15 comments

  1. Klaus Kastner

    Damals (im Dezember 2009) und jetzt (Ukraine-Krise) – es geht wieder um die HAA! (Dazwischen waren 4 Jahre Ruhepause, die man hätte nutzen können/sollen!).

    Ein Konkurs der HAA im Dezember 2009 wäre nicht wegen der Systemrelevanz der HAA (die es nicht gab) so problematisch gewesen, sondern wegen der möglichen Auswirkungen auf die BA/Erste/RBI: deren riesiges Osteuropa-Engagement war bestens bekannt und wäre eine österreichische Bank mit Osteuropa-Engagement (HAA) pleite gegangen, hätte das einen Run auf die 3 genannten auslösen können. Am 15. April 2009 schrieb Prof. Paul Krugman einen kurzen Blog Post, in dem er die Frage stellte: „Is Austria doomed?“ Basierend auf (falschen) Daten des IWF behauptete Krugman, dass das Osteuropa-Engagement österreichischer Banken „off the chart“ sei und dass Österreich eine gewaltige Krise bevorstehe. Dies inmitten größter Nervosität auf den Finanzmärkten. Ein Bankenrun war im Entstehen. Verhindert wurde er durch ein rasches stand-still Agreement unter den gößten Osteuropa-Finanzierern, dass sie ihre Linien aufrecht erhalten würden und der plötzliche Besuch vom IWF-Chef in Wien tat das Übrige.

    Die HAA hat in der letzten Zeit sogar die Aufmerksamkeit der internationalen Finanzmedien erreicht. Nicht wegen der großen Problematik, sondern wegen der Tollpatschigkeit, die die österreichische Regierung an den Tag gelegt hat und nach wie vor legt.

    In Verbindung mit der Ukraine-Krise kommt jetzt wieder das Thema der 3 genannten Banken zur Sprache. Etwas Teufllisches bahnt sich hier an. Die HAA könnte zur Beruhigung beitragen, wenn das Problem rasch und professionell gelöst werden würde. Wenn die Regierung jedoch so weiter macht wie bisher, besteht die große Gefahr – verbunden mit der Ukraine-Krise – dass die 3 genannten Banken in ärgste Schwierigkeiten kommen könnten. Dann hätte Österrreich ein Irland-Erlebnis — die Republik müsste für alle 3 Banken garantieren.

  2. DNJ

    Das ist das Problem dieser drei Banken und ihrer genialen Geschäftsführungen, würde man meinen. In guten Zeiten haben sie die Gewinne eingestreift, und steuerschonendst dank Gruppenbesteuerung im Ausland agiert. Und jetzt soll wieder die Republik (=Steuerzahler) dafür und unbedacht vergebene Kredite gutstehen? Warum in diesen Fällen, handelt es sich doch schon lange nicht mehr um Staats- oder Landesbanken?

  3. Christian Peter

    @klaus kastner

    ‘die Republik müsste für alle 3 Banken garantieren’

    Unsinn. Kein Staat muss für Banken garantieren – die Einführung des Begriffs “systemrelevant”
    ist der größte Coup der Banken-Lobby, um an das Geld der Steuerzahler zu gelangen. Das Beispiel Island belegt, dass es tatsächlich vorteilhafter ist, Banken pleitegehen zu lassen.

    Die Lüge von der Systemrelevanz :

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/kapitalismus/euro-krise-die-luege-von-der-systemrelevanz-11537333-p2.html

  4. Klaus Kastner

    @Christian Peter
    Ich hoffe wirklich, dass wir es nicht erleben werden, sollten wir es jedoch erleben, dann hat das Problem absolut nichts mehr mit Systemrelevanz zu tun. Dann tritt nämlich das ein, was Ökonomen einen “sudden stop” nennen. Der Run entsteht nicht gegen eine Bank, sondern gegen ein Land. Dann sagen die Märkte: “raus aus Österreich, solange wir noch können”. Werfen Sie vielleicht einen Blick auf die Interbank-Verbindlichkeiten dieser Großbanken. Die sind alle ganz kurzfristig (manchmal nur overnight) und die sind schnell wege. Dem Bankensystem wird Liquidität abgezogen; die Kurse purzeln; die Zinsaufschläge steigen; und — die Republik ist der Erpressung der Märkte ausgeliefert. Österreich ist nicht Island. Oder erinnern Sie sich nicht, dass selbst in Deutschland Ende 2008 Bundeskanzlerin und Finanzminister vor die Öffentlichkeit treten mussten, um eine Garantie für alle Sparguthaben auszusprechen? Damals ging es nur um einen Banken-Run, der im Entstehen war. Wie gesagt, in Österreich wäre es ein Run gegen das Land.

  5. DNJ

    Die Frage ist doch warum ein ganzes Land und sämtliche Steuerzahler in der Geiselhaft von Banken sein sollen, die um jeden Preis im Ausland expandieren und jedem noch so schwindligen Bewerber Kredite nachschmeissen, nur weil sie Umsätze und Gewinne (glauben Sie zumindest) pushen wollen/müssen.

  6. Klaus Kastner

    @DNJ
    Nun, jedes Land hätte grundsätzlich die Island-Option, die Peter beschreibt. IdR denkt ein größeres Land jedoch die Konsequenzen, die sich daraus ergeben könnten, durch und kommt zum Schluss, dass das zu riskant wäre.

    Die sowjetische Regierung hatte meiner Erinnerung nach die Schulden des Tsarenreiches nicht anerkannt (und auch nicht bedient/bezahlt). Angeblich soll Lenin später einmal gesagt haben, dass das der größte Fehler war, den sie begannen hatten. Nicht die Banken, sondern die Finanzmärkte im allgemeinen haben eine Art, sich zu rächen, weil letztendlich kein Land ohne Finanzmärkte auskommt. Man lese bei Argentinien nach: heute noch leidet das Land darunter, dass es 2000/01 einen Teil seiner Schulden aberkannt hat.

  7. Herr Karl jun.

    @DNJ
    Die Kritik an den Banken und ihren Manager ist sehr populistisch und kurzsichtig und verweigert den Blick auf das “Geschäftsmodell” des sogenannten Wolfahrtsstaates: Unter staatlicher Aufsicht und mit politischen Beifall werden grosszügig und tweilweise sogar “geförderte” Kredite an Privatpersonen, Firmen und die öffentliche Hand vergeben. An die Letzteren sogar mit der Eventualabsicht der politisch Verantwortlichen, diese Kredite niemals zurückzuzahlen. Die politisch Verantwortlichen wiederum werden von den solcherart mit Geldüberhäufungen Beglückten gerne gewählt oder im Amt bestätigt…und jetzt schimpfen die Hehler auf den Dieb.

  8. gms

    Klaus Kastner,

    “Man lese bei Argentinien nach: heute noch leidet das Land darunter, dass es 2000/01 einen Teil seiner Schulden aberkannt hat.”

    Erstens kann man die Folgen des argentinischen Staatskonkurses auch anders beurteilen, zweitens liegt ja der fragliche Hund gerade darin begraben, ob Bankenpleiten solche von Staaten begünstigen sollen oder eben nicht.

    Wenn Finanzmärkte über ein Gedächtnis verfügen und zugleich mit spitzen Bleistiften rechnen, ist dies weniger Fluch als viel mehr ein Segen. Wir sollten daher weit aus mehr daran interessiert sein, daß Konkurse auch Folgen haben, anstatt mit einem “Niemals Pleite!” frei nach Einstein dem Wahnsinn zu verfallen, dasselbe unvernünftige Verhalten zeitigte ausreichend lang perpetuiert irgendwann positive Konsequenzen.

    Auch wenn es mir abgrundtief widerstrebt, für meine Ausführungen echte oder vermeintliche Autoritäten in den Zeugenstand zu rufen — Andreas Treichl hat sei Jahren schon das einzig Richtige in der dieser Angelegenheit vertreten. Warum andere Banker das anders sehen, kann jeder am Daumen der linken Hand abzählen.

  9. DNJ

    @Kastner#
    Aber Herr Kastner, wenn “systemrelevante” Banken immer gerettet werden (müssen), dann wird sich das Verhalten der Banker niemals ändern: Volle Kanne Risiko und bei Pleite kommt der Steuerzahler zum handkuss. Die Boni sind inzwischen längst verjausnet oder liegen in der Karibik. Jedes andere Unternehmen geht halt pleite wird liquidiert und mit etwas Glück wandert der Vorstand in den Knast.
    Einzige Lösung: Absolute Trennung von Kunden/S&L Banken und Investitionsbanken. So wird der einfache Sparer geschützt und superspekulative Investmentbanken gehen halt in die Pleite, wie jedes andere Handels- oder Industrieunternehmen auch.

  10. DNJ

    @Herr Karl jun.
    Ihrer Sicht kann ich nicht zustimmen, weil das Spiel trotz Sozialstaat jahrzehntelang relativ glimpflich verlaufen ist. Was RBI, Erste usw. jetzt das Genick bricht, waren die riskanten Auslandsengagements und die Vergabe von Kredite an Firmen mit zweifelhaften Sicherheiten. Rasante Expansion und mehr Umsatz um jeden Preis. Beschleunigter Irrsinn.

  11. Christian Peter

    @klaus kastner

    ‘Österreich ist nicht Island’

    der Unterschied ist lediglich politischer Natur : In kaum einem Land gibt es eine engere Verflechtung von Banken und Politik als in Österreich : Österreichs Version von Goldman Sachs lautet Raiffeisen.

    Wer Österreich wirklich regiert : Die Raiffeisen-Gruppe zieht die Fäden in Österreichs Wirtschaft und Politik.

    http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2013/09/27/wer-wirklich-regiert-oesterreich-version-von-goldman-sachs-heisst-raiffeisen/

  12. Klaus Kastner

    @DNJ & Peter
    Ich bin ja voll bei Ihnen, was die Kritik an den Großbanken und betrifft. Vor allem, was die Freiheiten, die Gesetzgeber überall dieser Branche gewährt haben, betrifft. Schrecklich, so ein Monster (ex-Bundespräsident Köhler) entstehen zu lassen!

    Aber mein Punkt ging über die Banken hinaus. Ich wollte darlegen, was passieren kann, wenn Probleme bei der Bankenbranche eines Landes (wie z. B. Überexpansion im Osten) eine Vertrauenskrise für das ganze Land auslösen. Beispiel gefällig?

    Die russischen Banken sind heute nicht besser/schlechter als vor 1 Monat. Die Ukraine-Krise hat vor ein paar Tagen einen ‘Run auf Russland’ ausgelöst. Wenn Putin bei einer Pressekonferenz plötzlich von seiner harten Linie abweicht und friedliche Versprechnungen abgibt, dann heißt das nichts Anderes, als dass auch Tsar Putin erkennen musste, dass selbst sein starkes Reich gegen einen Run nicht ankommen kann. Der Run kam rasch wieder zum Stillstand.

  13. gms

    Klaus Kastner,

    [Vertrauenskrise]

    Wir halten also fest, ohne davor darüber unterschiedlicher Meinung gewesen zu sein, daß es einen Konnex zwischen Geldwesen und Politik gibt. Und jetzt?

    Faßt man die beiden gegenläufigen Denkschulen mit wenigen Worten zusammen, so plädiert die eine für die Entkoppelung von Geldwesen und Politik, die andere für dessen Gegenteil. Und dann gibt es welche dazwischen, die zwar zumindest eine teilweise Entkoppelung begrüßen, aber zugleich ausführen, dieses dürfe unter gar keinen Umständen jetzt erfolgen.

    Letztgenannten sei entgegnet: Doch! Die Lunte brennt seit Ewigkeiten, jeder Marktteilnehmer hatte mitterdings mehr als genug Zeit, sich ausreichend zu positionieren. Man konnte umschichten, sich rückversichern, seine Gelder abziehen, etc. pp.
    Einzig und allein jene, die sich ausreichend politiknahe wähnen und aus dieser Nähe zugleich einen relevanten Einfluß ableiten, positionieren sich gemäß der Annahme, ein Vertrag, der in der Vergangenheit unausgsprochen zulasten Dritter geschlossen wurde, würde auch diesmal auf diese illegitime Art und Weise erfüllt.

  14. Christian Peter

    @klaus kastner

    Die Bilanzsumme alleine der drei größten isländischen Banken betrug etwa 1,6 Billionen Euro, bevor man diese in die Pleite entließ. Was veranlasst Sie zur irrigen Annahme, BA/Erste/Raiffeisen mit einer Bilanzsumme von 546 Milliarden Euro müssten vom Steuerzahler gerettet werden ?

  15. Christian Peter

    @klaus kastner

    ‘Vertrauen’

    Vertrauen schafft man dadurch, marode Banken nicht künstlich am Leben zu erhalten – Island ist das beste Beispiel dafür.

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