Das Paradox der Linken

“Wo immer linke Ideen ansatzweise eingeführt wurden, scheiterten sie und schufen Privilegien und Wohlstand für wenige auf Kosten aller anderen….” (hier)

16 comments

  1. nattl

    Unerklärlich, warum immer wieder die Frage gestellt wird, warum linke Ideologien populär sind und trotz vielfachem Scheiterns immer wieder aufs neue probiert werden. Nun, während “rechte” Ideologien Zustände sachlich und ruhig zu erklären, ist die Linke seit Anbeginn im Dauerpropagandamodus.

    Jeder linke Führer der letzten 150 Jahre, ob Lenin, Hitler, Mao, Castro etc. hat den Leuten eingeredet, dass es ihnen besser geht, wenn sie die Linken unterstützen. Der verklärte und etwas verquere Gerechtigkeitssinn der Jungen wird von der Linken ebensogut ausgenutzt wie die niederen Instinkte Gier und Neid.

    Was kommt wohl besser an?
    “Wenn ihr fleissig arbeitet, wird es euch irgendwann vielleicht besser gehen und ihr werdet auch sozial aufsteigen” vs. “Der Reichtum von diesem fetten Sack steht eigentlich euch zu. Smash Capitalism!”

    Es ist nicht den Linken anzulasten, dass Konservative und (klassische) Liberale es stets unterlassen ihre Positionen ebenso simpel wie propagandistisch in die Welt hinauszuposaunen, wie es Kommunisten, Sozialisten und wie sie alle heißen ständig tun.

    Der Autor im BAZ-Artikel schreibt von einer ideologischen Krise der Linken. Es gibt aber keine idoelogische Krise. Das Problem, das klassische linke Parteien heutzutage haben ist, dass die ehemals rechten Parteien linke Positionen übernommen haben, da diese leichter Wählerstimmen bringen. Freibier für alle ist nunmal populärer als arbeiten für eine bessere Zukunft.

    Aber wie immer auf linken Parties, irgendwann sind die Gratis-Getränke aus und dann kommt der Katzenjammer.

  2. Fragolin

    Links ist emotional, rechts ist vernünftig. Daher ja auch der Spruch “Wer jung ist und nicht links, der hat kein Herz, wer alt ist und nicht rechts, der hat kein Hirn.” Und deshalb haben Linke auch keine rationalen Argumente sondern nur emotionale Floskeln. Damit gewinnt man Wahlen. Die Menschen wollen nicht denken, sie wollen sich wohlfühlen. Deshalb fallen sie immer auf den Schmeichler und Schleimer herein, während der Wahrheitsverkünder in die Wüste geschickt wird.
    Dass Unvernunft immer zum Scheitern führt ist reine Logik. Deshalb wird links immer scheitern. Aber da die Biomasse lieber emotional “abgeholt” wird als das Hirn anzustrengen, wird links immer wieder ans Ruder kommen.

  3. nattl

    @fragolin: eben das finde ich eine traurige Begründung. Denn auch “rechte” Ansichten könnten besser bzw. leichter verdaulich verpackt werden. das tut man aber nicht. anstelle dessen nähert man sich an linke positionen an…
    Zornig auf den Boden zu stampfen und zu sagen “ich hatte aber recht” hilft nun mal nicht weiter.

  4. Fragolin

    Werte @nattl, Sie haben ja Recht, es ist traurig, aber es ist nicht einfach.
    Beispiel: Im deutschen Gesetz steht (übrigens verfassungs-, menschenrechts- und völkerrechtskonform) welche Regeln beim Grenzübertritt zu beachten sind, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen und welche Maßnahmen ergriffen werden können gegen die, die sich nicht an die Regeln halten. Und es steht dort, als ultima ratio gegen komplett die Zusammenarbeit Verweigernde könne sogar von der Schusswaffe Gebrauch gemacht werden. Die Bestätigung des Gesetzestextes durch eine Politikerin, die für den Inhalt nicht einmal verantwortlich ist, reichte zum Gegenschlag: die Rechten hätten den „Schießbefehl“ ausgerufen und wollten an der Grenze „flüchtende Frauen und Kinder erschießen“.
    Merken Sie es? Der (reale) Gesetzestext lässt sich emotional nicht so gut verkaufen, aber die daraus abgeleiteten glatten Lügen kamen an, denn sie blieben zwar Lügen, aber emotional gut klingende Lügen – besser das ganze Land mit Jungmännern fluten als das Risiko eingehen, da könne auch nur ein Schuss gegen eine Frau oder ein Kind fallen. Ein begeistertes Jubeln über Schusswaffeneinsatz wäre nach hinten losgegangen, eine trockene Gegenargumentation hätte keinen Emotionallemming interessiert. Sie können die beste Schachweltmeisterin aller Zeiten sein, gegen eine Taube, die über Ihr Brett stolziert, die Figuren umwirft und draufkackt sind sie chancenlos.
    Und da auch die meisten Menschen nicht Schach spielen, aber hervorragend herumstolzieren und Mist produzieren können, gewinnen die Tauben das Publikumsranking vor jedem Schachspieler.

    Die ganze emotionale Schiene der Linken beruht auf Lüge. Das macht es ihnen leicht, mit den Emotionen zu spielen.
    Als Lugar in einer TV-Diskussion unseren Ungewählten fragte, was man denn nun gegen den ungebremsten Zustrom afrikanischer Migranten über das Mittelmeer zu tun gedenke, setzte Mister Slim-Fit ein betroffenes Gesicht auf und konterte, eine solche Frage in Tagen, in denen in Aleppo Bomben auf Frauen und Kinder fielen sei menschenverachtend. Unfassbar, aber live erlebt.
    Nein, rechte Argumente orientieren sich an der Realität und an der Vernunft, und die Vernunft produziert nicht immer nur schöne Bilder. Das schafft nur die Emotionalität, und die kann frech heraus lügen was immer sie will, denn Fakten spielen da keine Rolle, es muss sich gut anfühlen.

    Übrigens verpacken die “Identitären” rechte Positionen in Spaßkugeln und Aktionismus. Deshalb sind sie auch der Gottseibeiuns der Linken. Die hätten das Potenzial, Zulauf zu bekommen, wenn man sie nicht ausreichend verteufelt…

  5. waldsee

    einige Bemerkungen zum Anfang 1917 dieses Unfugs,oder Massenmordens:

    Aus: Russland in Blut getränkt.
    “”in ganz Russland sitzen jetzt die Bolschewiken oben und das ,mein Lieber ,das sind Leute…….””

    Nur einige Namen von Leuten,die damals ganz oben saßen und heutzutage nicht sehr oft erwähnt werden :
    Jagoda,Kaganowitsch,Jaroslawski, Sinowjew,Trotzki,uvvm.( Diese Leute haben auch “bürgerliche” Namen.)
    Es ist schon eine Leistung ,daß dieses millionenfache (>15 ?) Morden äußerst selten zum Thema gemacht wird und es Leute gibt,die dieses System -auch heute-noch verehren und sehr viele ,die es in Abrede stellen.

  6. stiller Mitleser

    @Waldsee
    da Sie immer wieder Namen der Bolschewiki erwähnen, habe ich aus Ihrer Liste einmal
    https://de.wikipedia.org/wiki/Lasar_Moissejewitsch_Kaganowitsch rausgepickt und gesehen, daß er ein typischer, eher ungebildeter, zählebiger Funktionär war, übrigens ein Gegner Trotzkis. Interessant an seiner Vita ist seine Herkunft aus dem Judentum und aus der Armut. Wie man schon bei Joseph Roth lesen kann, hatten sogar die ärmsten Juden aufgrund der Idealisierung der Schrift und der damit unabdingbaren Kulturtechniken den Impetus zu Bildung. Aufgrund ihrer Erfahrung von Armut, Ungerechtigkeit und Irrationalismus haben sich viele Juden den Bolschewiki angeschlossen – das stimmt. Über die traditionelle Verfolgung der Juden im Osten (nach jeder Mißernte ein Pogrom) brauche ich Ihnen ja nix zu erzählen. Aber vielleicht darüber, daß es auch in Wien eine starke jüdische Arbeiterbewegung gab und nicht nur die jüdischen Militärärzte, die Advokaten, Bankiers und Cafetiers, sondern eine große Zahl jüdischer Armer (Arbeiter, Gewerbe wie Altwarenhandel, Schuster, reisende Händler auf Kommission), 1938 in den Gemeindebauten des Roten Wien sofort denunziert und – mit wenig Möglichkeiten zu Ausreise und Flucht – der Vernichtung preisgegeben.

    Bei “Jagoda” (die Erdbeere) fällt dem unnötigen Soziologen natürlich sofort “Marie” und “Marienthal” ein… auch wenn sie JaHoda hieß. Google wird Sie aufklären.

  7. sokrates9

    Nachdem auch bei der Ausbildung Emotionen immer mehr Prioritaet vor rationaler Ueberlegung haben und eine wissendchaftlice Arbeit genderkonform geschrieben werden muss um ueberhaupt angenommen zu werden, braucht ansich nicht zu wundern dass rationale Argumente immer weniger gelten!

  8. Christian Weiss

    Genau so wie es zur Beurteilung von Kernkraft, Gentechnik und “Energiewende” ein Minimum an naturwissenschaftlicher Bildung braucht, so braucht es zur Beurteilung von Wirtschaftssystemen ein Minimum an ökonomischer Bildung. Und an beidem hapert es.
    Es mischen sich allerdings auch viele, die ein bisschen Kompetenz mitbringen würden, gar nicht in die Debatte ein.

    Wann immer gegen die böse “Atomlobby” oder den bösen “Turbokapitalismus” gerannt wird, laufen Leute voran, die ihren Studienabbruch auf Theaterpädagogik oder Genderwissenschaften gemacht haben und noch nicht mal die Grundrechenoperationen beherrschen, geschweige denn die Hauptsätze der Thermodynamik.

    Auf den Redaktionen sitzen häufig die gleichen Ignoranten, die ihre einfachen linken Weltbilder vom bösen Profit und den bösen Atomen und Genen in die Welt hinausposaunen. Oftmals sind sie auch noch dreist genug, zu behaupten, Menschen mit linker Gesinnung seien gebildeter.

  9. Thomas Holzer

    Das ist kein Paradox, sondern ist dem linken Gedankengut systemimmanent. Anders kann Sozialismus gar nicht “funktionieren”, ist der Mensch doch ein fehlerhaftes Wesen.
    Daher ist auch jegliche Utopie, eben auf Grund des immerwährenden menschlichen Versagens, nicht ausführbar, umsetzbar.

  10. waldsee

    @stiller Mitleser
    richtig ,das Tarnen und Täuschen mag ich gar nicht.
    Sie können sicher sein,daß es nicht falsch ist ,was ich sage.Erfahrung mit Armut,Ungerechtigkeit kannte und kennt man in vielen Regionen der Welt,aber die genannten Exemplare –die sie mit Verständnis schmücken– waren besonders üble Zeitgenossen.
    Ob Google und Wikipedia hier alleinig hilfreich
    sind ,kann ich nicht sagen,darf aber bezweifelt werden.

  11. stiller Mitleser

    @Waldsee
    wieso eigentlich vermuten Sie “Tarnen&Täuschen”, wozu auch? Die relativ große Anzahl jüdischer Intellektueller in den politischen Avantguarden war nie ein Geheimnis.
    Selbstverständlich sind Google und wiki nur unzulängliche Quellen, aber besser als Vorurteile.
    Detailliert über die Auseinandersetzungen der Bolschewiki, aus einer trotzkistischen Perspektive,
    berichtet Isaac Deutscher in 3. Bänden. In populärerer Form haben – viel später dann – die Neuen Philosophen darüber geschrieben, in den romanischen Ländern mit den starken KPs war die Aufklärung wichtig und nicht undramatisch.
    Die libertären Thesen von der amerikanischen Finanzierung der Revolution und der Technologisierung Rußlands halte ich für interessant aber überzogen. Überdies hat alle Technologisierung vor allem dem militärischen Sektor gedient, zum Nachteil der Bevölkerung und dieses Ungleichgewicht und die Überbetonung der Machtpolitik kennzeichnen auch noch die rezente Geschichte.

  12. Selbstdenker

    Ich empfehle folgenden Beitrag, der den ultimativen Kern linker Ideologie m.M.n. perfekt beschreibt:
    http://theamoralsociety.blogspot.co.at/2016/12/where-does-leftism-lead_9.html

    Diejenigen, die sich Linke nennen, sind Anhänger eines Kults. Sie streben ein Nirvana im Diesseits an, das es mit einer totalitären, (meist) säkularen Religion zu errichten gilt. Dabei heiligt der Zweck jedes Mittel.

    Die Realität spielt hier keine Rolle; somit auch nicht was diejenigen, die sich Linke nennen, in ihren Wahnvorstellungen in der Realität anrichten. Hauptsache sie wachen nie aus ihrem Traum auf.

    Während sich Kommunisten primär an der materiellen Gleichheit verbissen haben, wollen diejenigen, die ich in Anlehnung an Carl Bejamin (Sargon of Akkad) als Neoprogressives bezeichne, jeden Aspekt menschlicher Existenz gleichschalten.

  13. Lisa

    @nattl und Fragolin: Es ist tatsächlicheien Frage der Reife, ob man eher “links” oder konservativ denkt und fühlt. Junge Leute “rechts” sind genauso emotional und begeisterungsfähig, auch sie haben Utopien und auch sie sind für “Gerechtigkeit”, eine eben, wie sie sie verstehen. Junge Leute (v.a. männliche) neigen, egal ob “rechts” oder “links” nun mal mehr zu Gewalt als reifere Menschen, und “reine Vernunft” ist ihnen (v.a. auch Frauen) ein Greuel – das Feuer der Jugend haben sich einige zwar auch ins Alter gerettet, indes nicht unbedingt zu ihrem Vorteil… “Der Jugend Zauber” ist aber letztlich das, was er ist: ein Zauber. Utopien sind im grenzenlosen Reich der Phantasie zuhause, verführerisch, aber nicht realitätstauglich. Man kann das bedauern oder einfach akzeptieren, dass es eben zur Entwicklung gehört, dass aus Blüten Früchte werden sollten – und nicht vertrocknete Knospen.

  14. stiller Mitleser

    @ Gabriel K.
    Erstmal Dank für Ihre Hinweise!
    Mit Spengler wurde ich schon mit 16 (nach dem ersten komplett durchgetanzten Winter kam der Mai 68! noch viel, viel aufregender!) von der Familie gemahnt und vergrämt. Ja, das liest sich schön, ist aber kulturpessimistische Apodiktik pur, eben Literatur.
    Über/von Sutton hab ich mir alles im net Lesbare zu Gemüte geführt, ich habe sehr viel Respekt vor akademischen Outsidern. Gewiß gibt es konkurrierendes Kapital mit erstaunlichen Durchsetzungsstrategien, allein das Ausmaß des Finanz-und Technologietransfers ist für mich unfaßbar und seine Empirie ist für jemanden wie mich, kein Wirtschaftshistoriker, nicht wirklich nachvollziehbar. Auf Sutton stieß ich bei meinen
    unsystematischen Lektüren der American Right. Mein Zugang ist ein wenig ethnologisch (das soll Sie aber nicht kränken! smile)

  15. stiller Mitleser

    @Lisa
    ja, gewiß, aber ewige Kinder (auch wenn man vielleicht doch lieber nicht ihr Assistent, Gehilfe oder Ehepartner sein möchte) sind schon bezaubernd, reissen Denkgrenzen auf, beschenken uns mit Unerwartetem, sind kulturell und intellektuell einfach unentbehrlich – non?

  16. stiller Mitleser

    @ Gabriel K.
    Danke für Ihre Mühe!
    Vielleicht sollte ich Spengler tatsächlich selber lesen. Er wurde mir nämlich vorgelesen, immer nachmittags zum Tee, nachdem meine Tante ihr Haushaltsbuch, das sie dem Onkel dann zum Abendessen vorlegen mußte, Kekse knabbernd frisiert hatte.

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