„Es gibt niemand leichtgläubigeren als die westlichen Medien“

“Irans Präsident Rohani suche bei den Wahlen Unterstützung für seinen „liberalen Kurs“, „Reformer im Iran voran“ (Spät-ZiB, 27. Feb. 2016), „Stärkung der Reformkoalition von Präsident Rohani“ (Ö1-Mittags-Journal, 28. Feb. 2016): So oder so ähnlich lautete der Tenor vieler Medienberichte der letzten Tage. Der Redakteur der Jerusalem Post Seth J. Frantzman stellte angesichts solchen Gleichklangs fest, dass es nicht die Aufgabe der Berichterstatter sei, ihre eigenen Hoffnungen wiederzugeben, sondern die Realitäten der Islamischen Republik. „Anstatt gebetsmühlenhaft das iranische Regime zu hätscheln und den falschen ‚Moderaten‘ Loblieder zu singen, ist es die Pflicht der Medien, die Wahrheit über dieses widerwärtige Regime zu sagen. Beurteilt die ‚Reformer‘ nach den Reformen, die sie durchführen“ – und diese Reformen.. (weiter hier)

10 comments

  1. Fragolin

    Die Wahrheitsmodifikationsmedien haben erst vor wenigen Tagen wundervolle Bilder aus Syrien gezeigt. Waffenruhe, einmal Bilder aus einer vom Joch des Diktators Assad befreiten Hochburg der “moderaten Rebellen” und einmal aus einer “von der Armee des syrischen Machthabers kontrollierten” Stadt. Einmal eine Straße, gesäumt von dumpf vor sich hinhockenden Eingewickelten mit der MPi auf den Knien und einige dahinhuschende Wanderzelte, unter denen sich vermutlich Frauen befinden und einmal eine Straße, auf der Männer und Frauen, normal gekleidet und letztere mit offenen Haaren und engen Jeans, flanieren. Soo, und jetzt mal raten, wer die “moderaten Rebellen” sind und wer die vom “Machthaber kontrollierten” Leute…

  2. Rennziege

    Die vorgeblich moderaten Mullahs des Irans spielen dieselbe Karte wie Recep Tayyip Erdoğan, um einheimisches und internationales Ansehen zu erschleichen. Sobald an der Macht, lassen sie die die Masken fallen und zementieren den kämpferischen Islam als Staatsreligion. Der ach so kuschelweiche Hassan Rouhani (حسن روحانی) kopiert nur Erdoğans erfolgreiches Rezept.
    Obama und die meisten EU-Nonvaleurs sind schon drauf reingefallen, vermutlich nicht ohne Hintergedanken. Weitere werden folgen, nur das UK, das seine Mufti-Pappenheimer seit mindestens einem Jahrhundert innig kennt, wird sich hüten — sofern David Cameron* in seiner EUphorie seinen Wahlsieg nicht torpediert.

    *Manche britischen Medien buchstabieren Cameron gelegentlich schon als “Camoron”. (Moron = Volltrottel.)

  3. Christian Weiss

    Es soll ja auch Leute geben, die finden es völlig in Ordnung, wenn der Iran zur Atommacht wird. “Die anderen haben ja auch Atomwaffen.” Oftmals die gleichen Tröten, die finden, mündige Bürger sollten keine Waffen erwerben dürfen.

  4. Fragolin

    „Es gibt niemand leichtgläubigeren als die westlichen Medien“
    Doch.
    Ihre Konsumenten.
    Aber es werden immer weniger (zum Glück).

  5. gms

    „Es gibt niemand leichtgläubigeren als die westlichen Medien“

    Diese Betrachtung unterstellt Naivität, von der eingedenk des Einflusses auf Mainstream-Medien durch Plutokraten definitiv nicht auszugehen ist. Daß über nur sieben global agierende Medienkonzerne, zu denen Bertelsmann explizit hinzugezählt wird, fast vollständig jeder westliche Medienkonsument erreicht werden kann, hält bereits das Handbuch der USA für ‘unconventional warfare’ von 2008 fest. (‘together control more than 90 percent of the media market in western countries’)[1].
    Daher verwundert auch die Tatsache nicht, wonach ‘The control of publishing and press freedom is relevant to the effectiveness of informational operations.’

    Informational operations (IO) erzeugen auch bei uns jene Scheinwirklichkeit, mit der auf Volk und Regierung gleichermaßen Einfluß ausgeübt wird zur Schaffung genehmer Stimmungen und Tendenzen. IO bedarf der langfristigen Planung und Vorbereitung nicht nur vor Krisen, sondern schon lange davor.

    Sowohl Erdoğan wie auch Rouhani erfahren jede nur erdenkliche Unterstützung durch die Strippenzieher, sind deren Interessen mit jenen ihrer Schützlinge doch quasi ident. Worauf Erdogan abzielt, darüber macht er selbst kein Hehl, wie auch nicht über seine Kooperation mit den USA.

    Erdogan 23.09.2014 [2]: “Turkey, or the Ottoman State, as it was known a hundred years ago, was an important party to the first World War, and was the country that was perhaps the most affected by that war. At the beginning of the 20th century, borders of the Ottoman State began on the east, from the Iranian border today, and it went to close to Vienna in Europe. In North Africa, the borders were in Tunisia and Algeria. And in the north, it went as north as Crimea, and in the south, to Yemen. In other words, all the way to the Indian Ocean. [..]”
    THE PROBLEMS IN THE MIDDLE EAST AND BALKANS EMERGED FOLLOWING THE DISSOLUTION OF THE OTTOMAN EMPIRE [..]
    The Middle East has very complicated dynamics, and it’s impossible to resolve the crisis in the Middle East without understanding these complicated dynamics and the sentiment there. Therefore, Turkey has this knowledge and experience, and has been sharing them with the United States, within the framework of a model partnership. In fact, this information and experience that we have constitutes a very unique opportunity for the European Union as well. In addition to many other benefits, Turkey has the added advantage of being able to understand and analyze what’s happening in its region, and that alone should be a very important reason — justification as to why Turkey should become a member of the European Union.”

    Wie sehr hierbei wiederum Deutschland im Zentrum der Agenda steht wer und explizit den Plan finanziert (u.a. Soros), darüber geben die Strippenzieher bereitwillig Auskunft [3]. Vergegenwärtigt man sich zugleich der Medienkampagne gegen die FDP und deren späteres Verfehlen des Einzugs in den Bundestag und die nachfolgende große Koalition, so paßt auch dies friktionsfrei ins Konzept derer, die Deutschland eine ‘New Keynesian” alternative’ oktroyieren wollen.

    [1] file.wikileaks.org/file/us-fm3-05-130.pdf
    [2] tccb.gov.tr/en/news/542/3249/president-erdogan-addresses-cfr.html
    [3] ecfr.eu/page/-/ECFR49_GERMANY_BRIEF_AW.pdf

  6. Rennziege

    2. März 2016 – 18:42 gms
    Wertvoller Beitrag, gms. Ob allerdings Wikileaks (wie Wikipedia) erine verlässliche Quelle ist, wage ich herzhaft zu bezweifeln. Dort wabern auch bizarre Verschwörungstheorien, von seltsamen Interessen gesteuert, ungefiltert ins Internet. Geopolitik ist ein weites, weit komplexeres Feld.

  7. gms

    Rennziege,

    “Ob allerdings Wikileaks (wie Wikipedia) erine verlässliche Quelle ist, wage ich herzhaft zu bezweifeln.”

    Halten Sie das US-Dokument von 2008, das ich bislang als einziges von Wikileaks anführte, für einen Fake? Welche Indizien würden dafür sprechen? Entzückend wäre die Pointe, es gäbe ausgerechnet eine Verschwörung gegen Plutokraten, die wiederum ihren Kritikern bei jeder Gelegenheit Verschwörungsphantasien andichten wollen.

    Originaldokumente aus den 50ern von US-Regierungsservern betreffend Information Information, Psyop und Subversion hatte ich schon angeführt, flankiert von Schulmaterial für Studenten von US-Schulbehörden (.edu), wie all dies im arabischen Raum umgesetzt wurde. Das Handbuch von 2008 ist die logisch stringente Fortschreibung. So Sie es in einer Musestunde querlesen und sich hernach fragen, welcher Outsider sowas von wegen Umfang und Detailtreue erstellen könnte, beantwortet das wohl auch die Frage nach der Echtheit dieses Dokuments.

  8. Rennziege

    2. März 2016 – 20:09 gms
    Vielen Dank, gms. Werde mich allerdings erst am Wochenende damit befassen können. Servus!

  9. mariuslupus

    Die Medien sind nicht leichtgläubig. Die Medien befinden sich nur in einen permanenten Mainstream des selbst verordneten Weltverbesserungswahns. Immer wieder erfinden sie eine neue demokratische Strömung in einer Diktatur, dann wieder rufen sie auf einen Despoten zu stürzen, oder alternativlos Griechenland weiteres Geld zu schenken, um immer wieder Gutmenschen politisch korrekt, eine Plattform zu bieten, die eine Islamisierung Europas als letzte changse zu Rettung der humanitären Werte des Abendlandes, propagieren. Auf der anderen seite werden anders denkende, nicht zum linken Mainstream Zugehörige, nur mit entsprechenden Adjektiven erwähnt – rassistisch, fremdenfeindlich, rechstextrem, usw.
    Zitat – Weltwoche: 05/16 – Kurt W.Zimmermann ” Journalisten sind eher mutlose Wesen. Ihr Selbstbewusstsein speisen sie nicht aus der Sicherheit des gefestigten Individuums, sonder aus der Sicherheit der schützenden Gemeinschaft. Nur in der kollektiven Geborgenheit der Branche trauen sie sich, den Mund aufzumachen. ”
    Beispiel, die öffentliche Huldigung der Grosskanzlerin, durch die dienstbeflissene TV – Gefälligkeitsmoderatorin.

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