Das Märchen von der großen Gier – 10 Jahre Finanzkrise

(Michael HÖRL) Hätte die staatliche US-Zentralbank FED Kredite nicht um 1% Zinsen ans Volk verschleudert, es hätte keine Spekulation mit Immobilien und Aktien gegeben. Und damit auch keine Finanzkrise: Wie Sozialpolitiker seit Jahrhunderten Finanzkrisen auslösen und dafür die Schuld der Marktwirtschaft in die Schuhe schieben.

Politiker brauchen ökonomische Erfolge, um wiedergewählt zu werden. Und die zaubert man herbei, indem man entweder Schulden aufnimmt und als Sozialleistungen knapp vor Wahlen verschenkt (Europäische Sozialstaat-Methode) oder indem der Staat Geld druckt und gratis an die Geschäftsbanken verleiht, die das Land mit Billigkrediten fluten (American Way of Life).

Wie erzeuge ich eine Finanzkrise?
Tatsächlich wandert anfangs immer ein Teil des Geldes in den Konsum und lässt die Wirtschaft boomen. Übertreibt man es aber, nutzt sich das Instrument ab, weil die Leute das billige Geld vermehrt nutzen, um Anlegerimmobilien zu kaufen oder mit Aktien zu zocken.
Konsequenterweise explodieren Immobilienpreise und Aktienindizes, die Besitzenden besitzen nun mehr, die Kluft steigt an. Doch es ist Boom, und die Politiker werden wiedergewählt.

Der Kaiser ist ja nackt!
Wie beim gleichnamigen Märchen fallen irgendwann die hochspekulierten Preise auf („Der Kaiser ist ja nackt!), und dann entweicht die Luft in Form eines Crashs. Nun verlieren viele Geld und die Sozialpolitiker, die gestern noch hochgejubelt wurden, müssen heute den „Kleinen Wählern“ erklären, warum ihre Strategie des „Reicher-werdens ohne Arbeit“ gescheitert ist.

Wie vermeide ich Finanzkrisen?
Hätte der Staat die Zinsen für Kredite bei – sagen wir – 5% Zinsen belassen, wäre es zu unattraktiv gewesen, Mietimmobilien mit 3% Rendite zu kaufen (und so 2% im Jahr zu verlieren)[1]. Es hätte keinen Immobilienboom gegeben, und analog dazu auch keinen Börsenboom. Keine toxischen Wertpapiere, keine staatlichen „Deppen-Banken“ in Europa, die sie gekauft hätten.
Es hätte keine Finanzkrise gegeben – aber auch weniger Wachstum und weniger Eigentum.

Gierige Tankstellenbesitzer
So aber waren plötzlich die gierigen Privatbanken schuld, sie hätten die Welt in Spekulationsblasen getrieben.
Das ist unredlich. Stellen Sie sich vor, der Staat würde (wie in den USA) auf die Mineralölsteuer verzichten, um die Benzinkosten für Kleine Leute zu verringern. Über kurz oder lang würden sich die Menschen (wie in den USA) große SUVs kaufen und Sprit verschwenden, die Gewinne und Umsätze der Ölkonzerne würden explodieren.
Aber hätten die Tankstellenbetreiber Schuld am explodierenden Benzinumsatz? Nein – sie waren nur der Distributionskanal der staatlichen Maßnahme. Zuerst hat der Staat etwas künstlich verbilligt – dann überschwemmte es den Markt.
Das wäre beim Öl so, und so war es mit dem Billiggeld.

Finanzkrise? Politik!
An Finanzkrisen ist traditionell (fast) alles staatlich. Bei der aktuell letzten bildete Bill Clinton den Auftakt, als er im Community Reinvestment Act (1994) den US-Bankensektor das Produkt Subprime aufzwang. Unter Androhung, von staatlichen Aufträgen ausgeschlossen zu werden, mussten Privatbanken plötzlich Millionen Kredite an Menschen aus der Unterschicht vergeben (der demokratischen Kernwählerschicht). US-Notenbank-Chef Alan Greenspan (vom US-Präsidenten bestellt) senkte die Zinsen auf Kredite von 8% auf 3% (George Bush senkte sie dann auf 1%).
Für Millionen, die keinen (echten) Job ihr Eigen nennen konnten, bürgten sozialdemokratisch geführte Wohnbau-Ministerien („Federal Housing Administration“). Die staatlichen Bausparkassen ( wie Fanny Mae oder Freddy Mac) mussten Schrottkredite ohne (nennenswerte) Prüfung an- und als (staatliches) Wertpapier weiterverkaufen.
Richtig gelesen: die berüchtigt „toxischen“ Wertpapiere wie die „Mortgage Backed Securities“ hatten staatliche Emittenten!

Demokratisierung des Kredites
Die Schwemme mit dem Staatsgeld verfehlte ihre Wirkung nicht, Amerikas Mittelschicht ging shoppen und bescherte dem Land einen viel bewunderten Boom – auf Pump. „Demokratisierung des Kredites“ nannten die Demokraten dies in der Wahlwerbung – die Wahlerfolge gaben Recht. Und das billige Staatsgeld blies schon im Jahr 2000 erste Blasen auf – Stichwort „dot.com-Blase“.

Für eine „Ökonomisierung der Gesellschaft“
Auch in Europa waren es Gewerkschaften, linke Ökonomen und Publizisten wie Christian Felber, die lautstark „Zinsen runter!“ forderten. Nachdem dies die Krise verursacht hatte, schoben sie es „dem Kapitalismus“ in die Schuhe.
Wer heute über Wirtschaft spricht, hat nur ausnahmsweise einmal im BWL-Unterricht (oder gar in der Privatwirtschaft) gesessen. Wer aber nicht versteht, wie Märkte (also Menschen) ticken, der geht denen auf den Leim, die sich die Welt mit Hilfe von Komplotten zusammenreimen. Mit dem Komplott des Kapitals, der Konzernen oder der gierigen Banken.

Wenn es dem Westen nicht gelingt, seinen Lebensstandard nachhaltiger zu gestalten und Bürger ökonomisch auszubilden, dann hat er die wirklich großen Krisen noch vor sich.

 

Michael Hörl ist Wirtschaftspublizist aus Salzburg. In seinen Büchern wendet er sich gegen den „keynesianistischen“ Mainstream und klärt über die populärsten Irrtümer zu Globalisierung, Marktwirtschaft und Finanzkrisen auf – aus bürgerlicher Sicht.

Bücher zur Finanzkrise:

„Die Finanzkrise und die Gier der kleinen Leute“ (2010)
„Die Gemeinwohl-Falle“ (2012)

Aktuell: „Die Armutsindustrie“ (2018)

[1] Beispiel: Der Spekulant kauft ein Appartement um 100.000 mit einem Kredit, für den er 5% Zinsen bezahlt; macht also 5.000 Zinsen im Jahr. Wenn er durch die Vermietung 3.000 Einnahmen im Jahr erzielt, entspricht dies einer Rendite (= Ertrag : Investition x 100) von 3%. Er verliert jährlich 2.000 Euro, also 2%.

4 comments

  1. Christian Peter

    Die Zinspolitik der FED war verantwortlich für die Finanzkrise 2008 ? Diese Behauptung ist gleich absurd wie die Behauptung, die Hersteller von Waffen wären verantwortlich für Verbrechen, die mit diesen Waffen begangen werden.

  2. Christian Peter

    Nachtrag : Das Problem war nicht die Immobilienkrise als solche (diese hätte bloß regionale Auswirkungen in den USA gehabt), sondern dass der Immobilienmüll von kriminellen Banken unter tatkräftiger Unterstützung der Rating – Agenturen vielfach verbrieft und rund um den Erdball an Ahnungslose vertrieben wurde. Nur deshalb hatte die Subprime – Krise globale Auswirkungen.

  3. sokrates9

    CO@ Ergänzung: Vor allem die Deutschen, Deutsche Bank haben das begeistert gekauft! Es gibt Insiderberichte dass sich die Bankster köstlich amüsiert haben welchen Schritt die Deutsche hirnlos kauften!°

  4. Christian Peter

    @sokrates9

    Die Deutsche Bank war selbst im Verbriefungsgeschäft involviert und wurde in den USA in dieser Angelegenheit wegen Betrugs angeklagt und letztendlich zu Strafzahlungen von 14 Milliarden Dollar verurteilt. Zu den Opfern in Deutschland zählten u.a. die deutschen Landesbanken.

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