Das Primat der Ökonomie über die Familie

(MARCUS FRANZ) Die OECD hat soeben einen vom österreichischen Frauenministerium beauftragten Bericht veröffentlicht, in dem die Teilzeitbeschäftigung der Frauen und besonders diejenige der Mütter kritisiert wird. Der hohe Anteil der Teilzeitbeschäftigung würde Österreichs Wirtschaft schaden, die Frauen und vor allem die Mütter wären dadurch in ihrer Karriere benachteiligt und nur in Holland wäre der Anteil der teilzeitbeschäftigten Mütter noch höher. (Merkwürdig, dass grade im modernen, liberalen Holland so viele Frauen “nur” Teilzeit arbeiten, was machen die falsch.. oder vielleicht richtig?)

Zurück zu uns: In Österreich gehe mit der hohen Teilzeit-Quote enorm viel Wirtschaftskraft verloren – 13 Prozent Wachstum würden wir dadurch bis 2060 verschenken, wenn der Staat nicht gegensteuert. Will heissen, dieser soll die alten Rollenbilder aufbrechen, Männer und Frauen in viel mehr Bereichen gleichmachen etc.

Soweit, so tendenziös – denn: wer kann wirklich eine Prognose bis 2060 erstellen und behaupten, diese sei objektiv? Und wie kann man in einer sachlichen(?) Studie  behaupten, dass mehr Gleichmacherei die Wirtschaft fördern würde? In einer Auftragsarbeit des Ministeriums für Gender-Fragen kann man das offensichtlich machen. Erstaunlicherweise wird in der gegenständlichen Arbeit die zentrale und entscheidenende Frage, was die betreffenden Frauen eigentlich selber wollen, kaum gestreift. Es geht in dieser Statistik immer nur ums Kollektiv und um die subjektive Bewertung der Daten. Einzelne Menschen zählen da nichts. Und suggeriert wird, dass sich die berufstätigen Teilzeit-Mütter in einer Opferrolle befinden, aus der sie der Staat im Namen der Frauenkämpferinnen herausholen müsste und so schnell wie möglich zu Vollzeitbeschäftigten machen. Weil sonst, o Schreck, würde die Wirtschaft zugrunde gehen. Geschickt gemacht und auf den ersten Blick gut argumentiert, aber leider am Ende kontraproduktiv für die Frauen und deren Familien. Warum:

Über die persönlichen Effekte für Mütter und deren Familien und vor allem über die Auswirkungen auf die Kinder im Falle von frühzeitiger Vollzeitbeschäftigung wird nicht geredet. Empfohlen wird freilich der Ausbau der Krippen, damit man die Säuglinge möglichst früh gut unterbringen kann. Klingt alles sehr frauen- und kinderfreundlich, doch die wahren Implikationen der trendigen Vollzeitbeschäftigung werden verschwiegen: Kinder, die zu früh von den Müttern getrennt werden, können Entwicklungsschäden davontragen. Dazu gibt es wissenschaftliche Literatur. Das soll nicht heissen, dass jedes Krippen-Kind geschädigt wird, beileibe nicht, aber Eltern müssen sich die Entscheidung, ob sie Kinder frühzeitig in die Betreuung geben, gut überlegen.

Ein weiteres viel zu wenig diskutiertes, weil offenbar nicht erkanntes Faktum ist, dass jede Frau, die nach der Geburt eines Babys möglichst rasch in die Vollzeitbeschäftigung geht, zur Erfüllungsgehilfin wirtschaftlicher Zwänge und Vorgaben wird. Man tauscht das “Beim Kind sein” gegen die Tretmühle Vollzeitarbeit. Eine wirklich erstrebenswerte Wahl? Die veröffentlichte Meinung stellt diese Version des Mutterseins mitterweile jedenfalls als die bessere Option dar. Wer “nur” Hausfrau und Mutter ist, wird milde belächelt – interessanterweise vor allem von Frauen.

Es gibt unbestritten gar nicht wenige Mütter, die aus persönlichen ökonomischen Zwängen arbeiten gehen müssen. Und es gibt bei diesen auch viele junge Mütter, die gerne in Teilzeit arbeiten, um möglichst viel bei den Kindern sein zu können. Wenn jetzt die linksorientierte und feministisch geprägte Politik daherkommt, und die umfassende Vollzeitbeschäftigung für die Frauen fordert, wird da auf dem Rücken junger Mütter letztlich zynisch und menschenverachtend agiert.

Die Ironie dabei ist, dass linke Frauenpolitikerinnen die Stärkung des von ihnen bekämpften Kapitalismus und die “Ausbeutung” in demselben fördern, wenn sie die Frauen so schnell wie möglich wieder in der Arebeit sehen wollen. Die Feministinnen werden dadurch zu den Erfüllungsgehilfinnen eines zu Recht als inhuman kritisierten Kapitalismus, der die Menschen nur als Vollzeit-Äquivalente zählt und möglichst jede(n) im Arbeitsprozess haben möchte.

Zu Ende gedacht bedeutet die Empfehlung der OECD nämlich genau dieses: Mutterschaft ist ein notwendiges Übel, sie ist daher so kurz und so gering wie möglich zu halten. Wertvoll ist die Frau nur, wenn sie so bald als möglich voll im Produktionsprozess eingegliedert ist und der Wirtschaft dient. Wahlfreiheit ist zwar ein Thema, aber das Ja zur Arbeit statt das Ja zum Kind ist massiv zu bevorzugen.

Also lautet der neue linke Aufruf zum Gang in die Lohn-Knechtschaft: Frauen aller Länder, vergesst möglichst rasch Familie und Kinder, denn nur die Vollzeitbeschäftigung gibt Euch den Wert, der Euch zusteht!

10 comments

  1. sokrates9

    Was natürlich noch dazukommt!: Man kann die Kinder herrlich indoktrinieren! Früher haben wir über die DDR und die Babys in roten Windeln gelächelt, nun wird das von unseren Linken gnadenlos umgesetzt! Akademische Kindergärtnerinnern werden von Anfang an Individualität der Kinder verhindern, ein weiterer Schritt zur Erziehung des hilflosen, kritiklosen EU -TROTTELS der froh ist dass ihm von der Glühbirne bis zum Genfood alles vorgeschrieben wird!

  2. Fragolin

    Putzig, wie die Sozen der ach so bösen neoliberalen kapitalistischen Tretmühle frisches Fleisch zuschaufeln möchten – Gehen denen gar die ausgebeuteten Massen aus?

  3. Thomas Holzer

    Nicht die Ökonomie hat das Primat über die Familie, sondern die Politikerdarsteller!
    Aber nachdem sich Dr. Franz selbst dieser Gruppe zurechnen muß, schiebt er die eigene Schuld und Verantwortlichkeit natürlich einer Abstraktion zu, über die sich “gut schimpfen lässt”; typisches Politikerdarstellerverhalten

  4. gms

    Marcus Franz: ” Die Feministinnen werden dadurch zu den Erfüllungsgehilfinnen eines zu Recht als inhuman kritisierten Kapitalismus, der die Menschen nur als Vollzeit-Äquivalente zählt und möglichst jede(n) im Arbeitsprozess haben möchte.”

    Man verzeihe das unbarmherzige Nitpicking an inhaltlich völlig richtigen Ausführungen, aber die Ironie ist zu bitter, daß ausgerechnet diese Ausführungen vom Tschenderismus angekränkelt sind.
    Was mit “Erfüllungsgehilfinnen” schon arg ins Schwanken gerät, kippt mit dem gewaltsam pollittisch körräcktisiertem “möglichst jede(n)” vollends. Entweder “jeden”, falls es sich auf den Mensch bezieht, oder aber “jedes” bezüglich Vollzeit-Aquivalent, alles andere ist Frondienst.
    Wenn aber selbst jene mutmaßlich unbewußt ihr Haupt vor dem roten Gesslerhut neigen, von denen man eben dies wohl begründet am wenigsten erwarten sollte, kann einem nur schlecht werden, so man dies auf den Rest der Gesellschaft extrapoliert.

    P.S: “Menschenverachtend und zynisch” ist ebenso eine rhetorische Duftmarke sozialistischer Herdendenker, wie das seit Kurzem grassierende “Das geht garnicht” oder dessen älterer Cousin “Es geht um”.
    Die im Artikel vewendete Wortumstellung “zynisch und menschenverachtend” atmet gleichfalls diesen roten Mief aus. Vermutlich will sich niemand ausgerechnet denen anbiedern, die er zugleich ob deren Heuchelei und Prinzipienlosigkeit aufblattelt, und dennoch kann dieser Eindruck entstehen. Das sollte nicht sein.

  5. Mona Rieboldt

    Warum sollen Mütter und ältere Leute mehr arbeiten? Ich denke, wir nehmen deswegen so viele “Flüchtlinge” auf, damit der Fachkräfte-Mangel behoben wird. Und angeblich sind die doch alle gut ausgebildet, die vielen jungen Männer aus Nahost und Afrika. Seit Jahrzehnten haben wir Millionen Türken in Deutschland. Und immer noch Mangel an Arbeitskräften? Auch die vielen Türken sollten doch unsere Renten verdienen. Da das offensichtlich nicht funktioniert, sollen Mütter ganztags arbeiten und alte Leute demnächst bis 80?

  6. Astuga

    Die Sozis sind ja sowieso immer recht lustig bei solchen Themen.
    Stichwort älter Arbeitnehmer: alle sollen länger arbeiten, und auf die Wirtschaft soll Druck ausgeübt werden ältere Arbeitnehmer zu beschäftigen.
    Die verbeamteten Parteigänger etwa in Wien entlässt man aber so zeitig in Frühpension wie nirgendwo anders.

    Dito Frauenquote: die Roten bringen das parteiintern selber nicht zusammen, aber der Wirtschaft (wo es im Unterschied zur Parteipolitik mitunter um echte Kompetenz geht) will man es aufzwingen.
    Ich frage mich ja ernsthaft, ob überhaupt die Heinisch Hosek einen Vollzeit-Job hat.

  7. Thomas Holzer

    @Mona Rieboldt
    In Österreich wird uns auch seit Jahrzehnten eingehämmert, daß die Bevölkerung des Landes seit Jahrzehnten schrumpft und wir daher länger arbeiten müssen.
    Mittlerweile haben wir über 8 Millionen Einwohner, ca. eine gute Million mehr als in den 70er Jahren, 400.000 Arbeitslose; aber wir brauchen weiterhin und noch mehr Zuwanderung…..

  8. MM

    @Mona Reiboldt: Ja, ich denke auch, dass den Meisten das Renteneintrittsalter noch zu niedrig ist. Sonst würden sie nicht ein Millionenheer an Handaufhaltern ins Land einladen. Fairerweise könnten sie aber ja den Leuten vor Ort und aus der Privatschatulle helfen anstatt sie mir vors Haus zu setzen und mich mit vorgehaltener Waffe zum Mitzahlen aufzufordern. Freiwillig unterstütze ich Syrer jedenfalls nur in Syrien. Die politisch oder religiös verfolgten 1-2% können aber gerne bleiben.

  9. gms

    Mona Rieboldt,

    “Warum sollen Mütter [] mehr arbeiten?”

    Weil damit die Frau aus der Familie heraus- und die Familie insgesamt zerschlagen wird. Bloß weil das Kommunistische Manifest schon einige Jahre auf dem Buckel hat, verlor es für deren Jünger nichts an Relevanz, wofür und wozu denn das ganz sozialistische Affentheater aufgeführt wird.
    Sonstige Benefits, wie erhöhte Raubgeldumverteilung von Amts wegen und verfrühten Zugriff auf die Sprösslinge, gibt’s flankierend hinzu. Da müßte man als roter Spindoktor schon an Demenz leiden, würde man diesen propagandistischen Jolly-Joker der Frauen-an-die-Föderbänder nicht 7×24 rauf- und runterorgeln.

  10. sozialrat

    Die OECD hat Recht! Wenn mehr Frauen in Vollzeitbeschäftigung gehen, nehmen sie Männern die Arbeit weg und machens ja bekannterweise billiger (zu niedrigerem Lohn). Das heißt für die Unternehmen sinken die Lohnkosten, die Wirtschaft wird wettbewerbsfähiger und daraus generiert man Wachstum. Bravo OECD!

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