. Nimmt man die Zeit seit Beginn der Industrialisierung her, haben Staaten wie die USA oder auch Europa in Summe – und das ist der Punkt: in Summe – viel mehr klimaschädliche Abgase emittiert als etwa China, das heute in dieser Disziplin führend ist. Daraus kann man natürlich, wiederum rein rechnerisch, den Schluss ziehen, der Westen müsse sich noch viel stärker einschränken, während die neu industrialisierten Staaten noch einiges an CO2 emittieren dürften, bevor alle gleich viel (oder gleich wenig) zu diesem Problem beigetragen haben.
Für all jene im Westen, die den Klimawandel als Vorwand nehmen, eine Unkultur der Entsagung, des Konsumverzicht und der Verbote zu etablieren, ist das natürlich ein gefundenes Fressen. Wenn der Westen diese Klimaschuld wirklich hat, lässt sich das alles viel leichter durchsetzen.

Bei gesamthafter Betrachtung fällt dies freilich in sich zusammen wie ein lauer Herbstnachmittag bei Ankunft eines Nordsee-Tiefs. Denn dieser Vorwurf lässt völlig außen vor, dass die Industrialisierung des Westens zwar möglicherweise schädlich fürs Klima war, auf der anderen Seite aber das Fundament für den wachsenden Wohlstand im Rest der Welt bildete. Ohne diese Industrialisierung gäbe es nämlich all jene Errungenschaften der Zivilisation nicht, von denen bis heute die ganze Welt profitiert, von Pharmazeutika über moderne Verkehrsmittel bis hin zur Versorgung mit Strom und Information.

Würde man der absurden Logik jener folgen, die eine Klimaschuld des Westens behaupten, könnte man in einer Gegenrechnung eine Industrialisierungsschuld der nicht-westlichen Welt behaupten. Das wäre zwar genauso bizarr, in dieser Denkweise aber durchaus konsistent.

Erstaunlich wenig Beachtung findet in der aktuellen Klimadebatte hingegen ein anderes Ungleichgewicht zwischen dem Westen und weniger entwickelten Teilen der Welt: die dortige ungebremste Bevölkerungsexplosion und deren langfristige Folgen für den Klimawandel. Denn dass viel mehr Menschen viel mehr CO2 emittieren, ist trivial; ganz besonders dann, wenn diese Menschen irgendwann genauso komfortabel wie jene im Westen leben wollen, was ja wohl ihr gutes Recht ist. Würde es gelingen, etwa in Afrika zwar den Wohlstand anzuheben, aber gleichzeitig auch das Bevölkerungswachstum so effizient zu bremsen, wie das in China gelungen ist, wäre das ein substanzieller Beitrag zum Klimaschutz – und gleichzeitig zur nachhaltigen Entwicklung des Schwarzen Kontinentes.

4 Gedanken zu „Das Märchen von den Klimaschulden

  1. Hans Stockmayr

    Wenn es irgendwo Geld gibt, schreien natürlich viele “Hier!” In den weniger entwickelten Ländern Afrikas oder Asiens fehlt es aber nicht an Geld, sondern an effektiven, effizienten, nicht-korrupten Regierungen. Nigeria, der Kongo und die meisten anderen Staaten in Afrika sind mit Rohstoffen, inkl. landwirtschaftlich nutzbarem Land, geradezu gesegnet. Allerdings sind allein in Nigeria und Südafrika hunderte Milliarden (!) Dollar von den Mächtigen gestohlen worden. Länder wie Zimbabwe, die vor 30 bis 40 Jahren Lebensmittel und Tabak exportierten und mit den Viktoriafällen und Wildtierbeständen erstklassiges Potential für Tourismus hätten, sind von unfähigen und diebischen Führern ausgeplündert worden und nun bankrotte Hilfsempfänger. Weiter im Norden marodieren terroristische Islamisten durch die Lande. Ich weiß auch nicht, wie man die Probleme alle lösen könnte. Sicher aber nicht durch Geldüberweisungen an ebendie Regierungen.

  2. Johannes

    Für Afrikas Rückständigkeit ist niemand anders verantwortlich als Afrika selbst.
    Die Staatsführer und ihr Hofstaat führen in den meisten afrikanischen Ländern ein luxuriöses Leben das mit den Einkommen von Politikern in Europa nicht zu vergleichen ist, eher mit Königen des europäischen Mittelalters.

    Entwicklungsgelder verpuffen weil auch von der Masse der Bevölkerung außer großer Fortpflanzungsanstrengungen wenig anderes zu kommen scheint.

    Ich kenne ein paar Menschen die in Afrika helfen wollen und tätig sind, interessant das diese Menschen ein vollkommen anderes Bild von Afrika und seinen Menschen haben als es der Mainstream hier in Europa vermitteln will.
    Diese Leute welche in Afrika alles mitbekommen sprechen meist von einer großen Gleichgültigkeit, wenig Beharrlichkeit und einer erstaunlichen Gabe zu resignieren. Ein Beispiel, eine Familie in Österreich hatte von den verstorbenen Großeltern ein Auto geerbt, alt aber wenig Kilometer am Tacho.
    Einer Verwandten welche Projekte in Afrika betreut wurde das Auto übergeben.
    Sie organisierte die Überstellung nach Afrika und kannte eine Familie mit vielen Kindern und deren Vater ohne Arbeit.
    Das Auto wurde übergeben, der Vater nutzte es als Taxi.
    Das Geschäft ging gut, …..für 4 Monate, dann wurde etwas kaputt, seither sitzt der Vater wieder den ganzen Tag herum und das Auto verrostet und wird zugewachsen.
    Der Mann kommt nicht auf die Idee eine Reperatur zu organisieren, er hat sich wieder in sein altes, untätiges Leben zurückgezogen, nicht fähig über das Geschenkte hinaus sein Schicksal in die Hand zu nehmen.
    Solche wahren Geschichten werden in Europa nicht erzählt, lieber suhlt man sich in Selbstbeschmutzung und fordert das Geld der fleißigen Menschen um irgendwelche dubiosen Schuldgefühle zu pflegen die ohne jede Berechtigung aber dafür umso erpresserischer vorangetrieben werden.

  3. Falke

    Natürlich ist die Bevölkerungsexplosion, besonders in Afrika, der Grund nicht nur für Klimaprobleme, sondern vor allem auch für die dort herrschende Armut und Arbeitslosigkeit und damit für die (illegale) Migration nach Europa. Als Lösung dafür wird ja immer wieder vorgeschlagen, deren “Ursachen” zu bekämpfen; darunter wird alles Mögliche verstanden, nur nicht die einzige Hauptursache: nämlich die demoskopische Katastrophe. Wenn man das allerdings anspricht, wird man sofort als Rassist, Rechtextremist und Fremdenfeind beschimpft. Damit ist garantiert, dass es niemals eine auch nur ansatzweise Möglichkeit für die Eindämmung der Massenmigration geben wird.

  4. GeBa

    @ Genau Johannes, jeder der jemals in einem afrikanischen Land war, dass diese Mentalität auf diesem Kontinent vorherrscht. Aber nicht nur dort, in Indien dasselbe.
    Jeder Reiseleiter wird das Gleiche sagen, geben sie keinem bettelnden Kind etwas, wenn es das Geld nachhause bringt, geht der Familienvater eben nicht arbeiten, es wird auch wieder was nachkommen.
    Diese ganzen NGOs und sonstigen Gutmenschen sind es, die den größten Schaden anrichten.

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